Wirtschaft und Arbeit im Umbruch. Wie wird der Strukturwandel gestaltet?

Call for Papers für die SAMF-Jahrestagung 2020 im Einstein-Center Berlin. Deadline: 09. September 2019

Die Jahrestagung 2020 der Deutschen Vereinigung für sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF) findet statt am 13./14.02.2020.

Aktuelle wirtschaftliche Strukturwandelprozesse stehen in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herausforderungen. Insbesondere der Klimawandel und die demografische Alterung tragen dazu bei, dass bisherige Entwicklungspfade in Produktion und Dienstleistung in Frage gestellt und auch politisch teils intensiv bearbeitet werden. Gerade Branchen der „Daseinsvorsorge“ wie v.a. Energieversorgung, Gesundheitsdienste und Verkehr/ Mobilität werden durch politische Vorgaben beeinflusst. In Verbindung mit neuen Möglichkeiten durch digitale Techniken verändern sich in diesen und weiteren Sektoren die bisherigen Strukturen und Prozesse teils fundamental. Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erwarten massive Auswirkungen auf Unternehmensstrukturen, Tätigkeitsanforderungen, Beschäftigungsverhältnisse und regionale Wirtschaftsräume. Bisher gibt es jedoch wenig gesichertes Wissen über den Verlauf dieser Veränderungen und insbesondere über die Bedeutung der Arbeitsmarktinstitutionen für ihre Gestaltung.

Angesichts aktueller gesellschaftlicher Debatten etwa zur Zukunft der Automobilindustrie, zur Etablierung einer klimaneutralen Energieversorgung in Deutschland und zur Sicherung der Pflege und medizinischen Versorgung widmet sich die SAMF - Jahrestagung 2020 den Herausforderungen, die der politisch und technologisch beeinflusste Strukturwandel für Arbeitsmärkte bereithält und diskutiert mögliche Folgen für die Arbeitsmarktpolitik.

In der Tagung sollen exemplarisch Bereiche betrachtet werden, in denen sich sektorale Umbrüche vollziehen, darunter die genannten Sektoren der Daseinsvorsorge, wie die Energiewirtschaft, der Gesundheitssektor sowie Verkehr/ Logistik (Mobilität). Aber auch andere Bereiche mit markanten Um-brüchen können in Vorschlägen für Tagungsbeiträge (siehe unten) thematisiert werden.

Die ausgewählten Bereiche des Umbruchs sollen insbesondere hinsichtlich der Institutionen betrachtet werden, die Strukturen und Prozesse auf Arbeitsmärkten prägen. Zu denken ist an das System der Qualifikationserzeugung und -erneuerung (Berufliche Bildung, Hochschulbildung, Weiterbildung, Umschulung), die Arbeitsförderung (Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik, Strategien der Bundesagentur für Arbeit), die Industriellen Beziehungen (Strategien und Schwerpunkte von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, Rolle der Tarifbindung, Entwicklung der betrieblichen Mitbestimmung durch Betriebs- und Personalräte) sowie die arbeitsrechtliche Regulierung (Mindestlöhne, Kündigungsschutz, Arbeitszeitgesetz, Arbeits- und Gesundheitsschutz).

Besonders willkommen sind Beiträge, die die Bedeutung ausgewählter Institutionen (etwa in der Arbeitsförderung) für den Strukturwandel erläutern und einordnen. Ziel der Jahrestagung ist, durch einen Vergleich der Gemeinsamkeiten und Differenzen unterschiedlicher Strukturwandelprozesse besser zu verstehen, wie die Institutionen, die typischerweise Arbeitsmärkte prägen, auf die strukturellen Herausforderungen reagieren oder sie selbst vorantreiben.

Fragestellungen für Beiträge können beispielsweise sein:

  • Welche Arbeitsmarktbedeutung haben die bisherigen politischen Einflussnahmen auf sekt-orale Wirtschaftsprozesse? Welche Strategien verfolgen Gewerkschaften und/ oder Arbeitgeberverbände sowie die Verwaltung im Umgang mit den Arbeitsfolgen sektoraler Umbrüche?
  • Welche Bedeutung hat die Implementation digitaler Technologien in Produktions- und Dienstleistungsprozesse für die sektorale Struktur von Arbeitsplätzen, Qualifikationsanforderungen, Beschäftigungsformen?
  • Welche Gestaltungsmöglichkeiten bieten Marktregulierung und Investitionslenkung oder arbeitsmarktpolitische Maßnahmen?
  • Sind neue Formen in der Fachkräftesicherung, Arbeitsförderung oder den industriellen Beziehungen erkennbar, die die Herausforderungen sektoraler Umbrüche aufgreifen? Welche Strategien der Fachkräftesicherung erweisen sich unter Berücksichtigung der jeweiligen sekt-oralen Bedingungen als mehr oder weniger aussichtsreich?
  • Erweisen sich arbeitsrechtliche Regulierungen als Innovationsbremse oder verhelfen sie Unternehmen dazu, ihre Potenziale langfristig nachhaltig zu nutzen?
  • Auf welchen Wegen werden Qualifikationen gewonnen, um technologisch und geschäftsstrategisch bedingten neuartigen Anforderungen gerecht werden zu können?
  • Welche Folgen für den Arbeitsmarkt sind aufgrund neuer Mobilitätskonzepte bzw. neuer Geschäftsmodelle in den Bereichen Verkehr und Logistik zu erwarten?
  • Lassen sich arbeitsrechtliche Anforderungen (etwa zur Arbeitszeit oder zum Arbeits- und Gesundheitsschutz) in neuen Unternehmen, etwa der Energie- oder Gesundheitswirtschaft ebenso umsetzen wie in den traditionellen Großunternehmen?
  • Welche branchenspezifischen Schwerpunkte in der Arbeitsförderung setzt die Bundesagentur für Arbeit, etwa gegenüber der Gesundheitswirtschaft oder der Energiewirtschaft? Wer profitiert mehr, wer profitiert voraussichtlich weniger von der Förderung?
  • Entstehen neue Konstellationen hinsichtlich der Arbeitsvermittlung und Qualifizierung? Welche Rolle spielen plattformbasierte Reputations- und Bewertungsformen zur Feststellung der Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitskräften? Entwickeln sich Alternativen zu den herkömmlichen Formen der Arbeitsvermittlung und Arbeitsförderung?
  • und weitere...

Wir laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung und Unternehmen ein, die Fragen des wirtschaftlichen und technologischen Strukturwandels in ihren Konsequenzen für Arbeitsmärkte und Arbeitsmarktpolitik zu diskutieren.

Vortragsangebote mit Titel und einer aussagekräftigen Kurzbeschreibung des Inhalts, der empirischen Grundlage und des Vorgehens im Umfang von etwa einer Seite werden bis zum 09.09.2019 erbeten an Prof. Dr. Olaf Struck, Vorsitzender des SAMF e.V. (olaf.struck(at)uni-bamberg(dot)de).

Der Vorstand trifft auf Grundlage der vorliegenden Vortragsangebote eine Auswahl und teilt diese bis zum 30.09.2019 mit.

Zum CfP (PDF)