Georg Simmel, neu gelesen

Ein Themenschwerpunkt zum 100. Todestag

(Quelle)

 

Am 26. September 1918 starb Georg Simmel im Alter von 60 Jahren in Straßburg. Diesen Jahrestag nehmen wir zum Anlass, den vielseitigen Gründervater der Soziologie mit einem Schwerpunkt auf Soziopolis zu würdigen.

Blieb Simmel die institutionelle Anerkennung seiner Leistungen durch die Berliner Universität, an der er sich vergeblich um eine ordentliche Professur bemühte, auch verwehrt, so gehörte er doch zu den bekanntesten Gelehrten des Kaiserreichs. Seine zahlreichen Schriften wurden breit rezipiert und er erfreute sich der Wertschätzung vieler Wissenschaftler, Intellektueller und Künstler. Mit der frühen Schrift Über sociale Differenzierung (1890), dem Klassiker zur Philosophie des Geldes (1900), dem Band über Die Großstädte und das Geistesleben (1903) sowie der wegweisenden Soziologie (1908), die der Untertitel als Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung ausweist, prägte Simmel die junge Disziplin, an deren institutionellem Aufbau er ebenfalls großen Anteil hatte. Die Einsichten, die er als Theoretiker der Moderne und als feinfühliger Beobachter des Lebens in der modernen Gesellschaft formuliert hat, beeinflussen bis heute unsere Perspektive auf sozialwissenschaftliche Probleme und erweisen sich auch dort noch als produktiv, wo sie zum Widerspruch reizen.

Hilmar Schäfer unterzieht Simmels „Tragödie der Kultur“ einer aktualisierenden Untersuchung und weist auf die Potenziale dieser Diagnose von einer unaufhaltsamen Spezialisierung, Vervielfältigung und uneinholbaren Beschleunigung kultureller Erzeugnisse in der fragmentiert-vernetzten Spätmoderne hin. Simmels Beitrag und Inspiration für die heutige Stadtsoziologie, beschreibt Astrid O. Sundsbø, wobei sie insbesondere auf Simmels soziologisches Verständnis der Kategorie des sozialen Raumes eingeht. Eine kenntnisreiche Einführung in Simmels vielseitiges Werk, in dem sich die Soziologie mit angrenzenden Disziplinen wie Psychologie, Ästhetik oder Philosophie verbindet, trägt Ingo Meyer bei. Wir danken den Autor*innen für ihre Beiträge und wünschen unseren Leser*innen anregende Lektüre. Die Reihe wird fortgesetzt. – Die Red.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz und Clemens Reichhold.