‚Positive‘ Kritik. Reflexionsmodi in Künsten, Wissenschaften und sozialen Praktiken

Fächerübergreifende Nachwuchstagung

Kritik ist omnipräsent: Ein gelikter Tierschutzpost als täglicher Beitrag zur Empörung, ein Filter über dem Profilbild in sozialen Netzwerken, ein animierter Stinkefinger im Satirebeitrag. Was ist schon nicht kritisch? Umso wichtiger erscheint die Frage, welche Formen der Kritik über kulturpessimistische Allgemeinplätze, popkulturelle Trends und kurzlebige Prostestgesten hinausgehen. Kritik ist Destabilisierung, Irritation, Skepsis gegenüber behaupteten Verhältnissen; ihr Mehrwert besteht darin, alternative Perspektiven auf die Wirklichkeit bereit zu stellen. Dabei läuft sie jedoch Gefahr, entweder in paternalistische Argumentationsstrukturen zu verfallen oder in die kritisierten Zusammenhänge verstrickt zu bleiben und über neue Differenzlogiken selbst wieder Machtformationen zu begründen. Missstände reproduzieren sich auf diese Weise auf anderen Ebenen.

Die Tagung lädt dazu ein, Praktiken und Ansätze zu diskutieren, die es erlauben, mit fluiden, heterogenen und ambivalenten Spannungsfeldern der Gegenwart in ‚positiver‘ Weise kritisch umzugehen. Die Wendung ‚positive‘ Kritik steht dabei für ästhetische Verfahrensweisen, theoretische Denkfiguren und soziale Praktiken – sowie für ihre jeweiligen Interdependenzen –, die auf eine ermöglichende Kritik abzielen, die weder ausschließlich ex negativo ansetzt noch implizite oder postulierte Abgrenzungen weiter reproduziert. Es geht demnach um die Betonung von Beziehungen statt Grenzziehungen, von Ähnlichkeit statt Differenz, von Resonanz statt Entfremdung.

Unter dem Anspruch, über Kritik kritisch nachzudenken, soll die Tagung ‚jungen Stimmen‘ ein offenes Forum bieten, in dem eine Vielzahl unterschiedlicher (auch sich widersprechender und kontroverser) Ansätze gebündelt werden und in einen Diskussionszusammenhang treten können. Eine Abendveranstaltung am 24. November bildet dabei den Auftakt für das weitere Tagungsprogramm am 25. und 26. November. Wir laden Studierende und Promovierende aller geistes-, kultur-, medien-, sozial- und erziehungswissenschaftlicher Disziplinen ein, sich zu beteiligen.

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