Aprilrundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

Aus aktuellem Anlass befasst sich Heft 5 des 125. Jahrgangs des American Journal of Sociology mit Rassismus und sozialer Ungleichheit in den USA. Während die Kolleg_innen vor der eigenen Haustür kehren, nehmen Dan Slater und Nicholas Rush Smith in The Power of Counterrevolution die Elitist Origins of Political Order in Postcolonial Asia and Africa unter die Lupe.

Um ethnisch motivierte Konflikte in den USA geht es auch im American Sociological Review (2/2016), u.a. bei Michael T. Light und Jeffrey T. Ulmer mit Explaining the Gaps in White, Black, and Hispanic Violence since 1990: Accounting for Immigration, Incarceration, and Inequality. Amir Goldberg, Michael T. Hannan und Balázs Kovács fragen sich: What Does It Mean to Span Cultural Boundaries? Variety and Atypicality in Cultural Consumption.

In den Blättern für deutsche und internationale Politik (4/2016) macht sich Anne-Marie Slaughter Gedanken über Frauenförderung jenseits von Spitzenpositionen und fixiert den Preis der Mutterschaft; während Jan-Werner Müller die länger werdenden Schatten der Repräsentation betrachtet und zum Aufstieg des Populismus Stellung nimmt

Im Kontrast zu den Abschottungsbemühungen der Regierung beschäftigt sich dérive (1/2016) aus Österreich mit Korridoren der Mobilität. Thematisiert werden etwa die Erstversorgung an der Balkanroute (Michael Hieslmayr, Gerhard Zapfl) oder die Rolle von MigrantInnen im transnationalen Handel (Katarzyna Osiecka, Tatjana Vukosavljević).

Das European Journal of Sociology (1/2016) untersucht Structures of Violence, mit Beiträgen u.a. von Philippe Duhart, Ana Tanasoca, Nada Matta und René Rojas. Geoffrey Ingham debattiert mit Stefano Sgambati über The Nature of Money.

Historical Social Research (1/2016) bringt eine von Peter Itzen und Simone M. Müller herausgegebene Sondernummer zu Risk as an Analytical Category: Selected Studies in the Social History of the Twentieth Century. Zu den Autor_innen des mit einer Vielzahl an empirischen Fallstudien aufwartenden Heftes zählen u.a. Stefan Kaufmann und Ricky Wichum, Arwen P. Mohun, Kai Nowak und Sarah Haßdenteufel.

Fernab von jedem Aktualitätszwang widmet man sich bei INDES dem als Umbruchszeitraum und Zäsur gedeuteten Jahr 1979. Zwischen Marx und Freud und Masters und Johnson verortet Dagmar Herzog die Kritische Sexualwissenschaft in der Bundesrepublik um 1979, während Claus Leggewie den Aufstieg der Grünen Von Bremen in die Welt nachzeichnet und Frank Bösch Bruchzonen der Moderne identifiziert. Tom Pierre Pürschel und Jana Rüger legen mit Akademischer Mittelbau als Beruf einen Bericht aus dem Kuriositätenkabinett vor, in dem sie die prekären Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Nachwuchses beleuchten.

Sorgen und Nöte ganz anderer Größenordnung stehen bei Le débat (2/2016) im Vordergrund, wo man es gleich mit mehreren globalen Herausforderungen aufnimmt und neben Klimapolitik und demografischem Wandel auch noch über den Dschihad und die Krise des Kapitalismus diskutiert. Comment finira le capitalisme?, fragen etwa Wolfgang Streeck und Pierre-Emmanuel Dauzat.

Im Leviathan (1/2016) will Göttrik Wewer wissen, ob Privates Teilen als Geschäftsmodell taugt und nimmt zu diesem Zweck Politische, wirtschaftliche und soziale Probleme der Sharing Economy in den Blick. Und Katharina Bluhm untersucht, wie Modernisierung, Geopolitik und die neuen russischen Konservativen zusammenhängen.

In Le Monde diplomatique (4/2016) denkt Paul Mason über den Unterschied zwischen Zigaretten und Musikdateien nach und kommt zu dem Schluss: Dieser Kapitalismus funktioniert nicht. Joseph Grim Feinberg analysiert unterdessen den Erfolg der neuen radikalen Rechten, die sich als Die Verteidiger Europas inszenieren.

In der London Review of Books (21. April 2016) begibt sich Perry Anderson in den Dschungel der südamerikanischen Politik und erklärt die politische Krise in Brasilien.

Christian Joerges nimmt derweil im Merkur Nr. 803 Die Krise des Rechts in der Krise Europas unter die Lupe. Philipp Manow legt mit „Die Frisur sitzt“ einen eleganten Text über politische Haare vor.

Jenseits von Modethemen schreibt Kerstin Rosenow-Williams in Moving the Social 54/2015 über Climate Change and the International Red Cross/Red Crescent Movement. Dhiraj Kumar Nite interessiert sich für Homemakers and Producers on the South African Mines, 1976–2011.

In der Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte (4/2016) setzt sich Georg Vobruba mit der Zukunft der Europäischen Nachbarschaftspolitik auseinander, die zugleich einen der Themenschwerpunkte der aktuellen Ausgabe bildet.

Für die New Left Review (97/2016) macht sich Benedict Anderson daran, Riddles of Yellow and Red in Thailand zu lösen, und Stathis Kouvelakis richtet den Blick auf Syriza’s Rise and Fall in Griechenland.

Burkhard Liebsch stellt in der Sozialen Welt (4/2015) die Disability and Diversity Studies (DDS) im Kontext einer Kultur der Differenzsensibilität vor. Friederike Bahl und Philipp Staab ziehen Bilanz zur Proletarisierung der Dienstleistungsarbeit.

In der Soziologie (2/2016) entwirft Jörg Potthast unter dem Stichwort Luftraumsoziologie eine Theorie sozialer Praktiken an Flughäfen. Ivar Krumpal, Julia Jerke und Thomas Voss machen auf die Zunahme wissenschaftlicher Plagiate an deutschen Universitäten aufmerksam.

Die Soziologische Revue (2/2016) mutet Stephan Lessenich zu, Das Denkbare zu denken, während Martin Kahl Terrorismus als Element der Weltrisikogesellschaft deutet.

In Thesis Eleven (1/2016) kommentiert Volker M. Heins Habermas on the European crisis. Zygmunt Bauman darf sich anlässlich seines 90. Geburtstags über Glückwünsche und Würdigungen u.a. von Peter Beilharz, Chris Rojek und Griselda Pollock freuen. Außerdem nimmt Isaac Ariail Reed Hartmut Rosa’s project for critical theory unter die Lupe.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.