Veteranen und Veteranenverbände in Politik und Gesellschaft

Call for Papers für einen Workshop am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam im Juni 2020. Deadline: 30. November 2019

Wenn Kriege enden, kehren Soldaten und zunehmend auch Soldatinnen nach Hause zurück. Sie stehen vor der Herausforderung, in der heimatlichen Alltagswelt beruflich wie privat wieder Fuß zu fassen. Bereits für die Antike sind Vorkehrungen bekannt, die seitens der politisch Herrschenden getroffen wurden, um die Integration zu erleichtern oder überhaupt erst möglich zu machen: in materieller Hinsicht wurden Versorgungsleistungen und Eingliederungshilfen gewährt und in symbolischer Hinsicht Formen der Würdigung des erbrachten Dienstes etabliert. Wie der Blick in die Geschichte gleichfalls zeigt, ist der „Dank des Vaterlandes“ (Diehl) keinesfalls immer gewiss. Nicht selten müssen Veteranen ihre Ansprüche auf Anerkennung und Versorgung erst gegen Widerstände durchsetzen. Sie rekurrieren hierbei auf das Kapital, das sie sich durch den Militärdienst erworben haben: etwa auf die sozialen Kontakte zu vormaligen Kameraden, die Hilfe und Unterstützung bieten; auf die erbrachten Opfer, mit denen die politische wie moralische Verpflichtung auf Anerkennung seitens der Heimatgesellschaft einhergeht, die bei Bedarf auch öffentlichkeitswirksam eingeklagt werden kann; oder auf den heroischen Nimbus, der mit Erfahrungen von Krieg und Gefecht verbunden ist und über den Kreis der unmittelbar Betroffenen hinaus sinnstiftende Bedeutung entfalten kann.

Unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen diese und weitere Aspekte, die den Erfahrungsraum und den Erwartungshorizont von Veteranen typischerweise kennzeichnen, gesellschaftspolitische Präsenz sowie Relevanz entfalten, soll im Rahmen eines Workshops zum Thema „Veteranen und Veteranenverbände in Politik und Gesellschaft“ erörtert werden, der vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr veranstaltet wird. Ziel der Veranstaltung ist es, die Mittel und Wege zu beleuchten, mit denen Veteranen zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten ihre Interessen und Bedürfnisse öffentlich zu artikulieren und durchzusetzen such(t)en. Für den jeweiligen Erfolg oder auch das Scheitern dieser Bemühungen spielen Organisations- wie Mobilisationsformen ebenso eine Rolle wie die spezifischen gesellschaftspolitischen Konstellationen, die Handlungsspielräume eröffnen oder beschränken. Gesucht werden daher Beiträge, die die Rolle von Veteranen und ihren Verbänden in Politik und Gesellschaft unter einer der drei folgenden Perspektiven diskutieren:

  • Veteranenpolitik: Mit welchen politischen Forderungen und welchen gesellschaftlichen Erwartungen treten Veteranen nach einem Krieg oder Militäreinsatz an die Öffentlichkeit? Welche Vergangenheitsbezüge werden hierfür in welcher Weise mobilisiert, welche Selbst- und Fremdbilder, welche Vorstellungen der Beziehungen von Politik, Gesellschaft und Militär treten zutage?
  • Veteranenorganisationen: Wann und wie schließen sich Veteranen organisational zusammen (und wann lösen sich diese Vereinigungen gegebenenfalls wieder auf)? Mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen versuchen Veteranenverbände, den Interessen und Bedürfnissen ihrer Mitglieder nachzukommen? Welche verbandsinternen Konflikte, welche politischen oder gesellschaftlichen Spannungen treten zutage? In welchem Zusammenhang stehen diese zur jeweiligen Kriegs- bzw. Militärvergangenheit?
  • Veteranenkarrieren: Unter welchen Umständen gelingt es Einzelnen, als „Veteran“, also unter sozialer Anerkennung und expliziter Inanspruchnahme der eigenen Kriegs- bzw. Militärvergangenheit, eine Karriere in Wirtschaft oder Politik zu machen? In welchem Verhältnis steht hier die Mobilisierung des eigenen Veteranenstatus im Vergleich zu anderen Ressourcen? Wie stehen solche Personen zu anderen Veteranen und ihren Verbänden, wodurch unterscheiden sie sich, was sind die gemeinsamen Bezugspunkte?

Neben Beiträgen, die sich mit Veteranen und ihren Verbänden im deutschsprachigen Raum beschäftigen, sind insbesondere Untersuchungen zu anderen Ländern willkommen. Analysen zu historischen Fällen sind ebenso erwünscht wie die Betrachtung zeitgenössischer Beispiele. Vortragssprachen für die 30minütigen Vorträge sind Deutsch und Englisch. Entsprechende Beitragsvorschläge im Umfang von bis zu 2.500 Zeichen werden zusammen mit einer kurzen biografischen Notiz erbeten an NinaLeonhard(at)bundeswehr(dot)org.

Kontakt:
PD Dr. Nina Leonhard
Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Zeppelinstr. 127/128
14471 Potsdam
Email: NinaLeonhard(at)bundeswehr(dot)org

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