Markierungen und Grenzziehungen in der Wissenschaft

Call for Papers für die Herbsttagung der DGS-Sektion "Wissenschafts- und Technikforschung" an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Deadline: 31. Mai 2017

Symbolische Markierungen und Grenzziehungen sind allgegenwärtiger Bestandteil der Wissenschaft. Dabei können sich Markierungen zu symbolischen Grenzen verfestigen, die soziale Ordnungen in der Wissenschaft vertikal oder horizontal strukturieren. Die Untersuchung solcher symbolischen Markierungen und Grenzen in der Wissenschaft ist insbesondere deswegen von besonderer Bedeutung, weil mit ihnen Erfolge und materielle Ungleichheiten im wissenschaftlichen Feld erzeugt und legitimiert werden können.

Ziel der Tagung vom 05. bis 06. Oktober 2017 ist es, zwei Perspektiven für die Wissenschaftsforschung in Dialog miteinander zu bringen: Auf der einen Seite soll auf die Bedeutung symbolischer Markierungen und Grenzen in der Wissenschaft hingewiesen werden. Damit meinen wir Zuschreibungen und Setzungen, die jenseits objektiver Sozialstrukturen in Form von Zeichen, Symbolen oder Sprache erzeugt werden. Sie können objektive Grundlagen haben, auf geteilten Annahmen und Überzeugungen fußen, konfliktreich durchgesetzt oder lediglich strategisch eingesetzt werden. Auf der anderen Seite soll gefragt werden, inwiefern Markierungen und Grenzen mit materiellen Ungleichheiten korrespondieren, in diese übergehen und zu ihrer Reproduktion beitragen. Hier geht es zum Beispiel um Fälle wie Impactfaktoren, Drittmittelquoten oder Rankings, bei denen symbolische Zuschreibungen und Setzungen an Karrierechancen oder Ressourcenverteilungen im wissenschaftlichen Feld geknüpft sind.

Die Sektionstagung soll über die bloße Katalogisierung von Markierungen und Grenzen hinausgehen. So wollen wir gleichermaßen die empirische Vielfalt dieser Phänomene feststellen, als auch diskutieren, wie symbolische Zuschreibungen und Setzungen im wissenschaftlichen Feld erstens erzeugt, etabliert und legitimiert werden, und wie sie zweitens mit der Produktion und Reproduktion materieller Ungleichheiten verschränkt sind. Für diese Fragen steht ein ganzes Arsenal soziologischer Konzepte bereit, das zur Erklärung herangezogen werden kann. Beispielsweise können Markierungen und Grenzziehungen durch Konsekrations- und Sichtbarkeitseffekte sowie Praktiken der Kategorisierung und Klassifikation etabliert werden, durch black boxing oder Ritualisierungen stabilisiert und plausibilisiert werden und durch kumulative Effekte oder Praktiken des Gatekeeping mit materiellen Ungleichheiten gekoppelt sein.

Wir freuen uns über theoretisch und empirisch fundierte Beiträge, die sich mit diesen Fragen im Rahmen von Einzelfall- oder Vergleichsstudien auseinandersetzen. Wir bitten um die Zusendung einer Beitragsskizze von maximal einer Seite unter Angabe des Namens, der Anschrift und der E-Mailadresse bis zum 31. Mai 2017 an die Organisatoren:

Julian Hamann, Universität Bonn (hamann(at)uni-bonn(dot)de)
Alexander Lenger, Universität Freiburg (alexander.lenger(at)soziologie.uni-freiburg(dot)de)

Zum Call for Papers (PDF).