Geologie des Massenindustrieprodukts

Wolfgang Schivelbusch über das verzehrende Leben der Dinge

Die Soziologie hat ihr Interesse an den Dingen längst entdeckt. Als Hans Linde Anfang der 1970er-Jahre die These aufstellte, dass Sachen als soziale Verhältnisse artikulierende Grundelemente der Vergesellschaftung notwendig eine Grundkategorie der soziologischen Analyse sein müssten,1 war dies – trotz der klassischen Referenzen, auf die er verweisen konnte – eine eher ungewöhnliche Position. Heute dagegen sind Dinge als mitwirkende Aktanten (Bruno Latour), als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse (Jean Baudrillard) oder als Teil sozialer Praxis (Pierre Bourdieu) kaum mehr aus der Soziologie wegzudenken.2 Alltagstechnik wie Telefonapparate, Duschköpfe und Waschmaschinen; wissenschaftliche Dinge wie Mikroskope, Mikroben und Robotik; aber auch die Einrichtung von Klassenzimmern, die Bildschirme im Hochfrequenzhandel und die Bioprodukte im Einkaufskorb der Mittelschicht sind techniksoziologisch, wissenschaftssoziologisch, konsumsoziologisch, wirtschaftssoziologisch oder gesellschaftstheoretisch relevant geworden.

Wer sich auf diese Weise für Dinge interessiert, wird den Buchtitel Das verzehrende Leben der Dinge. Versuch über die Konsumtion zwangsläufig attraktiv finden. Erwartet man jedoch von Wolfgang Schivelbusch nun eine Kulturanalyse über Konsumgegenstände im Wandel der Zeit, wird man überrascht. In seinem Buch Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft (1980) hatte Schivelbusch noch Pfeffer, Schnupftabak, Kaffee und Tee als haptisch bedeutungsgeladene Dinge in der Praxis ihres Konsums untersucht und gefragt, wie die Genussmittel an der Geschichte des neuzeitlichen Menschen mitgewirkt haben – denn jede Gesellschaft habe die stimulants, die sie verdiene.3 Anders als bei dieser Studie der Genussmittel werden in Schivelbuschs neuem Buch die Dinge und die Konsumtion sogar im Titel genannt. Dennoch bilden die Dinge eher den Fluchtpunkt des Buches. Im Zentrum steht dagegen die Frage, welche kulturhistorischen Leitvorstellungen (Semantiken, Diskurse) entstehen und sich transformieren mussten, um das moderne, industrielle Massenprodukt hervorzubringen.

Man könnte Schivelbuschs Versuch über die Konsumtion verstehen als eine Archäologie oder besser: Geologie der Bedeutungsschichten, Vorstellungswelten und Wirkungen, die im zu konsumierenden Massenprodukt eingeschlossen sind. Zugleich ist Das verzehrende Leben der Dinge eine Auseinandersetzung mit dem Wandel dessen, was Dinge dem sie verzehrenden Menschen sind und wie sie den Menschen assimilieren. Am Ende dieses brillanten und im großen Wurf wie im Detail kenntnisreichen und zugleich unterhaltsamen Versuchs bleibt offen, wie Schivelbusch das Verzehren des Massenprodukts bewertet wissen will. Einerseits sieht er im Massenkonsum ein friedensstiftendes Ventil für die Zerstörungslust der Menschen; andererseits zeigt er mit den alchemistischen Wurzeln des Wachstumsgedankens oder dem Hinweis auf die asymmetrische Entwicklung des Verhältnisses von Mensch und Massensache eine begriffsgeschichtlich informierte, kritische Perspektive auf. So hinterlässt das Buch die Leserin zugleich nachdenklich und beklommen.

Schivelbusch entwickelt seinen Gedankengang ausgehend von der Überlegung, dass das Verhältnis des Menschen zu den Dingen wesentlich ein Verhältnis des Verbrauchs, der Konsumtion und der Vernichtung sei, dass in dieser Zerstörung jedoch zugleich ein produktives Element liege. Geschieht die konsumierende Vernichtung bei Nahrungsmitteln ganz unmittelbar, so drückt sie sich bei anderen Dingen indirekt in der Abnutzung aus. Im Gebrauch verzehrt, absorbiert, assimiliert sich der Verbraucher den Gegenstand, was beim abgetragenen Schuh offensichtlich wird. Zugleich jedoch – und dies ist Schivelbuschs zentraler Punkt – handelt es sich um eine Wechselwirkung, auch der Gegenstand hinterlässt seine Spuren beim Verbraucher. Deutlich wird dies am „Kräftemessen“ zwischen Esser und Nahrung: „Vom Esser einverleibt, wird die Nahrung ‚unterworfen‘, doch gleichzeitig durchdringt und unterwirft sie ihrerseits den sie verzehrenden Körper, eine Art Trojanisches Pferd, das seinen Wirt wie einen Gegner von innen her erobert.“ (41) Schivelbusch schlägt daher vor, den Gebrauchswert und den Tauschwert der Ökonomie um einen Assimilationswert zu ergänzen: Dieser Assimilationswert bezieht sich auf die physisch-materielle Seite des ökonomischen Gegenstands und beschreibt, wie sich die beiden beteiligten Seiten des Konsumenten und des Gutes jeweils erfassen und verändern, wie sie sich aneinander abarbeiten und dabei wechselseitig in ihrer materiellen Substanz abnutzen und erschöpfen. Als zentrale These formuliert er: Jeder Gegenstand einer Konsumtion sei „Nahrung“ – und dies ist durchaus wechselseitig gemeint.

In diesem vorab formulierten Gedanken greift Schivelbusch bereits auf verschiedene Konzepte zurück, die er in den nachfolgenden Kapiteln historisch herleitet und aufeinander bezieht. Die Konzepte des Abfließens, der Assimilation der Nahrung, des Kreislaufs, des produktiven Konsums der Produktion, des Fortschritts und der Arbeit schließen lose aneinander an und bilden schließlich ein zusammenhängendes Bild von den Kräften, die im verzehrt-verzehrenden Massenprodukt wirken.

Im Anschluss an Platon und Heraklit zeichnet Schivelbusch die Vorstellung nach, dass mit der Vernichtung, mit der Einverleibung der gegnerischen Kraft, stets auch der Sieger vom Besiegten abhängig wird. Dieser Grundgedanke einer wechselseitigen Durchdringung liegt auch dem antiken atomistischen Konzept der Assimilation zu Grunde. Dinge geben danach Partikel von ihrer Oberfläche ab und nehmen zugleich die von anderen Dingen abgesonderten Partikel auf (aporrhoe). Sie stehen also in einem ständigen Verhältnis reziproken Abgebens und Aufnehmens, das selbst die Sinneswahrnehmungen bestimmt.

Diese Idee von Konsumtion als wechselseitiger Penetration von Subjekt und Objekt bestimmt auch die Vorstellung des Verhältnisses von Mensch und Nahrung. Die Antike versteht die Aufnahme und Assimilation der Lebensmittel als Kräftemessen zwischen Esser und Nahrung. Es stellen sich also die Fragen, welche Essenz der Organismus aus der Nahrung gewinnt und welche Kraft ihn zu dieser Extraktion befähigt. Die Antwort darauf lautet, dass die Nahrung lediglich Substrat des Geistes sei. Die atomistische Vorstellung der Assimilation als Verlust wird folglich in ein spirituelles Verständnis der „Begeistung“ (45) überführt. Im 18. Jahrhundert erfolgt eine weitere Transformation: Mit Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel werden Geist und Leben im physiologischen Sinne miteinander gleichgesetzt. Assimilation gilt nun als explizit physiologischer Vorgang, bei dem die Nahrung in Blut und erst von da aus in Gewebe, Knochen und Organe verwandelt wird. Gerade als nicht fest definierter Körperteil wird das Blut zum universalen Lebens- und Nährstoff mit dem Potenzial, den Körper hervorzubringen.

Diesen physiologiegeschichtlichen Hintergrund sieht Schivelbusch als wichtig an, um zu zeigen, wie die Vorstellung des vom arbeitenden Blut produzierten Organismus die Vorstellung einer produktiven Ökonomie hervorbringen konnte. François Quesnay, Begründer der Physiokratie und selbst Arzt, übertrug den Gedanken des Blutkreislaufs auf die Ökonomie: Das zentral Neue dabei ist, dass nicht nur die Bewegung von Gütern und Geld, sondern vor allem die Bewegung der Produktion relevant wird. Zwar versteht Quesnay Produktion wesentlich als landwirtschaftliche Produktion; indem jedoch die Natur als Produktionskraft in die Ökonomie integriert wird, beflügelt gerade dieser Ansatz den industriellen Kapitalismus. Es erfolgt eine Umkehrung des Verständnisses von Produktion und Konsumtion: Indem Produktion nach dem biologischen Modell der Assimilation gedacht wird, scheinen Investitionen in den Produktionsprozess einzugehen wie Nahrung in den Körper. Das Produkt der Produktion wird zum Umwandlungsergebnis. In diesem Sinne kann Konsumtion als Produktion verstanden werden. Diese ursprünglich auf die Landwirtschaft bezogene Vorstellung steht laut Schivelbusch Pate für das Konzept der automatisierten Fabrik: In beiden Fällen ist die Produktion nichts anderes als die Konsumtion der zuvor in sie eingespeisten Stoffe und Kräfte. Nachdem Schivelbusch gezeigt hat, wie der Gedanke einer Produktion als Konsumtion und umgekehrt entstand, geht es ihm im nächsten Schritt darum, die gesellschaftliche Akzeptanz der Massenproduktion zu verstehen. Ihren Ursprung sieht er, analog zur Übertragung des Kreislaufgedankens aus der Physiologie, in der Biologie. Mit der Erfindung des Mikroskops zeige sich, dass Insekten nicht eine creatio ex nihilo seien, sondern vielmehr ein Beleg für die zerstörerische Produktivität der Natur. Im unendlich Kleinen ist die Natur unendlich produktiv. So sei auch das berühmte Beispiel für die Effizienz der Arbeitsteilung, Adam Smiths Stecknadel,4 bewusst gewählt: Seit jeher als Symbol für das extrem Kleine etabliert, markiert die Nadel nach Schivelbusch den Punkt, an dem der Funke von der Biologie auf die Ökonomie überspringt. Die Massenproduktion von Gütern lässt sich auf diese Weise als möglich und natürlich ansehen.

Die konsumtive Kraft der Produktion und die Natürlichkeit der Massenproduktion hat Schivelbusch so aus ihrem zeithistorischen Kontext hergeleitet. Im nächsten Schritt macht er die Herkunft und Ungeheuerlichkeit des Steigerungsgedankens nachvollziehbar. Den Kern des Gedankens der Steigerung sieht Schivelbusch in der Alchemie, der es seit jeher darum gegangen sei, unreine Materie zu veredeln. Schon früh ist es die Kraft des Feuers, die das Unreine zerstört, sodass es reiner wiedergeboren werden kann. Der Industriekapitalismus übernimmt von der Alchemie sowohl das Streben nach Veredelung als auch die Nutzung des Feuers, verändert jedoch beides. Die Veredelung wird zur Wertsteigerung, die Kraft des Feuers verwandelt sich erst in Dampf, dann in mechanische Kraft und schließlich in die Energie der Werkzeugmaschine. Die Dampfmaschine vollzieht so die Einverleibung ungeheurer Naturkräfte in den Produktionsprozess. In der zeitgenössischen Wahrnehmung der industriellen Revolution als „ungeheuer“ schwingen Faszination und Angst mit. Mary Shelleys Frankenstein oder die Figur des Vampirs symbolisieren diesen Zwiespalt und die „Saugkraft“, die als Spezifikum des Kapitalismus wahrgenommen wird. Schivelbusch fasst diese Saugkraft als eine Dynamik, die den Menschen befähigt, sich seine materielle Umwelt zu eigen zu machen. Nannte man sie zuvor Lebenskraft, so ist sie nun als Arbeit organisiert und instrumentalisiert.

Produktion, Massenproduktion, Steigerung – fehlt noch das Produkt, dem sich Schivelbusch über die Idee der Arbeit nähert. Aus der Verbindung des mechanischen und des physiologischen Kraftbegriffs geht die – erstmals bei John Locke formulierte –Vorstellung hervor, dass Eigentum durch die Arbeit der Eroberung eines Stücks zuvor herrenloser Natur entstehe. Arbeit und Natur vermischen sich, indem die Arbeit in den Naturstoff hineinfließt und gemeinsam mit ihm zum Produkt wird. Sie wird Teil des durch diesen Akt entstandenen Gegenstands. Die Differenz zwischen flüssig und fest, die in dieser Vorstellung einer im Produkt fixierten Arbeit deutlich wird, ist in der Ökonomie tief verankert. So erklärt sich auch die Vorstellung, dass feste Sachwerte zu einem freien Geldwert verflüssigt werden könnten, die Schivelbusch als Voraussetzung für eine neuartige, wechselseitige Durchdringung von Leben, Produktion und Konsumtion definiert: Im Konsumismus, der nicht den Gebrauch, sondern den Statuswert der Dinge ins Zentrum stellt, sei die Aufwertung durch das Produkt gewissermaßen der Nachfolger der Schmuckfunktion des Goldes – jeder Akt des Konsums verspreche nun eine Erlösung.

Im Konsum, im Verhältnis von Konsumenten und konsumiertem Ding, kulminiert dann auch Schivelbuschs Versuch über das verzehrende Leben der Dinge. Er nähert sich diesem spezifischen Phänomen, indem er Menschen und Sachen allgemein miteinander in Beziehung setzt. Zwar interessiert sich die klassische Ökonomie nach Smith allein für die Gewinn- oder Wohlstandssteigerung, die dieses Verhältnis ermöglicht, doch gibt es in der ökonomischen Theorie auch andere Ansätze. So stellt die sogenannte romantische Ökonomie dem juristischen Eigentumsbegriff einen organischen gegenüber, der sich auf eine Verschmelzung von Sache und Person bezieht. Eigentum ist demnach ein wechselseitiges Einander-Besitzen von Mensch und Sache.

Mit der Industrialisierung verändert sich dieses romantische Verhältnis nicht nur für den Arbeiter, sondern auch für den Konsumenten. Indem eine Asymmetrie zwischen dem nach wie vor einzelnen Menschen und dem nun aber massenhaften Produkt entsteht, ist die bereits von Georg Simmel thematisierte Reizüberflutung eine fast notwendige Folge, die sich nicht zuletzt in der Metapher der Kälte ausdrückt. Eisenbahn, Glas in der Architektur, Fotografie, Film und Fernsehen bewirken eine Derealisierung, eine Panoramatisierung der Welt. Zugleich wandelt sich die Form der Vernichtung der Gegenstände; sie wird vorverlegt in die Zerstörung der Verpackungshülle. In der Güterkonsumtion vollziehe sich das tägliche kleine Vernichtungspensum, das zur Selbstfindung und Selbstbestätigung des Ichs wie der Kultur notwendig erscheine. Schivelbusch schließt mit der anfangs erwähnten Feststellung, dass der Konsumismus, indem er menschliche Zerstörungslust binde, den einmaligen Friedenszustand der neueren Geschichte aufrechterhalte. Das verzehrende Leben der Dinge bietet eine ungewohnte Perspektive: Es fasst Dinge gerade nicht von vornherein als passive, vom aktiven Menschen manipulierte Objekte auf. Das „Leben“ der Dinge ist somit durchaus wörtlich zu nehmen – die Dinge spenden Leben und leben zugleich selbst. Wie Latour den Dingen einen mithandelnden Status einräumt oder Philippe Descola unterschiedliche Verhältnisse von Sozialität und Materialität untersucht, so lehnt auch Schivelbusch die moderne Unterscheidung einer aktiven Kultur und einer passiven, manipulierbaren Natur ab. In dreierlei Hinsicht geht er dabei über praxistheoretische oder wissenschafts- und techniksoziologische Ansätze sogar hinaus, die Anschlüsse für soziologische Forschung im Bereich der Dinge, der Materialität und der Gesellschaftskritik bieten:

Erstens verfolgt Schivelbusch einen historisch-semantischen beziehungsweise genealogischen Ansatz. Er fragt, woher bestimmte Vorstellungen, wie die eines produktiven (statt rein vernichtenden) Konsums oder einer Selbstverständlichkeit der Massenproduktion kommen. Der gegenwärtige Konsum von Massenprodukten wird folglich nicht einfach hingenommen und in seiner Wirkung untersucht, sondern auf seine Genese und damit zugleich seine gesellschaftlichen Implikationen hin befragt. Hier könnte nicht nur eine gesellschaftskritische im Sinne einer kapitalismuskritischen Perspektive allgemein ansetzen, sondern konkreter auch etwa eine Wissenssoziologie der Nachhaltigkeit, die Dogmen wie Konsum, Wachstum, Innovation und Fortschritt vor dem Hintergrund der alchemistischen Herkunft solcher Konzepte hinterfragt.

Zweitens geht es Schivelbusch nicht nur um ein Mitwirken der Dinge, sondern um den wechselseitigen Verzehr, eine wechselseitige Assimilation von Mensch und Objekt, in einem durchaus existenziellen Sinne. Die Dinge wirken nicht nur in Praktiken mit, sie verändern mit der Veränderung ihres Wesens auch das Wesen der sie verzehrenden Menschen. In dieser Vermutung einer symbiotischen Rückwirkung der Dinge auf die Essenz des Menschlichen liegt eine Beunruhigung, die nach einer Einbeziehung von leibphänomenologischen Ansätzen in der soziologischen Gesellschaftsdiagnose geradezu ruft. Dass aktuelle soziologische Entwicklungen sich an ebenjener Bezugnahme sprachhaft-symbolischer und leib-körperhafter Dimensionen aufeinander versuchen – wie etwa der Ansatz der Resonanz von Harmut Rosa5, der Weltzugänge von Gesa Lindemann6 oder die Einbeziehung leib-körperhaften Sinns in die Systemtheorie7 – deutet erneut auf die Anschlussfähigkeit der Schivelbusch’schen Überlegungen hin.

Drittens schließlich weist Schivelbusch die Wahrnehmung von Dingen als fixiert, standardisiert und passiv-kalt als kontingentes Spezifikum der Moderne aus. Die Trennung von Natur und Kultur, die Gegenständlichkeit der Dinge und deren Passivität werden vielfach auch in soziologischen Analysen, die Materialität explizit zum Thema machen, als Prämisse vorausgesetzt. Damit geht nicht nur die historische Gewordenheit der Vorstellung vom „passiven Ding“ verloren, sondern auch die Sensibilität für die Vorstellungswelten, die für das Hervorbringen einer solchen Gewissheit erforderlich sind.

Die Soziologie kann von diesem bemerkenswerten Werk also lernen, neben der ethnografischen Untersuchung des Mitwirkens der Dinge die Reflexion auf das kulturhistorische Gewordensein „der Dinge“ und unserer Vorannahmen über sie nicht zu vergessen. Eine Kritik der Verdinglichung, so kann man schließen, sollte nicht nur der Verdinglichung der sozialen Beziehungen gelten, sondern auch der Objektivierung der Dinge selbst.

Fußnoten

1 Hans Linde, Sachdominanz in Sozialstrukturen, Tübingen 1972, S. 8.

2 Als Überblick vgl. Anna Henkel, Soziologie, in: Stefanie Samida / Manfred Eggert / Hans Peter Hahn (Hrsg.), Materielle Kultur. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart 2014, S. 342–350.

3 Wolfgang Schivelbusch, Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genussmittel, Frankfurt am Main 1980, S. 11, 215.

4 In seinem Klassiker The Wealth of Nations (1776) verwendet Adam Smith das Beispiel der Stecknadelproduktion, um deutlich zu machen, dass Arbeitsteilung die Produktivität steigert: Wenn Arbeiter allein alle Schritte der Stecknadelproduktion jeweils alleine durchführen, stellen sie erheblich weniger Stecknadeln her, als wenn jeder sich auf nur einen Arbeitsschritt spezialisiert.

5 Hartmut Rosa, Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin (im Erscheinen).

6 Gesa Lindemann, Weltzugänge. Die mehrdimensionale Ordnung des Sozialen, Weilerswist 2014.

7 Anna Henkel, Posthumanism, the Social and the Dynamics of Material Systems, in: Theory, Culture & Society (im Erscheinen).

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Christina Müller.