Dezemberrundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

In Heft 4 (Dezember 2015) des American Sociological Review geht es vor allem um Arbeit – sei es bei Ashley Mears mit Working for Free in the VIP oder bei David Brady, Monica Biradavolu und Kim M. Blankenship mit Brokers and the Earnings of Female Sex Workers in India. Ein thematischer Grenzfall ist vielleicht David Petersons Essay Bench-Building at the Frontiers of Two Experimental Sciences

Atlantic Monthly (12/2015) diskutiert Silicon Valley Suicides und das Überleben von Primo Levi.

In den Blättern für deutsche und internationale Politik (12/2015) spielen neben aktuellen Themen wie der Weltklimakonferenz und der Flüchtlingspolitik auch zeitlosere Dinge eine Rolle, etwa wenn Reinhard Blomert mit und gegen Axel Honneth über den Sozialismus nachdenkt.  

Esprit bringt zur Klima- und Umweltpolitik im Dezember einen ganzen Schwerpunkt, der Beiträge von Autoren wie Philippe Descola, Pierre Charbonnier, Cathérine Larrère und vielen anderen versammelt.

Das Dezemberheft der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie befasst sich im weitesten Sinne mit dem Thema Karriere, nimmt dabei aber sowohl den Bildungserfolg vietnamesischer Zuwanderer als auch den Konflikt zwischen Familie und Beruf oder auch die Zukunftsperspektiven des akademischen Mittelbaus in den Blick. Hinzu kommt ein Beitrag von Stefan Kirchner über die Konturen der digitalen Arbeitswelt

Letztere, ebenso wie das Nachdenken über den digitalen Kapitalismus, prägen auch Heft 6/2015 der Zeitschrift Mittelweg 36, das Aufsätze von Philipp Staab, Oliver Nachtwey, Sabine Pfeiffer und Rudi Schmiede enthält.   

Das Kursbuch 184 hat derweil Kunst im Angebot, von Kochen über Managen bis Zaubern, und stellt sich mit Armin Nassehi der Hässlichkeit von PEGIDA. 

In Le débat 187 geht es um das Verhältnis von Deutschland und Frankreich, genauer gesagt, La relation franco-allemande et le futur de l’Europe, wie das der gemeinsame Beitrag von Herfried Münkler, Noé Robin und Claire Huck resümiert. Auch Dieter Grimm ist im Heft vertreten, der mit Frédéric Joly die rechtlichen Seiten Europas diskutiert.

In Le Monde diplomatique 12/2015 erklärt Adam Shatz nun auch auf Deutsch, Wie der IS Europa radikalisiert. Heiner Ganßmann kritisiert derweil in Dumm gespart die ‚schwarze Null‘.

Les temps modernes erinnert in der Dezemberausgabe an den kürzlich verstorbenen Historiker José Kagabo.

Im neuen Leviathan (4/2015) erklären Dirk Jörke und Veith Selk Den hilflosen Antipopulismus, John Lanchester sieht Die Roboter kommen und Friedhelm Neidhardt geht in Sätze, Wörter, Zeichen der Form von Soziologentexten auf den Grund. 

In der London Review of Books 12/2015 trifft Lawrence Ferlinghetti auf David Hume, William Shakespeare und Narendra Modi. 

Der Dezember-Merkur wiederum hat ebenfalls Philippe Descola an Bord, der Cord Riechelmann und Danilo Scholz Rede und Antwort steht. Stefanie Diekmann bringt den Körper von Roland Barthes ins Spiel, während Dirk Baecker über Designvertrauen: Ungewissheitsabsorption in der nächsten Gesellschaft räsoniert.

Moving the Social 53 (2015) beschäftigt sich mit Disability Movements; zu den Autoren zählen Jan Stoll, Anne Waldschmidt, Sebastian Weinert und Monika Báar. 

Die Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte (12/12015) beleuchten die Hintergründe des vielschichtigen Phänomens Flucht, debattieren aber auch über die Sozialdemokratie, nicht zuletzt mit Aydan Özoguz. Katharina Barleys Nachruf auf Helmut Schmidt (1918–2015) und Bernd Faulenbachs Beitrag Zum Tod von Hans Mommsen sind ebenfalls von Interesse. 

In der 19. Ausgabe von polar wird über Krieg und Frieden nachgedacht. Beteiligt sind u.a. Reinhard Merkel, Heinrich August Winkler, Wilfried Hinsch, Anna Geis und Thorsten Thiel, der sich mit dem Konzept des Cyberwar beschäftigt. 

Das Dezemberheft der Prokla sieht Geopolitische Konflikte nach der „neuen Weltordnung“ heraufziehen und macht dies an Ereignissen in der Ukraine und Russland, aber auch in China und den USA fest. 

Die Soziale Welt (4/2015) rückt dem Impact Factor zu Leibe, indem sie ihn wahlweise für allmächtig (Richard Münch), gefährlich (Jochen Glaeser) oder gar von gestern (Martina Franzen) hält. Peter Weingart beschwört konsequenterweise zum Abschluss des Schwerpunkts die Nostalgia for the world without numbers. 

TUMULT (4/2015) geht ebenfalls der Flüchtlingsthematik auf den Grund, bringt aber Perspektiven von Reinhard Jirgl, Wolfgang Hetzer und Eugen Rosenstock-Huessy. Petra Gehring untersucht derweil die Liberalisierung der Sterbehilfe.

In der Zeitschrift für Diskursforschung (2/2015) eröffnen Thomas Niehr, Eva Dickmeis, Bianka Trevisan und Eva-Maria Jakobs Neue Wege der linguistischen Diskursforschung, während Marlon Barbehön am Beispiel Feinstaubpolitik in Frankfurt am Main städtische Europadiskurse erforscht. Simon-Philipp Pfersdorf interessiert sich dagegen für Die diskursive Konstruktion von Regulierungswissen am Beispiel des gesellschaftlichen Umgangs mit Nanotechnologie. 

Die Zeithistorischen Forschungen (3/2015) schließlich widmen sich der Vermarktlichung, etwa mit Ralf Ahrens' Überblick Theories for Historians. Economics, Economic Sociology, and the History of Marketization. Sebastian Teupe gibt Einblicke in Everyday Transactions and Great Transformations. Markets and Marketization from the Perspective of New Economic Sociology, und Sören Brandes stellt mit “Free to Choose” eine Fernsehserie von Milton Friedman vor.