Staat und Gesellschaft. Anarchistische Perspektiven in der spätmodernen Sozialtheorie

Call for Papers für einen Workshop des Instituts für Soziologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Deadline: 15. Dezember 2017

Lässt sich eine anarchistische Gesellschaftstheorie der Spätmoderne denken und kann eine spätmoderne Staatstheorie plausibel ausformuliert werden?

In den letzten drei Dekaden sind auf den Staat und die Gesellschaft zahlreiche Grabreden und Nachrufe verfasst worden. Wie auch immer sich spätmoderne Kollektive zusammenfinden werden – dass es weder in Form der klassisch modernen Gesellschaft noch unter der Herrschaft eines souveränen (National)Staates geschehen würde, galt sozialwissenschaftlich lange als ausgemacht. Entgegen dieser Prophezeiung deuten zahlreiche politische und gesellschaftliche Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit allerdings auf eine spätmoderne Reorganisation des Staates sowie die Renaissance der Gesellschaft hin. Den abgebrochenen sozialtheoretischen Diskurs um die modernen Grundbegriffe Gesellschaft und Staat wieder aufzunehmen und im Rahmen einer spätmodernen Sozialtheorie neu zu verankern erscheint heute jedenfalls bei weitem nicht so antiquiert, wie es lange postuliert wurde. Mit unserem Workshop wollen wir den gesellschafts- und staatstheoretischen Diskurs in den Sozialwissenschaften somit wieder aufnehmen und dabei erörtern, inwieweit genuin anarchistische Denkansätze und Theorien einen Beitrag zu einem spätmodernen Verständnis von Staat und Gesellschaft leisten können.

Vor allem in politischen Kontexten und dem politischen Aktivismus erzeugen anarchistische Ideen in den letzten Jahren vielfältige Resonanzen. Dieser aktivistische und politische Aufschwung anarchistischer Ideen spiegelt sich bislang aber nur sehr verhalten in der sozialwissenschaftlichen Theorieproduktion. Wir gehen davon aus, dass anarchistische Perspektiven für die spätmodernen Gesellschaftstheorie ebenso wie für eine Staatstheorie der Spätmoderne produktive Anstöße ermöglichen und damit diesen weitgehend brachliegenden (sozialwissenschaftlichen) Diskurs beleben können. Dazu soll dieser Workshop einen Beitrag leisten.

Neben klassischen Vorträgen soll der Workshop auch Raum für offene Diskussionen mit Werkstattcharakter bieten, daher sind auch kürzere Diskussionsbeiträge ausdrücklich willkommen. Die Vorträge sollen inhaltlich gehaltvoll sein und nicht länger als 20 Minuten in Anspruch nehmen während die Diskussionsbeiträge explizit für erste (Vor)Überlegungen, theoretische Skizzen und kreative Einfälle gedacht sind, welche dann in einer gemeinsamen freien Diskussion erörtert werden können. Diese Beiträge sollten schriftlich nicht mehr als zwei bis drei Seiten umfassen und während des Workshops mit einem fünfminütigen Impulsreferat eine lebhafte Diskussion einleiten.

Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen zu allen relevanten sozial-, staats-, kultur- und gesellschaftstheoretischen Themenfeldern sind erwünscht. Der Workshop ist ausdrücklich auch für studentische Beiträge geöffnet. Abstracts zu diesen oder anderen einschlägigen und relevanten Themenfeldern sind mit der Angabe des gewünschten Formats (Vortrag oder Diskussionsbeitrag) bis zum 15. Dezember an Thomas.Linpinsel(at)sowi.uni-giessen(dot)de & Silke.Braselmann(at)sowi.uni-giessen(dot)de erbeten.

Hier geht es zum CfP (PDF).