Demokratiekritik, Autoritarismen und Populismen in Europa. Kontinuitäten und Brüche von der Zwischenkriegszeit bis heute

Workshop am Deutschen Historischen Institut Paris

Workshop »Demokratiekritik, Autoritarismen und Populismen in Europa. Kontinuitäten und Brüche von der Zwischenkriegszeit bis heute«

Deutsches Historisches Institut Paris, 14.–15. März 2019

Termine

30. September 2018: Deadline für Bewerbungen
Ende Oktober 2018: Bekanntgabe der ausgewählten Beiträge
14.–15. März 2019: Workshop am Deutschen Historischen Institut Paris

Veranstaltungsorganisation

Pascal Fagot, Universität Straßburg
Frauke Höntzsch, Universität Augsburg
Christian Jacques, Universität Straßburg
Zoé Kergomard, Deutsches Historisches Institut
Annette Lensing, Universität Caen
Marcus Llanque, Universität Augsburg
Reiner Marcowitz, Universität Lorraine
Stefan Martens, Deutsches Historisches Institut
Thomas Nicklas, Universität Reims Champagne-Ardenne
Christian Roques, Universität Reims Champagne-Ardenne

Thematik

Angesichts des Gefühls der »Krise« der Demokratie in den letzten Jahren, versinnbildlicht durch den Aufstieg populistischer Bewegungen, ist heute in der politischen Debatte vieler europäischer Länder der Vergleich mit der Situation der Zwischenkriegszeit allgegenwärtig.[1] Ist dieser Vergleich sinnvoll, um die für beide Perioden spezifischen Herausforderungen demokratischer Praxis zu verstehen? Ausgehend von dieser Frage eröffnet der Workshop das vom Centre interdisciplinaire d’études et de recherches sur l’Allemagne (CIERA) unterstützte Forschungsprogramm Welche Demokratie(n)? Reflexionen über die Krise, Modernisierung und Grenzen der Demokratie in Deutschland, Frankreich, England und Mitteleuropa zwischen 1919 und 1939. Teil des Workshops wird eine interdisziplinäre Podiumsdiskussion zum Konzept des Populismus in historischer Perspektive sein. Ziel des Workshops ist es, die Vergleichbarkeit des aktuellen politischen Kontexts mit der Zwischenkriegszeit zu diskutieren und die heuristischen Vorteile zu erkunden, die diese Analogie für die historische Analyse bieten kann. Die Vorträge der Teilnehmenden können einen (oder mehrere) der folgenden Themenbereiche betreffen:

Kontinuität der Phänomene und Konzepte

  • Kritik der repräsentativen Demokratie: Welche Echos aus den Debatten der Zwischenkriegszeit finden sich in aktuellen Kritiken der repräsentativen Demokratie?
  • Autoritarismus gestern und heute: Ist der Vergleich mit der Zwischenkriegszeit relevant, um zeitgenössische autoritäre Tendenzen zu verstehen?
  • »Neuartigkeit« des zeitgenössischen Populismus? Kann das Konzept des Populismus helfen, die in beiden Perioden wiederkehrende Opposition von »Volk« und »Eliten« zu vergleichen?

Relevanz und Instrumentalisierung des historischen und geografischen Vergleichs

  • Vorzüge des Vergleichs für Geschichts- und Sozialwissenschaften: Unter welchen Bedingungen ist ein Vergleich zwischen Demokratien verschiedener Epochen dienlich um die jeweiligen Herausforderungen und Probleme zu verstehen?
  • Politische Instrumentalisierungen des historischen Vergleichs: Wie kann die wiederholte Bezugnahme auf die 1930er Jahre in der zeitgenössischen europäischen Debatte erklärt werden? Welche Positionen in Bezug auf die aktuelle politische Situation werden durch diese Bezugnahme unterstützt?

Denkbar sind Fallstudien zu einem oder mehreren Ländern (vorzugsweise Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen oder die frühere Tschechoslowakei) sowie methodologische oder erkenntnistheoretische Reflexionen zur Frage der Vergleichbarkeit. Anträge von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sind besonders willkommen. Die Arbeitssprachen werden Französisch, Deutsch und Englisch sein.

Vorschläge (Titel, Zusammenfassung, Kurzbiografie) im Umfang von maximal einer Seite (oder 3000 Zeichen) sind bis zum 30. September 2018 einzureichen unter: critiquedemocratie(at)dhi-paris(dot)fr. Die Auswahl der Vorschläge wird bis spätestens Ende Oktober bekanntgegeben. Unter Vorbehalt des Erhalts von Fördergeldern werden die Anfahrts- und Unterbringungskosten übernommen.

Hier geht es zum Call for Papers (PDF)

Fußnoten

[1]Sichtbar auf beiden Seiten des Rheins: Pascal Blanchard / Farid Abdelouahab, Les années 30: et si l’histoire recommençait? Paris, Ed. de La Martinière 2017; Andreas Wirsching / Berthold Kohler  / Ulrich Wilhelm (Hg.), Weimarer Verhältnisse? Historische Lektionen für unsere Demokratie, Stuttgart, Reclam, 2018 und Thomas Raithel (Hg.), Podium Zeitgeschichte. Wie nah ist uns die Zwischenkriegszeit? Geschichte und Aktualität der demokratischen Staatsgründungen nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, Österreich, Polen, Litauen und der Tschechoslowakei, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 66 (2018), S. 294–347.