Mau-Buchforum (1) - Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft

Textauszug: "Mentale Lagerungen"

Generationenfolge

Der Wissenssoziologe Karl Mannheim hat in seinem berühmten Aufsatz »Das Problem der Generationen« vorgeschlagen,[1] Generationen als Gemeinschaften zu verstehen, die über gemeinsame Erlebnisse eine Art Zusammenhang ausbilden. Für Mannheim sind Generationen dabei mehr als einfach nur Menschen, die im selben Jahr oder Jahrzehnt geboren wurden. Da jede Generation nur an einem bestimmten historischen Abschnitt teilnimmt und somit jeweils spezifische Erfahrungen macht, kommt es zu einer besonderen Erlebnisschichtung. Katalysiert werden Generationszusammenhänge, wenn es historische Zäsuren oder Wendepunkte gibt, die eine Art Band zwischen dem Einzelnen und dem Kollektiv herstellen. Menschen, die in einer historischen Phase etwas gemeinsam durchleben, so Mannheim, bilden mit großer Wahrscheinlichkeit ein besonderes soziales Bewusstsein aus. Vor allem wenn diese Ereignisse in der Jugendphase auftreten, entstehe ein davon geprägtes »natürliches Weltbild«. Ältere hätten schließlich schon Schemata und Werkzeuge der Weltinterpretation ausgebildet, so dass sie diese Ereignisse anders einordneten.

»Generationenrhythmik« und sozialer Wandel werden häufig zusammengedacht, da über die Abfolge der Generationen neue Erfahrungen, soziale Praktiken und Mentalitäten in die Gesellschaft hineinkommen. Es finden sich dementsprechend Versuche, die Genealogie der Bundesrepublik aus der Abfolge der Generationen zu interpretieren.[2] Helmut Schelsky wurde mit seinem jugendsoziologischen Blick auf die »skeptische Generation« zum Stichwortgeber der frühen Bundesrepublik.[3] Diese Generation hatte den Krieg und den Ruin eines politischen Systems miterlebt, soziale Unsicherheit und permanente Gefährdung waren verbreitete Erfahrungen. In der Bundesrepublik des Wirtschaftswunders zeichnete sie sich durch Pragmatismus und Ideologieferne aus. Prägend für die Geschichte der Bundesrepublik waren auch die Achtundsechziger, die sich selbst als politisierte, veränderungswillige Generation sahen und tradierte Werte und Institutionen herausforderten.[4] Die darauf folgenden Achtundsiebziger ließen kein annähernd so ausgeformtes Bewusstsein erkennen, weshalb sie sich das Label der »Zaungäste« anheften lassen mussten.[5]

Auch für die realsozialistische DDR kann man generationsspezifische Erfahrungen ausmachen, die im Zusammenhang mit den Entwicklungsphasen des Systems zu sehen sind. Wer den Aufbau erlebt hatte, wurde anders sozialisiert als die Generation jener, die als Jugendliche Zeugen des Taumels und dann des Zusammenbruchs wurden. Schule, Ausbildung, Massenorganisationen und Wehrpflicht sorgten ihrerseits für eine stark generations- und altersgeschichtete, ja fast schicksalsgemeinschaftliche Form des Erlebens der jeweiligen historischen Abschnitte.[6] Die Wende hat die Unterschiede in den generationalen Erfahrungen dann noch weiter verschärft, ihnen eine neue Drift verpasst. In welchem Lebensabschnitt man sich befand, als das System kollabierte, war mitentscheidend dafür, wie schnell man Abstand zum Alten gewann und wie leicht (oder schwer) es fiel, sich im Neuen zurechtzufinden.

Die Zäsur des Mauerfalls ist von manchen als Impuls für das Entstehen einer neuen Generation verstanden worden. Man sprach von den sogenannten Neunundachtzigern, die damals zwischen 17 und 25 Jahre alt waren, sich in der entscheidenden Phase ihrer politischen Sozialisation befanden und nun auf eine neue Weise auf die Welt blickten.[7] Gemäß der mannheimschen Theorie hätte dieser Einschnitt zumindest in dieser – meiner – Generation Anlass zu einer gemeinsamen »Bewusstseinslagerung« und entsprechendem politischen Handeln geben können. In der ersten gesamtdeutschen Schülerstudie gingen die Autoren denn auch davon aus, dass sich eine »durch das Miterleben des Wandels in der DDR [...] politisch aufgestörte, aktive und polarisierte Ost-Jugendgeneration« entwickeln würde. Im Westen wiederum habe man es mit »politisch ›ruhende[n] ‹ und weniger zu einem profilierten Selbstbewußtsein gekommenen]« Kohorten zu tun.[8] Der Verlust an Gewissheiten, die Diskreditierung von Ideologien, das Ende der bipolaren Weltordnung, die Kontingenzerfahrung – all dies ließ die Jugendgeneration der späten DDR als prädestiniert erscheinen, die gesellschaftliche Arena mit einem neuen Selbstverständnis zu betreten und womöglich die westdeutsche Jugend mitzuziehen. In den Feuilletons spekulierte man gar, die Neunundachtziger könnten ähnlich wie die Achtundsechziger zum Signum einer Zeitenwende werden.

Heute wissen wir, dass es zu einer solchen politisierten Generationenbildung nie gekommen ist, und auch schon damals sprachen manche Anzeichen dafür, mit dieser These lieber vorsichtig zu sein. Zwar gab es ein Reservoir gemeinsamer Erfahrungen, es wuchs jedoch eine eher unpolitische Generation heran, die auf das persönliche Vorankommen, das Mögliche und Machbare fixiert war.[9] Es fehlte ein ideologischer Überbau, der Erfahrungen hätte bündeln und politisch aufladen können. Ganz nüchtern betrachtet, ähneln die Neunundachtziger sogar der skeptischen Generation, die als misstrauisch, illusionslos und angepasst gilt. Meine Generation, die erst die späte DDR und dann die Euphorie des Aufbruchs erlebte, hat sich größtenteils still und unaufgeregt in die Bundesrepublik eingefädelt. Nicht immer war das einfach, viele mussten »erzwungene Umwege« in Kauf nehmen.[10] Den eigenen Platz finden, Welterfahrung durch Reisen, neue Ausbildungswege, berufliche und materielle Sicherheit, das private Glück waren für die meisten wichtiger als irgendein politisches Programm. Voran kamen allerdings vor allem die gut Qualifizierten, Ehrgeizigen und Veränderungsbereiten, andere verloren den Anschluss, resignierten. Manche drifteten ab und suchten Halt in rechten Ideologien.

Besonders hart traf die Wende die mittleren Werktätigenkohorten, die in der DDR beruflich voll im Leben gestanden und Kinder großgezogen hatten. Die zwischen 1940 und 1960 Geborenen waren mit dem Schock der Massenarbeitslosigkeit konfrontiert, es entstand eine lost generation. Viele fanden sich in biografischen Haltebuchten wieder. An ihnen hing die Verantwortung für die Existenz ganzer Familien, oft waren sie ortsgebunden und wenig flexibel, ein Neustart war mit hohen Risiken und außergewöhnlichen Kraftanstrengungen verbunden – Ausgang ungewiss. Diese Gruppe war mental und biografisch zu stark in der DDR verwurzelt, als dass sie sich vollständig hätte neu erfinden oder runderneuern können. Dennoch verlangte man ihr grundlegende Konversionen ab: Abschwören, Umschwenken, Neulernen. Bei vielen machte sich Verbitterung breit ob der in der DDR »verschenkten Lebenszeit«, eigener politischer Irrtümer und sich verriegelnder Türen. Die Unzufriedenheit, die sie dazu gebracht hatte, der DDR die Gefolgschaft aufzukündigen, wurde durch den Eintritt in die Bundesrepublik nicht aufgelöst: Vor allem bei jenen, die keine gesicherte Position mehr finden konnten und in die Zone der Prekarität abrutschten, machten sich Enttäuschung und Ressentiment breit. Wer es schaffte, sich beruflich wiederaufzurichten, weil der Sprung in die Selbstständigkeit gelang oder doch noch eine Umschulung aus der Maßnahmendrehtür hinausführte, machte nicht selten die Bewahrung des Errungenen zum Lebensthema. Alles in allem schaffte es diese Gruppe nicht, das durch den Anpassungsschock ausgelöste »verunsichernde Selbstgefühl einer ›kooptierten Generation‹« abzustreifen.[11]

Ganz anders war es um die Aufbruchs- und Gründungsgeneration der Geburtsjahre 1925 bis ca. 1939 bestellt, die nach 1949 Bildungs- und berufliche Aufstiege erlebt und der DDR somit einiges zu verdanken hatte. Ihre Angehörigen konnten sich zumindest teilweise noch an die Vorkriegs- und Nazizeit erinnern, so dass sie über einen Erfahrungsschatz verfügten, der sie mitunter gelassener auf die Ruinen des untergegangenen Staates blicken ließ. Als Rentner oder Vorruheständler wechselten sie nun schnurstracks ins Alimentierungssystem des bundesdeutschen Wohlfahrtsstaates und blieben von den Zumutungen des zusammenbrechenden Arbeitsmarktes verschont. Verglichen mit den zumeist mageren DDR-Renten verbesserte sich ihre Situation sogar, zumal durch die höhere Frauenerwerbsquote die Rentenansprüche dieser Haushalte recht gut waren. Der Rückbezug auf das Leben in der DDR prägte allerdings weiterhin die Weltsicht, vor allem bei Personen, die enger mit dem System verbandelt gewesen waren. Allgemein gilt: Je länger Kohorten in der DDR gelebt haben, desto stärker weichen ihre Einstellungen beispielsweise zu Staat oder Demokratie von denen in Westdeutschland ab.[12]

Schließlich gibt es noch die »Wendekinder« der Jahrgänge 1975 bis 1985, deren verunsicherte Eltern von Existenzängsten geplagt wurden und deren Lehrer über Nacht an Autorität eingebüßt hatten.[13] In den Klassenzimmern drehte sich die Welt einmal um 180 Grad, das Alte wurde mir nichts, dir nichts entsorgt – bei weitgehender Kontinuität des pädagogischen Personals. Zu Hause herrschten große Sorgen, die Existenz von Familien war bedroht, eigene Selbstverwirklichungswünsche mussten häufig zurückstehen. Die Hilflosigkeit der Eltern überforderte sie regelmäßig, manchmal wurden sie geradezu in die Rolle seelischer Helfer gedrängt. So entstand eine »Generation der Unberatenen«,[14] die auf Eltern und Lehrer als Wegweiser, Türöffner und Kümmerer verzichten musste. In Untersuchungen wurden ihnen lange pubertäre Latenzphasen, »metaphysische Obdachlosigkeit« und eine Anhänglichkeit an das Herkunftsmilieu bescheinigt.[15] Jana Hensel hat diese Generation in ihrem Buch Zonenkinder (2003) anschaulich porträtiert. Gesellschaftlich blieben viele distanziert, manche setzten sich erneut mit ihrer Herkunft auseinander, andere übten sich in privater Sinnsuche. Zugleich gibt es in dieser Generation große Gruppen von Abgehängten und »Verlierern«, die sich als ideologieanfällig erweisen und aggressiv abgrenzen.

In den noch jüngeren Kohorten sind die Einstellungsunterschiede zwischen Ost und West schwächer ausgeprägt, aber es gibt sie. Nach 1989 geborene Ostdeutsche zeigen sich von der Demokratie enttäuschter als Gleichaltrige im Westen und haben ein schwächer ausgeprägtes politisches Selbstbewusstsein. Auch die Wende und die Nachwendezeit bewerten sie kritischer.[16] Es stimmen deutlich mehr junge Ostdeutsche der Aussage zu, dass es bis heute einen Unterschied macht, ob man aus dem Ost- oder dem Westteil des Landes kommt; über zwei Drittel fühlen sich mit Ostdeutschland verbunden.[17] Zugleich blickt der überwiegende Teil optimistisch in die Zukunft. Dass sich die ostdeutsche Mentalität über die Zeit still und vollständig ausschleicht, steht nicht zu erwarten, da die DDR-Erfahrung und die Transformationserlebnisse narrativ weitergegeben werden und die Ungleichheit sich festgesetzt hat. Identitätsprägend scheinen auch öffentliche Diskurse über »den Osten« zu sein, die Ostdeutsche ganz anders auf ihre Herkunft zurückverweisen.[18]

Soziokulturelle Entwertungen

Neun Euro und achtzig Cent kostet ein Besuch im Alltag der DDR, ermäßigt sind es sechs. Wer hätte gedacht, dass sich an Wochenenden einmal lange Schlangen bilden würden, um ein untergegangenes Land zu besichtigen. Das DDR-Museum im – pompös benannten – Dom-Aquareé Berlin kann sich über mangelnden Zulauf jedenfalls nicht beklagen. Menschen aus aller Welt kommen hierher, aber auch viele Ostdeutsche, die nun Eintritt bezahlen, um Einrichtungsgegenstände, Volkspolizeiuniformen und andere teils skurrile, teils durchaus aussagekräftige Artefakte aus dem Nachlass der DDR noch einmal zu inspizieren.

Mit der DDR sind nicht nur ihre Produkte, ihre Symbole und ihre Alltagsästhetik verschwunden, es kam zugleich zu einer Entwertung des dort angehäuften Erfahrungsschatzes. Als die DDR unterging und die Ostdeutschen kollektiv der Bundesrepublik beitraten, wurde die Herkunftskultur zurückgesetzt. Als Quelle der Anerkennung steht sie kaum mehr zur Verfügung. Auch dies kann man als Fraktur beschreiben, sind Fragen der Wurzeln und der Herkunft doch eng mit Fragen der Identität sowie des Fremdbezugs verknüpft. Wohl gab es im öffentlichen Diskurs Stimmen, die darauf drangen, den »Lebensleistungen« der ehemaligen DDR-Bürgerinnen und -Bürger Respekt zu zollen, als eigenständige Kultur- und Traditionsform, als Lebensweise oder als positiv aufgeladener Heimatbezug hatte die Deutsche Demokratische Republik jedoch ausgedient. Die ostdeutsche Soziokultur galt als defizitär, sah sich mit Anpassungs- und Umstellungserwartungen konfrontiert und war durch das alte Regime politisch kontaminiert. Im Westen, wo man sich schon seit Jahrzehnten mit postmodernen Lebensstilkonflikten, mit Vielfaltsnarrativen und Verfassungspatriotismus beschäftigt hatte, galt sie allenfalls als Relikt, das keine besondere Anerkennung verdiente. Dies hätte, so die verbreitete Einschätzung, möglicherweise ihre Halbwertszeit noch einmal verlängert und die Eingewöhnung vor allem der älteren Milieus behindert, die Menschen sollten schließlich in der Bundesrepublik »ankommen«. Der Verweis auf tatsächliche oder vermeintliche Errungenschaften, die Reklamation einer positiven lebensgeschichtlichen Erfahrung oder alltagskulturelle Bezüge auf die DDR – all das fand sich hohen Rechtfertigungshürden gegenübergestellt und hat bis heute einen ungeklärten Aufenthaltsstatus im Pantheon der kollektiven Erinnerung.[19] Mit dem französischen Philosophen Maurice Halbwachs könnte man sagen, dass positive Bezugnahmen aus dem kollektiven Gedächtnis ausgeschlossen wurden.[20]

Diese Nicht-Akzeptanz bestimmter Erfahrungen führte bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern zu kulturellen Kränkungen. Öffentliches Erinnern und persönliches Erleben ließen sich oft nur schwerlich aufeinander beziehen – mithin entstand eine »gespaltene Erinnerung«.[21] Manche gerieten sogar auf kalten Entzug. Wohl gab und gibt es nach wie vor soziokulturelle Milieus und Praktiken, die von solchen Bezügen zehren – man denke nur an die Datschen- und Gartenkolonien, den Initiationsritus der Jugendweihe oder den MDR und die Super Illu als Resteverwerter der DDR. Innerhalb institutioneller und öffentlicher Kontexte war das aber kaum opportun. Das Risiko, als Ewiggestriger oder Nostalgiker dazustehen, der den diktatorischen Charakter des Realsozialismus relativieren wollte, war zu groß. Gewiss, es wurde viel und ausufernd über die DDR geredet, meist handelte es sich jedoch um ein Sprechen »über«, weniger um ein Sprechen »mit«. Interessanterweise äußerten sich Beobachter von außerhalb oftmals weitaus milder, als es in der aufgekratzten innerdeutschen Debatte üblich war. Ein Beispiel liefert folgende Einschätzung der US-Philosophin Susan Neiman:

Die Herablassung der Westdeutschen gegenüber den Ostdeutschen schockiert mich immer wieder. Die Geschichte der DDR reduziert sich am Ende auf fünf Buchstaben: Stasi. Aber es ist falsch, zu glauben, dass DDR-Bürger entweder IMs oder duckmäuserische Untertanen waren. Westdeutschland muss seine Beziehungen zu Ostdeutschland erst noch aufarbeiten.[22]

Manches mag sich mit der Zeit beruhigt haben, zuweilen merkt man jedoch, wie tief der Stachel bis heute sitzt. Dabei geht auch ein Riss durch die Ostdeutschen selbst, als Gruppe, als Individuen.

Als Andrej Holm, Stadtsoziologe an der Humboldt-Universität und gut vernetzter Kritiker der Gentrifizierung, im Dezember 2016 als Berliner Staatssekretär für Stadtentwicklung und Wohnen berufen wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: Holm, ein Kollege an meinem Institut, hatte bei seiner Einstellung verschwiegen, dass er als junger Mann für die Staatssicherheit tätig gewesen war. Er wurde schon als Schüler zum Nachwuchskader auserkoren und trat dann im Herbst 1989 seinen Dienst als Offiziersschüler an, den er bis Anfang 1990 versah. Wochenlang tobte die Diskussion, ob Holm nun ein hohes politisches Amt bekleiden dürfe oder nicht. Der Berliner Senat geriet unter Druck, als sich ein Schriftstück fand, das nachwies, dass Holm in einem Personalfragebogen seine Stasi-Mitarbeit verschwiegen hatte. Andrej Holm bestand darauf, den Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt zu haben, verwies auch darauf, dass er andernorts offen mit seiner Vergangenheit umgegangen war. Die Universität sah darin jedoch eine »arglistige Täuschung« und kündigte ihm. Das Institut wurde von Studierenden besetzt und zur »Universität von unten« umfunktioniert, um die Hochschulleitung zur Rücknahme der Kündigung zu zwingen. Viele betrachteten Holms damalige Tätigkeit als Jugendsünde und ihr späteres Verschweigen als Lappalie. Andere waren nicht gewillt zu verzeihen, bemängelten seinen unaufrichtigen Umgang mit der eigenen Biografie und forderten Gerechtigkeit für die Opfer. Mit einem Mal war das Stasi-Thema wieder so präsent wie in den Neunzigern. Als ich mich Anfang 2017 in einem Café in der Oranienburger Straße mit Andrej traf, um seine Sicht der Dinge zu hören, merkte ich, um wie viel anders sein Leben in der späten DDR gewesen sein musste als meins. Er war der Sohn eines Stasi-Offiziers, seine Familie hatte seinen Weg vorbestimmt und ließ es geschehen, dass das MfS ihn bereits als Vierzehnjährigen rekrutierte. Zugleich wurde offenbar, dass er schon damals nicht ausschließlich der Stasi-Mann gewesen war, sondern dass es auch einen anderen Andrej gegeben hatte. Seine Verstrickung erschien in einem anderen Licht, problematisch blieben seine »Erinnerungslücken« und der schlingernde Umgang damit. Immerhin war er einer der Wenigen, die sich einer öffentlichen Diskussion stellten. Der Fall zeigt exemplarisch, wie viele Fallstricke der Stasi-Komplex bis heute bereithält. Er zeigt aber auch, dass Schwarz-Weiß-Urteile den Dingen oft nicht gerecht werden.

Die Stasi-Verwicklung großer Teile der Gesellschaft war die größte Bürde der erinnerungspolitischen Aufarbeitung der Deutschen Demokratischen Republik, an der sich viele (auch viele aus dem Westen) abarbeiteten und die dazu einlud, gleich die gesamte DDR-Geschichte zu entsorgen. Die Gleichsetzung von System und Alltagserfahrung machte es schwer, ein differenziertes Gespräch zu führen, das auch dem Facettenreichtum, den Unschärfen und Tücken der Biografien Gerechtigkeit wiederfahren ließ. Dies betraf letztlich alle, die sich irgendwie mit dem System arrangiert hatten und sich nun fragen lassen mussten, ob – mit Adorno gesprochen – ein richtiges Leben im falschen überhaupt möglich gewesen war. Das Selbstverständliche, das Unhinterfragte, so empfanden es viele, war immer nur der Westen. Während sich die Ex-DDR-Bürger in vielerlei Hinsicht immer wieder infrage stellen lassen – ja gleichsam sozial entkleiden – mussten, blieb die westdeutsche Gegenseite von solchen Zumutungen verschont. Hier das Normale, die Referenz- und Zielgesellschaft der Autochthonen, da die Newcomer, die Fremden, von denen erwartet wird, dass sie das Mitgebrachte abstreifen.

Mit dem Theoriebaukasten Norbert Elias’ sind die Ostdeutschen auch als habituelle Außenseiter charakterisiert worden,[23] die auf eine soziale Vorrangstellung der Westdeutschen trafen, denen sie sich unterzuordnen hatten. Auch eine »Subalternisierung ostdeutscher Soziokulturen« wurde konstatiert.[24] Vor diesem Hintergrund gab und gibt es in vielen ostdeutschen Milieus eine verbreitete »Angst vor Mindereinschätzung«.[25] Diese Unterlegenheitserfahrung kommt auch in der zugespitzten Formel der »Bürger zweiter Klasse« zum Ausdruck, die in Umfragen immer wieder geäußert wird. Während sich in den frühen Neunzigern über 90 Prozent der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse fühlten, waren es zwanzig Jahre später immer noch über 40 Prozent.[26] In einer aktuellen Studie gaben, wie eingangs erwähnt, zuletzt über 35 Prozent der Ostdeutschen an, sie würden als Bürger zweiter Klasse behandelt, fast die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, mit ostdeutscher Herkunft müsse man sich mehr anstrengen, um das Gleiche zu erreichen, über 37 Prozent der Ostdeutschen glauben, sie hätten nicht den gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Positionen.[27] In Sachsen waren es bei einer repräsentativen Befragung im Jahr 2018 sogar über zwei Drittel, die sich als Bürger zweiter Klasse fühlten, wobei diese Wahrnehmung unter AfD-Anhängern besonders stark ausgeprägt scheint.[28] Man kann das sowohl als Echoeffekt sozioökonomischer Deklassierung als auch als Reaktion auf kulturelle Umwertungen deuten, die tradierten Mustern der ostdeutschen Lebensführung und Soziokultur Anerkennung entzogen.

Die Menschen in den Neubaugebieten beispielsweise fanden sich am untersten Ende der fiktiven Wohnprestigeskala der Bundesrepublik wieder, gleich neben den Bewohnern der als Problemquartiere gebrandmarkten Großsiedlungen Westdeutschlands. Ihre Viertel galten nun als Sanierungsfälle und ästhetische Zumutung. In Lütten Klein reagieren viele Alteingesessene auf diese öffentliche Herabwertung mit einem trotzigen »Wir finden es hier aber schön« (was auch dann geäußert wird, wenn man gar nicht danach gefragt hat). Sie sagen: »Lütten Klein ist ein attraktives Wohnviertel. Man hat alles beieinander, alles vor der Haustür mehr oder weniger. Man kennt es eben.« (Kay) Schon das in der DDR unübliche Wort »Plattenbau« halten viele ehemalige oder aktuelle Bewohner für einen westdeutschen Kampfbegriff.

Für den ostdeutschen Fall wäre es sicherlich – nicht zuletzt aufgrund interner Differenzierungen und der unterschiedlichen Abschichtungen der Erfahrungen vor und nach der Wende – eine zu starke Behauptung, unterstellte man eine in sich geschlossene und stark konturierte Teilkultur. Eigenarten gibt es allemal, aus der gemeinsamen Geschichte in und mit der DDR sowie der Transformationserfahrung entstand aber kein kulturelles Repertoire, das vorbehaltlos genutzt werden könnte, um Selbstwert zu gewinnen, Stigmatisierung zu überwinden oder Ansprüche anzumelden.[29] Die Selbstabschaffung und die diskursive Entwertung der Deutschen Demokratischen Republik ließen die Quellen der (positiven) Bezugnahme auf die eigenen Wurzeln austrocknen. Selbst bei Vornamen avancierte das Etikett »typisch DDR« oder »typisch ostdeutsch« zu einer Art Stigma. In Arbeiten zu indigenen Völkern spricht man recht unbefangen von den »culturally dispossessed«, den kulturell Enteigneten, die über ihre hergebrachten kulturellen Artefakte und Repertoires nicht länger verfügen können. Formen der festhaltenden, mitunter auch trotzigen Reaktanz und des inneren Rückzugs treten dann verstärkt auf, wenn eigene kulturelle Quellen von Identität, Erinnerung und Sinngebung als minderwertig, rückwärtsgewandt, obsolet oder gar entwicklungshemmend abqualifiziert werden.

Vexierbilder von Identität und Herkunft

Die Politisierung einer gemeinsamen nationalen Identität war eine wichtige Antriebskraft und Legitimationsquelle des Einigungsprozesses, diese »Rückkehr zur Nation« konnte die Ausbildung und Pflege einer speziellen ostdeutschen Identität jedoch nicht vollständig verhindern. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung hingen die Sehnsüchte und Identifikationen am gemeinsamen Status als Deutsche, doch schon wenige Jahre später tat sich ein identitärer Horizont auf, in dem das Ostdeutsch-Sein eine zunehmend wichtigere Rolle spielte.[30] 2016 gaben im Allbus, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, immerhin 63 Prozent der Ostdeutschen an, sie fühlten sich stark beziehungsweise ziemlich stark mit der DDR verbunden (Tabelle 2).[31] Das kann man als wichtigen Identitätsanker begreifen, allerdings fällt die Verbundenheit mit der Bundesrepublik als Ganzer noch höher aus und liegt sogar oberhalb des westdeutschen Niveaus. Wir haben es hier mit sogenannten nested identities zu tun, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern miteinander verzahnt – oder besser: ineinander eingebettet – sind. Das Ostdeutsch-Sein stellt einen relevanten Herkunftsbezug dar, wird aber in der Regel nicht zur starken Identität. Dafür ist es zu diffus, bezieht es sich auf zu unterschiedliche Quellen. Exklusiv und separatistisch ist diese Ostidentität auch nicht. Im Vergleich zu klassischen Regionalbewegungen (Beispiel Katalonien), die Druck auf politische Systeme ausüben und ganze Staatsgebilde ins Wanken bringen können, ist der Sog ins Ostdeutsche hinein alles in allem eher schwach. Auch wenn sich viele Ostdeutsche durch ein unsichtbares Band verbunden fühlen mögen, bleibt die Politisierung der Identitätsfrage alles in allem randständig. Ostdeutsche Interessen wurden im Rahmen regulärer politischer Beteiligungsformen mit erledigt; weiter gehende Versuche, aus der besonderen sozialen und mentalen Lage politisches Kapital zu schlagen, gab es mit Ausnahme der PDS/Die Linke nicht – vermutlich wären sie auch wenig erfolgreich gewesen.

Zwar gibt es schon aufgrund der ganz unterschiedlichen Lebenswege nicht »die Ostdeutschen« als Großkollektiv oder klar umgrenzte Gruppe, gewisse gemeinschaftliche Verdichtungen finden sich aber durchaus. Die ostdeutsche Identität ist dabei nicht einfach eine Fortsetzung der DDR-Identität unter gesamtdeutschen Bedingungen, sondern ein erinnerungsgemeinschaftlicher Zusammenhang, der variationsreich aktualisiert werden kann. Je nach sozialer Lage, Generation und Nähe zum politischen System der Deutschen Demokratischen Republik fällt die Identitätsvergewisserung sehr unterschiedlich aus. Ostdeutsche Identität kann als trotziges Festhalten am untergegangenen Land daherkommen, als wehmütige Erinnerung an die eigene Jugend, als DDR- Folklore, als Rückbesinnung auf und Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, als neues Regionalbewusstsein oder als Selbstetikettierung der »Wendekinder«. Im offiziellen Diskurs ist diese Haltung nicht nur gelegentlich als »Ostalgie« geschmäht worden. »Sondermentalitäten« oder »Abgrenzungsidentitäten« wurden kritisch gesehen und zum Teil vehement abgelehnt. Der Vorwurf der Geschichtsvergessenheit schwang dabei ebenso mit wie die Warnung vor einer Ost-West-Spaltung, die durch massive Transferzahlungen und Aufbauhilfen doch gerade überwunden werden sollte.

Die Ostdeutschen, so die Signale, sollten ja gerade nicht in einen identitätspolitisch aufgeladenen Neotribalismus verfallen, der quasi nachholend ein ostdeutsches Kollektiv oder gar – im Zuge einer Selbstethnisierung – einen ostdeutschen Stamm erfindet und gesellschaftliche Spaltungen tendenziell noch vergrößert. So entstand eine nahezu groteske Konstellation, in der gerade das Verschweigen von Differenz und unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen zur Voraussetzung einer erfolgreichen Vereinigung wurde.

In den Registern der offiziellen Erinnerungskultur wurde vieles gelöscht oder für anstößig befunden, was für die Individuen durchaus Bedeutung und Affizierungspotenzial hatte und bis heute hat. Diejenigen, die sich daran klammerten und nicht beherzt zu neuen Ufern aufbrachen, empfanden dies als planvolle Zurückweisung. Wer das solidarische Zusammenleben im Realsozialismus pries, musste sich entgegenhalten lassen, er unterschlage die repressiven Aspekte des Regimes; die ostdeutsche Skepsis gegenüber Ungleichheit galt als postsozialistische Gleichmacherei; die Kindergartenkultur als Ausdruck einer kalten Bildungsdiktatur mit Fernwirkungen bis hin zu heutigen Neonaziphänomenen etc. In medialen Debatten und erinnerungspolitischen Initiativen lag der Schwerpunkt stets auf Mauer, Flucht und Teilung, lebensweltliche Bezüge waren selten. Die Beschreibung der DDR vor allem als Diktatur betrachten viele Ostdeutsche daher als Verzerrung der historischen Realität.[32] Die Aufarbeitung der Vergangenheit lief deshalb auch an vielen Ostdeutschen vorbei; sie erkannten sich in den offiziellen Geschichtsbildern von SED-Diktatur und Unrechtsstaat nicht wieder.[33] Die fortwährende Bezugnahme ex negativo verhinderte eine selbstbestimmte Verortung im historischen Raum. Das gilt nicht nur für ehemals angepasste DDR-Bürger, sondern interessanterweise auch für Kritiker und Dissidenten, denen ebenfalls positiv aufgeladene Bindungen abhandenkamen.

Die Tilgung der Deutschen Demokratischen Republik aus dem Alltag ist nicht allein auf Erinnerungsnarrative und die offiziellen Symbole beschränkt, verkörpert sich Geschichte doch auch in öffentlichen Einrichtungen, Industrieanlagen, Betriebskantinen oder Schulen, also an Orten, die man mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpft. Zwar war die Flurbereinigung nicht so groß und flächendeckend wie bei Symbolen, die direkt mit dem DDR-Staat verknüpft waren, aber auch davon wurde vieles zurückgebaut, stillgelegt, abgerissen, so dass es nicht länger zugänglich ist. Wo meine alte Bibliothek war, befindet sich heute eine Zoohandlung. Meine Berufsschule wurde mit dem Umbau des Betriebs erst geschlossen, dann dem Erdboden gleichgemacht. Die Poliklinik, in der meine Mutter viele Jahrzehnte gearbeitet und später ihre eigene Praxis hatte, stand zunächst lange leer und wurde zum beliebten nächtlichen Jugendtreff, ehe sie von der Abrissbirne zerschlagen wurde. Auf dem Gelände des VEB, in dem mein Vater einst tätig war, ist nur ein einzelnes Gebäude übrig geblieben. Man kann diese Liste noch verlängern: Der »Palast der Republik«, ein für ein ehrliches, ausgewogenes und nicht exhumierendes DDR-Museum sicherlich prädestinierter Ort, musste dem Stadtschloss weichen. Diese »Spurenbeseitigung« ist der Grund, weshalb insbesondere die Älteren mit einem »doppelten Geschichtsverlust« konfrontiert sind,[34] da sie neben ihren Arbeitsplätzen vieles verloren, was sie mit aufgebaut hatten und was für ihre Entwicklung wichtig war. Nur eine Randnotiz: Die meisten Straßennamen in Lütten Klein, fast alle Namen von Städten in der baltischen Region, waren politisch unverfänglich und konnten bleiben. Einzig die Gdansker Straße – mein früherer Schulweg – wurde in Danziger Straße eingedeutscht.

Die Schmähung vieler Aspekte der DDR hat bei nicht wenigen Ostdeutschen die Abwehrformel evoziert, dass nur, wer in der Deutschen Demokratischen Republik gelebt habe, überhaupt verstehen könne, was das spezifisch Ostdeutsche sei. Die »Ossi-Werdung« ist hierbei als unmittelbare Reaktion auf Pauschalurteile, empfundenes Desinteresse und Benachteiligung zu verstehen. Möglicherweise versuchten und versuchen die Ostdeutschen, »mit Hilfe eines solchen Erinnerungsprivilegs ihre Identität zu bewahren und sich selbst zu therapieren«.[35] Eine Folge war, dass sich viele hinter dieser rhetorischen Schutzwand versteckten, eine andere, dass die DDR-Geschichte zum Steinbruch wurde, aus dem sich jeder für je eigene Zwecke bedienen kann: um sich seiner selbst zu vergewissern, um symbolische Grenzen zu ziehen oder um über den übermächtigen Westen zu klagen. In der mentalen Wagenburg der Ossifizierung wurde dabei auch so manches Mütchen gekühlt, so manches Süppchen gekocht, so manche Seele gestreichelt. Unhinterfragte Vergangenheitseuphorie ist bei manchen älteren Jahrgängen keine Seltenheit. Einige von ihnen, vor allem jene aus den ehemals staatsnahen Milieus, betrachten sich gar als Stubenälteste der Herkunftskultur. Sie sind zu mentalen Sitzenbleibern in der Sozialisationsanstalt DDR geworden und pflegen zuweilen bis heute einen um sich selbst kreisenden ostdeutschen Nativismus.

Was den subjektiven Blick auf die Deutsche Demokratische Republik angeht, haben Forscher festgestellt, dass die rückblickenden Bewertungen sehr häufig positiv ausfallen. Man kann geradezu ein Weichzeichnen der Erinnerungsbilder beobachten, das über die Festhaltemilieus ehemals staatsnaher Kader und den Dunstkreis der älteren Funktionäre in der PDS/Die Linke hinausreicht. Frau S., die in der DDR eine Ausbildung als Erzieherin gemacht hatte und nach der Wende phasenweise als ABM-Kraft zum Müllsammeln geschickt wurde, sagt im Interview:

Die DDR will ich sicherlich nicht in den Himmel heben, aber irgendwie ruhiger und gelassener und sicherer war es schon. Der Arbeitsplatz war schon mal gesichert. Heut haben doch alle Angst, da müssen alle für drei arbeiten, und Gnade Gott, man macht das nicht oder spricht dagegen, dann sagen die: Da stehen ja noch genug andere.

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer antworteten auf die Frage, wie sie die DDR beurteilen, immerhin fast sechzig Prozent der Ostdeutschen, dass sie mehr gute oder überwiegend gute als schlechte Seiten hatte (in Westdeutschland hingegen hatten fast 80 Prozent ein negatives Bild von diesem untergegangenen Staat).[36] Geschätzt werden an der DDR bis heute der soziale Zusammenhalt, die Vollbeschäftigung und die Erwerbstätigkeit der Frauen, selbst die Bewertung des Sozialismus als Idee fällt recht positiv aus. Im Allbus stimmten über die Zeit konstant etwa drei Viertel der Ostdeutschen der Aussage zu, der Sozialismus sei eine gute Idee, die allerdings falsch ausgeführt worden sei; im Westen sind es deutlich unter 50 Prozent (Schaubilder IIa und IIb). Noch 2018 gaben mehr als ein Drittel der Ostdeutschen an, dass die Vorteile die Nachteile der Wiedervereinigung nicht überwiegen, im Westen waren es gerade einmal 17 Prozent. Auch was die Bewertung des aktuellen Zustands von Demokratie und Marktwirtschaft anbelangt, sind die Ostdeutschen weitaus zurückhaltender, ein signifikanter Anteil scheint gar empfänglich für den »diskreten Charme der Diktatur«.[37] Mit erhobenen Zeigefingern sind dem so bezeichneten Ostalgie-Milieu »eine bedenkliche Rückfallsucht« und »ernste Gesinnungsdefizite« attestiert worden.[38]

Ostdeutsche als Migranten?

Seit einiger Zeit werden Analogien zwischen dem kollektiven Eintritt in die Bundesrepublik und migrantischen Erfahrungen des Übergangs von einer Herkunfts- in eine Zielgesellschaft hergestellt. Auch die Ostdeutschen seien aus einem anderen Land in einen fertigen Staat gekommen, nur eben ohne sich fortzubewegen.[39] »Migranten haben ihr Land verlassen, Ostdeutsche wurden von ihrem Land verlassen«, beschreibt es Naika Foroutan.[40] Das Gros der Migranten sei ebenfalls mit einer Entwertung ihrer Herkunftskultur und mit stereotypen Klischees konfrontiert.[41] Begrifflich ähnlich wird diese Thematik in der Diskussion darüber eingepackt, ob es sich bei den Ostdeutschen um eine »Minderheit im eigenen Land«“[42] oder gar um »symbolische Ausländer« handelt.[43] Umfragen zu diesem Thema verweisen darauf, dass immerhin 36 Prozent der Westdeutschen den Ostdeutschen vorhalten, sie seien noch nicht im heutigen Deutschland angekommen – was immer das heißen mag.[44] Die Unterprivilegierung und gesellschaftliche Randstellung der Ostdeutschen, ob struktureller oder symbolischer Natur, wird in diesen Debatten zu einer Diskriminierungserzählung verdichtet, die sich sehr bewusst an die Migrations- und Integrationsdebatte anlehnt. Die Ostdeutschen werden quasi migrantisiert.

Der ostdeutsche Fall weist freilich auch gravierende Unterschiede auf. Manche dieser Interpretationen überbetonen Vorurteile und symbolische Diskriminierungsformen, eine historische Kontextualisierung wird nur vereinzelt vorgenommen. Zwar ist das Herkunftsland untergegangen, die nationale Zugehörigkeit zur Bundesrepublik wurde jedoch nie infrage gestellt. Ostdeutsche sind, anders als viele Migrantengruppen, äußerlich nicht als solche erkennbar. Eine Ostherkunft zieht auch keine unmittelbare Diskriminierung – schon gar keinen Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit – auf sich. Eine offene Verächtlichmachung von Ostdeutschen ist heutzutage eine gesellschaftliche Randerscheinung, obschon Medienanalysen zeigen, dass im Reden über die Ostdeutschen häufig ein gruppenbezogener Eigenschaftsdiskurs bedient wird, während die »Wessis« stärker als individuelle Subjekte beschrieben werden.[45] Viel gewichtiger als Stereotype und eine symbolische Herabwertung der Ostdeutschen als Gruppe dürften strukturelle Aspekte sein. Zudem gilt es zu hinterfragen, ob in diesen Untersuchungen nicht selbst eine Essenzialisierung der oder des Ostdeutschen vorgenommen wird, die über das hinausgeht, was ich in diesem Buch als das kulturelle und soziale Gepäck des »Herkommens« beschrieben habe, und die der Vielfalt der Lebenswege und Erfahrungen letztlich nicht gerecht wird. Solche Analogiebildungen mögen eingefahrene Sichtweisen aufstören, ob darüber hinaus Erkenntnisgewinne für den ostdeutschen Transformationspfad zu erzielen sind, kann man mit guten Gründen bezweifeln.

Sozialer Sinn der Ostdeutschen?

Befragt man die Ostdeutschen selbst zu ihren Eigenschaften und Verhaltensweisen, dominiert eine positive Sicht. In Umfragen nach der Wende beschrieben sich die Ostdeutschen, man kann es nicht anders sagen, ganz unverblümt als die besseren Menschen: als sozialer, gemeinschaftlicher, ehrlicher, bescheidener, zurückhaltender. Westdeutsche hingegen wurden eher mit Überheblichkeit, Dominanz, Oberflächlichkeit oder gar Geldgier assoziiert.[46] Kulturwissenschaftler, die sich den beiden deutschen Teilgesellschaften mit einem ethnologischen Blick genähert haben, diagnostizieren ebenfalls markante Verhaltensunterschiede. So würden die Ostdeutschen die Sache oft vor die Person stellen, sich bescheiden geben, seltener das Pronomen »ich« und stattdessen das Wort »man« benutzen. Außerdem seien sie verlässlich und eher zurückhaltend.[47]

Aus Sicht vieler Ostdeutscher, insbesondere der älteren, gibt es erhebliche Mentalitätsunterschiede zwischen beiden Teilgesellschaften: Im Westen hätte sich, abstrakt formuliert, ein »materialistischer Individualismus« durchgesetzt, die Menschen seien vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Im Osten herrsche hingegen ein »moralischer Kollektivismus«,[48] der durch die Marktvergesellschaftung nach und nach zersetzt würde. In Umfragen plädieren die Ostdeutschen deutlich stärker für staatliche Fürsorge und ein größeres sozialpolitisches Engagement.[49] In meinen Interviews wurde die »Wärmestube DDR« immer wieder dem kalten Westen entgegengesetzt. Vor 1989 habe es im Viertel mehr sozialen Zusammenhalt, mehr Miteinander gegeben. Herr W. meint im Gespräch: »Das ist heute eine Theatergesellschaft. Jeder ist Schauspieler und jeder ist laut. Die Leute müssen immer für sich Reklame machen.« Herr A. sagt ironisch: »Warum gab es denn im Westen das Abitur erst nach dreizehn Jahren und bei uns nach zwölf? Na, weil sie ein Jahr brauchten, um zu lernen, wie man sich besser verkauft. Das können wir im Osten immer noch nicht gut.« Die Konstruktion einer sozialmoralischen Überlegenheit kann man dabei durchaus als Antidot zur positionalen und kulturellen Deklassierung interpretieren.

Interessanterweise lässt sich in experimentellen Untersuchungen kein »Gemeinschaftsvorsprung« der Ostdeutschen nachweisen. Schon wenige Jahre nach der Wiedervereinigung deuteten spieltheoretische Experimente zur Solidaritätsbereitschaft darauf hin, dass Ostdeutsche weniger geneigt waren, einen Gewinn mit anderen zu teilen, als Westdeutsche; auch zwanzig Jahre später war hier keine Konvergenz festzustellen.[50] In anderen Studien legten die Ostdeutschen ein niedrigeres Niveau an interpersonellem Vertrauen an den Tag, sie waren misstrauischer gegenüber Fremden und weniger bereit, sozial in Vorleistung zu treten.[51] Manche Forscherinnen sahen sogar die Bereitschaft zum Schummeln in Ostdeutschland stärker ausgeprägt und führten das – aus meiner Sicht einseitig überinterpretiert, weil die Erfahrungen nach der Wende vernachlässigt werden – darauf zurück, dass Unehrlichkeit sowie eine Diskrepanz zwischen offiziellen Bekenntnissen und tatsächlichem Verhalten im Sozialismus systemimmanent gewesen seien.[52] Man könnte freilich genauso gut von einer nach 1989 rasch einsetzenden Entsolidarisierung ausgehen. So beobachten das auch viele Lütten Kleiner:

Nach der Wende haben sich die Leute schnell auf das Eigene zurückgezogen. Viel Gemeinschaftsleben war da nicht in den Häusern, vielleicht noch mit den Leuten, die schon lange hier wohnen. Aber sonst ist das auseinandergefallen. Da wollten nun alle reisen oder einfach in Ruhe gelassen werden. Zugleich beklagen sie, dass es dieses Miteinander nicht mehr gibt ...

Insgesamt förderte eine ganze Reihe von Studien Belege dafür zutage, dass die Ostdeutschen im wiedervereinigten Deutschland vergleichsweise stark auf den eigenen Vorteil schauen und sozial weniger großzügig sind als die Westdeutschen.

Das lässt daran zweifeln, ob der oft behauptete und in der Selbstwahrnehmung tief verankerte »soziale Sinn« der Ostdeutschen wirklich so weit trägt. Als konstanter Sozialcharakter eher nicht, wenn überhaupt, dann als spezifisches Binnenverhältnis, das sich in einer abgeschlossenen und stark nivellierten Gesellschaft herausgebildet hat und in Restbeständen überdauert. Das Zusammenrücken in einer Nischengesellschaft scheint jedenfalls eine Art der Nähe hervorgebracht zu haben, die auch Mitmenschlichkeit und gegenseitige Hilfe gedeihen ließ und den Gemeinschaftsmythos der DDR begründet. Einerseits. Andererseits zeigt sich, dass die Ostdeutschen in der Marktgesellschaft sehr wohl auf den eigenen Vorteil bedacht sind und anderen mit Misstrauen begegnen. Mitunter mutet es so an, als seien Besitzstandsdenken und Revierverhalten im Osten besonders verbreitet. Im Hinblick auf die Präsenz anderer ethnischer Gruppen in der Nachbarschaft, ob Italiener, deutschstämmige Aussiedler aus Osteuropa oder Asylbewerber aus dem Nahen und Mittleren Osten – Ostdeutsche äußern sich durchweg ablehnender als Westdeutsche.[53] Hierbei offenbaren sich auch die Grenzen dieses Solidaritätsmodells: Es ist eher eine Solidarität unter Gleichen als eine mit Fremden, wofür die jüngeren Entwicklungen viel Anschauungsmaterial bieten. So gesehen, war die DDR eine Vertrautheits- und Nahbeziehungsgemeinschaft, deren Kehrseite der heute oftmals harsche Umgang mit Fremden und das harte Urteilen über sie darstellen.

Es wäre naiv zu glauben, der erfahrungsgeschichtliche Zusammenhang Ostdeutschlands hinterließe keine oder nur wenige Identitäts- und Mentalitätsspuren. Das immer wieder einsetzende Reklamieren einer eigenen Geschichte samt der Forderung nach Anerkennung deutet darauf hin, dass diese Identitätsquellen nach wie vor von Bedeutung sind. Im Gespräch unter Ostdeutschen werden sie häufiger aufgerufen – hier erzeugen sie Vertrautheit und alltagskulturelle Sicherheit – als im Umgang mit Westdeutschen, gegenüber denen die Herkunft eher heruntergespielt wird. Das Changieren zwischen dem selbstbewusst-trotzigen Herzeigen dieses Identitätsreservoirs (»Oststolz«) und dem Verschweigen oder Für-irrelevant-Erklären lässt erahnen, dass sich noch keine Normalität herausgebildet hat, welche die ostdeutsche Herkunft von allen auch problematisierenden Assoziationen und Zuschreibungen befreit und so selbstverständlich werden lässt wie die Herkunft aus West- oder Süddeutschland.

 

 

Fußnoten

[1] Mannheim, Karl 1970 [1928], »Das Problem der Generationen«, in: ders., Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk, herausgegeben und mit einem Vorwort von Kurt H.Wolff, Neuwied am Rhein: Luchterhand, S. 509-565.

[2] Bude, Heinz (1995), Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948, Frankfurt am Main: Suhrkamp; Ders. (2005), »›Generation‹ im Kontext. Von den Kriegs- zu den Wohlfahrtsstaatsgenerationen «, in: Jureit, Ulrike/Wildt, Michael (Hg.),Generationen. Zur Relevanz eines wissenschaftlichen Grundbegriffs, Hamburg: Hamburger Edition, S. 28-44.

[3] Schelsky, Helmut (1957), Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend, Bd. 4, Düsseldorf: Diederichs.

[4] Bude, Heinz (1995), Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

[5] Mohr, Reinhard (1992), Zaungäste. Die Generation, die nach der Revolte kam, Frankfurt am Main: S. Fischer.

[6] Kohli, Martin (1994), »Die DDR als Arbeitsgesellschaft? Arbeit, Lebenslauf und soziale Differenzierung«, in: Kaelble/Kocka/Zwahr (Hg.), Sozialgeschichte der DDR, a. a. O., S. 31-61, S. 52.

[7] Leggewie, Claus (1995), Die 89er. Portrait einer Generation, Hamburg: Hoffmann und Campe.

[8] Behnken, Imbke (1991), Schülerstudie 90. Jugendliche im Prozeß der Vereinigung, Weinheim: Beltz Juventa., S. 23.

[9] Engler, Wolfgang. (1994), »Der aufgeschobene Streit«, in: Die Zeit (4. November), S. 63.

[10] Mayer, Karl-Ulrich/Schulze, Eva (2009), Die Wendegeneration. Lebensverläufe des Jahrgangs 1971,

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[11] Bürgel, Tanja (2012), »Ostdeutsche Generationen als Einwanderer in der Bundesrepublik und die Perspektiven der Wendekinder als Generation«, in: Best/Holtmann (Hg.), Aufbruch der entsicherten Gesellschaft, a.a.O., S. 172-186, S. 179.

[12] Rainer,Helmut/Albrecht, Clara/Bauernschuster, Stefan/Fichtl, Anita/Hener,Timo/Ragnitz, Joachim (2018), Deutschland 2017 – Studie zu den Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger im vereinigten Deutschland, München: ifo-Institut.

[13] Kubiak, Daniel/Weinel, Martin (2016), »DDR-Generationen revisited – Gibt es einen Generationszusammenhang der ›Wendekinder‹?«, in: Lettrari, Adriana/Nestler, Christian/Troi-Boeck, Nadja (Hg.), Die Generation der Wendekinder: Elaboration eines Forschungsfeldes, Wiesbaden: Springer, S. 107-129.

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[15] Bürgel, Tanja (2004), »Mauerfall-Kinder. Wie orientieren sich junge Ostdeutsche15 Jahre nach der Wende?«, in: Berliner Debatte Initial 15 (4), S. 16-25, S. 23.

[16] Faus, Rainer/Storks, Simon (2019) Im vereinten Deutschland geboren – in den Einstellungen gespalten?, OBS-Arbeitsheft 96, Frankfurt am Main: Otto-Brenner-Stiftung.

[17] Ebd.

[18] N.N. 2018; Foroutan, Naika/Kubiak, Daniel (2018), »Ausschluss und Abwertung: Was Muslime

und Ostdeutsche verbindet«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 7,

S. 93-102..

[19] Engler Wolfgang/Hensel, Jana (2018), Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein, Berlin: Aufbau..

[20] Halbwachs, Maurice (1966 [1939]), Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen, Berlin: Luchterhand.

[21] Wolle Stefan (1998), Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971-1989, Berlin: Ch. Links, S. 15.

[22] Zit. n. Staas Christian (2018), »›Sehnsucht nach neuen Herren‹«, Interview mit Susan Neiman, in: Die Zeit (3. Januar), online verfügbar unter: {https://www.zeit.de/2018/02/philosophin-susan-neiman-untertan-deutschland}.

[23] Elias, Norbert/Scotson, John L. (2002 [1965]), Etablierte und Außenseiter, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

[24] Kollmorgen, Raj (2007), »Diskursive Missachtung. Zur Subalternisierung ostdeutscher Soziokulturen«, in: Deutschland Archiv 40 (3), S. 481-491.

[25] Geiger Theodor (1930), »Panik im Mittelstand«, in: Die Arbeit. Zeitschrift für Gewerkschaftspolitik und Wirtschaftskunde 7 (10), S. 637-654., S. 646.

[26] Kollmorgen, Raj (2011), »Subalternisierung. Formen und Mechanismen der Missachtung Ostdeutscher«, in: ders./Koch, Frank T./Dienel, Hans-Liudger (Hg.), Diskurse der deutschen Einheit. Kritik und Alternativen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 301-360, S. 306 ff.

[27] Foroutan Naika/Kalter, Frank/Canan, Coşkun/Simon, Mara (2019), Ost-Migrantische Analogien I. Konkurrenz um Anerkennung, unter Mitarbeit von Daniel Kubiak und Sabrina Zajak, Berlin: DeZIM-Institut.

[28] N.N. (2018), »Umfrage: Die meisten Sachsen fühlen sich als Bürger zweiter Klasse«, in: Dresdner Neueste Nachrichten (12. Januar), online verfügbar unter: {http://www.dnn.de/Region/Mitteldeutschland/Umfrage-Die-meisten-Sachsen-fuehlen-sich-als-Buerger-zweiter-Klasse}.

[29] Lamont, Michèle/Beljean, Stefan/Clair, Matthew (2014), »What is missing? Cultural processes and causal pathways to inequality«, in: Socio-Economic Review 12(3), S. 573-608; Lamont Michèle/Park, Bo Yun/Ayala–Hurtado, Elena (2017), »Trump’s electoral speeches and his appeal to the American white working class«, in: The British Journal of Sociology 68 (S 1), S. 153-180; Lamont, Michèle (2018), »Addressing recognition gaps. Destigmatization and the reduction of inequality«, in: American Sociological Review 83 (3), S. 419-444.

[30] Ahbe, Thomas (2010), »Die DDR im Rücken. Die sozialisatorische Mitgift der Ostdeutschen und der aktuelle Konflikt von Erinnerungen und Leit-Erzählungen im vereinigten Deutschland«, online verfügbar unter: {http://www.iwm.at/transit/transit-on line/die-ddr-im-ruecken/} (alle URLs Stand April 2019).

[31] Rippl Susanne/Buntfuß, Nelly/Malke, Nicole/Rödel, Natalie (2018), »Ostdeutsche Identität: Zwischen medialen Narrativen und eigenem Erleben«, Bundeszentrale für politische Bildung (16. Mai), online verfügbar unter: {www.bpb.de/269349}.

[32] Heß Pamela (2016), »Gleichförmig statt vielfältig. Die DDR im öffentlichen Erinnern «, in: Matthäus, Sandra/Kubiak, Daniel (Hg.), Der Osten – Neue sozialwissenschaftliche Perspektiven auf einen komplexen Gegenstand jenseits von Verurteilung und Verklärung, Wiesbaden: Springer, S. 99-126.

[33] Kowalczuk, Ilko-Sascha (2018), »Und was hast du bis 1989 getan?«, in: Süddeutsche Zeitung (23. Oktober), S. 11.

[34] Kade, Sylvia (1997), Die andere Geschichte: Spurensicherung im Vorruhestand, Frankfurt am Main: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, S. 7.

[35] Lepenies, Wolf (1992 ), Folgen einer unerhörten Begebenheit: Die Deutschen nach der Vereinigung, Berlin: Siedler, S. 27.

[36] Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (2009), Umfrage zur Bewertung des Lebens in derDDR, online verfügbar unter: {https://de.statista.com/statistik/daten/studie/13027/umfrage/beurteilung-des-lebens-in-der-ddr/}.

[37] Neller, Katja (2006), DDR-Nostalgie: Dimensionen der Orientierungen der Ostdeutschen gegenüber der ehemaligen DDR, ihre Ursachen und politischen Konnotationen, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.; Völkl, Kerstin (2006), »Überwiegt die Verdrossenheit oder die Unterstützung? Die Einstellungen der West- und Ostdeutschen zur Demokratie, zu politischen Institutionen und Politikern«, in: Falter, Jürgen W./Rattinger, Hans/Schoen, Harald (Hg.), Sind wir ein Volk? Ost- und Westdeutschland im Vergleich, München: C.H. Beck, S. 57-81; Arzheimer, Kai (2016), »Wahlverhalten in Ost-West-Perspektive«, in: Schoen, Harald/Weßels, Bernhard (Hg.),Wahlen und Wähler, Wiesbaden: Springer, S. 71-89; Pickel, Gert (2016), »Die subjektive Verankerung der Demokratie in den neuen Bundesländern und in Mittel- und Osteuropa und ihre Prägung durch totalitäre Systeme. Inhaltliche, methodologische und methodische Aspekte«, in: Hansen, Hendrik/Zehnpfennig, Barbara (Hg.), Die Prägung von Mentalität und politischem Denken durch die Erfahrung totalitärer Herrschaft, Baden-Baden: Nomos, S. 155-184.

[38] Staadt, Jochen (2008), ), »Die Zurückgebliebenen. Erscheinungsformen und Ursachen von DDR-Nostalgie (Rezension)«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (22. Februar), S. 7.

[39] Staud, Toralf (2003), »Ossis sind Türken«, in: Die Zeit (2. Oktober).

[40] Zit. n. Schulz, Daniel (2018), »Ostdeutsche sind auch Migranten«, Interview mit Naika Foroutan, in: die tageszeitung (13. Mai), online verfügbar unter: {http://www.taz.de/!55071987/}.

[41] Foroutan, Naika/Kubiak, Daniel (2018), »Ausschluss und Abwertung: Was Muslime und Ostdeutsche verbindet«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik ,S. 93-102.

[42] Den Hertog, Frank R. J. (2004), Minderheit im eigenen Land? Zur gesellschaftlichen Position der Ostdeutschen in der gesamtdeutschen Realität, Frankfurt am Main/New York: Campus.

[43] Pates Rebecca/Schochow, Maximilian (2012), Der »Ossi‹« Mikropolitische Studien über einen symbolischen Ausländer, Wiesbaden: Springer.; Kubiak, Daniel (2018), »Der Fall ›Ostdeutschland‹«, in: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 12 (1), S. 25-42.

[44] Foroutan Naika/Kalter, Frank/Canan, Coşkun/Simon, Mara (2019), Ost-Migrantische Analogien I. Konkurrenz um Anerkennung, unter Mitarbeit von Daniel Kubiak und Sabrina Zajak, Berlin: DeZIM-Institut, S. 18.

[45] Wendl, Juliette (2010), »Ein Ossi ist ein Ossi ist ein Ossi…Regeln der medialen Berichterstattung über ›Ossis‹ und ›Wessis‹ in der Wochenzeitung ›Die Zeit‹ seit Mitte der 1990er Jahre«, in: Ahbe, Thomas/Gries, Rainer/Schmale, Wolfgang (Hg.), Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990, Bonn: Bundeszentrale

für politische Bildung.

[46] Kollmorgen, Raj (2005), Ostdeutschland: Beobachtungen einer Übergangs- und Teilgesellschaft,

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften; Neller, Katja (2006), DDR-Nostalgie: Dimensionen der Orientierungen der Ostdeutschen gegenüber der ehemaligen DDR, ihre Ursachen und politischen Konnotationen,Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften; Gensicke, Thomas (2001), »Auf demWeg der Integration. Die neuen Bundesbürger nach der Einheit

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[47] Wagner, Wolf (1996), Kulturschock Deutschland, Hamburg: Rotbuch.

[48] Gensicke, Thomas (1998), Die neuen Bundesbürger. Eine Transformation ohne Integration, Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 197.

[49] Arnold, Felix/Freier, Ronny/Kroh, Martin (2015), »Geteilte politische Kultur auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung?«, in: DIW Wochenbericht 82 (37), S. 803-814.

[50] Ockenfels, Axel/Weimann, Joachim (1999), »Types and patterns: An experimental East-West-German comparison of cooperation and solidarity«, in: Journal of Public Economics 71 (2), S. 257-287; Brosig-Koch, Jeannette/Helbach, Christoph/Ockenfels, Axel/Weimann, Joachim (2011), »Still different after all these years: Solidarity behavior in East and West Germany«, in: Journal of Public Economics 95 (11-12), S. 1373-1376.

[51] Heineck, Guido/Süssmuth, Bernd (2013), »A different look at Lenin’s legacy: Social capital and risk taking in the two Germanies«, in: Journal of Comparative Economics 41 (3), S. 789-803; Häußermann, Hartmut (1996), »Von der Stadt im Sozialismus zur Stadt im Kapitalismus«, in: Häußermann/Neef, (Hg.), Stadtentwicklung in Ostdeutschland, a.a.O., S. 5-47.

[52] Ariely, Dan/Garcia-Rada, Ximena/Hornuf, Lars/Mann, Heather (2015), »The (true) legacy of two really existing economic systems«, in: Munich Discussion Paper 26.

[53] Rainer,Helmut/Albrecht, Clara/Bauernschuster, Stefan/Fichtl, Anita/Hener,Timo/ Ragnitz, Joachim (2018), Deutschland 2017 – Studie zu den Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger im vereinigten Deutschland, München: ifo-Institut.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher.