Hegelkongress 2017 – „Zweite Natur“

Kongress der Internationalen Hegelvereinigung in Stuttgart

Die Internationale Hegelvereinigung veranstaltet 2017 wieder ihren sechsjährlichen Kongress in Stuttgart mit über 50 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Diese werden gemeinsam ein zentrales Thema diskutieren, das die Philosophie Hegels in Dialog mit gegenwärtigen Debatten bringt, um – ganz im Sinne Hegels – “ihre Zeit in Gedanken zu fassen”. 2017 lautet das Kongressthema “Zweite Natur”.

Der Begriff der zweiten Natur, den Hegel aus der antiken Philosophie aufgreift, zielt darauf ab, eine irreführende Entgegensetzung von Natur und Freiheit zu vermeiden. Hegel begreift das Wesen der menschlichen Freiheit in einer Weise, die anerkennt, dass freies Handeln nur möglich ist, weil menschliche Wesen von ihrer Natur aus dazu in der Lage sind, eine zweite Natur zu entwickeln – das heißt, ihre natürlichen Anlagen so durch Teilnahme an einem sittlichen Ganzen zu entwickeln und in ein neues Verhältnis zu sich zu bringen, dass individuelle und kollektive Selbstbestimmung möglich wird. In der Philosophie nach Hegel, wird diese Idee in drei unterschiedlichen Traditionen weiterentwickelt. Im Marxismus erhält die Idee einer zweiten Natur eine kritische Ausrichtung, soweit sie auf die quasi-natürliche Objektivität von sozialer Unfreiheit und Herrschaft in kapitalistischen Gesellschaften verweist. In der modernen Moralphilosophie wird der Begriff der zweiten Natur dazu verwendet, um die Rolle von durch Gewohnheit entwickelten Fähigkeiten zu begreifen, die es uns erlauben, moralisch relevante Gesichtspunkte zu erkennen. Schließlich verwenden viele Philosophen und Philosophinnen den Begriff heute dazu, um zu begreifen, wie natürliche Grundlagen des menschlichen Lebens in die Gesellschaft hineinragen. Darüber hinaus spielt der Begriff der zweiten Natur eine produktive Rolle in Debatten zur Willensfreiheit, in der sozialen und politischen Philosophie, in der Kritischen Theorie, in der Ästhetik, der Soziologie, den Religionswissenschaften, der Kulturanthropologie und der Psychoanalyse.

Weitere Informationen

Zum (vorläufigen) Programm