Hochschullehre im Spannungsfeld zwischen individueller und institutioneller Verantwortung

Call for Papers für die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung am 26. und 27. März 2020 in Hamburg. Deadline: 15. Oktober 2019

Hochschullehre steht seit jeher in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Ansprüche und ist eingewoben in Entscheidungen höchst unterschiedlicher Qualität und Provenienz; und das hat seinen Grund: Hochschulen sind Bildungseinrichtungen; als solche dienen sie der Ausbildung bzw. Qualifizierung von Studierenden und damit auch der beruflichen und gesellschaftlichen Praxis. Gleichzeitig sind Hochschulen Teil des Wissenschaftssystems; in der Folge haben sie die Aufgabe, wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren und wissenschaftlichen Nachwuchs heranzubilden. Für Studierende und Lehrende gleichermaßen ist die Hochschule schließlich eine Lebenswelt und Umgebung, in der Bildung zu ermöglichen ist. Wissenschaft, Praxis und Person, so bereits in den 1980er Jahren die Beobachtung des Hochschuldidaktikers Ludwig Huber, stecken für die Hochschullehre ein Feld ab, in welchem unausweichlich ambivalente und widersprüchliche Kräfte wirken. Erst vor wenigen Jahren hat auch der Wissenschaftsrat darum geworben, zwischen praktischen Anforderungen wie der Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, wissenschaftlichen Ansprüchen wie die Einführung in eine Fachdisziplin und personenbezogenen Zielen wie Persönlichkeitsbildung in jedem Studium eine angemessene Balance zu finden.

Hochschullehre in diesem komplexen Kräftefeld zu gestalten, ist eine Herausforderung, die auf verschiedenen Handlungsebenen relevant wird: auf der Mikroebene des didaktischen Handelns durch Lehrende in konkreten Lehr-Lernsituationen und Veranstaltungen ebenso wie auf der Makroebene organisatorischer und politischer Entscheidungen durch Institutionen bei der Schaffung geeigneter Bedingungen für Lehren und Studieren. Zwischen der daraus resultierenden individuellen und institutionellen Verantwortung tritt die gemeinsam zu verantwortende Gestaltung von Studiengängen und Programmen auf der Mesoebene. Über diese Ebenen legen sich gesellschaftliche Transformationsprozesse wie die digitale Transformation, zu der sich Individuen und Institutionen irgendeiner Form verhalten müssen.

Die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf) nähert sich diesem Spannungsfeld in produktiv-kreativer Weise, arbeitet Antagonismen, Ambivalenzen, Paradoxien und Antinomien auf den verschiedenen Handlungsebenen zur Gestaltung von Hochschullehre heraus, diskutiert diese und unterzieht sie einem forschenden multidisziplinären Blick. Deutlich werden soll, dass Forschung zu Hochschullehre als Teil der Hochschulforschung wie auch der Bildungsforschung und ebenso der Wissenschaftsforschung ohne Interdisziplinarität nicht zu leisten ist.

Teilthemen der Tagung: Die Tracks

Track 1 – Mikroebene (Lehr-Lernsituationen/Veranstaltungen): Lehren und Lernen an Hochschulen spielen sich vorzugsweise in Lehrveranstaltungen, aber auch anderen hochschulischen Lernumgebungen ab. Teildisziplinen wie die psychologische und pädagogische Lehr-Lernforschung und Didaktik liefern für deren Gestaltung und Erforschung relevante Erkenntnisse und Zugänge. Gleichzeitig wirken sich Kontextfaktoren auf die Praxis des Lehrens und Lernens aus: etwa Strukturen der Studiengänge, Forderungen oder Restriktionen in der Organisation Hochschule, die Zusammensetzung der Studierenden etc. Beiträge in diesem Track thematisieren Spannungsfelder auf der Mikroebene, setzen sich mit Voraussetzungen, Zielen, Anforderungen und/oder Interventionen auseinander und widmen den spezifisch hochschulischen Merkmalen und Herausforderungen besondere Aufmerksamkeit.

Track 2 – Mesoebene (Studiengänge/Programme): Der Entwicklung von Studiengängen und anderen hochschulischen Programmen schenkt man in den letzten Jahren vermehrt Beachtung. Die Hochschuldidaktik wie auch Hochschulforschung widmen sich den vielfältigen Erwartungen an ein akademisches Studium, die von Anspruchsgruppen aus Gesellschaft und Wirtschaft formuliert werden. Nicht wenige Widersprüche säumen das gesteigerte Interesse an dem, was ein Studium leisten soll: etwa gleichzeitig Forschungs- und Berufsorientierung sowie Sensibilität für Diversität. Beiträge in diesem Track greifen Spannungsfelder auf der Mesoebene auf, beschäftigen sich mit Bedingungen, Leitideen, Ansprüchen und/oder Instrumenten und arbeiten dabei disziplinäre oder inter- und transdisziplinäre Ansprüche für die Studiengang-/Programmentwicklung heraus.

Track 3 – Makroebene (hochschulische/politische Rahmenbedingungen): Hochschulen sind stets dem Wandel ausgesetzt; veränderte Rahmenbedingungen innerhalb wie außerhalb der Organisation Hochschule nehmen unmittelbar Einfluss auf die Gestaltung von Studiengängen und Lehrveranstaltungen. Damit werden für die Hochschullehre Disziplinen wie Soziologie, Ökonomie und Wissenschaftsforschung immer wichtiger. Politische Vorgaben und Programme ebenso wie mikropolitische Entwicklungen an den Hochschulen selbst bringen traditionelle Vorstellungen von „Bildung durch Wissenschaft“, Lehr- und Forschungsfreiheit und/oder die Verbindung von Forschung und Lehre ins Wanken. Beiträge in diesem Track befassen sich mit Spannungsfeldern auf der Makroebene, konzentrieren sich auf gesellschaftliche, wissenschafts- und hochschulpolitische Entwicklungen und thematisieren deren Auswirkungen auf hochschulisches Lehren und Lernen.

Track 4: Digitalisierung (auf allen Ebenen): Die digitale Transformation ist auf allen genannten Ebenen wirksam und dort mitzudenken. Die hohe Relevanz bei gleichzeitig zu beobachtender Unsicherheit recht-fertigt allerdings eine eigene Schwerpunktsetzung. Digitale Technologien sind auf der Mikroebene längst angekommen – mit technischen Werkzeugen und Systemen sowie innovativ anmutenden Lehrformaten. Die hier gezeigte Kreativität spiegelt sich derzeit aber kaum in veränderten Formen der Studiengangsgestaltung auf der Mesoebene wider. Dafür drängt man auf der Makroebene hochschulischer und politischer Rahmenbedingungen nach Digitalisierungsstrategien und schnellen Reaktionen. Beiträge in diesem Track zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Spannungsfelder im Zusammenhang mit der Digitalisierung ins Zentrum stellen und dabei zum Beispiel eine informatische, bildungs- oder kulturwissenschaftliche Perspektive einnehmen.

Track 5 – Offener Track: Es besteht auf der Tagung zudem die Möglichkeit, Beiträge von herausragender Bedeutung für die Hochschulforschung einzureichen, die nicht unmittelbar zum Tagungsthema passen. Erwünscht ist dennoch, einen Bezug zur Hochschullehre im weiteren Sinne herzustellen.

Struktur der Tagung: Formate und Einreichungsmöglichkeiten

Plenumsformate. Zwei Keynotes, eine am 26.03.2020 (Tag 1) und eine am 27.03.2020 (Tag 2), bilden wichtige Höhepunkte der Tagung. Dazu kommen eine Poster-Session (Tag 1) sowie ein Streitgespräch, organisiert als drei Kurz-Debatten (Tag 2). Die Mitgliederversammlung der GfHf sowie die Verleihung des Ulrich-Teichler-Preises erfolgen am Tag 1.

Vorträge. Am Tag 1 (9.00 bis 17.00 Uhr) sind drei Zeiträume von je 75 Minuten für Vorträge im Sinne eines diskursiven Gruppenformats vorgesehen. Jeder 75-Minuten-Track umfasst zwei Vorträge von je 20 bis 25 Minuten Länge mit jeweils 10 bis 15 Minuten Diskussion.

Workshops. Am Tag 2 (9.00 bis 13.30 Uhr) ist ein Zeitraum von 90 Minuten für fünf bis neun parallele Workshops als interaktives Gruppenformat eingeplant. Ein Workshop besteht aus zwei bis drei Impulsen zu maximal 15 Minuten sowie mindestens 45 Minuten interaktiver Zusammenarbeit. Erwünscht ist, dass in irgendeiner Form Studierende (Bachelor, Master, Promotion) mit einbezogen werden (als Zielgruppe, als Mitwirkende bei Impulsreferaten, als Diskutanten etc.).

Beiträge können in deutscher oder englischer Sprache in drei Formaten eingereicht werden: als Vortrag, Workshop oder Poster.

Einreichungen von Abstracts für alle drei Formate sind nur über die Web-Seite der Tagung unter www.gfhf2020.de bis zum 15. Oktober 2019 möglich.

Rückmeldungen über die Annahme einer Abstract-Einreichung werden voraussichtlich bis zum 16. Dezember 2019 erteilt.

Einreichung vollständiger Textbeiträge zu angenommenen Abstracts (Vorträge und Impulsreferate) zur Publikation im Tagungsband sind bis zum 15. März 2020 erforderlich.

Rückmeldungen über die Annahme einer Text-Einreichung werden voraussichtlich bis zum 15. Juni 2020 erteilt.

Weitere Infos zur Einreichung

A. Vortrag: Abstract mit maximal 500 Wörter und Angabe des Tracks, auf den sich der Vortrag bezieht. Das Abstract macht – je nach Thema – Forschungsfrage und -relevanz, theoretischen Rahmen und methodisches Vorgehen sowie (zu erwartende) Ergebnisse deutlich.

B. Workshop: Abstract mit maximal 800 Wörtern und Angabe des Tracks, auf den sich der Workshop bezieht. Das Abstract beschreibt das gemeinsame Konzept mit allen Referenten, skizziert Ziel und Relevanz und erläutert die interaktive Gestaltung (unter Einbezug Studierender).

C. Poster: Abstract mit maximal 250 Wörtern. Das Abstract skizziert die Grundzüge des (Forschungs-)Projekts, das mit dem Poster präsentiert werden soll, inklusive Zielsetzung und (geplantem) Vorgehen.

D. Vollständiger Textbeitrag: Text zum Vortrag mit maximal 6000 Wörtern, Text zum Impulsreferat mit maximal 4000 Wörtern. Hinweise zur Textgestaltung folgen im Herbst 2019

Wir freuen uns auf Ihre Beteiligung.

Lokales Konferenzteam

Prof. Dr. Gabi Reinmann, Prof. Dr. Carla Bohndick, Daria Hoffmann, Stefanija Naskovska, Dagmar Kaste

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