Mairundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

In Ausgabe 6/2016 des American Journal of Sociology führen Jeroen Bruggeman und Sinan Aral ihre Debatte über „weak ties“ fort. Ansonsten geht es um Einwanderung, soziale Ungleichheit und Gendering Genetics.

In analyse und kritik (615) erklärt Sarah Speck, Wie heterosexuelle Paare sich über die ungleich verteilte Hausarbeit belügen. Weitere Beiträge betreffen die AfD sowie das Verhältnis Deutschlands zur Türkei (und umgekehrt). Und Florence Hervé erinnert an die vor dreißig Jahren verstorbene Philosophin Simone de Beauvoir.

Im Atlantic Monthly (Juni 2016) bespricht Patrick Sharkey zwei neue Bücher zur sozialen Ungleichheit in Städten – Evicted: Poverty and Profit in the American City von Matthew Desmond und Ghetto: The Invention of a Place, the History of an Idea von Mitchell Duneier.

Die Maiausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik (5/2016) enthält eine Besprechung von Micha Brumlik: In Hartmut Rosas Resonanz sieht er Das Ende der kritischen Theorie. Arnd Richter interessiert sich im Zusammenhang mit der Köln-Debatte für Sexismus und die Kultur des Patriarchats.

Heft 1/2016 der Digital Culture & Society widmet sich unter der Schirmherrschaft von Pablo Abend und Matthias Fuchs den Quantified Selves | Statistical Bodies. Beiträge haben u.a. Paolo Ruffino, James Dyer, Barbara L. Marshall und Stephen Katz sowie Alex Gekker verfasst.

In Der Staat 1/2016 nimmt Armin von Bogdandy zur sozialwissenschaftlichen Runderneuerung der Verfassungsvergleichung Stellung und liefert eine hegelianische Reaktion auf Ran Hirschls Comparative Matters. Ewald Grothe, Reinhard Mehring und Christoph Möllers diskutieren „Das Problem des ‚geheimen Gesetzes‘“ und die Grenze des „Führernotrechts“.

Esprit (Mai 2016) nimmt das Verhältnis des Mittleren Ostens zu Europa in den Blick. Außerdem fragt Nadia Tazi nach der Situation Après Cologne, und Marcel Hénaff ergründet in Terreur et vengeance. Une immense demande de reconnaissance den Charakter der Rache.

Die Feministischen Studien (1/2016) interessieren sich für Universitäten im Wandel – Rosalind Gill etwa enthüllt die hidden injuries of neo-liberal academia, während andere Autorinnen sich mit Gleichstellungsarbeit und den Anrufungen der neuen Governance beschäftigen.

Historical Social Research (2/2016) gibt mit Unterstützung von Rainer Diaz-Bone und Emmanuel Didier eine Sondernummer zu Conventions and Quantification – Transdisciplinary Perspectives on Statistics and Classifications heraus. Unter den zahlreichen Beiträger_innen sind auch Laurent Thévenot, Eve Chiapello und Wendy Espeland.

Nummer 2/2016 der Kritischen Justiz steht im Zeichen des Flüchtlingsrechts – neben Beiträgen von Günther Frankenberg, Reinhard Marx und anderen ist auch Tarek Naguib mit Xeno-, Islamo-, Christianophobia etc. – eine Begriffskritik vertreten. Daniel Witte rezensiert Philip Conradin-Triacas Buch über Pierre Bourdieus Rechtssoziologie.

In Le Monde diplomatique (Mai 2016) dreht sich alles um den Protest – sei es nun in Frankreich, Brasilien oder Mazedonien. Zudem werden die Demokratischen Übungen im Iran von Shervin Ahmadi und Philippe Descamps kritisch beobachtet.

Im Merkur Nummer 804 (5/2016) will Per Leo in einem Verkomplizierungsversuch über Nationalsozialismus sprechen. Derweil denkt Andreas Dorschel über Abhängige nach.

methods data analysis (1/2016) bringt Beiträge zum Thema Umfragen – wie ein beiliegender Kugelschreiber Befragte motivieren kann, erklärt Marcus Heise. Um Privacy Concerns in Responses to Sensitive Questions geht es bei Felix Bader, Johannes Bauer, Martina Kroher und Patrick Riordan.

In Heft 1/2016 der Politischen Vierteljahresschrift gibt Adrienne Héritier unter dem Stichwort “Rigour versus Relevance”? einen Überblick über Methodological discussions in political science. Claudia Wiesner interessiert sich für Nationale Europadiskurse, während Hartwig Hummel und Wilhelm Knelangen die Legitimationsprobleme der Ordnung von Freiheit angehen.

Im Times Literary Supplement (20. Mai 2016) bespricht Elizabeth Lowry Dan Fox‘ Abhandlung mit dem schönen Titel Pretentiousness. Why it matters. Und Ian Sansom versucht zu ergründen, warum die Bedeutung dessen, was wir essen, stetig wächst.

Trivium Nummer 21 (2016) widmet sich unter der Ägide von Peter Collin, Sabine Rudischhauser und Pascale Gonod der Regulierten Selbstregulierung. Zudem macht sich Alain Supiot unter der Überschrift Aktualität Durkheims einige Notizen zum Neokorporatismus in Frankreich.

Das Wespennest Nummer 170 (2016) ist voller Testosteron – die Beiträge stammen u.a. von Nina Degele und Birgit Schmitz, Klaus Theweleit und Tatiana Zhurzhenko.

WestEnd 1/2016 bringt mithilfe von Sandra Seubert einen Schwerpunkt zum Thema Privatheit und politische Freiheit, der Wortmeldungen von Beate Rössler, Andrew Roberts, Paula Helm und Johannes Voelz versammelt. Außerdem kritisieren Paul Thompson und Kendra Briken den Kognitiven Kapitalismus.

In Heft 1/2016 der Zeithistorischen Forschungen fragt Karen Hagemann nach der Lage der Frauen in der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft. Dirk van Laak hat sich mit dem Erben und Vererben als Forschungsthema beschäftigt.

Und in der Zeitschrift für Soziologie (2/2016) untersucht Stefan Kirchner Trends von Autonomie, Intensität und Beschäftigungsstabilität, während Andreas Damelang und Martin Abraham die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse auf dem deutschen Arbeitsmarkt unter die Lupe nehmen. Auch Patrick Fick interessiert sich für Integration, allerdings im Zusammenhang mit dem Einbürgerungsritual.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Martin Bauer.