Julirundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

Im American Journal of Sociology (July 2016) debattieren verschiedene Autor_innen über Racial Rigidity in the United States. Außerdem gibt Ya-Wen Lei Einblicke in Critical News Reporting in China, während Joscha Legewie und Merlin Schaeffer den Zusammenhang von Nachbarschaftskonflikten und ethnischer Vielfalt erörtern.

Das Argument Nr. 317 widmet sich dem gescheiterten Jugoslawischen Projekt. Außerdem stehen Bernie Sanders und die neoliberale Hegemoniekrise sowie der Nietzscheanische Kommunismus von Alain Badiou im Fokus. Im Literaturteil bespricht Rüdiger Dannemann Rahel Jaeggis Kritik der Lebensformen sowie den Band Ästhetik der Existenz von Elke Bippus, Jörg Huber und Roberto Nigro.

Die Berliner Debatte Initial (2/2016) steht im Zeichen von Kritik, Ermächtigung, Trost und beschäftigt sich mit Utopien. Felix Wassermann etwa erläutert die Utopische Politikberatung des Thomas Morus, Sandra Markewitz interessiert sich für die Ordnungsform der Utopie. Tobias Albrecht und Anastasiya Kasko denken über Dystopie im Kino und kritische Theorie nach.

In den Blättern für deutsche und internationale Politik (7/2016) nimmt Harald Welzer Das Leben in der Ich-Blase unter die Lupe. In weiteren Beiträgen geht es um Donald Trump, um den heimischen Rassismus sowie um Chinas Glanz und Grenzen. Und Bettina Gaus würdigt Norman Birnbaum, den großen alten Mann der amerikanischen Linken, der am 21. Juli seinen 90. Geburtstag gefeiert hat.

Im Staat (2/2016) spürt Walter Pauly in Das Recht vor dem Baum der Erkenntnis Einflüssen des antiken Judentums auf Max Webers Rechtsverständnis nach, während Laura Münkler sich mit Metaphern im Recht und der Bedeutung organischer Vorstellungen von Staat und Recht befasst.

Esprit (Juli/August 2016) interessiert sich für Mobilität, womit sowohl ein Schwerpunkt zum Tourismus als auch diverse Beiträge zum Thema Migration gemeint sind. Außerdem werden die politische Lage in der Türkei sowie die aktuelle Situation in Österreich und Brasilien diskutiert.

Die Foucault Studies Nr. 21 proben mithilfe ihrer Gastherausgeber_innen Sam Binkley und Barbara Cruikshank den Counter-Conduct, den Daniele Lorenzini als The Art of Not Being Governed Quite So Much charakterisiert. Christopher Roman schaut sich in diesem Zusammenhang das Verhalten mittelalterlicher Eremiten an, während James F. Depew Foucault Among the Stoics verortet.

In Genèses (2/2016) versucht sich Adrien Thibault im Rahmen eines Schwerpunkts zu Excellences corporelles an einer Ethnographie des Vorsprechens an britischen Schauspielschulen. Jay Rowell interessiert sich derweil für Beschäftigungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung in Europa.

In Le Monde diplomatique (7/2016) erörtert Paul Mason Drei Gründe, warum die Hälfte der Briten für den Austritt gestimmt hat. Janne Järvinen und Markku Kutvonen denken über Sicherheit im digitalen Alltag nach. Und natürlich geht es um die Türkei – in einem Offenen Brief des HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş sowie in Laura-Maї Gaveriaux‘ Analyse der türkisch-kurdischen Gefechte im Umkreis von Cizre.

Le Mouvement social (2/2016) widmet sich in historischer Perspektive Praktiken des kollektiven Protests afrikanischer Frauen. Ophélie Rillon etwa untersucht politische Gewalt im Kontext der sudanesischen Unabhängigkeitserklärung. Und sowohl Rose Ndengue als auch Charlotte Walker-Said interessieren sich für die Rolle politischer Aktivistinnen im Kamerun der 1940er- und 1950er-Jahre.

In der London Review of Books Nr. 15 hat John Lanchester den Brexit Blues. Darüber hinaus gibt Jonathan Steele Einblicke in Großbritanniens Verwicklungen in den Krieg gegen Al-Qaida und Philippe Sands bespricht den von Sir John Chilcot vorgelegten Abschlussbericht der Irak-Untersuchungskommission.

Im Merkur Nr. 806 denkt Thomas Thiemeyer unter dem Stichwort Deutschland postkolonial über Ethnologische und genealogische Erinnerungskultur nach. Andreas Eckert rezensiert Achille Mbembes Ausgang aus der großen Nacht. Und in der Philosophiekolumne empfiehlt Christoph Menke vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise eine Rückkehr zu Hannah Arendts Kritik der Menschenrechte.

Auch die Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte (7-8/2016) warten mit einem Beitrag von Andreas Eckert auf, der Neue Bücher zum »Boomkontinent« Afrika vorstellt. Die Beiträge zu den beiden inhaltlichen Themenschwerpunkten der vorliegenden Ausgabe sind den autoritären Entwicklungen in Russland und den Bedingungen gelingender Integration gewidmet.

Die New Left Review Nr. 99 bringt Manali Desais Untersuchung zu Gendered Violence and India’s Body Politics. Und während Göran Therborn der Frage nachgeht, ob von einem Age of Progress die Rede sein kann, erläutert Julia Buxton in einem Interview die aktuelle Situation in Venezuela after Chávez.

In der New York Review of Books (12/2016) befasst sich David Cole in The Terror of Our Guns mit neuen Büchern zur Waffenkultur in den USA. Lewis V. Cullman und Ray Madoff sorgen sich derweil um die American Charity, und Jerry Brown stellt in A Stark Nuclear Warning die Memoiren des ehemaligen US-Verteidigungsministers William J. Perry vor.

Die Politische Vierteljahrsschrift (2/2016) geht mit Tobias Schwarzbözl und Matthias Fatke dem Politischen Potenzial der AfD auf den Grund. Außerdem stellen Marcel Lewandowsky, Heiko Giebler und Aiko Wagner die Ergebnisse einer Studie vor, die die Parteien zur Bundestagswahl 2013 im Hinblick auf den Rechtspopulismus in Deutschland untersucht hat, ebenfalls unter besonderer Berücksichtigung der AfD.

Im Soziologiemagazin (1/2016) werden Utopien und Realitäten vermessen. Die thematische Bandbreite reicht dabei von Urbanen Gemeinschaftsgärten (Jennifer Morstein) über Endzeitvorstellungen in der Propaganda des Islamischen Staats (Christoph Panzer) bis hin zu Literarischen Utopien (Luise Maria Stoltenberg).

In der Soziologischen Revue (3/2016) plädiert Nicole Holzhauser für Soziologiegeschichte als integraler Bestandteil der Soziologie, und Stefan Selke setzt sich mit der Einsamkeit eminenzbasierter Soziologie im Widerstreit mit Komplexität auseinander. Michael Corsten widmet eine Sammelrezension der Frage: Wohin führen uns all diese soziologischen Einführungen? Andreas Pettenkofer schließlich bespricht einen von Tanja Bogusz und Heike Delitz herausgegebenen Band mit neuen Texten zum Werk Émile Durkheims.

In Time & Society (2/2016) macht sich Jeff Noonan Gedanken über Thought-time, money-time and the conditions of free academic labour. Maija Majamäki und Matilda Hellman haben das Zeitmanagement von Computerspieler_innen erforscht. Und Cristina Pinto Albuquerque stellt in Time and public policy Überlegungen zur zeitgenössischen Biopolitik und dem Umgang mit life cycles an.

Das Times Literary Supplement (22. Juli 2016) befasst sich mit der Philosophie des Mensch-Tier-Verhältnisses. Julian Baggini hat dazu in More equal than others diverse Neuerscheinungen gesichtet. Nicht fehlen darf da natürlich ein Beitrag über die sozialen Aspekte des Fleischessens, den uns Ian Sansom mit Barthes snacks serviert.

Die Zeitschrift für Soziologie (3/2016) steht im Zeichen der Selbstoptimierung: Eva Groß setzt Das unternehmerische Selbst und Vorurteile gegenüber arbeitslosen Personen zueinander ins Verhältnis, während Anja Hall Berufliche Höherqualifizierung durch Aufstiegsfortbildung diskutiert und dabei der Frage nachgeht, inwiefern sie eine zweite Chance auch für Frauen darstellt. Hajo Holst schließlich schaut sich Innovationsarbeit und Portfolio-Arbeitsorganisation etwas genauer an.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.