Märzrundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

In der Aprilausgabe des Atlantic Monthly sagt Alana Semuels eine dank technischem Fortschritt immer leisere Zukunft voraus – trotz Autoverkehr und Laubbläsern. Weniger unauffällig geht es bei Noah Sneider zu, der den New Combat Chic und die modische Militarisierung der russischen Gesellschaft beschreibt.

Die Blätter für deutsche und internationale Politik (3/2016) widmen sich dem von Albrecht von Lucke schon vor der Wahl vorhergesagten Triumph der AfD sowie der Integration im Sanktionsmodus, mit der die deutsche Bundesregierung Flüchtlinge versorgen will. Nebenbei entwirft Thomas Piketty einen New Deal für Europa.

Esprit (3–4/2016) beschäftigt sich in einer umfangreichen Frühjahrsausgabe mit der Wut – die Beiträge stammen u.a. von Fabien Jobard, Frédéric Lordon, Marcel Hénaff und Jean-Louis Schlegel. Natalie Zemon Davis würdigt anschließend La quête de Michel de Certeau.

In Heft 1/2016 von Gender dreht sich alles um die Liebe. Anders, als es der frühlingshaft anmutende Titel vermuten lässt, geht es dabei jedoch keineswegs romantisch zu – Cornelia Schadler und Paula-Irene Villa haben Mehrfachpartnerschaften untersucht, Sabina Schutter berichtet von Verhandlungen im Familienrecht und Bianca Prietl betrachtet die Männlichkeitskonstruktionen erwerbstätiger Väter.

Für die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (1/2016) haben sich Georg Krücken und Kathia Serrano-Velarde Managementberatung in Universitäten angeschaut. Stellvertretend für alle, die nicht schön und reich geboren wurden, macht sich Reinhard Schunck Gedanken zur ungleichen Verteilung physischer Attraktivität, und Chadi Abdul-Rida stellt Resultate einer Befragung zur Partnerwahl in türkischstämmigen Familien vor.

Die Kritische Justiz (1/2016) bringt einen Schwerpunkt zum Thema Recht auf Stadt, der von Sonja Buckel und Tino Petzold herausgegeben wird. Zu den Autor_innen zählen Albert Scherr, Rita Haverkamp und Catarina Gomes de Matos. Zudem gibt Ulrike Lembke in Sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum einen Überblick über die aktuelle Rechtslage und meldet Reformbedarf an.

Das Kursbuch 185 plädiert unter Verwendung Nachdruck signalisierender Satzzeichen fürs Fremd sein! und beruft sich dabei auf Autor_innen wie Julia Kristeva, Naika Foroutan, Alan Posener und natürlich Armin Nassehi.

Ein Märchen für Erwachsene nimmt sich Christoph Fleischmann vor, der in Le Monde diplomatique (3/2016) den Aufsteigermythos am Beispiel des Gestiefelten Katers erklärt.

In der London Review of Books (3. März 2016) bespricht Thomas Nagel Objective Troy: A Terrorist, a President and the Rise of the Drone von Scott Shane, während Frances Stonor Saunders in Where on Earth are you? der Ortlosigkeit der Flüchtenden wie auch der digitalen Nachverfolgbarkeit jeglicher Fortbewegung nachspürt.

Im 802. Merkur (März 2016) fragt Herfried Münkler, ob der Transfer von Kulturgütern nach Europa Raub oder Rettung? bedeutet. Patrick Bahners erörtert die Sinnhaftigkeit der neuen kommentierten Mein Kampf-Edition, und Daniel Thym wirft juristische Schlaglichter auf die Flüchtlingsdebatte.

Die Neue Gesellschaft Frankfurter Hefte (3/2016) befassen sich ebenfalls mit Migration und Integration – und mit Herfried Münkler, der über einen Masterplan für Integration nachdenkt, und Alan Posener, der das Verhältnis von Religion und Integration erörtert, sind auch wieder zwei alte Bekannte mit dabei. Hinzu kommen Beiträge von Jürgen Kocka, Martin Kronauer und Lale Akgün.

In der New York Review of Books (7. April 2016) schreibt David Shulman über Proteste in Palästina und den Nahostkonflikt, während Zoë Heller sich mit Hillary Clintons Verhältnis zu Frauen befasst.

Das 20. Heft von Polar ist der Expertokratie gewidmet. Beiträge zum Zusammenspiel von Politik, Kunst, Wissenschaft und Wahrheit stammen u.a. von Thomas Biebricher, Rainald Goetz, Maurizio Ferraris und Oliver Lepsius.

In PROKLA 182 (März 2016) dreht sich alles um Religion, Ökonomie und Politik: Ingar Solty erklärt die neoliberale Markt-Religiosität in den USA, Katharina Götsch nimmt die Außenpolitik des Irans unter die Lupe.

In Heft 1/2016 der Zeitschrift für Soziologie ergründet René Krieg die Relevanz der Irrelevanz. Mit einem weniger paradoxen, aber durchaus kontroversen Thema beschäftigen sich die Beiträge von Heiner Meulemann, Andreas Haupt sowie Stefan und Sarah Bernhard, in denen es um Verdienstungleichheiten und Diskriminierung geht.

TUMULT (Frühjahr 2016) widmet sich unter dem Stichwort Hyperdeutschland noch einmal kritisch der sogenannten „Massenzuwanderung“, mit Aufsätzen von Matthias Matussek, Albrecht Goeschel und anderen.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.