„Die Theorie hat nicht das letzte Wort.“

Heute wäre Niklas Luhmann 90 Jahre alt geworden. Das ist Anlass für uns, den Klassiker der Soziologie erneut zu Wort kommen zu lassen und die originellsten O-Töne des Systemtheoretikers im Folgenden zu versammeln. - Die Red.

 

„Also, meine Partie ist immer beim Teufel. Der unterscheidet am schärfsten und sieht am meisten.“

in: Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2005, S. 77

 

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„ […] das ist einfach eine soziologischere Betrachtungsweise, die selbstredend eher die Ratlosigkeit vergrößert.“

in: Was tun, Herr Luhmann? Vorletzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2009, S. 27

 

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„Also, ich denke, dass Sensibilität sowieso eher eine Ausnahmesituation ist.“

in: Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2005, S. 56

 

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„Von Zeit zu Zeit ist es dann gut, die Politiker daran zu erinnern, daß nur Götter die Verhältnisse durch Worte ändern können.“

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Bd. I, Frankfurt 1997, S. 385

 

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„Man tritt ins Haus ein, […] die Frau steht in der Küche. Man möchte jetzt natürlich erst einmal zum Schreibtisch gehen und sehen, was die Post gebracht hat. Aber wenn man das tut, weiß man genau, dass sie darin eine Vernachlässigung sieht.“

in: Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2005, S. 54

 

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„Man versteht nur, weil man nicht durchschauen kann.“

in: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1992, S. 26

 

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„Wer die Uhr falsch abliest, hat selber schuld.“

in: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1992, S. 21

 

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„Das einzige, was mir wirklich ein Ärgernis ist, das ist der Mangel an Zeit. Ich weiß nicht, ob es eine Utopie ist, unbegrenzt Zeit zu haben. Ich könnte mir also vorstellen, daß für mich der Tag 30 Stunden hat, für den anderen dagegen nur 24. Die anderen müßten dann immer schon schlafen, wenn ich noch alles mögliche tue.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 23

 

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„Man ist von Hause aus ohne Geschmack und infolgedessen muss man sehen, was oder welche Art Handtaschen die Damen heute tragen oder wie die Scheinwerfer in Autos rund oder eckig sein müssen.“

in: Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2005, S. 88

 

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„Liebende schwören sich ewige Treue – im Moment für den Moment.“

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Bd. I, Frankfurt 1997, S. 395

 

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„Ich kann nur in Unterschieden denken.“

in: Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann? Letzte Gespräche mit Niklas Luhmann, Berlin 2005, S. 73

 

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„Wer seine Zigarette selber dreht, ist gegen Abgabezumutungen besser geschützt als derjenige, der sie aus dem Päckchen zieht. “

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Berlin 1998, S. 468

 

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„Es fällt mir schwer, Wünsche zu haben. Man möchte natürlich so viel Geld haben, daß man nicht über jeden neuen Zahn oder jeden neuen Reifen viel nachdenken muß. Aber abgesehen davon…“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 23

 

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„Ich habe bei Büchern keine Perfektionsvorstellung […] Was ich bisher geschrieben habe, ist alles noch Nullserie der Theorieproduktion – mit Ausnahme vielleicht des zuletzt erschienenen Buches Soziale Systeme.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 25

 

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„Menschenbilder, sowas Grausliches. Also der Mensch interessiert mich nicht, wenn ich das so hart sagen darf. “

in: Texte zur Kunst 1 (4), Köln 1991, S. 132

 

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„Ich denke ja nicht alles allein, sondern das geschieht weitgehend im Zettelkasten.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 25

 

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„Natürlich ist mein Kopf erforderlich, um die Einfälle zu notieren, aber er kann nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 28

 

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„Der Mensch kann nicht kommunizieren; nur die Kommunikation kann kommunizieren.“

in: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1990, S. 31

 

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„Schlangen und Katzen können nicht Schlatzen zeugen. “

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, Berlin 1998, S. 486

 

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„Der Marktwert [im Fußball, Anm. d. Red.] ist kaum zu überschätzen, man kann nicht nur den Ball kaufen, sondern auch die Spieler.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 90

 

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„Die Kommunikation hat keinen eigenen Zweck, keine immanente Entelechie. Sie geschieht, oder geschieht nicht. Das ist alles, was man dazu sagen kann.“

in: Aufsätze und Reden, Stuttgart 2001, S. 102

 

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„Die gängigen wissenschaftstheoretischen Vorschriften, die festlegen, wie man denken muß, sind für mich schwer zu akzeptieren.“

in: Short Cuts, Berlin 2000, S. 34

 

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„Gesellschaft hat keine Adresse.“

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, 2 Bde., Frankfurt am Main 1997, S. 866

 

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 "Bei allen Perlen der Philosophie, die man auf diesem Gebiet bewundern kann, wird man sich als Soziologe fragen, welche ursprüngliche Verschmutzung sie erzeugt haben mag.“

in: Die Gesellschaft der Gesellschaft, 2 Bde., Frankfurt am Main 1997, S. 911.

 

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„Die Theorie hat nicht das letzte Wort.“

 in: Short Cuts, Frankfurt am Main 2000, S. 70

 

 

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher, Baran Korkmaz, Karsten Malowitz & Kira Meyer.