Gefühle des Widerstandes?

Call for Papers für die Zeitschrift diskurs. Deadline: 31. März 2020

Von Fridays for Future über die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit bis zu #metoo – nach Jahrzehnten postdemokratischer Apathie findet eine Wiederentdeckung öffentlicher Räume und des politischen Protestes statt, insbesondere im Ausdruck von Gefühlen. Eine Diagnose, die gleichfalls für rechtsnationale Bürger*innenbewegungen gelten muss. Seit dem „Wutbürger“ stellt sich die Frage, in welchem Zusammenhang solche Widerstände mit Politiken stehen, die bestimmte Gefühle und/oder Affekte strategisch zu orchestrieren versuchen: Wie also wirken Gefühle/Affekte in individuellen wie kollektiven Widerständen? Welche medialen Formen nehmen sie im Netz oder in der Kunst an? Und welche Bedeutung kommt Gefühlen/Affekten in der Erforschung dieser Widerstände überhaupt zu?

Die kommende Ausgabe der Zeitschrift diskurs widmet sich den Verbindungslinien und Widersprüchen, die sich zwischen Gefühlen/Affekten und verschiedenen Varianten individuellen wie kollektiven Widerstandes ergeben. Es werden Beiträge erbeten, die sich theoretisch und/oder empirisch mit folgenden drei Themenbereichen oder damit verwandten Fragen beschäftigen.

I) Protest im Affekt oder Affekt im Protest?: Welche Rolle spielen Gefühle/Affekte bei Protesten, wie mobilisieren sie und auf welche Weise kommen sie zum Ausdruck, etwa hinsichtlich der Angst vor politischer Repression? In welchen individuellen wie kollektiven Widerstandspraktiken manifestieren sie sich und in welcher Beziehung stehen sie zur viel beschworenen Rationalität? Welche Rolle spielen Gefühle/Affekte in der Ermöglichung milieuübergreifender Bündnisse – wie beispielsweise hinsichtlich der Liebe zur Natur oder der eigenen Nation?

II) Medium – Affekt – Kunst: Inwiefern wirken Gefühle/Affekte zugleich als Medium, Ziel und Katalysator von Widerständigkeit? Wie nutzen insbesondere Akteure der Politik, der Kunst und des Digitalen Gefühle/Affekte, um Aufmerksamkeit zu erregen, Einfluss zu nehmen oder politische Veränderungen zu bewirken? Wie finden sie Eingang in Praktiken, die als „kritisch“ gelabelt werden – etwa in situativen Verweigerungshaltungen, gezielten Twitterbotschaften oder kreativen Performances? Zu welchen neuen Widerstandsformaten führt eine Betonung von Gefühlen/Affekten?

III) Wissenschaft mit Gefühl?!: Wie ist die aktuelle Gefühlskonjunktur in den Sozial- und Geisteswissenschaften einzuschätzen? Auf welche Weise gehen Gefühle/Affekte in gegenwärtige Analysen gesellschaftlicher Verhältnisse und konkreter Widerstände ein? Wie lässt sich diese Dimension überhaupt ausgewogen integrieren? Welche theoretischen Probleme erzeugt die Fokussierung auf Affekt/Gefühl und wie kann sie kritisiert werden? In welcher Weise halten Gefühle/Affekte bereits Eingang in Erkenntnisverfahren wie beispielsweise in erschütternde Genealogien oder (auto)biographische respektive -ethnographische Vorgehen à la Didier Eribon oder Annie Ernaux?

diskurs versammelt innovative sozialwissenschaftliche Arbeiten, die politische und gesellschaftliche Hegemonie, Machtverhältnisse und Praxen originell und kritisch analysieren. Arbeiten aus der Politischen Theorie und der Sozialtheorie sind uns dabei ebenso willkommen wie Aufsätze, die Diskurse empirisch analysieren. diskurs erscheint in der aktuellen Form seit 2015 einmal jährlich mit einem inhaltlichem Schwerpunktthema und fortlaufender Nummerierung.

Alle bei uns eingereichten Artikel durchlaufen ein sorgfältiges Verfahren redaktioneller und externer Begutachtung (blind peer review). Alle veröffentlichten Aufsätze sind online und open access verfügbar. Veröffentlichungen werden über den Publikationsserver der Universiät Duisburg-Essen (DuEPublico) indexiert und mit einer DOI versehen. Sie sind so über alle gängigen Datenbanken auffindbar.

Beiträge können ab sofort bis zum 31. März 2020 eingereicht werden. Nutzen Sie zum Einreichen Ihres Beitrags bitte die Einreichungs-Funktion auf unserer Homepage www.diskurs-zeitschrift.de. Bei Problemen oder Fragen wenden Sie sich gerne an: redaktion(at)diskurs-zeitschrift(dot)de. Einreichungen sollten maximal 50.000 Zeichen lang sein. Weitere Hinweise zur Formatierung finden Sie unter http://diskurs-zeitschrift.de/Hinweise-fuer-Autorinnen-diskurs.pdf.

Call for Papers (Link)