Diesseits wie jenseits aller Grenzen der Sozialwelt

Zum Tode von Thomas Luckmann (1927–2016)

Mit Thomas Luckmann, der am 10. Mai in seiner Wahlheimat Kärnten nach langer schwerer Krankheit verstarb, verliert die Wissenssoziologie einen ihrer Hauptvertreter. Als Klassiker wirkt Luckmann weiterhin über die Grenzen der Soziologie hinaus. Weltweit erzeugen seine Arbeiten Resonanz, da Luckmann wie selten ein anderer Sozialwissenschaftler nicht nur die Schranken von Disziplinen, sondern auch die von akademischen Kulturräumen zu überwinden wusste.1

Sein zweifellos bekanntestes – wenngleich zu seinem Leidwesen nicht bestverstandenes – Werk ist das 1966 zusammen mit Peter Berger verfasste Buch The Social Construction of Reality. In zwanzig Sprachen übersetzt, strahlt es auch fünfzig Jahre nach der Erstveröffentlichung eine anhaltende Faszination aus, wie eine im Mai 2016 in Wien abgehaltene Tagung eindrücklich vor Augen führte.2 Das Buch gab den Impuls für eine tiefgreifende Wandlung in der soziologischen Theorie, die mit dem dominanten Paradigma des Strukturfunktionalismus brach. In einer Zeit, die von verschiedenen Kritiken an Talcott Parsons’ Großtheorie geprägt war, trug Luckmanns und Bergers Buch – neben den Arbeiten von Erving Goffman, Harold Garfinkel oder Anselm L. Strauss – zu einer einschneidenden Reformulierung soziologischer Theorie bei. Damit gewannen der interpretative Ansatz, das Verstehen und eine die Lebenswelten ernst nehmende Perspektive in den Sozialwissenschaften erneut an Boden. Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit machte Luckmann weit über das Fach hinaus prominent – eine Bekanntheit, die nicht selten mit grundlegenden Missverständnissen einherging. Luckmann hat sich zwar nie von seinem Buch, mehrmals aber ausdrücklich von einer Rezeption distanziert, die es als Manifest eines – wie auch immer zu verstehenden – »Konstruktivismus« lesen wollte.3 Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sich die weltweite Wirkung des Werks längst von den Intentionen seiner Autoren gelöst. Als »verobjektiviertes« Produkt hatte es eine Eigendynamik, als wollte es damit die im Buch zentral gesetzte Theorie der Institutionalisierung unter Beweis stellen.4 Die Theorie der Institutionalisierung bildet das wohl bedeutsamste Glied, über das Berger und Luckmann (nicht nur) Max Webers Soziologie mit derjenigen Émile Durkheims verbanden. Es gelang ihnen darüber hinaus, zentrale Erkenntnisse der philosophischen Anthropologie (Arnold Gehlen und Helmuth Plessner) und der Mundanphänomenologie (Alfred Schütz) sowie einer handlungstheoretisch fundierten Verstehenden Soziologie (Max Weber) mit Aspekten des symbolischen Interaktionismus (George Herbert Mead) und der Strukturtheorie (Émile Durkheim) derart zu integrieren, dass diese intelligente Synthese den Sozialwissenschaften eine vollkommen neue Perspektive eröffnete.

Luckmanns theoretisch umfassendstes Werk besteht sicherlich in den zuerst zweibändig erschienenen Strukturen der Lebenswelt (1974/1984). Das Buch, von Alfred Schütz geplant, war wegen dessen frühen Todes Fragment geblieben und wurde von Luckmann kongenial vollendet. Es war Luckmann, der aus den nachgelassenen Konzepten, Notizen und Skizzen seines akademischen Lehrers Schütz das opus magnum einer anthropologisch-handlungstheoretisch und phänomenologisch fundierten soziologischen Theorie ausformulierte. Welche Theorierichtung verfügt schon über derartig profilierte Schriften, die das Programm einer soziologischen Theorie an ein globales akademisches Publikum herantragen können und die – zumindest gilt das für Die gesellschaftliche Konstruktion – ebenso von mehr oder weniger ›gut informierten Bürgern‹ gelesen werden? Gleichwohl muss hinzugefügt werden, dass vor allem die in den Strukturen der Lebenswelt enthaltene Grundlagentheorie der Sozialwissenschaften bislang keineswegs ausgeschöpft wurde und weiterer intensiver Auseinander- und Fortsetzung harrt.5

Ein Forscherleben zwischen den Kulturen

Konstanz ist auf besondere Weise mit dem Schaffen Luckmanns verbunden. Mitunter wurde sogar von einer »Konstanzer Schule« gesprochen. Dabei empfand Luckmann selbst Schulenbildung eher als Hindernis, weshalb er – mal offensiver, mal subtiler – einige Anstrengungen unternommen hat, sich derartiger intellektueller Schließungstendenzen und Vereinnahmungen zu erwehren.6 In Konstanz wirkte er von 1970 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 und blieb auch darüber hinaus der dortigen Forschung verbunden. Die bei seiner Berufung noch junge Universität war der Ort, an dem Luckmann, von Frankfurt kommend, einen eigenen Arbeitsbereich aufbaute, der bis heute weit in die Sozial- und Geisteswissenschaften hineinwirkt. In Konstanz gründete Luckmann zudem das Sozialwissenschaftliche Archiv.7 Zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern forschte Luckmann zur soziologischen Grundlagentheorie, zur Handlungstheorie, zu Wissen und zur Religion sowie verstärkt ab den frühen 1980er-Jahren zur sprachlichen Interaktion und Kommunikation.8 Aus zwei großen DFG-Projekten zu »rekonstruktiven« und zu »moralischen« Gattungen gingen schließlich die Theorie kommunikativer Gattungen und die Gattungsanalyse hervor.9

Doch das Idyll am Bodensee markiert nur eine – wenngleich lange und ausgesprochen fruchtbare – Episode im bewegten Leben des passionierten Bergwanderers, Fliegenfischers und Sammlers. Der am 14. Oktober 1927 in Jesenice (dt. Aßling) »in einem Bergtal Sloweniens, im damaligen Königreich Jugoslawien [,i]n jener waldreichen Gegend zwischen den Karawanken und Julischen Alpen«10 geborene Luckmann hat sein ganzes Leben hindurch mehrere Kulturen miteinander verbunden: Seiner slowenischen Mutter und seinem österreichischen Vater verdankte er das Privileg, zweisprachig aufzuwachsen. Er selbst sieht sich als Angehöriger einer Zwischengeneration mit »austriakischer Innen- und Außenerfahrung«11, die es ihm sicherlich erleichtert hat, aus der generischen Erfahrung der Doppelperspektive eine Weltsicht mit besonderer Sensibilität für die Mannigfaltigkeit der Kulturen aufzubauen – ohne der Gefahr anheim zu fallen, sich damit in einen grund- und haltlosen Relativismus zu verlieren. Ganz im Gegenteil war Luckmann wohl eher ein Weltbürger mit starken lokalen Wurzeln, zwischen Tradition und sich eröffnenden biografischen Möglichkeiten.

Mit einem Lebenslauf, der viele Erschütterungen auszuhalten hatte, ohne dass er sich aus dem Lot hätte bringen lassen, ergriff Luckmann beherzt seine Chancen in einer sich rasant verändernden Welt. Am Anfang standen die Kriegsmatura, die »freiwillige« Meldung zur Luftwaffe (»ohne je geflogen zu sein«, wie er im Interview betonte), Versetzung zu den Fallschirmspringern (»ohne je gesprungen zu sein«), sowie nach knappem, erratischen Einsatz an der Ostfront kurz vor Kriegsende die Gefangenschaft, der er – glücklichen Umständen geschuldet – entkommen konnte, um sich ins zerstörte Wien durchzuschlagen.12 Er verdingte sich als Ziegelschupfer, Aushilfssportlehrer, später – schon in den USA angelangt – als Chauffeur, Hausmeister, Bauarbeiter und Pferdehüter, während er mit seiner Frau Benita, der gebürtigen Lettin mit schwedischen und polnischen Wurzeln, sich abwechselnd um die Kinder kümmernd an der New School for Social Research studierte. In Wien hatte Luckmann 1947 das reguläre Abitur nachgeholt. Innsbruck war dann seine erste Alma Mater gewesen, an der er (neben Vergleichender Sprachwissenschaft, Psychologie, Kirchenslawisch, Ägyptologie, französische Philologie sowie Philosophie) Geschichte und Germanistik studiert hatte. 1950 heirateten Benita Petkevič und Thomas Luckmann »bei Nacht und Nebel« im Wiener Dom. Benita erhielt ein Stipendium für die USA, Luckmann – mit Stipendienangeboten von Oxford, der Sorbonne und Yale in der Tasche – folgte ihr, durch bürokratische Hemmnisse aufgehalten, nach New York und gelangte – auch eher zufällig – 1951 an die berühmte New School for Social Research.

Dort studierte Luckmann zunächst Philosophie, bevor er später den Wechsel zur Soziologie vollzog. Zu seinen einflussreichsten Lehrern zählten Karl Löwith, Albert Salomon, Carl Mayer und Alfred Schütz. Im Jahr 1953 erlangte Luckmann den M.A. in Philosophie mit einer Arbeit, die sich unter dem Titel Limits of Insurrection – Albert Camus mit existenzialphilosophischen Fragen beschäftigte. Hier wird bereits in nuce Luckmanns späteres Interesse am Problem der Genese und gesellschaftlichen Etablierung der Moral sichtbar.13 Drei Jahre später promovierte Luckmann mit einer empirischen Arbeit, die aus einem religionssoziologischen Forschungsprojekt zur Situation der Kirchen im Nachkriegsdeutschland hervorging und auf ausgedehnten Feldstudien in vier protestantischen Gemeinden aufbaute.14 Verdeutlicht die erste Qualifikationsarbeit Luckmanns dezidiertes Theorieinteresse, zeigt sich in der zweiten die Kontur einer Forscherpersönlichkeit, der die Auseinandersetzung mit der empirischen Wirklichkeit zum Maßstab für die wissenschaftliche Analyse wird. Es ist gerade diese enge Verzahnung empirischer Forschung mit anspruchsvoller Theoriearbeit, welche es ihm erlaubte, ab den 1970er-Jahren das Selbstverständnis einer Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft wiederzuentdecken und die Disziplin diesseits weltanschaulich aufgeladener, realitätsferner Theoriestreitigkeiten und jenseits einer auf die Fiktion der Messbarkeit bis zur Unkenntlichkeit szientistisch verkürzten Sozialforschung zu erneuern. Prägend für die Soziologie Luckmanns wurde die New School darüber hinaus durch seine dortige Begegnung mit zwei weiteren aus Österreich stammenden Emigranten: dem zwei Jahre jüngeren Studienkollegen Peter L. Berger sowie dem eine Generation älteren Alfred Schütz (1899–1959). Nach einem kurzen Intermezzo am Hobart College in Geneva, Upstate New York, und der Rückkehr an seine Alma Mater als Nachfolger seines Lehrers Alfred Schütz an der New School, zog es Luckmann in den 1960er-Jahren von den USA zurück nach Europa. Mitten in der Hochphase der Studentenbewegung ging er an die Universität Frankfurt am Main.

Internationale und interdisziplinäre Impulse

Lange bevor ›Interdisziplinarität‹ zu einem forschungspolitischen Modebegriff avancierte, hatte Luckmann die Zusammenarbeit über die Fächergrenzen hinweg gesucht. Neben Philosophen, Historikern und Linguisten gehörten zu seinen Gesprächspartnern Psychologen wie Carl F. Graumann oder Humanethologen wie Irenäus Eibl-Eibesfeld (der Schüler von Konrad Lorenz), die vor allem für seine Kommunikationsforschung wichtige Anregungen gaben. Unter den internationalen Forschungsaktivitäten Luckmanns ist insbesondere die Zusammenarbeit mit Per Linell und Viveka Adelswärd vom Department of Communication Studies der Universität Linköping (Schweden) hervorzuheben, die ihn 1986 mit einem Doktor h.c. ehrte.

Luckmanns internationale Anerkennung schlägt sich ebenso in zahlreichen Gastprofessuren nieder. So lehrte er an der Universität Wien und in Australien an der Universität Wollongong, New South Wales. Im Laufe seiner weit verzweigten internationalen Forschungs- und Lehrtätigkeit kehrte er immer wieder in die USA zurück, beispielsweise für ein halbes Jahr an die Harvard Divinity School in Cambridge (MA). Anfang der 1980er-Jahre verbrachte er ein Jahr als Fellow am Center for Advanced Studies in the Behavioral Sciences an der Universität Stanford. In Salzburg wiederum bekleidete Luckmann eine Honorarprofessur und hielt regelmäßig Doktorandenseminare. Eng war auch seine Beziehung zum norwegischen Religionswissenschaftler Erik Karlsaune. Seit den 1980er-Jahren führte Luckmann regelmäßig Seminare an der NTNU Trondheim durch, die ihm 1998 die Ehrendoktorwürde verlieh. Luckmann, der korrespondierendes Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste war, erhielt 1993 die Ehrendoktorwürde der Universität Ljubljana, gefolgt von identischen Ehrungen seitens der Universitäten Trier (1999) und Buenos Aires (2005).

Luckmanns Œuvre liefert Impulse für eine Reihe sozial- und geisteswissenschaftlicher Forschungsbereiche. Das schließt sowohl Arbeiten zur Allgemeinen Soziologie ein, die dezidiert an klassische Konzeptionen anknüpfen, als auch Beiträge zur Methodologie. Nicht zuletzt gilt das ebenso für empirische Forschungen zu einer Reihe materialer Bereiche wie der Soziologie der Sprache, der Religion, der Kommunikation, der Moral, der Identität oder der Weltanschauung. Luckmann hat eine ganze Reihe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in zahlreichen Ländern und akademischen Regionen mit seinen Arbeiten beeinflusst.

Als Sozialtheoretiker ist Luckmann dem wissenschaftlichen Ethos verpflichtet, dass soziologische Theorie ohne Empirie nicht auskommen kann. So überrascht es nicht, dass von Luckmann wesentliche Impulse sowohl für die soziologische Theoriebildung als auch für die Weiterentwicklung entsprechender empirischer Forschungsmethoden ausgehen: Die Gesellschaftliche Konstruktion hat eine ganze Kohorte junger Wissenschaftler, vor allem solche mit ausgeprägtem Interesse an ›philosophischen Fragen‹, zur Soziologie verführt.15

Luckmanns Schaffen hat über die Sozialtheorie hinaus deutliche Spuren auf materialen Feldern der Soziologie sowie in der Methodenentwicklung hinterlassen. Er gilt als kardinaler Bezugsautor für das Wiedererstarken der ›verstehenden‹, interpretativen Soziologie in den letzten Jahrzehnten. In methodischer Hinsicht ist vor allem die Gattungsanalyse bedeutsam, die mittlerweile eine anerkannte Methode im Kanon qualitativer Methoden darstellt.16 In der sprachlichen Interaktionsforschung gilt Luckmann schon lange als Klassiker.17 Seine theoretischen und empirischen Arbeiten prägten weite Bereiche der Sprachsoziologie und haben entscheidenden Anteil an der pragmatischen Wende in der Linguistik.18 Ebenso bedeutsam war Luckmanns Anstoß für die Religionssoziologie, deren neoklassische Wende er mit seinem Buch über die Unsichtbare Religion einleitete.19 Zweifellos hat Luckmann die Religionssoziologie nicht nur belebt und eine Fülle empirischer Anschlussuntersuchungen ausgelöst, sondern auch der Religionstheorie neuen Auftrieb gegeben, womit er bis in die Theologien, die Religionswissenschaften und die Religionsgeschichte hineinwirkte.

Darüber hinaus fand das Luckmann’sche Denken Eingang in die Kultursoziologie Hans-Georg Soeffners, seines Nachfolgers auf dem Konstanzer Lehrstuhl, der eine eigenständige Konzeption einer wissenssoziologischen Hermeneutik entwickelte.20 Luckmann darf weiterhin als einer der bislang wenig berücksichtigten Urheber wesentlicher Beiträge zur Debatte um Individualisierung und Spätmoderne gelten, die – zumindest indirekt – durch seine Arbeiten zur Identitätstheorie beeinflusst und vor allem über Ronald Hitzler in die Individualisierungsdebatte eingeflossen sind.21 Schließlich entwickelt sich die Wissenssoziologie derzeit theoretisch und konzeptuell weiter, indem sie die ganz besonders von Hubert Knoblauch22 verfolgten Arbeiten zur sozialen Konstruktion der Wirklichkeit in Richtung auf eine kommunikative Konstruktion weiter vorantreibt. Sein Ziel ist es, sie mit verwandten Ansätzen aus dem Bereich der Interpretativen Theorien – namentlich der hermeneutischen Wissenssoziologie (Hans-Georg Soeffner, Jo Reichertz) und der sozialkonstruktivistisch orientierten Diskursanalyse (Reiner Keller) – zusammenzuführen.23 Luckmanns letzte Jahrzehnte waren durch eine enge intellektuelle Verbindung und Lebenspartnerschaft mit der Konstanzer Slawistin Renate Lachmann geprägt, mit der er die Passion für slawische Literatur teilte.

Luckmann war im Übrigen nicht nur Soziologe, sondern machte sich als Gründungsmitglied des PEN-Clubs Liechtenstein auch um die Sprache verdient. Er hat in Schriften und Gesprächen – ganz gleich ob auf Englisch, Deutsch oder Slowenisch – immer eine klare Ausdrucksweise bevorzugt, womit er sich vehement gegen die teutonische Krankheit wandte, kompliziert und verschraubt zu schreiben. Auch das bleibt von ihm zu lernen.

Fußnoten

1 Dass für Luckmann die Fragen von Grenzziehung und -überwindung, jenseits lebenspraktischer Herausforderungen und der selbst gesetzte Aufgabe, akademische Einkapselungen zu überwinden, Anlass zur exakten phänomenologischen und kulturanthropologisch-soziologischen Analyse war, zeigt sich in einem seiner sicherlich eindrücklichsten Aufsätze: Thomas Luckmann, Über die Grenzen der Sozialwelt, in: ders., Lebenswelt und Gesellschaft, Paderborn 1980, S. 56–92.

2 Peter L. Berger / Thomas Luckmann, The social construction of reality, Garden City, NY, 1966 (dt.: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Frankfurt am Main 1969). Vgl. auch das Programm der Wiener Tagung.

3 Thomas Luckmann, »Ich habe mich nie als Konstruktivist betrachtet«. Gespräch mit Thomas Luckmann, in: Felicia Herrschaft / Klaus Lichtblau (Hrsg.), Soziologie in Frankfurt. Eine Zwischenbilanz, Wiesbaden 2010, S. 345–368.

4 Später weiter ausgearbeitet in: Thomas Luckmann, Zur Ausbildung historischer Institutionen aus sozialem Handeln, in: ders., Wissen und Gesellschaft, Konstanz: 2002, S. 105–115.

5 Alfred Schütz / Thomas Luckmann, Strukturen der Lebenswelt, Konstanz 2003 (Erstausgabe in zwei Bänden 1974/1984). Der von Jochen Dreher organisierte und in Juni 2016 in Konstanz stattfindende Workshop »Mathesis universalis – Die aktuelle Relevanz der ›Strukturen der Lebenswelt« wird sich dieser Aufgabe widmen und damit die Arbeit an dem von Luckmann vorangetriebenen Programm einer phänomenologisch fundierten Sozial- und Gesellschaftstheorie fortführen.

6 Luckmanns Œuvre liefert zahlreiche Bausteine, aus denen eine soziologische Schule hätte gemauert werden können: »Und dennoch gibt es eine mit dem Namen Luckmann verbundene Schule nicht. Grundsätzlich ist das natürlich kein Schaden. Luckmann sind Vorgänge der sozialen Schließung, die mit Schulenbildung einherzugehen pflegen, noch immer ein Greuel« (Walter M. Sprondel, Vorwort, in: ders. (Hrsg.), Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion. Für Thomas Luckmann, Frankfurt am Main 1994, S. 9–14, hier S. 9).

7 Das Sozialwissenschaftliche Archiv Konstanz (»Alfred-Schütz-Gedächtnis-Archiv«) wird von Hans-Georg Soeffner geleitet. Geschäftsführer ist Jochen Dreher. Es versammelt neben den Dokumenten von Schütz die Nachlässe und Sammlungen zahlreicher Autoren und einiger Autorinnen sowie die Digitale Dokumentation zur Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS). 

8 Zu Luckmanns engsten Mitarbeitern in Konstanz zählten anfangs u. a. Walter M. Sprondel, Günter Dux und Richard Grathoff, später Ilja Srubar, Jörg Bergmann, Ruth Ayaß, Anne Honer, Ronald Hitzler, Angela Keppler, Susanne Günthner und Hubert Knoblauch.

9 Thomas Luckmann, Grundformen der gesellschaftlichen Vermittlung des Wissens. Kommunikative Gattungen, in: Friedhelm Neidhardt / M. Rainer Lepsius / Johannes Weiß (Hrsg.), Kultur und Gesellschaft. Sonderheft 27 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Opladen 1986, S. 191–211; Thomas Luckmann, Kommunikative Gattungen im kommunikativen Haushalt einer Gesellschaft, in: Gisela Smolka-Kordt / Peter M. Spangenberg / Dagmar Tillmann-Bartylla (Hrsg.), Der Ursprung der Literatur, München 1988, S. 279–288.

10 Thomas Luckmann, Österreich im Schnittpunkt zweier Perspektiven, in: Zifferblatt 17 (1997), S. 19–26, hier S. 21.

11 Ebd., S. 22.

12 Interview mit Thomas Luckmann vom 25. Januar 2002 in seiner Wohnung in Gottlieben.

13Thomas Luckmann, Limits of insurrection – Albert Camus, MA Thesis, Graduate Faculty of Social and Political Science, New School for Social Research, New York 1953 (unveröffentlichtes Manuskript).

14 Thomas Luckmann, A comparative study of four protestant parishes in Germany, PhD Thesis, Graduate Faculty of Social and Political Science, New School for Social Research, New York 1956 (unveröffentlichtes Manuskript).

15 »›Ein Kuppler war das Buch, ein Kuppler, der es schrieb‹, heißt es in Dantes Divina Commedia vom Lanzelot. Für viele Soziologen meiner Generation könnte man das auch von dem erwähnten Werk Luckmanns sagen: Ihre Liebesbeziehung zur Soziologie beginnt mit dieser Lektüre.« (Alois Hahn, Wirklichkeit als soziale Sinnkonstruktion. Thomas Luckmann zum 65. Geburtstag am 14.10.1992, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44 (1992), 4, S. 815–817, hier S. 815.)

16 Hubert Knoblauch / Thomas Luckmann, Gattungsanalyse, in Uwe Flick / Ernst von Kardorff, / Ines Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Frankfurt 2000, S. 538–547.

17 Peter Auer, Kommunikative Gattungen: Thomas Luckmann, in: ders., Sprachliche Interaktion. Eine Einführung anhand von 22 Klassikern, Tübingen 1999, S. 175–197.

18 Thomas Luckmann, The Communicative Construction of Reality and Sequential Analysis. A Personal Reminiscence, in: Qualitative Sociology Review IX (2013), 2, S. 40–46.

19 Thomas Luckmann, The Invisible Religion, New York 1967.

20 Hans-Georg Soeffner, Auslegung des Alltags – Der Alltag der Auslegung, 2. Aufl., Konstanz 2004 (zuerst Frankfurt 1989).

21 Ronald Hitzler / Anne Honer, Bastelexistenz, in: Ulrich Beck / Elisabeth Beck-Gernsheim (Hrsg.), Riskante Freiheiten, Frankfurt am Main 1994, S. 307–315.

22 Hubert Knoblauch, Kommunikationskultur. Die kommunikative Konstruktion kultureller Kontexte, Berlin 1995.

23 Für erste Entwürfe vgl. Reiner Keller / Hubert Knoblauch / Jo Reichertz (Hrsg.), Kommunikativer Konstruktivismus. Theoretische und empirische Arbeiten zu einem neuen wissenssoziologischen Ansatz, Wiesbaden 2013.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Christina Müller.