Die Max Weber-Gesamtausgabe

Potenziale einer Großedition

Im Jahr 1984 erschienen die beiden ersten Bände der Max Weber-Gesamtausgabe (MWG). Zum hundertsten Todestag von Max Weber ist sie jetzt im Jahr 2020 mit insgesamt 47 Bänden abgeschlossen. Worin liegt die „Kulturbedeutung“ dieser Großedition?

An moderne Klassiker richtet sich die Erwartung, durch ihre Lektüre die Probleme unserer Zivilisation besser zu verstehen. Neben Marx oder Nietzsche gilt dies in hohem Maße auch für Max Weber. Weber konfrontiert uns mit den Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens und zählt zu den bedeutendsten Interpreten der modernen Welt und ihrer Entstehung.

In seinem weitgespannten Werk zu Wirtschaft, Religion und Politik zielt Weber stets auf die Wechselbeziehungen zwischen individueller Lebensführung und sozialen Lebensordnungen. Als die „großen Kulturprobleme“ seiner Zeit fixierte er die Entwicklungen und Verflechtungen von globalem Kapitalismus, imperialen Nationalstaaten und pluralisierten Massendemokratien. In weltgeschichtlicher Perspektive verglich er die Verbindungen von religiösen Wertüberzeugungen und wirtschaftlichem Handeln. In ihrer begriffsstrengen und typisierenden Methodik finden seine Schriften international erhebliche Beachtung. Seine politischen Essays und Reden dokumentieren ein eingreifendes Denken, durch das Weber die politisch Verantwortlichen wie die öffentliche Meinung im späten Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg und in der revolutionären Gründungsphase der Weimarer Republik zu beeinflussen suchte. Webers Briefe bieten uns einen Einblick in seine Erfahrungswelt, von den familiären Bindungen und intimen Zuneigungen über die ausgiebigen Reisen und kulturellen Vorlieben bis zur Alltagspraxis von „Wissenschaft als Beruf“ und zur Stoßrichtung seiner Gelehrtenpolitik. Deutlicher als die Schriften übermitteln uns die Briefe ein Bild vom „Gelehrten“ Weber als einem rigorosen Ideenkämpfer und kühlen Ordnungsdenker in einer Person. Die Vorlesungen zeigen ihn als einen auf klare Dispositionen bedachten, inhaltlich anspruchsvollen akademischen Lehrer. Die Großedition führt nunmehr alle genannten Aspekte zusammen.

 

Ziele, Aufbau und Aufgaben der MWG

Das Ziel der MWG war die Edition aller überlieferten Schriften, Reden, Briefe, Vorlesungsmanuskripte und Vorlesungsnachschriften nach historisch-kritischen Grundsätzen. Sie gliedert sich in Abteilung I: Schriften und Reden (29 Bände), Abteilung II: Briefe (11 Bände), Abteilung III: Vorlesungen und Vorlesungsnachschriften (7 Bände). Insgesamt 45 Jahre betrug die Arbeit an Vorbereitung und Durchführung. Bezogen auf das Erscheinen der ersten Bände (MWG I/3 und MWG I/15) im Jahr 1984, heißt das, es ist in regelmäßiger Veröffentlichung mehr als ein Band pro Jahr erschienen. Den Schlusspunkt setzt 2020 das Vorlesungsmanuskript zur Praktischen Nationalökonomie (MWG III/2). Es ist ein Zeichen der Erleichterung über die Vollendung, wenn im „historischen“ Rückblick auf diese langfristige Arbeit vom Präsens des laufenden Projektes ins Imperfekt des abgeschlossenen Großunternehmens gewechselt werden kann.

Organisatorisch getragen wurde die MWG durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München, durch ein Herausgebergremium und durch den Verlag Mohr Siebeck in Tübingen. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften und hier die Kommission für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte trug die institutionelle Verantwortung, vergab den Auftrag für die Einzelbände und unterhielt mit hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in München eine Generalredaktion. In dieser Funktion wirkten Martin Riesebrodt, Karl-Ludwig Ay und seit 2006 Edith Hanke.

Der Herausgeberkreis setzte sich zusammen aus Soziologen, Historikern und einem Juristen. Von Beginn an waren das Horst Baier (1933–2017), M. Rainer Lepsius (1928–2014), Wolfgang J. Mommsen (1930–2004), Wolfgang Schluchter und Johannes Winckelmann (1900–1985); als Nachfolger von Wolfgang J. Mommsen wurde 2004 Gangolf Hübinger kooptiert. Zu den Aufgaben der Herausgeber zählten Planung und Gestaltung der Gesamtausgabe in ihren drei Abteilungen, die Ausarbeitung der Editionsprinzipien, die Wahl der Bandeditorinnen und Editoren sowie die Begutachtung der Editionsvorlagen. Die Herausgeber haben mit 23 Bänden knapp die Hälfte der Edition selbst übernommen; für die übrigen Bände konnten 20 zusätzliche Fachgelehrte als Editoren gewonnen werden. Nahezu alle Bände wurden in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erstellt, die in der Regel von der DFG oder hernach aus dem Programm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften finanziert werden konnten.

Verlegt wurde die MWG vom Verlag Mohr Siebeck in Tübingen, der mit eigenen Mitteln das unternehmerische Risiko trug. Verleger Georg Siebeck, der das Projekt von Beginn an begleitet hat, weist auf die freundschaftliche Beziehung zwischen Paul Siebeck und „Hausautor“ Max Weber hin, die sich nachhaltig auf das Verlagsprofil ausgewirkt habe: „Was immer wir also heute in unseren Verlagsgebieten Theologie, Judaistik, Religionswissenschaft, Philosophie, Soziologie, Geschichtswissenschaft, Jurisprudenz und Wirtschaftswissenschaften veröffentlichen, fast immer beschäftigt es sich mit Fragen, denen auch Max Weber bereits nachgegangen ist.“[2] Mit welchen Energien, auch in welchen Windungen und Verästelungen Weber seinen Fragen nachgegangen ist, das ist in der MWG nunmehr so ausführlich wie möglich festgehalten.

Quelle: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Pressestelle

 

Die 1970er-Jahre und der Editionstypus der MWG

Von Soziologen wird die These vertreten, die MWG sei in Konkurrenz zur Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) entstanden und liefere ein „wissenschaftspolitisch spannende[s] Kapitel deutsch-deutscher Geschichte“.[3] In den Dokumenten zur Entstehungsgeschichte der MWG in den frühen 1970er-Jahren finden sich Belege für eine solche Fortführung des Kalten Krieges mit editorischen Mitteln jedoch nicht. Horst Baier hielt als der maßgebliche Initiator der MWG ausdrücklich fest, „die MWG sei keine Parallelausgabe der MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe) und würde uns nur in eine editorische Konkurrenz zu den Marxisten und Leninisten bringen. Selbstredend stimmten die Kollegen Lepsius und Mommsen zu.“ Baier, der 1970 als Nachfolger von Theodor W. Adorno nach Frankfurt am Main berufen worden war, verfasste im September 1973 das entscheidende Exposé, auf dessen Basis die MWG gegründet wurde.

Zeitgeschichtliche Umstände. In seiner Eröffnungsrede zum 17. Deutschen Soziologentag 1974 in Kassel plädierte M. Rainer Lepsius dafür, anstelle einer „Dramatisierung von Wertpostulaten“ die Soziologie in Max Webers Tradition neu zu verankern durch „die Entfaltung der Kategoriensysteme, die Entwicklung von Theorien, die Erweiterung der Forschungsmethoden und - vor allem – durch die Anwendung dieser Instrumente der Erkenntnisgewinnung auf die konkrete Analyse gesellschaftlicher Sachverhalte“. Hier ist in der Geburtsphase der MWG ganz grob angesprochen, was später an Webers Wirkungsstätte Heidelberg zum „Weber-Paradigma“ verfeinert wurde.[4]

Eine vollständige und in den Texten verlässliche Präsentation von Max Webers Werk könne helfen, die „gegenwärtige ‚Krise der Soziologie‘ zu beheben und neue „Impulse für Sozial- und Geschichtsforschung“ bieten. Den westlichen Marxismen und ihrer Dominanz in deutschen Hörsälen war mithin mit Weber zu begegnen und noch grundsätzlicher eine Stagnation in den historischen Sozial- und Kulturwissenschaften zu überwinden. Das paradigmatische Studium Webers liefere „innovative Impulse für diejenigen Forschungsrichtungen, deren Ansätze und erste Konzepte auf Weber selbst zurückgehen: eine forschungspragmatische Wissenschaftstheorie und empiriegebundene Methodologie; die vergleichende Kultur- und Entwicklungsforschung, vor allem der Demokratisierungs- und Industrialisierungsprozesse der Moderne; die Komparatistik der politischen Herrschafts- und Legitimationssysteme; die historisch sensible Elitenforschung in Staat und politischer Willensbildung, in Wirtschaft und Verbänden, in Massenkultur und Wissenschaft; die empirisch und historisch orientierte Rechtssoziologie; die sozialökonomisch und sozialtheoretisch vergleichende Religionswissenschaft“. Zugleich sei Weber als eine „Schlüsselfigur seiner Zeit“ zu erforschen, als „erstrangige Quelle für die zeit- und ideengeschichtliche Erforschung der Schlußphase europäischer Weltmachtstellung und der zwischennationalen Rivalitäten, in erster Linie natürlich für die national- und sozialliberale Konzeption deutscher Politik vor, im und nach dem ersten Weltkrieg.“[5]                                                      

Die 1970er-Jahre waren die Dekade, in der ganz generell die unzulängliche und unzuverlässige Textbasis klassischer Referenzautoren der Sozial- und Kulturwissenschaften beklagt wurde und „Gesamtausgaben“ einer neuen Selbstvergewisserung dienen sollten. In Angriff genommen wurden etwa die „Georg Simmel – Gesamtausgabe“ (1994-2018), die „Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe“ (seit 1998), auch die „Ernst Troeltsch – Kritische Gesamtausgabe“ (seit 1998) oder die „Jacob Burckhardt Werke – Kritische Gesamtausgabe“ (seit 2000).

Zur MWG bildete sich 1973/74 aus Experten der Weberforschung der genannte Herausgeberkreis mit M. Rainer Lepsius als Geschäftsführendem Herausgeber. Die bayerische Staatsregierung konnte für das Vorhaben gewonnen werden, so dass an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eine feste Redaktions- und Arbeitsstelle eingerichtet wurde, die bis heute als Koordinationsstelle für alle MWG-Fragen fungiert und eine Nutzung der MWG im „digitalen Zeitalter“ prüft. Die zehn Jahre zuvor gegründete Werner-Reimers-Stiftung in Bad Homburg, die es sich zur Aufgabe gesetzt hatte, „Spezialwissenschaften zu überbrücken und aus entsprechenden Wissenschaftszweigen und Kulturkreisen das Gesamtbild des Menschen zu gestalten“, nahm die regelmäßigen Beratungen zu Gesamtanlage, Strukturierung der Einzelbände und Prüfung der editorischen Verfahren in ihr Programm auf. Die editorische Arbeit selbst wurde neben München an dezentralen Arbeitsstellen geleistet, vornehmlich in Heidelberg und Düsseldorf. Besonders die von Wolfgang J. Mommsen eingerichtete Düsseldorfer Editionsstelle war mit der systematischen und weltweiten Recherche nach editionsrelevanten Materialien betraut.[6] Ein Weber-Nachlass selbst war ja nicht vorhanden. Im Verlauf der Editionsarbeiten konnten neben der Sicherung und Transkription der noch vorhandenen Manuskripte und der Ermittlung neuer Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge für die Abteilung „Briefe“ über 3.500 Briefe oder briefähnliche Schreiben aufgefunden und editorisch aufbereitet werden.

1981 erschien im Mohr-Siebeck-Verlag der erste Prospekt der Max Weber-Gesamtausgabe, das „grüne Heft“.[7] Es enthält auf damaligem Stand eine von Martin Riesebrodt zusammengestellte Bibliographie aller Einzelschriften und ihrer Verteilung auf die vorgesehenen Bände. Vor allem enthält es die von Wolfgang Schluchter im Namen der Herausgeber verfasste „Einführung in die Max Weber-Gesamtausgabe“, in der die grundlegenden Entscheidungen über den Editionstypus und die Editionsverfahren zusammengefasst wurden. Sie behielten im Wesentlichen bis zum Abschluss der MWG ihre Gültigkeit.  

Der Editionstypus. In Auseinandersetzung mit einschlägigen Editionstheorien, namentlich mit dem 1971 erschienen Band „Texte und Varianten“,[8] wurden für die MWG in Abgrenzung zu manchen literaturwissenschaftlichen Verfahrensweisen Prinzipien festgelegt, die der Eigenart einer sozialwissenschaftlichen Gesamtausgabe nach historisch-kritischer Methode Rechnung tragen sollten. Dazu zählte der Primat einer dokumentierenden vor einer interpretierenden Edition. Im Fall von „Wirtschaft und Gesellschaft“ (MWG I/22,1-5 und MWG I/23) bedeutete das die Dokumentation des fragmentarischen und unvollendeten Textbestandes gegenüber der Interpretation einer Geschlossenheit, wie sie noch 1976 die fünfte revidierte Auflage von Johannes Winckelmann als kommentierte Studienausgabe anbot. Zweitens zählte dazu ein Primat der Textfassungen „letzter Hand“ vor einer überlieferten Erstfassung, die dieser Letztfassung als Variante zugeordnet wurde. Einen Sonderfall stellt die „Protestantische Ethik“ dar, die einmal in ihrer Erstfassung von 1904/05 gesondert ediert wurde, um auch die unmittelbaren literarischen Wirkungen mit den „Kritiken“ und „Antikritiken“ dokumentieren zu können (MWG I/9), und gesondert in ihrer überarbeiteten Fassung als Teil der „Gesammelten Aufsätze in die Religionssoziologie“ mit dem textkritischen Ausweis der Varianten aus Erstfassung, zusätzlichen Manuskriptblättern und Druckbögen. (MWG I/18). In diese Überarbeitung ist auch Webers Auseinandersetzung mit Kritikern an der Erstfassung von 1904/05 wie Werner Sombart und Lujo Brentano eingegangen, die er allerdings vornehmlich in den Fußnoten führte.[9] Zentral für den Gesamtaufbau der MWG war ein Primat der „Pertinenz“ vor der reinen Chronologie. Thematische Zusammenhänge zu Methodologie, Religion, Politik, Sozialpolitik, Wissenschaftspolitik oder Wirtschaft sollten erkennbar bleiben. Innerhalb der jeweiligen Bände galt das Chronologieprinzip. Es kommt im Gesamtaufbau auch in der Nummerierung der Einzelbände zum Ausdruck.

Unter diesen Prämissen enthält die MWG alle von Max Weber verfassten und mitverfassten Schriften, Briefe und Vorlesungsmanuskripte, ergänzt durch die von ihm autorisierten und zum Druck gegebenen Vorträge und Reden, Schriftstücke sowie von ihm mitunterzeichnete Aufrufe. Dort, wo eine direkte Überlieferung fehlt, wurden Ersatzzeugen berücksichtigt wie Berichte über Reden, Briefwiedergaben durch Dritte oder Vorlesungsnachschriften. Nur als Ausnahme wurden Exzerpte berücksichtigt wie die „‚Nervi‘-Notizen", die Weber im Winter 1902/03 an der ligurischen Riviera zu theoretischen Fragen der Kultur- und Sozialwissenschaften verfasste (MWG I/7, S. 623-668).

Sehr ambitioniert charakterisierte Horst Baier den Typus der MWG in ihrer wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung als eine „editorische Interaktionsanalyse“. [10] Auch wenn der Anspruch, in einer Edition den Diskurs der Zeit zu repräsentieren, nur bedingt eingelöst werden kann, gilt für die MWG doch, was zu Beginn der 1970er-Jahre der Editionsphilologe Siegfried Scheibe generell zur Aufgabe erklärt hatte: „Historisch-kritische Editionen sind also ein bestimmter, ökonomisch aufwendiger und vielfältige Detailforschung voraussetzender Ausgabentyp, der in erster Linie den Bedürfnissen der Forschung dient, zugleich aber alle jene Materialien enthalten muss, die für die Herstellung von Studienausgaben und von Leseausgaben notwendig sind.“[11]

 

Arbeit an der MWG

Die „vielfältige Detailforschung“ steckt sowohl in der Arbeit an „Texten und Varianten“ als auch in der Arbeit an „Texten und Kontexten“. Alle MWG-Bände enthalten eine Einleitung zu werkbiographischen und historischen Kontexten, einen Editorischen Bericht zu Entstehung und Überlieferung der Texte, einen textkritischen Apparat zur Dokumentation von Textentwicklung und Texteingriffen sowie einen Erläuterungsapparat zu Begrifflichkeiten, wissenschaftlichen, politischen oder persönlichen Bezügen, die für das Verständnis der Texte unerlässlich sind. Besonderer Wert wird auf den Nachweis von Literaturangaben und Zitaten gelegt. An Verzeichnissen und Registern enthält die MWG neben Personen- und Sachregistern Biogramme der von Weber genannten Personen, eine Auflistung der von ihm zitierten Literatur und gegebenenfalls ein Glossar zu Namen und Begriffen aus den jeweiligen bandbezogenen Fachgebieten.[12] Aufwendig war vor allem das für die Abteilung „Briefe“ erstellte Gesamt-Sachregister zu allen Einzelbänden (MWG II/11).

Texte und ihre Varianten. Was die Arbeit an Texten und Varianten zu Webers Werk an neuen Perspektiven bieten kann, soll hier nur an wenigen Beispielen illustriert werden. Schon angesprochen wurde die Neustrukturierung der Textkonvolute zu „Wirtschaft und Gesellschaft“, neben den Aufsätzen zur Religionssoziologie das Hauptwerk Webers. Marianne Weber und Johannes Winckelmann hatten die unfertigen Textkonvolute als ein zusammenhängendes Werk in zwei Teilen angesehen und entsprechend veröffentlicht.[13] Wolfgang Schluchter hat die einzelnen Arbeitsphasen Webers im Detail rekonstruiert: die Herausgeberschaft und Redaktion des „Grundrisses der Sozialökonomik“ seit 1909, die Arbeit an seinem eigenen Beitrag dazu zwischen 1909 und 1914, dann die durch den Weltkrieg unterbrochene erneute Arbeit in neuer Strukturierung zwischen 1918 und 1920 (MWG I/24). Auf dieser Basis trennt die MWG jetzt die beiden Teile und stellt sie um. Die aus dem Nachlass edierten Texte, der ehemalige „zweite Teil“, ist entsprechend seiner früheren Entstehungszeit zwischen 1909 und 1914 in fünf Teilbänden ediert, die Webers Vorhaben, die „Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte“ zu untersuchen, dokumentieren: „Gemeinschaften“ allgemein, „religiöse Gemeinschaften“, „Recht“, „Herrschaft“, „Die Stadt“ (MWG I/22,1-5). Die drei von Weber selbst noch zum Druck gegebenen Kapitel „Soziologische Grundbegriffe“, „Soziologische Grundkategorien des Wirtschaftens“, „Herrschaft“ sowie das begonnene Kapitel „Stände und Klassen“, der bisherige „erste Teil“, sind nicht als eine Art begrifflich-analytischer Hinführung zu einem zweiten mehr empirisch-historischen Teil anzusehen, im Gegenteil. Es handelt sich um eine Neufassung dessen, was Weber „meine Soziologie“ nannte und war gedacht, die älteren Texte gründlich zu überarbeiten und zu ersetzen (MWG I/23). „Wirtschaft und Gesellschaft“ ist ein unvollendetes Werk, zu dem die MWG jetzt dokumentiert, wie sich „Webers Kompositionsidee“ zwischen 1909 und 1920 stufenweise veränderte.[14]

In dieser neuen Fassung finden sich Verweise wie „Alles Nähere (Materiale) gehört in die Staatssoziologie“, oder, die „Problematik gehört in die Theorie der ‚Demokratie‘“ (MWG I/23, S. 568, 468). Was Weber für die „Staatssoziologie“ vorsah, wissen wir aus der Disposition und den Nachschriften der ersten Stunden seiner Münchener Vorlesung über „Allgemeine Staatslehre und Politik (Staatssoziologie)“, die mit seinem Tod am 14. Juni 1920 abbrach (MWG III/7). Was seine Theorie der Demokratie angeht, so müssen wir ganz unterschiedliche Texte heranziehen. Ich will das hier nur exemplarisch, aber quer durch alle drei MWG-Abteilungen, am Begriffs- und Problemfeld „Cäsarismus“ verdeutlichen, für Weber ein Schlüsselbegriff zur Taxierung einer plebiszitären „Führerdemokratie mit ‚Maschine‘“ gegenüber einer „führerlosen Demokratie“.

Schon der zwanzigjährige Student setzte sich im Briefaustausch mit seinem Onkel, dem Straßburger Historiker Hermann Baumgarten, kritisch mit dem „bismarck‘schen Cäsarismus“ auseinander (II/1, S. 471). Im älteren Manuskript der Herrschaftssoziologie von vor dem Ersten Weltkrieg wird die „Leistungsfähigkeit des oft aus der Demokratie herauswachsenden ‚Cäsarismus‘ als Herrschaftsorganisation“ diskutiert (I/22-4, S. 165). Diese Linie zieht Weber in seiner politischen Publizistik ab 1917 weiter aus. Zuerst in kämpferischen Zuspitzungen in einer Artikelserie für die „Frankfurter Zeitung“, dann in deren Überarbeitung und Ausweitung zu einer „Streitschrift akademischen Charakters und Tonfalls“. Diese selbständige Schrift „Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland“ vom Frühjahr 1918 enthält die zentralen Elemente seiner Demokratietheorie angesichts eines „‚cäsaristischen‘ Zugs der Massendemokratie“ in der Moderne (Text und Varianten in MWG I/15, Zitat S. 549). Um so mehr fällt auf, dass die Kategorie „Cäsarismus“ dann im einschlägigen Kapitel „Typen der Herrschaft“ und überhaupt in der Neufassung von „Wirtschaft und Gesellschaft“ (MWG I/23) gar nicht vorkommt. Während sie wiederum in seiner darauf beruhenden Vorlesung zur „Staatssoziologie“ einen prominenten Ort besitzt, mit der wohl diktierten Formel: „Plebiszitäre Herrschaft = Cäsarismus“ (MWG III/7, S. 100f.). Welche Schlüsse daraus im Einzelnen zu ziehen sind, ist der Weberforschung überlassen, und die neuere Populismusdebatte könnte davon profitieren. Die Arbeit an der MWG weist auf jeden Fall nach, dass Webers „Soziologie“ sich bei aller Kasuistik nicht im Stadium eines geschlossenen Lehrgebäudes befand, vielmehr in einer experimentellen Erprobung.

Auch für die Religionssoziologie bringen die Nachweise von Texten und Varianten aufschlussreiche Erkenntnisse. So ist eine der am häufigsten bemühten Passagen, um Webers Überlegenheit gegenüber Karl Marx zu demonstrieren, erst spät eingefügt worden, als sich Weber mit der Rolle von „Intellektuellen“ bei den revolutionären Umgestaltungen Europas durch den Krieg beschäftigte. Es ist die Passage aus der „Einleitung“ zur „Wirtschaftsethik der Weltreligionen“: „Interessen (materielle und ideelle), nicht: Ideen, beherrschen unmittelbar das Handeln der Menschen. Aber: die ‚Weltbilder‘, welche durch ‚Ideen‘ geschaffen wurden, haben sehr oft als Weichensteller die Bahnen bestimmt, in denen die Dynamik der Ideen das Interesse des Handelns fortbewegte“ (MWG I/19, S. 101). In der Erstfassung, im von Weber mit herausgegebenen „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ von 1915, findet sich dieser markante Passus noch nicht, sondern erst in der Überarbeitung zu den „Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie“ von 1920.

Manuskriptseite zum Text „Rechtsordnung und Wirtschaftsordnung“, MWG I/22-3, S. 198-203, Copyright: Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 446.B.OM 6.

 

Texte und ihre Kontexte. Zum Zusammenhang von Text und Kontext hat der Rezensent eines Weber-Sammelbandes treffend beobachtet: „Der seit vielen Jahrzehnten geplante und inzwischen mit dem Titel ‚Zur Logik und Methodik der Kultur- und Sozialwissenschaften‘ für das Jahr 2018 angekündigte Band I/7 der Max Weber-Gesamtausgabe wird zeigen, wie sich die in dem vorliegenden Sammelband vereinten Diskussionsstränge in der konkreten Editionsarbeit weiterverfolgen lassen. Gelingt dies, so dürfte auch diese Edition so manche vergessene Zeitgenossenschaft zu Tage fördern, die den Denkraum der gegenwärtigen Max Weber-Forschung erweitern könnte.“[15] Genau das, vergessene Zeitgenossenschaft und vergessene Kontexte mit editorischen Mitteln ins Licht zu rücken, gehörte zu dem, was der ursprüngliche Editor Horst Baier mit „Interaktionsanalyse“ im Sinn hatte. Baier bezog sich hier noch auf eine Einheit von „Kultur- und Sozialwissenschaften“. Seine Nachfolger haben sich entschieden, den Band mit den frühen methodologischen Schriften trotz der aufgenommenen kulturwissenschaftlichen Nervi-Exzerpte im Titel auf „Sozialwissenschaften“ einzuschränken. So steht weiterhin die Einschätzung von M. Rainer Lepsius im Raum, als Kulturanalytiker sei Max Weber erst noch zu entdecken.[16]  

Denkräume der Weberepoche: Ob vergessene, halbvergessene oder im kulturellen Gedächtnis leidlich präsente Personen, Institutionen, Bücher und Schriftstücke aller Art – sie werden in den Einleitungen, Sacherläuterungen und Verzeichnissen der Bandeditoren so gut es geht erfasst. Auch durch diese „Detailforschung“ liefern die insgesamt 47 Bände der MWG einen spezifischen Beitrag zur Kultur- und Wissensgeschichte der „klassischen Moderne“.

Die MWG kann insofern nicht nur textbezogen als sogenannte „Primärliteratur“, sondern auch kontextbezogen als „Sekundärliteratur“ genutzt werden, sei es zu Webers Biographie, zum Diskursfeld seines Werkes oder zur Gelehrtenpolitik seiner Epoche. Es ist ein wissenschaftliches Kuriosum, dass ausgerechnet die Online-Enzyklopädie „Wikipedia“, mit täglich ca. 500 Klicks eine erste Anlaufstelle zu „Max Weber“, redaktionell befindet, die MWG biete lediglich „Primärliteratur“ und könne trotz der aufwendigen Kontextrecherchen mit neuen Ergebnissen zu Datierungen und Sachverhalten nicht Grundlage eines biographischen Artikels sein. Dazu dürfe nur „maßgebliche Sekundärliteratur“ herangezogen werden, selbst wenn diese ganz auf Quellennachweise verzichtet oder aus zweiter und dritter Hand gearbeitet ist. Durch eine solche Praxis marginalisiert der über Wikipedia laufende öffentliche Bildungsdiskurs die Fachwissenschaften zum Schaden der Studierenden, die immer mehr auf Online-Ressourcen zugreifen.[17] Da macht auch Max Weber keine Ausnahme. Es muss sich zeigen, ob hier eine digitale Aufbereitung der abgeschlossenen Print-MWG auf längere Sicht Abhilfe schaffen kann.

Arbeit mit der MWG

Ein „vielfältige Detailforschung voraussetzender Ausgabentyp“,[18] wie ihn auch die MWG darstellt, lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise nutzbar machen, das demonstriert die Arbeit mit der MWG. Sie entfaltet ihre Potenziale vornehmlich in zwei Richtungen, die hier ebenfalls nur exemplarisch angedeutet werden können.[19] Das sind zum einen die biographischen und zeitgeschichtlichen Forschungen zu Werk, Person und intellektuellem Umfeld Webers, zum anderen die theoretischen und aktualisierenden Forschungen, die das „Weber-Paradigma“ fruchtbar machen wollen.

In detaillierter Auseinandersetzung mit der MWG zielt in Oxford Peter Ghosh auf eine „intellectual biography“, in deren Zentrum die „Protestantische Ethik“ in ihrer ersten Fassung als ein „centre point of his life“ steht. Man muss die Zuspitzung auf Webers Werkphase von 1904/05 als dem „centre point“ seines Lebens nicht teilen. Aber für die These, „without the intellctual biography of Max Weber, there is no Max Weber“, liefert die MWG nunmehr hinreichendes Material.[20] In Paris sorgt Hinnerk Bruhns als Experte für Webers universalhistorische Sicht auf „die Stadt“, für seine Positionierung im Feld der historischen Sozialökonomie und zuletzt mit einer Studie zu Webers „Ideen von 1918“ zur politischen Zukunft Deutschlands nach dem Krieg für eine Nutzung der MWG-Erträge im französischsprachigen Raum und für einschlägige deutsch-französische Vergleichs- und Transferanalysen.[21]

Neben den unterschiedlichen historischen Interessen an Webers Leben und Werk dient die Arbeit mit der MWG der Prüfung von Webers Anschlussfähigkeit für die „großen Kulturprobleme“ unserer Gegenwart. Was taugen die „alten Begriffe“ zur Erklärung von Genese und Struktur unserer „neuen Probleme“?[22] Weltweit gibt es Ansätze, dies auszutesten, etwa auf der „2. Südamerikanischen Weber-Konferenz“ im Oktober 2018 in Buenos Aires, mit einem spezifischen Blick auf die rechtspopulistischen Regime Südamerikas.[23]  

In neuen Handbüchern und Übersetzungen schlägt sich inzwischen nieder, wie die Potenziale der MWG umgesetzt werden. Seit 2014 bietet bei J.B. Metzler das von Hans-Peter Müller und Steffen Sigmund herausgegebene „Max Weber-Handbuch“ einen raschen und verlässlichen Zugang zu allen Weberthemen und Weberthesen.[24] Gegliedert ist es in vier Teile: Die Biographie von Person und Werk, die Weber‘schen Grundbegriffe, die Werkgruppen und Werkzusammenhänge, schließlich die Diskussion um Webers Lehren „heute“, etwa zu Globalisierung, Europäisierung und zu den Wandlungen des Nationalstaates. Knapp aber besonders prägnant bringt der Artikel „Kampf und Konflikt“ auf den Punkt, dass wir es bei Weber mit einem Klassiker der modernen Konflikttheorien zu tun haben. In dem Maße, wie das frühe 21. Jahrhundert die Weichen auf multipolare Konfrontationen von Welt- und Regionalmächten gestellt hat, erhalten Konflikttheorien à la Weber neue Relevanz.

Während das „Weber-Handbuch“ von 2014 primär als Studieneinführung und Nachschlagewerk konzipiert ist, ist das 2019 von Edith Hanke, Lawrence A. Scaff und Sam Whimster herausgegebene „Oxford Handbook of Max Weber“ exemplarischer auf Anschlüsse an gegenwärtige Problemfeldfer ausgerichtet.[25] Es präsentiert 32 Beiträge von internationalen, gerade auch von außereuropäischen Weberforschern zu fünf Schwerpunkten: „capitalism in a globalized world“, „society and social structure“, „politics and the state“, „religion“, „culture“, „science and knowlegde“. In dreifacher Hinsicht bot die MWG, wie die Herausgeber in ihrer Einleitung schreiben, „not only a basis for a comprehensive account of his life and work but also a resource for moving beyond textual reconstruction and interpretation to new applications and possible extensions of the ideas.“ An den Beginn stellt das Oxford Handbook eine detaillierte und mit den MWG-Daten abgeglichene „Chronology of Max Weber‘s life“, die viele Irrtümer bisheriger Enzyklopädien korrigiert. Die meisten Beiträge können deutlich machen, wie die ökonomischen, politischen und technologischen Konstellationen unserer gegenwärtigen Weltlage ein „thinking with Weber and his concepts“ wieder auf die sozialwissenschaftliche Agenda setzen. Die Herausgeber betonen den machtpolitischen Gegenwartsaspekt: „We should expect that the rising trend to direct plebiscitary democracy and the cult of the strong leader, along with the weakening of representative democracy, virtually worldwide phenomena, are now attracting the attention of Weberian analysis.” Die Gegenwartskrise verlange nach dem Typus des weberianischen Intellektuellen: „There could not be a more urgent call to arms for the Weberian public intellectual “. In globaler Perspektive habe das Weber-Projekt “taken flight into the arena of international, multilingual discourse”. Das bedeute gründliche Arbeit mit der MWG: “The texts of the MWG must now be considered the standard source, and they should also become the authoritative basis for all new translations of the work.”[26] 

MWG-basierte Übersetzungen gibt es weltweit, auch ins Koreanische oder Arabische. An ihnen sind nicht zuletzt Verlagerungen von Interessensschwerpunkten abzulesen. Nachdem Weber stets schulmäßig zur Kategorie „Gesellschaft“ studiert wurde, wurde kürzlich sein Manuskript zu „Gemeinschaften“ (MWG I/22-1) neu ins Französische übersetzt, um die Antagonismen zwischen den historisch-sozialen Prozessen der „Vergesellschaftung“ und der „Vergemeinschaftung“ schärfer herausarbeiten zu können.[27]

Wie überhaupt die Frage nach Max Weber als einem klassischen Interpreten der Moderne durch die MWG neue Nahrung bekommt. Deutlichere Konturen erhalten die drei geschichtsmächtigen Potenzen, die der „Sohn der modernen europäischen Kulturwelt“ (I/18, S. 101) seiner Problemgeschichte der Moderne zugrunde legt. Zum ersten der globalisierte Kapitalismus, „bis der letzte Zentner fossilen Brennstoffs verglüht ist (I/18, S. 487); zum zweiten die weltpolitische „Machtdynamik“ der „quantitativ großen politischen Gemeinschaften“, zu denen seit 1871 auch der deutsche Nationalstaat gehört, der sich in den Konflikten der „Weltmächte“ kulturell und politisch bewähren muss (I/22-1, S. 224f.); und zum dritten die Schubkraft der „aktiven Massendemokratisierung“ (I/15, S. 538), ohne die es in modernen Gesellschaften keine „Geltung einer ‚Ordnung‘“ mehr geben wird. Im Gesamtwerk lassen sich nunmehr die wechselseitigen Bedingtheiten dieser drei Potenzen exakter studieren, die Weber fast in der Manier eines Jacob Burckhardt für die entscheidenden Gestaltungskräfte der modernen Lebenswelt hält, während er die Bindekraft religiöser „Systeme der Lebensreglementierung“ (I/19, S. 83) in der okzidentalen Kultur schwinden sieht.[28]

Bei Abschluss eines solchen Unternehmens wie der MWG erscheint im 21. Jahrhundert die Frage unabweisbar, befinden wir uns auch für Großeditionen im Zeitalter der Digitalisierung, und mit welchen Konsequenzen? Unstrittig dürfte sein, die Erstellung von Gesamt-Sachregistern wie für „Wirtschaft und Gesellschaft“ (I/25) und für den vollständigen Briefbestand (II/11) war in der gebotenen Feinstruktur nicht als reiner Maschinenauswurf möglich. Es bedurfte sorgfältiger Hand- und Kopfarbeit. Unstrittig ist aber auch, die weltweite Weberrezeption, für die die MWG-Bände nicht in den Bibliotheksregalen stehen, bedarf der elektronischen Angebote. Der Verlag von Mohr Siebeck bietet zum Weberjahr 2020 ein eBook-Paket aller MWG-Bände an. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften prüft zurzeit, ob und wie sich eine Volltextdigitalisierung zu ihrem Klassiker in Angriff nehmen ließe. Auf die Münchener Max-Weber-Arbeitsstelle käme dann die Aufgabe zu, ein „Weber-Portal“ zu pflegen, um die Erträge der MWG und die im Zuge der Edition angelegten Sammlungen nachhaltig zu sichern und der Forschung zugänglich zu halten, vor allem aber eine geeignete Digitalisierung der MWG-Texte und ihrer Kontextualisierungen durch Kommentare, Verzeichnisse, Register und Einführungen in Angriff zu nehmen. Darin besteht die neue Herausforderung für eine „editorische Interaktionsanalyse“.

 

Literatur:

Max Weber-Gesamtausgabe, hg. v. Horst Baier †, Gangolf Hübinger, M. Rainer Lepsius †, Wolfgang J. Mommsen †, Wolfgang Schluchter und Johannes Winckelmann †, Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1984-2020.

Zu den 47 Einzelbänden (Link).

Zusätzliche Weblinks:

https://mwg.badw.de/das-projekt.html

https://www.mohrsiebeck.com/mehrbaendiges-werk/max-weber-gesamtausgabe-mwg-323700000

Fußnoten

[1] Vgl. Edith Hanke, Organisationsstruktur der Max Weber-Gesamtausgabe (MWG), in: Akademie Aktuell. Zeitschrift der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ausgabe 01 (2014), S. 50; dazu M. Rainer Lepsius, Die Max Weber-Ausgabe nähert sich ihrem Abschluß, ebd., S. 44–49; ders., Die Max Weber-Edition, in: ders., Max Weber und seine Kreise, Tübingen 2016, S. 275–287.

[2] Georg Siebeck, „Mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“. Berater, Autor, Herausgeber und wichtiger Vordenker: Max Weber und der Tübinger Verlag Mohr Siebeck, in: Akademie Aktuell 01 (2014), S. 51.

[3] Dirk Kaesler, Zwei Denker aus Deutschland. Eine deutsch-deutsche Editionsgeschichte, in: Leviathan 36 (2008), S. 590–596, hier S. 590.

[4] M. Rainer Lepsius, Ansprache zur Eröffnung des 17. Deutschen Soziologentages, in: Zwischenbilanz der Soziologie. Verhandlungen des 17. Deutschen Soziologentages, Stuttgart 1976, S. 1–13, Zitate S. 9, 12 f.; Gert Albert u. a. (Hg.), Das Weber-Paradigma, Studien zur Weiterentwicklung von Webers Forschungsprogramm, Tübingen 2003.

[5] Zitate aus Horst Baier, Gesamtausgabe der Werke und Briefe Max Webers, Exposé vom 20.9.1973, Exemplar in der Max Weber-Arbeitsstelle München.

[6] Vgl. ausführlicher Edith Hanke / Gangolf Hübinger / Wolfgang Schwentker, Die Entstehung der Max Weber-Gesamtausgabe und der Beitrag von Wolfgang J. Mommsen, in: Christoph Cornelißen (Hg.), Geschichtswissenschaft im Geist der Demokratie. Wolfgang J. Mommsen und seine Generation, Berlin 2010, S. 207–238.

[7] Max Weber-Gesamtausgabe. [Erster] Prospekt, Tübingen 1981.

[8] Gunter Martens / Hans Zeller (Hg.), Texte und Varianten. Probleme ihrer Edition und Interpretation, München 1971.

[9] Vgl. Wolfgang Schluchter, Einleitung zu MWG I/18, S. 1–59, hier S. 34.

[10] Horst Baier, Editionen in den Sozialwissenschaften. Auf dem Weg zu einem neuen Typus der historisch-kritischen Gesamtausgabe, in: Walter Jaeschke u. a. (Hg.), Buchstabe und Geist. Zur Überlieferung und Edition philosophischer Texte, Hamburg 1987, S. 215–218, zuvor in: Neue Züricher Zeitung, 26.02.1987.

[11] Siegfried Scheibe, Zu einigen Grundprinzipien einer historisch-kritischen Ausgabe, in: Martens/Zeller, Texte und Varianten, S. 1–43, hier S. 2.

[12] Aufbau und Editionsregeln der MWG, am Ende jeden Bandes, auch https://mwg.badw.de/ueber-die-edition.html .

[13] Zuletzt und mit breiter internationaler Rezeption Johannes Winckelmann, Wirtschaft und Gesellschaft, 5. revidierte Auflage, Tübingen 1972.

[14] Vgl. M. Rainer Lepsius, „Wirtschaft und Gesellschaft“ – Das Erbe Max Webers im Lichte der Edition der Max Weber-Gesamtausgabe, in: ders., Max Weber und seine Kreise, S. 288–299, hier S. 295.

[15] Oliver Römer, Der Denkraum Max Webers, neu vermessen, Rezension zu Gerhard Wagner / Claudius Härpfer (Hg.), Max Webers vergessene Zeitgenossen. Beiträge zur Genese der Wissenschaftslehre, Wiesbaden 2016, in: Soziopolis, https://www.soziopolis.de/lesen/buecher/artikel/der-denkraum-max-webers-neu-vermessen/ (12.06.2020). 

[16] Adalbert Hepp / Martina Löw (Hg.), M. Rainer Lepsius. Soziologie als Profession, Frankfurt am Main 2008, bes. S. 54–58.

[17] Vgl. Thomas Urban, Fachkräftemangel, in einem Wikipedia-Themenschwerpunkt der Süddeutschen Zeitung, 5./6.10.2019, S. 12.

[18] Scheibe, Zu einigen Grundprinzipien einer historisch-kritischen Ausgabe.

[19] Die Trends der internationalen Weberforschung lassen sich gut verfolgen entlang der „Max Weber Studies“, die seit dem Jahr 2000 zweimal jährlich in London von Sam Whimster herausgegeben werden, Max Weber Studies 1 (2000) ff.

[20] Peter Ghosh, A Historian Reads Max Weber. Essays on the Protestant Ethic, Wiesbaden 2008, hier S. 4; ders., Max Weber and The Protestant Ethic: Twin Histories, Oxford 2014; spezifische Aspekte bei Gangolf Hübinger, Max Weber. Stationen und Impulse einer intellektuellen Biographie, Tübingen 2019.

[21] Hinnerk Bruhns, Max Webers historische Sozialökonomie / L‘économie de Max Weber entre histoire et sociologie, Wiesbaden 2014; ders., Max Weber und der Erste Weltkrieg, Tübingen 2017. Bruhns ist Mitbegründer der Online-Zeitschrift „Trivium“, die sich der wissenschaftlichen Übersetzungskultur widmet. Soziologen sollten ihn nicht verwechseln mit dem dänischen Diplomaten und Soziologen Hans Henrik Bruun, einem Experten für Webers methodologische Schriften und Übersetzer der ersten vollständischen dänischen Ausgabe der „Protestantischen Ethik. Beide, Bruhns und Bruun, sind Autoren im kürzlich erschienenen „Oxford Handbook of Max Weber“ (Edith Hanke / Lawrence A. Scaff / Sam Whimster (Hg.), The Oxford Handbook of Max Weber, Oxford University Press 2019).

[22] Vgl. Thomas Schwinn / Gert Albert, Alte Begriffe – Neue Probleme. Max Webers Soziologie im Lichte aktueller Problemstellungen, Tübingen 2016, dazu meine Rezension vom 29. September 2017, „Webers Werkzeugkasten“, in Soziopolis, https://www.soziopolis.de/lesen/buecher/artikel/webers-werkzeugkasten/ (12.06.2020).

[23] Die Ergebnisse in Patricia Lambruschini / Juan Ignatio Trovero / Eduardo Weisz (Hg.), Viejos dioses, nuevos dioses. Politica y religión des Max Weber, Barcelona 2019.

[24] Hans-Peter Müller / Steffen Sigmund (Hg.), Max Weber-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart 2014.

[25] Hanke/Scaff/Whimster, The Oxford Handbook of Max Weber.

[26] Alle Zitate: Introduction, ebd., S. 3–17; die „Chronology“ S. IXX–XXVIII.  

[27] Max Weber, Les communautés, traduction et édition critique d’Élisabeth Kauffmann et Catherine Colliot-Thélène, Paris 2019. 

[28] Zur Problemkonstellation von Kapitalismus, Großmächten und Massendemokratien ausführlicher Gangolf Hübinger, Max Weber und die Zeitgeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, http://docupedia.de/zg/Huebinger_max_weber_zeitgeschichte_v1_de_2019 (12.06.2020), DOI: http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok-1712. Der Verfasser plant, dies in methodischer Anlehnung an Jacob Burckhardt systematischer auszuführen.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Martin Bauer und Hannah Schmidt-Ott.