Oktoberrundschau

Sozialwissenschaftliche Leseempfehlungen, kurz notiert

In Atlantic Monthly (Oktober 2015) lotet Ta-Nehisi Coates in The Black Family in the Age of Mass Incarceration die Abgründe des amerikanischen Gefängniswesens aus. Alison Gopnik denkt derweil über David Hume and the Buddha nach. 

Die Oktoberausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik betont: »Wir schaffen das!« und lässt Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie über Integration als Großaufgabe räsonieren. Axel Honneth stellt im selben Heft seinen Sozialismus reloaded – und revidiert vor. Tilman Evers folgt in Überschreiten und Unterwandern Albert O. Hirschmans Odyssee durch das 20. Jahrhundert.

Heft 4 (2015) von Le Débat untersucht den Multikulturalismus in verschiedenen Ländern; Peter Schneider, Cinzia Sciuto und Gérald Larché nehmen sich die deutsche Variante vor. Laurent Bouvet und Alain Renaut debattieren derweil über einen républicanisme du « commun ».

Esprit beginnt den Herbst mit einer Betrachtung über La condition de réfugié und widmet sich konsequenterweise den Themen Hass und Islamophobie, denen sie mit Beiträgen von Charles Girard, Erik Bleich, Marloes van Noorloos und Gwénaële Calvès zu Leibe rückt.

In Heft 3 (2015) der Kölner Zeitschrift für Soziologie blickt Detlef Pollack zurück auf Religionssoziologie in Deutschland seit 1945: Tendenzen – Kontroversen – Konsequenzen. Heiko Beyer versucht sich an einer Theorie des Antisemitismus, Johannes Stauder stellt Überlegungen zur Durchdringenden Sozialstruktur und dem Einfluss makrostruktureller Rahmenbedingungen auf den Partnermarkt vor, und Steffen Schindler fragt nach Sozialer Ungleichheit im Bildungsverlauf. 

Le Monde diplomatique stellt sich im Oktober nicht nur den Datenströmen und Verkehrsnetzen von Evgeny Morozov, sondern mit Hélène Richard auch dem Megastau auf Moskauer Straßen. Außerdem geht es um Indonesien, China und die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez. Maxime Robin wiederum erzählt in Am Ende kommt der Kredithai von zahlungsunfähigen US-Bürgern. 

Heft 3 (2015) des Leviathan beschäftigt sich mit der Legitimationsproblematik in der Europäischen Union, unter anderem mithilfe von Dieter Grimm, Christoph Möllers und Wolfgang Streeck. Oliver E. Kuhn und Mathias Kumm gehen derweil dem Zusammenhang von Kredit und Krise respektive den Investorenprivilegien bei TTIP und CETA nach.

Aus dem London Review of Books (Nummer 18) sei noch auf Devoted to Terror, Thomas Laqueurs ausführliche Besprechung zu Nikolaus Wachsmanns KL: A History of the Nazi Concentration Camps verwiesen.

In der Oktoberausgabe (Heft 797) des Merkur schreibt Thomas Etzemüller über Wissenschaft und Selbstdarstellung. 

Im New Left Review (Nummer 95) macht sich Wolfgang Streeck Gedanken über den Euro und The Concept of Money.

Das New York Review of Books (22. Oktober 2015) bringt Cass R. Sunsteins Why Free Markets Make Fools of Us.

Heft 4 (2015) der Soziologie widmet sich der Vorbereitung des 38. Kongresses der DGS in Bamberg und bringt ein ausführliches Gespräch über Gott und die Welt zwischen Thomas Luckmann, Hans-Georg Soeffner und Georg Vobruba mit dem Titel Nichts ist die Wirklichkeit selbst. Johannes Weiß interessiert sich für Soziologie in der Öffentlichkeit.

Im Times Literary Supplement (16. Oktober 2015) befasst sich Richard Davenport-Hines mit den Briefen von Isaiah Berlin, während William Rees diverse Veröffentlichungen zu Emmanuel Lévinas unter die Lupe nimmt. Philip Gerrans bespricht zwei Neuerscheinungen zu Empathie und Moral.

Heft 47 der Transit nimmt gleich drei große Themen in Angriff, nämlich Russland Nacheuropa Religion, und präsentiert einen von Kristina Stoeckl herausgegebenen Schwerpunkt über Orthodoxes Christentum und (Post-)Moderne.

Die Zeitschrift Wespennest widmet ihre 168. Ausgabe dem Ramsch – nicht zuletzt mit einem Aufsatz von Dennis Eversberg über Verramschtes Leben. Zum Wertverlust von Arbeitskraft im kleinteiligen Kapitalismus.