Januarrundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

In Analyse und Kritik 612 berichtet Ismail Küpeli vom Krieg in der Türkei. Im Zentrum steht aber der öffentliche Diskurs über die sexuellen Übergriffe von Köln – Beiträge dazu haben Sara Madjlessi-Roudi, Julia Fritzsche und Ingo Stützle verfasst.

What Was Volkswagen Thinking?, fragt Jerry Useem im Januarheft von Atlantic Monthly und interessiert sich für den Zusammenhang von corporate evil and idiocy.

Im aktuellen Behemoth. A Journal on Civilisation (2/2015), den Susanne Krasmann und Jutta Weber herausgeben, geht es um Epistemology, Ontology, and Politics of Drones. Zu den Autoren gehört neben Sara Brady und Armin Krishnan auch Ulrich Bröckling, der sich mit der militärischen Heldendämmerung befasst.

Die Blätter für deutsche und internationale Politik (1/2016) sehen mit Ulrich Menzel die Welt am Kipppunkt und widmen sich sowohl der Flüchtlingsfrage als auch der FIFA.

dérive – Zeitschrift für Stadtforschung hat Priština und Beirut besucht und widmet sich in der Januarausgabe ausführlicher den Schwerpunkten China und Ägypten – zwei Ländern, die nicht nur in punkto Wohnraumversorgung aktuell ähnliche Problemlagen aufweisen, wie Christoph Laimer und Elke Rauth im Editorial schreiben.

Im European Journal of Sociology (3/2015) untersucht Florencia Torche Intergenerational Mobility and Equality of Opportunity, während Philipp Lepenies in Modeling, Statistics and Political Circumstances – How the Concept of Economic Development Triumphed and what this Means for Development Alternatives neue ökonomische Perspektiven vorstellt.

Das Januarheft von Esprit widmet sich eher pessimistisch den Violences sans fin im Zusammenhang mit Terror und Dschihadismus. Auch enthält es einen Schwerpunkt zur heiklen Frage Publier Mein Kampf?, an dem sich Barbara Zehnpfennig, Jean-Louis Schlegel und Andreas Wirsching beteiligt haben.

Historical Social Research (4/2015) macht Animal Politics – mit Texten von Svenja Ahlhaus und Peter Niesen, Bernd Ladwig, Tine Stein, Sandra Seubert und vielen anderen. 

In der London Review of Books vom 23. Januar denkt der am 13. Dezember 2015 verstorbene Historiker Benedict Anderson unter dem Stichwort Frameworks of Comparison über seine intellektuelle Entwicklung nach. Und John Lanchester, sonst einschlägig zum Thema Geld, schreibt in Short Cuts über – Essen.

Im 800. Heft des Merkur (Januar 2016) ist David Graeber mit Tote Zonen der Fantasie, einem Essay über strukturelle Dummheit, vertreten. Monika Dommann berichtet über Dreihundert Jahre Copyright-Kriege, und Christoph Menke bespielt die Philosophiekolumne.

Die Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte beschäftigen sich im Heft 1–2 (2016) mit dem Sozialstaat in der digitalen Ökonomie – Tanja Dückers etwa erklärt, wie sich die digitale Bohème durchs Leben klickt, und Andrea Nahles erzählt aus dem Silicon Valley. 

Auch der Zeitschrift Projet geht es in Ausgabe 349 um die Digitale Revolution – aus arbeitsökonomischer, aber auch aus ökologischer Sicht. 

Das Soziologiemagazin interessiert sich in Heft 12/2015 für Bildung, Wissen und Eliten. Nadja Boufeljah hat ein Experteninterview mit der Bildungs- und Arbeitssoziologin Andrea Lange-Vester geführt, und Jörg Radtke sucht in Das Ende der theoretischen Bildung? nach dem Stellenwert von Theorien im geisteswissenschaftlichen Studium 1975 – 2015. 

Heft 1 (2016) der Soziologie eröffnet Michael Reif mit Soziologie als öffentliche Soziologie?. Bernhard Schäfers erzählt von der Vereinigung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie DGS mit der Gesellschaft für Soziologie (Ostdeutschland) GfS 1992. Und Michael Opielka erläutert Soziale Nachhaltigkeit aus soziologischer Sicht.

In der Soziologischen Revue (1/2016) denkt man derweil über Nachschlagewerke nach. Oliver Dimbath beschreibt Die soziologische Wörterbücherei, und Thomas Brüsemeister stellt Überlegungen Zur Literalität der Soziologie durch Lexika und Wikipedia an. Jörn Lamla hat unter dem Motto Repression, Konstitution und Transformation: Das Politische als Neuversammlung gesellschaftlicher Macht eine Sammelrezension u.a. zu Büchern von Andreas Anter, Oliver Marchart und David Strecker verfasst. 

Trivium widmet die Ausgabe 20 (2015) dem Thema Reflexivität und System. Die Debatte über Ordnung und Selbstorganisation in den 1970er Jahren – versammelt sind darin Beiträge von Niklas Luhmann, Jean-Pierre Dupuy, Edgar Morin und Gotthard Günther.

Und die Zeitschrift für Diskursforschung (3/2015) entwirft mit Dietrich Busse eine Interdisziplinäre Diskursforschung, während Jo Reichertz im Diskurs Kommunikationsmacht erlangen möchte. Tim Griebel schließlich stellt eine korpuslinguistische kritisch-realistische Diskursanalyse von Solidarität in der deutsch-amerikanischen Sicherheitsbeziehung vor.