Max Weber in Heidelberg (1897–1918)

Hochschullehrer, Privatgelehrter und „etablierter Außenseiter“

Für Barbara – als Geste der Verbundenheit

 

I.  Vorbemerkung

Max Weber lebte und arbeitete in Heidelberg von 1897 bis 1918 als Hochschullehrer, Privatgelehrter und „etablierter Außenseiter“. Dort schrieb er bedeutende Bücher, die dazu verhalfen, dass er später zu einem Klassiker gemacht werden konnte. Ein Klassiker war er damals noch nicht, freilich hatte er sich bereits einen Namen gemacht, nicht zuletzt durch sein außeruniversitäres Engagement im Verein für Socialpolitik oder im Evangelisch-sozialen Kongreß mit der Durchführung aufwändiger Enqueten.[1]

Um sich ein Bild davon zu machen, wie Max Weber in der Stadt am Neckar gelebt und gearbeitet hat, empfiehlt es sich, beispielhaft typische Gegebenheiten aus seinem Lebens- und Arbeitsbereich zu präsentieren.[2] Zum Lebensbereich gehört Heidelberg als überschaubare Universitätsstadt, die damals auch eine beträchtliche Anzahl studierender Russen aufwies und in dem steril erscheinenden Professorenmilieu mit verwickelten Liebesbeziehungen überraschte. Später wird auf die Villa Fallenstein in der Ziegelhäuser Landstr. 17 mit der dort gepflegten Geselligkeitsform der jours einzugehen sein. Für M. Rainer Lepsius steht dieses Haus, das Weber mit seiner Frau Marianne seit 1910 bewohnte, für „Kulturliberalismus, Kulturprotestantismus und Kulturfeminismus“.[3] Auch eine Würdigung von Webers Mitgliedschaft im 1904 gegründeten religionswissenschaftlichen Gelehrtenkränzchen namens „Eranos“ bietet sich an, weil es ihm  nach seiner krankheitsbedingten Entlassung aus dem Hochschuldienst weiterhin den wissenschaftlichen Austausch mit einer Reihe bedeutender Kollegen gestattete. Außerdem  hat er dort drei Vorträge zu bedeutenden Themen gehalten: einen ersten zum zweiten Teil der Protestantischen Ethik, der er seinen späteren Weltruhm verdankt,[4] dann zum „Kapitalismus im Altertum“ (auf der Basis seines umfangreichen Handbuchartikels: „Agrarverhältnisse im Altertum“),[5] der hier nur kurz angesprochen wird, obwohl die „Agrarverhältnisse im Altertum“ zu Webers eindrucksvollsten, leider zu wenig beachteten wissenschaftlichen Arbeiten zählen, die er  seiner Erkrankung abgerungen hat. Schließlich ist im Rahmen der Eranos-Treffen auch sein musiksoziologischer Vortrag zu behandeln, weil diese Musiksoziologie, wie keine andere, demonstriert, warum die Tonkunst in unserem Kulturkreis etwas höchst Rationales ist und neben der Religions- und Rechtssoziologie für die von Weber „entdeckte“, rationale Eigenart der okzidentalen Kultur steht. All diese Arbeiten Webers sind „made in Heidelberg“.

 

II.  Heidelberg vor dem Ersten Weltkrieg

Max Weber (1864–1920) hat als gelernter Jurist 1897 den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft in Heidelberg als Nachfolger von Karl Knies übernommen. Bereits zu Beginn des Jahres 1898 gab es erste Anzeichen einer Erkrankung,[6] die nach damaligem Sprachgebrauch „Neurasthenie“ genannt wurde und schließlich zu seinem Zusammenbruch und anhaltender Arbeitsunfähigkeit führte. Sie hat ihn schließlich bewogen, im April 1903 erneut ein Entlassungsgesuch zu beantragen, dem im Oktober stattgegeben wurde.

Als Weber 1897 nach Heidelberg kam, das er bereits als Student kennen gelernt hatte, kam er in eine überschaubare Kleinstadt. Zum „soziologischen Trivialwissen über Kleinstadtuniversitäten“,[7] zu denen auch das damalige „Weltdorf“ Heidelberg zu zählen ist, gehört, dass man sich dort nicht aus dem Weg gehen konnte, zumal sich das Universitätsleben auf wenige überschaubare Straßenzüge der Voralt- und Kernaltstadt (zwischen altem Bahnhof und Karlstor) konzentrierte. Dies galt für Professoren[8] wie für Studenten, die zahlenmäßig im Stadtbild auffielen. Für diese ergaben sich auf der Straße und im Hörsaal zahlreiche Chancen der „zentrischen Interaktion“, worunter Goffman[9] eine durch Blickkontakte gesteuerte Aufforderung zur Kommunikation versteht, die bei wiederholter Begegnung mit dem eingeräumten „Recht“ auf Abgang Bekanntschaften stiften kann, die sich zu dauerhaften Freundschaften entwickeln können. Der Hörsaal oder die überschaubare Seminarveranstaltung waren so gesehen immer auch soziale Treffpunkte, die Anlass zur Herausbildung einer auf einen bestimmten akademischen Lehrer hin ausgerichteten Gruppierung geben konnten, die dann durch Freundschaftsbeziehungen zusammengehalten wurde. Eine solche Gruppierung konnte ihr entwickeltes Wir-Bewusstsein nach außen zur Schau tragen, indem ein Café zu einem festen Treffpunkt gemacht wurde, wodurch der zunächst allen zugängliche öffentliche Ort nach außen geschlossen wurde. So trafen sich lange Zeit die Husserl-Anhänger im Café Häberlein, wohingegen die Anhänger Rickerts im Imperial-Café verkehrten. Eine der interessantesten sozialen Gruppierungen hat sich auf diese Weise seit dem Sommersemester 1903 in den Veranstaltungen der Philosophen Wilhelm Windelband und Emil Lask herausgebildet:[10] Der von deutschen wie russischen Studenten (R. Kroner, N. v. Bubnoff, G. Mehlis, S. Hessen und F. Stepun) geschlossene Freundschaftsbund, aus dem sich  – alle waren Anhänger der südwestdeutschen Schule des Neu-Kantianismus – später der engere Kreis der Logos-Gründer formieren sollte.[11] Im damaligen Heidelberg gab es eine relativ große „Russengemeinde“, die schon früh einen eigenen Treffpunkt, die „Pirogov-Lesehalle“,  hatte. Zu deren 50-jährigem Bestehen hielt Weber 1912 eine Rede, wodurch er seine Verbundenheit mit russischen Studenten zum Ausdruck brachte.[12]

Im überschaubaren „Weltdorf“ gab es auch verwickelte Ehe- und Liebesbeziehungen, die eine Menge Gesprächsstoff lieferten. Bei den Webers führten derartige Verwicklungen zu Kommentierungen , die sich anfänglich am hohen Maßstab  ethischer Anforderungen ausrichteten, im Laufe der Zeit  jedoch in der Anerkennung eines Eigenwerts der Erotik mündeten.[13] Zu nennen ist hier Else Jaffé, die seit 1902 mit Edgar Jaffé verheiratet war, jedoch seit 1910 von ihrem Gatten getrennt lebte und mit Max Webers Bruder Alfred eine dauerhafte, intime Beziehung eingegangen war.[14] Dem Psychoanalytiker und Verkünder einer neuen Sexualmoral, Otto Gross, hatte sie 1907 einen Sohn geboren, für den Max Weber die Patenschaft übernahm.[15] Eberhard Gothein, der im Eranos-Kreis verkehrte, war mit Marie Luise Gothein verheiratet, die eine intime Beziehung mit dem Heidelberger Privatdozenten Phillip Witkop einging. Als sie Juni 1909 herausfand, dass sich Witkop bereits  seit längerer Zeit Mina Tobler zugewandt hatte, die er nunmehr zu lieben vorgab, beendete Gotheim die Affäre.[16] Mina Tobler war das „Tobelkind“, das Emil Lask 1909 mit den Webers bekannt gemacht hatte und mit der Max Weber 1911/12 eine Liebesbeziehung eingehen sollte.[17] Und  Lask wiederum, den Weber einen „Sexualneurothiker“ nannte,[18] der zeitweilig auch mit der Ehefrau von Otto Gross, Frieda Gross (geb. Schloffer, Nichte des Philosophen Aloys Riehl), intim befreundet war, hatte – nach damals geltendem Recht – mit Lina Radbruch „Ehebruch“ begangen, die seit 1907 mit dem Juristen und späteren Justizminister der Weimarer Republik, Gustav Radbruch, verheiratet war, von dem sie 1913 freilich geschieden wurde.

 

III.  Weber als Privatgelehrter und „etablierte Außenseiter“ (1903–1918)

Mit dem bewilligten Entlassungsgesuch, mit dem auch die Ernennung zum Honorarprofessor einherging, wurde Weber zum Privatgelehrten (1903–1918). Doch dank seiner Herausgebertätigkeit beim „Archiv“, das Edgar Jaffé von H. Braun erworben hatte,[19] vermochte er seine Kontakte zum Wissenschaftsbetrieb beizubehalten und fortzuführen. Überdies bot Webers Eigenschaft als Herausgeber ihm die Gelegenheit, seine Auffassung von Sozial- und Kulturwissenschaft in methodologischer wie erkenntnistheoretischer Hinsicht darzulegen und zu publizieren. Darüber hinaus gab ihm die von Adolf Deissmann und Albrecht Dieterich 1904 initiierte Gründung des Eranos die Möglichkeit, Geselligkeit mit wissenschaftlichem Austausch zu verbinden, mithin die Wiedererlangung von Fähigkeiten zu trainieren, die durch die Erkrankung stark beeinträchtigt waren. Die Vorbereitung und Edition  des geplanten Handbuchs beziehungsweise des Grundrisses der Sozialökonomik (der nach seinem Tod unter dem Titel „Wirtschaft und Gesellschaft“ erschien) sind neben seiner Arbeit beispielsweise zur Religionssoziologie ebenfalls zu erwähnen, um das Bild des in Heidelberg geradezu rastlos tätigen Privatgelehrten Max Weber zu vervollständigen. Es berechtigt dazu, ihn einen „etablierten Außenseiter“ zu nennen.

 

III.1 Der religionswissenschaftliche Eranos-Kreis (1904–1909)

Beim Eranos-Kreis handelt es sich um einen Freundeskreis mit vereinsmäßiger Satzung,[20] auf den der lange Schatten der Usener-Schule fiel, die für eine philologisch fundierte Religionsgeschichte eintrat. Beinahe die Hälfte der Eranos-Mitglieder standen der Usener-Schule nahe oder sympathisierten zumindest mit ihr. Zwischen dem bedeutenden Altphilologen Hermann Usener und Max Weber gab es eine unüberbrückbare Differenz. Usener berief sich bei seinen Arbeiten auf den Künstler wie Dichter auszeichnenden Takt,[21] den man besaß und der auch den Wissenschaftler befähigte, das zu erkennen, worauf es ankam. Nach Usener ist zumal jede schöpferische Tätigkeit eigentlich als Kunstwerk anzusehen, so dass sich Wissenschaftler und Künstler hinsichtlich ihrer kreativen Fähigkeit allenfalls graduell unterscheiden. Wer „Takt“ hat oder über „Witz“ verfügt, vermag Ähnliches zwischen Unähnlichem (Helmholtz) zu entdecken, besitzt die Kunstfertigkeit zu analogem Denken, eine Kunstfertigkeit, die Weber explizit an Simmel kritisierte.[22] Diesem wirft er vor, seine durchaus geistreich gehandhabte Anwendung der Analogie führe mit Blick auf die „‚analog‘ herangezogene ‚Seite‘“ der Erscheinung dazu, dass ein Fachmann diese „in ihren kausalen Componenten (als) verkannt“ ansehen muss.[23]

Wie Webers Ausführungen in den „Kritische(n) Studien auf dem Gebiet der kulturwissenschaftlichen Logik“ dokumentieren,[24] aber auch sein einschlägiger Objektivitäts-Aufsatz unmissverständlich zeigt, ist ihm daran gelegen, Useners Position zu überwinden.[25] Die Gegenposition, mit der Weber den „Takt“ ersetzen möchte, geht davon aus, dass präzise „Begriffe und Urteile“ die unmittelbar gegebene Wirklichkeit „in gültiger Weise denkend ordnen“ können,[26] wobei „gültige Urteile“ mit Hilfe der von Johannes von Kries in Anspruch genommenen „objektiven Möglichkeitsurteile“ erzielt werden.[27] Zusammengenommen verhelfen sie zur „objektiven Erkenntnis“, die, was oft vergessen wird, bei Weber in Anführungszeichen gesetzt ist. „Takt“, „Witz“ oder „Eingebung“ besitzen für Weber einen heuristischen Wert, freilich nur im Entdeckungszusammenhang. Sofern der im Entdeckungszusammenhang erzielte „Einfall“, der nach Weber seinerseits „ganz harte Arbeit“ zur Voraussetzung hat,[28] nicht mit Hilfe einer nur vom Fachmann beherrschten Arbeitsmethode „in seiner Tragweite“ überprüft wird, [29] steht er unter einem hypothetischen Vorbehalt.

Dennoch zählen die Eranos-Treffen mit ihren Diskussionen und dem sich anschließenden gemeinsamen Mahl für die Beteiligten zu einem wertvollen Schatz an Erfahrungen und Erinnerungen. Sie charakterisiert  Deissmann im Rückblick, wenn er zum Ausdruck bringt, er habe „niemals eine so hochstehende und so ergiebige Form akademischen Austauschs und freundschaftlich-geselliger Geistigkeit wiedererlebt.“[30] Im Übrigen lassen sich in Webers Schriften zahlreiche Anregungen nachweisen, die er dem Eranos verdankt.

 

III.2 Webers Vorträge bei den Eranos-Treffen

Unter den überlieferten Eranos-Vorträgen können uns hier nur diejenigen interessieren, die Weber gehalten hat. So wird sein erster Vortrag im Eranos über „Die protestantische Askese und das moderne Erwerbsleben“ behandelt, in den Weber die während seiner Amerika-Reise gewonnen Eindrücke miteinbezog, nachdem der erste Teil der Protestantischen Ethik bereits publiziert vorlag. Sein zweiter Vortrag galt, wie eingangs bereits erwähnt, dem „Kapitalismus im Altertum“. Beide Vorträge verbindet ein innerer Zusammenhang, den Weber selbst aufgezeigt hat.[31] Weber gibt zu verstehen, dass er in idealtypischer Betrachtungsweise den „Kapitalismus“ des Altertums als Wirtschaftssystem, wenn auch „in einer übrigens sicherlich noch sehr unvollkommenen Art“ bereits im Handwörterbuch der Staatswissenschaften (1909) behandelt habe. Demgegenüber solle „für das, was (er) idealtypisch ‚Geist‘ des modernen Kapitalismus nennen wollte,“ der „Aufsatz [Die Protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus] den Anfang einer Ausführung“ bilden, „welche zunächst die neuen, durch die Reformationszeit eingewebten Fäden verfolgen wollte.“[32] Lässt sich die Protestantismus-Studie von 1905 dahingehend charakterisieren, dass dort die Mikro- mit der Makroebene auf der Ebene des „Geistes“ miteinander verbunden wird, so zeichnet sich der Vortrag Webers zur Musiksoziologie dadurch aus, dass die Musik neben dem Recht und weiteren okzidentalen Kulturerscheinungen ausdrücklich mit dem Zusatz „rational“ belegt wird.[33] Wie nirgendwo anders, betont Webers musiksoziologische Studie, dass „das okzidentale musikalische Denken (…) dem Prinzip der Ratio im engeren Wortsinn der ‚Berechnung‘, der Systematik, Ordnung und kalkulierenden Handhabung (folgt), aber auch der einengenden harmonischen ‚Bindung‘ und Determinierung, das außereuropäische (und europäisch-antike) hingegen dem Prinzip der ‚Freiheit‘ und individuellen Vielfalt.“[34] Insofern ist es von der Musiksoziologie nicht mehr weit zu Webers Rechtssoziologie, die ihrerseits ja auch dem Theorem der Rationalisierung verpflichtet ist. Die Musiksoziologie, um eine Metapher Webers aufzugreifen,[35] erfüllt demnach eine „Weichensteller-Funktion“: hin zu einer Forschungsrichtung, die Weber gerade in der Religions- und Rechtssoziologie verfolgt.

 

III.2.1. Webers Vortrag zum zweiten Teil der Protestantischen Ethik

Am 5. Februar 1905 referierte Weber bei einem Eranos-Treffen über „Die protestantische Askese und das moderne Erwerbsleben“.[36] Alle Mitglieder des Kreises waren mit Ausnahme von Troeltsch anwesend. Nachdem Weber den ersten Teil der Protestantischen Ethik abgeschlossen hatte, trug er nun vor, was er im zweiten Aufsatz zu veröffentlichen gedachte;[37] somit folgte er der Praxis, ein unmittelbar vor der Veröffentlichung stehendes Manuskript im Eranos zur Diskussion zu stellen,[38] dieses Mal unter Einbeziehung der während seines USA-Aufenthalts gewonnenen Eindrücke.[39] Das von ihm gefertigte Vortrags-Protokoll lautet im Wortlaut:

 

In Fortsetzung seines Aufsatzes im Archiv f[ür]  Sozialwiss[enschaft]  XX, 1 suchte Ref[erent] die Einwirkung der Ethik des asketischen Protestantismus: Calvinismus, Täufertum (mit seinen Dependenzen), Pietismus, Methodismus auf die Entwicklung des „kapitalistischen Geistes“, speziell auf die Legalisierung und ethische Qualifizierung des „Erwerbstriebes“, zu analysieren. Es wurde von den dogmatischen Grundlagen der asketisch-protestantischen Religiosität ausgegangen, welche – auf verschiedenen Wegen – in den Gedanken ausmündet, daß die Bewährung des Gnadenstandes – der als eine /:von:/ Gott verliehene Qualität gedacht wird – durch eine spezifische Art der Lebensführung allein die „certitudo salutis“ gewährleistet. Der methodisch-systematische Charakter, welcher dieser Lebensführung, eben weil sie eine inhärente Qualität des ethisch Handelnden manifestieren soll, eignen muß, bedingt ihren asketischen, d.h. rationalen Grundton, und indem die katholischen consilia evangelica und damit die Weltflucht als Mittel der Sicherung der ethischen Dignität der Askese abgeschnitten wurden, wurde sie zur ‚innerweltlichen’ Askese, genötigt, sich im weltlichen Berufsleben auszuwirken und nur in diesem. Der strenge Vorsehungsglaube und die protestantische Fortentwicklung der „lex naturae“ wirken nun dahin, daß diese Berufsaskese einen utilitarischen Charakter annimmt, dergestalt, daß die ökonomische Arbeit, teils als asketisches Mittel, teils als gottgewollter Selbstzweck, als „Gottesdienst“ erscheint und der Erwerb selbst als gottgewollte Erfüllung einer asketischen Lebensaufgabe. Zugleich sichert der formalistisch-legale Charakter der asketischen Ethik der Geschäftsgebarung gewisse Qualitäten, welche für die Expansion der kapitalistischen Weltwirtschaft constitutiv geworden sind. Mit dem Absterben der religiösen Wurzel erfolgt der Übergang in den reinen Utilitarismus des 18ten Jahrhunderts. Der Geist des Capitalismus ist – wie insbesondere an der Ethik Baxters zu erläutern versucht wurde, aus dem Geist der (protestantischen) Askese geboren. -- An der Diskussion beteiligten sich fast alle Anwesenden, speziell Deissmann, Gothein, Rathgen, Jellinek. Im Ganzen fanden die Auffassungen des Ref[erenten] Zustimmung.

 

Das von Weber Vorgetragene zeigt, wie er die Makroebene (dogmatische Grundlagen des asketischen Protestantismus; Erlösungsidee) mit der Mikroebene (subjektive Aneignung der Erlösungsidee) ausschließlich auf der „Ebene des ‚Geistes‘“ zusammenbringt.[40] Die von Theologen ausgearbeitete Erlösungsidee des asketischen Protestantismus eignen sich die Gläubigen nicht direkt an, vielmehr versuchen sie das ihnen in Aussicht gestellte Heilsinteresse ihren eigenen „Bedürfnissen“ anzupassen, indem sie sich der in Aussicht gestellten Heilsgewissheit vergewissern wollen (durchaus in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen sozialen Lage mit den dort gegebenen ideellen und materiellen Interessen). Die Folge dieses Wechselspiels ist die „Anwendung der religiös gedeuteten innerweltlichen Askese auf den Beruf,“[41] mit der eine methodisch-systematischen Lebensführung einhergeht. Aus den „unbeabsichtigten Folgen absichtsvollen [rationalen, HT] Handelns“ entsteht schließlich das, was Weber „Geist“ des rationalen Kapitalismus nennt, dessen zunächst indirekte religiöse Fundierung durch eine utilitaristische ersetzt wird.[42] Gegenüber diesem anspruchsvollen Angebot zur Frage „wie Ideen in der Geschichte wirken“, fällt der „Kommentar“ merkwürdig blass aus, den Dieterich einen Tag nach Webers Vortrag am 6. Februar 1905 seinem Schwiegervater Hermann Usener brieflich zukommen ließ (ein gutes Jahr, nachdem dieser seine Programmschrift zur „Mythologie“ verfasst hatte):

 

Gestern gabs in unserem Kränzchen einen höchst interessanten Vortrag von Max Weber ‚Über protestantische Askese und den Geist des Kapitalismus“. Er hat schon einmal einen Aufsatz darüber geschrieben und führte das nun weiter. Einen merkwürdigen Einblick bekam man in die religiöse Denkart der kapitalistischen Calvinisten, Puritaner usw. Er flocht viel ein, was er jetzt in Amerika gesehen hat. – Diese Abende sind allen immer eine ganz besondere Erholung, die angeregtesten Diskussionen, die ich je erlebt habe, bei denen dann Deissmann in der Regel kund giebt, daß er allein die Sache nicht capirt hat.[43]

 

III.2.2 Webers Vortrag zur „Musiksoziologie“

Verglichen mit dem Vortrag zur „Protestantischen Askese“ behandelt Weber in seinem Vortrag zur Musiksoziologie die Musik als eine rationale Kulturerscheinung, die zusammen mit anderen rationalen Kulturerscheinungen , zu denen ihm zufolge unter anderem  auch das okzidentale Recht gehört, das ausmacht, was Weber als die „Eigenart der ganzen abendländischen Kultur“ kennzeichnet.[44]

Dieser Vortrag fand am 5. Mai 1912 statt, also nach Beendigung derjenigen Treffen, die im Protokollbuch der Eranos-Treffen bis zum 3. Januar 1909 festgehalten sind.[45] Über diese Zusammenkunft informiert uns ein Brief, den Marianne Weber am 12. Mai 1912 an ihre Schwiegermutter geschrieben hat:

 

Am vorigen Sonntag war hier bei uns der Eranos – du weißt das wissenschaftliche Kränzchen mit den alten Herren. Max hat 2 ½ Stunden wie ein Wasserfall über die schwierigsten musiktheoretischen Dinge und ihre Zusammenhänge mit wirtschaftlichen und soziologischen Dingen geredet. Die Leute ersoffen fast in seiner Fülle und ich mußte schließlich sie und den wartenden Spargel durch einen Machtspruch erlösen.[46]

 

Was Weber vorgetragen hat, lässt sich  anhand seiner posthum veröffentlichten Musiksoziologie ermitteln,[47] aber auch anhand der preisgekrönten Studie zu Webers Musiksoziologie von Christoph Braun aus dem Jahre 1992 sowie einiger Aufsätze, die auf diese Studie gefolgt sind.[48] Zudem ist der Wertfreiheits-Aufsatz insofern behilflich, als dieser eine ebenso knappe wie prägnante Formulierung des Erkenntnisinteresses zur Verfügung stellt, das Weber seiner Musiksoziologie zugrunde gelegt hat: „Ihr zentrales Problem ist für den Standpunkt des Interesses des modernen europäischen Menschen („Wertbezogenheit“!) doch wohl: warum die harmonische Musik aus der fast überall volkstümlich entwickelten Polyphonie nur in Europa und in einem bestimmten Zeitraum entwickelt wurde, während überall sonst die Rationalisierung der Musik einen andern und zwar meist den gerade entgegengesetzten Weg einschlug: Entwicklung der Intervalle durch Distanzteilung (meist der Quarte) statt durch harmonische Teilung (der Quinte).“[49]

Zur Beantwortung dieser Fragestellung untersucht Weber zunächst universalhistorische Ausprägungen der Rationalisierung von Tonsystemen in Gestalt der (Auf-)Teilung des Oktavraumes in bestimmte Intervalle; als gängige Teilungsprinzipien registriert er dabei entweder die „distanzmäßige“ oder die „harmonische“ Teilung.[50] Dem schließt sich an ein Vergleich exemplarisch ausgewählter Tonsysteme, jeweils in idealtypischer Zuspitzung: so vergleicht er das moderne europäische mit antiken beziehungsweise mittelalterlichen europäischen Tonsystemen, und diese wiederum mit außereuropäischen, wie zum Beispiel dem indischen, chinesischen und japanischen. In die Komparatistik werden aber auch „primitive“ Tonanordnungen schriftloser Kulturen einbezogen. Mit Hilfe der Vergleiche will Weber herausfinden, durch welche inner- und außermusikalischen Umstände entweder einer melodischen oder einer harmonischen Teilung die Richtung gewiesen wurde; zugleich sucht  er damit aber auch die typischerweise verbundenen jeweiligen „Vor-“ respektive  „Nachteile“  aufzuzeigen, also ihre „Irrationalitäten“. Beispielsweise zahlt die harmonische Rationalisierung den „hohen Preis eines abgestumpften Intervall-Gehörs“.[51] Mithin lassen sich die „tonphysikalischen Unstimmigkeiten“ (Braun), das heißt die sogenannten Diësen und Kommata, insbesondere das sogenannte „pythagoreische Komma“,[52] jenes winzige Restintervall (73/74),[53] das einer auf Berechnung beruhenden Konstruktion der in sich geschlossenen „rationalen“ Tonsystematik im Wege steht,  als „unentfliehbare Irrationalitäten“ ausweisen.[54] Sie wirken sich sowohl auf  die in Hochkulturen gebräuchliche und oftmals durch die Zahl 5 legitimierte Progression von Quinten zur (rational-systematischen) Gewinnung eines in sich geschlossenen, zirkulären Tonsystems aus als auch  auf die praktische Transponierung mehrstimmiger Musik in beliebige Tonarten.[55] Erst die auf einem rationalen Akt der Berechnung basierende, moderne „gleichschwebende Temperierung“  macht es möglich, dass sich die Progression von Quinten zum Kreis schließt und somit die „irrationale Ton-Natur“ überwunden wird, wodurch ein Tonartenwechsel problemlos gelingt.[56]

Für die „Weichenstellung“, die schließlich zur rationalen beziehungsweise modernen akkordharmonischen Musik im Okzident führte, macht Weber die „Verkettung besonderer Umstände“ verantwortlich, die er mit einem erstaunlichen Detail- und Faktenwissen benennt und analysiert.[57] Zu diesen Umständen gehört die aus dem Choral- und Organalgesang hervorgehende, zunächst regel-, dann theoriegeleitete „eigentliche“ Mehrstimmigkeit in Form der kontrapunktischen Polyphonie (mit den dazugehörenden Kunstmitteln; Kanon, Fuge und Imitation). Ferner die harmonisch in diese Mehrstimmigkeit eingebundene Chromatik der Renaissance, vor allem auch die rationale Grundlegung der Notenschrift im 11. Jahrhundert durch Guido von Arezzo und die seit dem 12. Jahrhundert übliche Zeitwertbestimmung durch die sogenannte Mensural-Notation. Schließlich die teilweise der „innermusikalischen Rationalisierung“[58] zuzurechnende „mathematisch fundierte (…) gleichschwebend temperierte() Stimmung“,[59] die durch eine vornehmlich praktischen  (Transponierungs-)Bedürfnissen dienende, „außermusikalische Rationalisierung“ vorangetrieben und am Ende  auch „fixiert“ wurde. Im europäischen Abendland durch die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sich deutlich abzeichnende Vorherrschaft der Tasteninstrumente (zuerst der Orgel, deren „Einfluß auf die Entwicklung der Mehrstimmigkeit“ Weber noch veranschlagt,[60] dann des zum „bürgerlichen Möbel“ aufgestiegenen Klaviers) mit dem zugrundeliegenden „außermusikalischen“ Distanzprinzip. Bei den bedeutendsten Entwicklungsschritten hatte nach Webers historisch außerordentlich gut informiertem Urteil im Übrigen das abendländische Mönchtum als Trägerschicht erheblichen Anteil.[61]

 

III.2.3 Webers Studie zur Rechtssoziologie

Nach dem richtungsweisenden Eranos-Vortrag über Musiksoziologie ist noch auf Webers Schrift zur Rechtssoziologie einzugehen, die stellvertretend für andere Arbeiten herangezogen wird, die Weber in den Heidelberger Jahren geschrieben hat. Der Zugang zu Rechtssoziologie wie überhaupt zum Prozess der Rationalisierung des Rechts, wie ihn Weber konzipiert, wird erleichtert, nimmt man auf die von ihm offerierten „theoretischen Entwicklungsstufen“ Bezug,[62] denen er typische Trägerschichten zugeordnet hat, die er mit der „Entfaltung der formalen Qualitäten des Rechts“ parallelisiert.[63] Dabei führen die von Weber idealtypisch konstruierten Entwicklungsstufen hinsichtlich der formalen Qualitäten des Rechts

 

von der charismatischen Rechtsoffenbarung durch 'Rechtspropheten' zur empirischen Rechtsschöpfung und Rechtsfindung durch Rechtshonoratioren [581ff.] (Kautelar- und Präjudizienrechtsschöpfung [480f.]), weiter zur Rechtsoktroyierung durch weltliches imperium [552ff.] und theokratische Gewalten [510ff.] und endlich zur systematischen Rechtssatzung und zur fachmäßigen, auf Grund literarischer und formal logischer Schulung sich vollziehenden 'Rechtspflege' durch Rechtsgebildete (Fachjuristen) [583, 484f.]. Die formalen Qualitäten des Rechts entwickeln sich dabei aus einer Kombination von magisch bedingtem Formalismus und offenbarungsmäßig bedingter Irrationalität im primitiven Rechtsgang, eventuell über den Umweg theokratisch oder patrimonial bedingter materialer und umfassender Zweckrationalität, zu zunehmend fachmäßig juristischer, also logischer Rationalität und Systematik (...).[64]

 

Das auf den jeweiligen Stufen erreichte Rationalitätsniveau des Rechts bestimmt Weber mit Hilfe eines Maßstabs, der mit grundlegenden Unterscheidungen operiert, die sich in Begriffspaaren niederschlagen:  formell-materiell, irrational-rational und formal-material.  Sie lassen sich nicht in einer Vier-Felder-Tafel unterbringen, was oft genug geschieht. Die Unterscheidung zwischen formell und materiell ist geläufig und bezieht sich einerseits auf den Rechtsgang (Prozess), andererseits auf das materielle Recht.[65] Rechtsschöpfung und Rechtsfindung sind beim Rechtsgang (Verfahren) irrational, wenn „andere als verstandesmäßig zu kontrollierende Mittel“ (Orakel, Gottesbeweis) herangezogen werden, irrational ist das materielle Recht wiederum, wenn „ganz konkrete Wertungen des Einzelfalls (…), nicht aber generelle Normen Anwendung finden.“[66] Indem beim Verfahren irrationale Beweismittel nicht (mehr) zugelassen wurden, erfuhr der Rechtsgang „von weltlicher und geistlicher Seite (eine doppelte Rationalisierung).“[67] Die Richtung, die die Rationalisierung beim materiellen Recht einschlug, war von Denkschritten abhängig, die Weber wie folgt skizziert: in einem ersten Schritt setzt das Rechtsdenken zur „Generalisierung“ an, kraft derer die für eine „Entscheidung des Einzelfalls maßgebenden Gründe“ auf wenige Prinzipien reduziert werden, die Weber auch Rechtssätze nennt.[68] Damit geht eine „Analyse des Tatbestands“ einher, die mit Blick auf konkret gegebene Lebensverhältnisse die für deren rechtliche Beurteilung erforderlichen Tatbestandsmerkmale feststellt. Handelt es sich hierbei um „generelle Tatbestandsmerkmale“ liegt für Weber „formales“ Recht vor. Die angesprochene analytische Gewinnung von Rechtssätzen legt die Bildung von Fallgruppen (Kasuistik) nahe, was sowohl eine weitere Abgrenzung relevanter Tatbestandsmerkmale vorantreiben als auch zu einer Verfeinerung von Fallgruppen führen kann, wobei unter Umständen auch Analogiebildung hilfreich ist. Beim kontinentalen Recht wird die analytische Arbeit begleitet von der „synthetischen Arbeit der juristischen Konstruktion“ von „Rechtsverhältnissen“ und „Rechtsinstituten“.[69] Zeichnet sich ein Rechtsinstitut dadurch aus, dass die für einen bestimmten Lebenssachverhalt rechtlich relevanten Merkmale festgelegt werden, so liegt für Weber ein Rechtsverhältnis dann vor, wenn die „rechtlich relevanten Bestandteile“ auf „in sich logisch widerspruchslose Weise (…) rechtlich geordnet“ werden.[70] Schon hier zeigt sich eine auffällige Vorliebe Webers für „Logik“,[71] die bei seinem Begriff des „Rechtssystems“ besonders auffällt, das die „durch Analyse gewonnenen Rechtssätze“ derart miteinander in Beziehung setzt , dass  sie ein in sich widerspruchsfreies und „prinzipiell lückenloses System von Rechtssätzen“ bilden.[72] Dass Weber ein solches  System idealtypisch konstruiert hat mit Hilfe derjenigen „Eigenschaften“, die im 19. Jahrhundert der sogenannten Begriffsjurisprudenz zugeschrieben wurden, stellt keine „Neuigkeit“ dar; neu ist jedoch der unlängst mehrfach geführte Nachweis, dass es die „Begriffsjurisprudenz“ als Schule nicht gegeben hat.[73] Vielmehr wurde mit diesem „Kampfbegriff“  die damals vorherrschende Pandektenwissenschaft kritisiert und angegriffen – in gewollter Überzeichnung oder Verzerrung. Weber ist jedoch vorzuwerfen, dass er ein von der Pandektenwissenschaft gebildetes, anspruchsvolles „System“ nicht dahingehend überprüft hat, wie nah zu oder entfernt von seinem idealtypischen Maßstab hochentwickelter Rationalität es ist. Dem Unterschied zwischen Kasuistik und Rechtssystem entspricht nach Weber auch ein Rationalitätsgefälle zwischen angelsächsischem und kontinentalem Recht. Es bezeichnet zudem den Unterschied zwischen „empirischer Lehre des Rechts“ durch Anwälte und theoretischer Universitätsschulung, also eine Differenz, bei der sich das durch theoretische Lehre bedingte Ausmaß an Logik beziehungsweise Rationalität bemerkbar macht. Für  diesen Vergleich zwischen Anwalts- und Universitätsschulung spielen neben „innerjuristischen Verhältnissen“ (wie Denkgewohnheiten und juristische Techniken) auch „außerjuristische Verhältnisse“ eine Rolle, worunter neben den jeweils gegebenen Herrschaftsstrukturen auch die „Struktur des politischen Verbandes“[74] respektive die Verstaatlichung des Verbandswesens fällt, diese freilich zu entgegengesetzten Zeitpunkten in England und auf dem Kontinent (Deutschland).[75] Gerade die „ ‚Rückständigkeit‘ der logischen und staatsanstaltlichen Rechtsentwicklung“ in England ermöglichten den „weit größeren Reichtum (...) von praktisch brauchbaren rechtstechnischen Schemata,“[76] so dass flexibel auf die Bedürfnisse bürgerlicher oder  kapitalistischer Interessen eingegangen werden konnte, wie überhaupt das Bedürfnis der bürgerlichen Interessen nach einem flexiblen und anpassungsfähigen, aber dennoch berechenbaren Recht „ganz ebenso gut und oft besser durch ein formales empirisches, an Präjudizien gebundenes Recht gewahrt (wird).“[77]Auf diese Weise erklärt Weber, warum England den Kapitalismus hervorgebracht hat, obwohl sein Recht auf den ersten Blick  hierfür ungeeignet schien.

Webers eben skizzierte Überlegungen führen zu einer Typologie des Rechts, die wie folgt beschaffen ist:[78]

Übersicht I: Irrationale Rechtsschöpfung und Rechtsfindung

 

Übersicht 2: Rationale Rechtsschöpfung und Rechtsfindung

 

Offenkundig kombiniert Weber die typologische Betrachtungsweise mit einer genetischen, bei der „die Gliederung nach Stufen und Epochen (…) nicht der Ereignisgeschichte (folgt)“, aber dennoch „auf Ereignisgeschichte und auf ungefähre Datierung bezogen (ist).“[79] Da er, wie gezeigt,  die empirisch-handwerklichen Rechtsschulung, zu der Weber das römische wie das englische Recht zählt, mit der theoretischen Rechtsschulung typologisch kontrastiert, finden sich das römische und englische Recht auf der zweiten Stufe, wohingegen die „Rechtspflege“ durch an Universitäten ausgebildete Fachjuristen auf der vierten Stufe (der Pandektenwissenschaft) angesiedelt ist.[80] Die dritte Stufe wird repräsentiert durch weltliches Imperium und theokratische Gewalten, die durch Oktroyierung materiales Recht auferlegen (siehe Übersicht 2). Auch die theokratischen Gewalten zeichnen sich durch eine Rationalität materialen Charakters aus, was unformales Recht bedeutet. Unter den heiligen Rechten nimmt das kanonische Recht eine Sonderstellung ein, für Weber ist es sogar ein „Führer auf dem Wege zur Rationalität“,[81] was nicht zuletzt mit dem von der Kanonistik geprägten Anstaltsbegriff zu tun hat.[82]

Beim rechtlichen Rationalisierungsprozess zieht Weber drei Erklärungsdimensionen heran, die eine eindeutige Rangfolge bilden: besondere Erklärungskraft beanspruchen die „innerjuristischen Verhältnisse“ (das heißt die jeweiligen Trägerschichten mit ihrer spezifischen Rechtschulung und den dort erlernten und praktizierten Denkgewohnheiten), gefolgt von den „außerjuristischen Verhältnissen“, zu denen die jeweils gegebenen politischen Herrschaftsformen, insbesondere das „Machtverhältnis der theokratischen zu den profanen Gewalten“ gehören,[83]  schließlich und nicht zuletzt die ökonomischen Bedingungen, die „überall sehr stark mitgespielt (haben), aber niemals allein ausschlaggebend“ waren.[84]

Gegenüber einem strikt logischen Formalismus und einer „rein logischen Systematisierung“ des Rechts, wie sie der Begriffsjurisprudenz (Pandektenwissenschaft) zugeschrieben wurden, nimmt Weber eine ambivalente Haltung ein. Einerseits sind ihm die der Begriffsjurisprudenz zugeschriebenen Merkmale Maßstab für ein höchst rationales Recht, andererseits hält er „eine Verbindung des Formalcharakters des Rechts mit einer aus der Praxis gewonnenen Pragmatik“ für ein wünschenswertes (ideales) Recht,[85] auch wenn sie von  einer Partikularisierung des Rechts begleitet wird, die er wiederum ablehnt.[86] So konstatiert er zunächst „wertneutral“ eine Tendenz zur Re-Materialisierung des Rechts,[87] die  durch Forderungen nach „materialer Gerechtigkeit“ vorangetrieben wird, wie sie von negativ privilegierten Schichten und deren  Fürsprechern erhoben wurden, aber auch durch „interne Standesideologien“ jener Juristen, die sich auf die Freirechtsschule beriefen und damit eine „Abkehr vom juristischen Formalismus“ begünstigten, der Weber freilich ein hohes Gut zu sein schien.

 

IV. Praktizierte Geselligkeitsformen

Es sind die zahlreichen „Lebenserinnerungen“, die dazu beigetragen haben, den Stoff zu weben, aus dem der Mythos „Heidelbergs“ gefertigt wurde. Als zu Webers Zeiten typisch für Heidelberg gelten auch bestimmte Geselligkeitsformen, die dem besagten Mythos greifbare Konturen verliehen haben. Drei besondere Formen lassen sich unterscheiden: der vom Ehepaar Weber eingeführte Besuchstag des „jour fixe“, die sogenannte „Geheimratsgeselligkeit“ und das bereits erwähnte, die Eranos-Treffen beschließende, gemeinsame Mahl.

Als Marianne und Max Weber, die schon in Freiburg für ihr Zusammensein die damals ungewöhnliche Form der „Gefährtenehe“ lebten,[88] 1910 die Fallenstein‘sche Villa in Heidelberg bezogen,[89] richteten sie  den „jour fixe“ ein. Somit stand  an einem bestimmten Tag, namentlich dem  Sonntag, und zu einer bestimmten Zeit das Haus für Besucher offen, die mit der Zeit einen mehr oder weniger feststehenden Personenkreis bildeten,[90] der sich wegen Max Weber einfand. Was ursprünglich als eine für wissenschaftlichen Gedankenaustausch,  persönliches Gespräch und geselliges Zusammensein gleichermaßen offene Begegnungsform konzipiert war, die sich durch einen „relativ unprofessoral-lockeren Umgangston“ auszeichnete,[91] mutierte oft genug zu einem sonntäglichen Seminar, bei dem Weber zweistündige Monologe über ihn gerade beschäftigende Arbeitsschwerpunkte hielt,[92] wodurch egalitäre Kommunikationsformen bei aller Offenheit Webers gegenüber seinen sonntägliche Gästen,[93] unter denen mancher zur Selbstinszenierung neigte, erstickt wurden.[94] Webers Monologe verstießen gegen eine von Simmel analysierte Spielform der Geselligkeit: „Damit dieses Spiel sein Genügen an der bloßen Form bewahre, darf der Inhalt kein Eigengewicht bekommen: sobald die Diskussion sachlich wird, ist sie nicht mehr gesellig.“[95]  Zu den jours wurden auch „Gestalten vom Gegenpol“, wie Ernst Bloch und Georg von Lukacz, eingeladen,[96] wohingegen sich  keine dauerhafte Beziehung zu Stefan George ergab. Der gesellschaftliche Verkehr mit ihm schien sich auf die Praxis gelegentlicher Besuche zu beschränken, auch wenn Weber der Georgekreis und der Kult um George faszinierte,[97] die dort praktizierte Selbstvergottung ihn jedoch zugleich abstieß: „Aehnliches kann z.B. auch auf dem Gebiete des Aesthetischen: der künstlerischen Sektenbildung, sich ereignen, ja, die von künstlerischen Weltgefühlen getragenen Sekten gehören in soziologischer Hinsicht (…) oft zu dem Interessantesten, was es geben kann; sie haben noch heute, ganz wie eine religiöse Sekte, ihre Inkarnation des Göttlichen gehabt – ich erinnere an die Sekte Stefan Georges - , und die Prägung der praktischen Lebensführung, der inneren Attitüde zum gesamten Leben, die sie in ihren Anhängern erzeugen, kann eine sehr weitgreifende sein.“[98]

Als Gegentypus zur freieren Verkehrsform der jours wird die von der Vorgängergeneration gepflegte Tafelrunde der „Geheimratsgeselligkeit“[99] angeführt, die noch praktiziert wurde, als Weber den Ruf nach Heidelberg annahm. Bei diesem Geselligkeitstypus schien „das Essen als Grund des Zusammenkommens, als Zweck für sich“ die Einladung zu rechtfertigen,[100] zumal das Tafelvergnügen aus einem dreistündigen Diner bestand, das dem Gast die Kunst der Konversation abverlangte.[101] Betrachtet man die funktionale Seite dieser Tafelvergnügen und anderer gesellschaftlicher Ereignisse, so zeigt sich, dass es sich  um subtile soziale Mechanismen zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Homogenität handelt.[102] Der Neuling lernt unter den kritischen Blicken der bereits Dazugehörenden die dort geltenden „kleinen Erkennungszeichen“ der Zugehörigkeit sicher zu handhaben. Hierzu zählen beispielsweise der souveräne Umgang mit raffiniert ausgeklügelten Tischsitten, die „im Stil bleibende Tischunterhaltung,“[103] aber auch die Aneignung jenes kulturellen Geschmacks und des dazugehörenden Lebensstils, die dem Neuling bei geglückter Anpassung zum „Habitus“ werden müssen. So gesehen sind diese Tafelvergnügen Situationen der Bewährung und Auslese, die einen ersten Eindruck vermitteln sollen, inwieweit der neue Kollege (samt Ehefrau) in den Kreis der Fakultätsmitglieder integriert werden, inwieweit man sich auf ihn verlassen kann – etwa beim künftigen Abstimmungsverhalten in der Fakultät. Wer diesen Maßstäben entspricht, ist Camilla Jellinek[104] zufolge ein „ordentliches Fakultätsehepaar“. Das Tafelvergnügen als ein verdeckter Kooptationsmechanismus bietet sich besonders dann an, wenn zwischen Universität und privater Lebenssphäre keine strikte Trennung besteht, wie dies bei der von Ernst Emmanuel Bekker repräsentierten Gelehrtengeneration weitgehend noch der Fall war.[105] In dem Maße, wie eine solche Trennung vorgenommen wurde,  traten an die Stelle der Tafelvergnügen andere inneruniversitäre Auslesemechanismen. Doch selbst die „Geheimratsgeselligkeit“ verzichtete nicht gänzlich auf eine Gelegenheit zum Gedankenaustausch und reservierte hierfür das „Rauch(er)zimmer“, wo sich dann eine Herrenrunde einfand. War die „Geheimratsgeselligkeit“ an einer ständisch geprägten, homogenen Ausrichtung ihrer Tafelrunden interessiert, so zeichneten sich die jours eher durch eine heterogene Zusammensetzung der Teilnehmer aus, begegneten sich dort doch auch Vertreter der jüngeren Generation sowie eine Anzahl ebenso engagierter wie gebildeter Frauen.[106]

Eine weitere Form der Geselligkeit trägt zum speziellen Charakter der Eranos-Treffen bei, folgte auf die zum Teil heftigen Diskussionen doch stets ein gemeinsames Essen. Als „soziologisches Gebilde“ erreicht die regelmäßig stattfindende, gemeinsam eingenommene Mahlzeit „eine Gewöhnung an das Vereinigtsein“,[107] die dazu beiträgt, dass auch nach einer Diskussion, die sich entweder zu einem ernsthaften Streit zuspitzt oder während derer ein Vortragender bei seiner Position verharrt, das Gefühl der Zusammengehörigkeit keinen Schaden nimmt. So verhindert das gesellige Zusammensein beim gemeinsamen Mahl, dass ein sich enttäuscht fühlendes Eranos-Mitglied den Kreis verlässt und damit dessen Bestehen gefährdet.

Max Weber blieb Heidelberg bis 1918 verbunden. Während des Ersten Weltkriegs hatte sich die finanzielle Situation der Webers objektiv verschlechtert (nicht zuletzt durch aufgenommene Kriegsanleihen), so dass Weber an einer dauerhaften Einkommensquelle, das heisst an einem Lehrstuhl, interessiert war, zumal seit 1917 mehrere Universitäten an ihn herangetreten waren. Seine Entscheidung für München war dann letztlich auch eine Entscheidung für Else Jaffé,[108] mit der er inzwischen eine Liebesbeziehung eingegangen war, nachdem sich beide wieder einander angenähert hatten.[109] Weber hatte diese Wahl in einem Brief an Else Jaffé, die zuvor die Lebenspartnerin seines Bruders Alfred geworden war, am 19. Januar 1919 wie folgt zugespitzt: „(…) es steht nun bevor – entweder: die Bücher und ein Leben in Heidelberg – oder: das Leben und dann vielleicht, ein Leben dort [in München], ganz nah dem Mittelpunkt alles Lebens in der Schönheit.“[110] Durch die Liebesbeziehung mit Else Jaffé verschoben sich seine Zuneigungszuwendungen zu bisherigen Bezugspersonen, zu Marianne Weber und Mina Tobler, deren Verletzbarkeit ihm durchaus bewusst war.[111] Als Else Jaffé ein gutes Jahrzehnt zuvor mit seinem Bruder Alfred  eine Liebesbeziehung eingegangen war,[112] hatte er die weitsichtigen Worte gefunden, die nunmehr auf ihn zurückfielen: „Die ethischen Werte sind nicht allein in der Welt. Sie können Menschen, die in Schuld gerathen sind, klein machen, wenn sie ‚Entsagung‘ fordern. Und sie können /:dann:/ in unlösliche Conflicte führen, wo ein schuldloses Handeln unmöglich wird. Dann muß /:ethischerweise so gehandelt werden, daß die beteiligten Menschen die möglichst geringsten Verluste an Menschenwürde, an /: Fähigkeit zur Güte und Liebe, zur Pflichterfüllung und Persönlichkeitswerth:/ erleiden, und das ist /:oft:/ eine schwere Rechnung.“[113] Es war Marianne Weber, die diese Größe aufgebracht hat.

Am 14. Juni 1920 verstarb Max Weber im Alter von 56 Jahren an den Folgen der Spanischen Grippe, die eine schwere Lungenentzündung herbeiführte. Marianne Weber und ihre Freundin Else Jaffé waren in seiner Nähe als er starb.[114]

Fußnoten

[1] Lawrence A. Scaff, Weber before Weberian Sociology, in: The British Journal of Sociology 35 (1984), S. 190–215; Rita Aldenhoff, Max Weber und der Evangelisch-soziale Kongreß, in: Wolfgang J. Mommsen / Wolfgang Schwentker (Hg.), Max Weber und seine Zeitgenossen, Göttingen 1988, S. 285–295.

[2] Wer sich eingehender über Weber informieren will, dem sei die Biografie von Jürgen Kaube, Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen, Berlin 2014 empfohlen. Die von mir gegebene Zusammenfassung der Weber‘schen Briefe (in: Hans-Peter Müller / Steffen Sigmund (Hg.), Max Weber Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart / Weimar 2020, S. 392–411) eignet sich hierfür ebenfalls.

[3] M. Rainer Lepsius, Kulturliberalismus, Kulturprotestantismus und Kulturfeminismus. Das Max-Weber-Haus in Heidelberg, Ziegelhäuser Landstr.17, in: Ders., Max Weber und seine Kreise. Essays, Tübingen 2016, S. 159–209. Die Villa hatte Friedrich Fallenstein, Max Webers Großvater mütterlicherseits, 1847 erbaut.

[4] Vgl. Kaube, Max Weber, S. 434 ff.

[5] Siehe Hinnerk Bruhns, Agrarverhältnisse im Altertum (1909), in: Müller/Sigmund (Hg.), Max Weber Handbuch, S. 173–177. Webers Studie von 1909 wird eingehend gewürdigt von Luigi Capogrossi Colognesi, Max Weber und die Wirtschaft der Antike, Göttingen 2004.

[6] Kaube, Max Weber, S. 116-133.

[7] Siehe dazu Hubert Treiber, Der ‚Eranos‘- Das Glanzstück im Heidelberger Mythenkranz?, in: Wolfgang Schluchter / Friedrich Wilhelm Graf (Hg.), Asketischer Protestantismus und der „Geist“ des modernen Kapitalismus, Tübingen 2005, S. 75–153, S. 75 ff. Heidelberg hatte 1891 28.000 Einwohner, deren Zahl sich bis 1900 durch Eingemeindungen und Zuzug auf circa 40.000 erhöhte. Zur Größe der Universität vgl. Reinhard Riese, Die Hochschule auf dem Wege zum wissenschaftlichen Großbetrieb. Die Universität Heidelberg und das Badische Hochschulwesen 1860–1914, Stuttgart 1977, S. 23 ff., sowie die Tab. 14, 17 u. 18 auf S. 354 u. S. 356 f.

[8] Camilla Jellinek, Georg Jellinek. Ein Lebensbild, entworfen von seiner Witwe, in: Georg Jellinek, Ausgewählte Schriften und Reden, Bd.1, Aalen 1970, S. 6*–140*, S. 86*: „Ohne spezielle Verabredung, nur einfach durch die Regelmäßigkeit der Lebensgewohnheiten in einer kleinen Stadt, trafen wir auf unseren Nachmittagsspaziergängen zum Schloß jahraus, jahrein täglich mit Georg Meyer zusammen, und in Scherz und Ernst wurden alle Fragen der Wissenschaft und des Tages durchgesprochen.“ Nachstehend werden die Adressen solcher Eranos-Mitglieder aufgeführt, die einige Zeitlang in derselben Straße in Heidelberg wohnten. Vor der Gründung des Eranos wohnten A. v. Domaszewski und E. Troeltsch im SS 1894 in der Gaisbergstr. 71 und 101a. In der Zeit vom WS 1898/99 bis WS 1901/02 lebten A. v. Domaszewski, G. Jellinek und Max Weber in der Leopoldstr. 35, 48 und 53b. Im Zeitraum der Eranos-Treffen waren W. Windelband und E. Gothein im SS 1904 in der Landfriedstr. 14 und 8 beinahe Nachbarn. Vom WS 1904/05 bis zum Beginn des SS 1908 wohnten A. Dieterich und E. Gothein in naher Nachbarschaft „um die Ecke“: der eine in der Klosestr. 5 (heute: Erwin Rohde-Str.), der andere zuerst in der Weberstr. 15, dann in der Weberstr. 11. Vom SS 1906 bis SS 1907 war die Adresse von F. Rathgen und Max Weber die Ziegelhäuser Landstr. 5 und 27. In der Zeit nach dem letzten protokollierten Eranos-Treffen 1909 hatten Max Weber und E. Troeltsch von WS 1910/11 bis WS 1914/15 in der Ziegelhäuser Landstr. 17 Wohnung genommen. Vgl. hierzu Christian Jansen, Vom Gelehrten zum Beamten. Karriereverläufe und soziale Lage der Heidelberger Hochschullehrer 1914–1933. Mit einem personalbibliografischen Anhang und den Wohnsitzen der 1886–1936 Lehrenden, Heidelberg 1992, S. 74 ff., sowie Vorlesungsverzeichnisse der Ruperto Carola. Ferner: Adreßbuch der Stadt Heidelberg, nebst den Stadtteilen Neuenheim, Schlierbach und Handschuhsheim für das Jahr 1906. Mit einem neuen Plan der Stadt Heidelberg, Heidelberg 1906. Eine anschauliche Charakterisierung Heidelbergs findet sich auch bei Kaube, Max Weber, S. 225 ff.

[9] Erving Goffman, Verhalten in sozialen Situationen. Strukturen und Regeln der Interaktion im öffentlichen Raum, Gütersloh 1971, S. 35, 84 ff.

[10] Hubert Treiber, Fedor Steppuhn in Heidelberg (1903–1955), Über Freundschafts- und Spätbürgertreffen in einer deutschen Kleinstadt, in: ders. / Karol Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise. Zur Topographie der ‚geistigen Geselligkeit’ eines ‚Weltdorfes’: 1850–1950, Opladen 1995, S. 70–118, S. 95 f.

[11] Rüdiger Kramme, Philosophische Kultur als Programm. Die Konstituierungsphase des LOGOS, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 119–149.

[12] Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild, München, Zürich 1989, S. 474; ferner Willy Birkenmaier, Das russische Heidelberg. Zur Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen im 19. Jahrhundert, Heidelberg 1995. Birkenmaier präsentiert eine Namensliste von vornehmlich russischen Studenten (Ebd., S. 174–188). Eine beeindruckende Zahl ehemaliger Studenten und Studentinnen findet sich später unter den Sozialrevolutionären wieder (Ebd., S. 88–104). Ferner Treiber, Fedor Steppuhn in Heidelberg (1903–1955), S. 70–118

[13] Vgl. Hubert Treiber, Briefe, in: Müller/Sigmund, (Hg.), Max Weber Handbuch, S. 336.

[14] Literarisch verarbeitet in: David Herbert Lawrence, Mr. Noon. Autobiographischer Roman, Zürich 1993. Lawrence lebte mit Else Jaffés Schwester Frieda von Richthofen zusammen.

[15] Nicolaus Sombart, Gruppenbild mit zwei Damen. Zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Eros im wilhelminischen Zeitalter, Merkur 30 (1976), S. 972–990.

[16] Vgl. hierzu die Äußerung Eberhard Gotheins in einem an seine Frau gerichteten Brief vom 13./14. Juni 1909, in: Michael Maurer / Johanna Sänger / Editha Ulrich (Hg.), Im Schaffen genießen. Der Briefwechsel der Kulturwissenschaftler Eberhard und Marie Luise Gothein (1883–1823), Köln/Weimar/Wien, S. 256 f.

[17] M. Rainer Lepsius, Mina Tobler, die Freundin Max Webers, in: Ders., Max Weber und seine Kreise, S. 210–231.

[18] MWG II/8: Briefe 1913–1914, hg, v. M. Rainer Lepsius u. Wolfgang J. Mommsen, in Zusammenarbeit mit Birgit Rudhard u. Manfred Schön, Tübingen 2003, S. 242, 174, Fn. 2. Zu Lask vgl. Éva Karádi, Emil Lask in Heidelberg oder Philosoph als Beruf, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 378–399, sowie Andreas Anter, Männer mit Eigenschaften. Max Weber, Emil Lask und Georg Simmel als literarische Figuren in Berta Lasks Roman ‚Stille und Sturm‘, in: Literaturmagazin 30 (1992), S. 156–169.

[19] Thomas Gerhards, Max Weber und die Übernahme des „Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ im Jahre 1903/04, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 61 (2015), S. 317–333.

[20] Teilnehmer waren: die Professoren A. Deissmann (Theologe), A. Dieterich (Altphilologe), A. v. Domaszewski (Althistoriker), F. v. Duhn (Archäologe), G. Jellinek (Jurist), E. Marcks (Neuhistoriker), K. Rathgen (Nationalökonom), E. Troeltsch (Theologe), M. Weber (Nationalökonom, Jurist), W. Windelband (Philosoph).

[21] Vgl. Hubert Treiber, Weder „künstlerische Anschauung“ noch „Takt“, sondern „objektivierende Erkenntnis“: Zu einem vergessenen Schlüsselbegriff und kaum beachteten Autoren in Max Webers „Wissenschaftslehre“, in: Gerhard Wagner / Claudius Härpfer (Hg.), Max Webers vergessene Zeitgenossen. Beiträge zur Genese der Wissenschaftslehre, Wiesbaden 2016, S. 93–116.

[22] MWG I/12: Max Weber, Verstehende Soziologie und Werturteilsfreiheit. Schriften und Reden 1908–1917, hg. v. Johannes Weiß, in Zusammenarbeit mit Sabine Frommer, Tübingen 2018, S. 17, 101–110.

[23] MWG I/12, S. 106. In Marianne Weber, Lebensbild, 1989, S. 351, liest sich Webers Forderung wie folgt: „Ferner bemüht sich Weber um sorgfältig kausale Zurechnung intuitiv verstandener Zusammenhänge. Er will ja keine geistvolle ‚Schau‘ bieten, sondern so weit wie möglich bewiesene Wahrheit – deshalb unterzieht er die geniale Konzeption streng logischer Bearbeitung.“

[24] MWG I/7: Max Weber, Zur Logik und Methodik der Sozialwissenschaften. Schriften 1900–1907, hg. v. Gerhard Wagner, in Zusammenarbeit mit Claudius Härpfer, Tom Kaden, Kai Müller u. Angelika Zahn, Tübingen 2018, insb. S. 462 ff.

[25] MWG I/7, insb. S. 227 f.

[26] Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hg. v. Joannes Winckelmann, Tübingen 1988, S. 213; MWG I/7, S. 232.

[27] Gerhard Wagner, The Range of Science. Studies on the Interdisciplinary Legacy of Johannes von Kries, Wiesbaden 2019.

[28] MWG I/17, S. 82; Lutz Danneberg, „ein Mathematiker, der nicht etwas Poet ist, wird nimmer ein vollkommener Mathematiker sein“. Geschmack, Takt, ästhetisches Empfinden im kulturellen Behauptungsdiskurs der Mathematik und der Naturwissenschaften im 19., mit Blicken ins 20. Jahrhundert, in: Andrea Albrecht / Gesa von Essen / Werner Frick (Hg.), Zahlen, Zeichen und Figuren. Mathematische Inspirationen in Kunst und Literatur, Berlin, Boston 2011, S. 600–657, hier S. 616 f.

[29] MWG I/17, S. 82 f.

[30] Adolf Deissmann, Selbstdarstellung, in: Erich Stange (Hg.), Die Religionswissenschaft in Selbstdarstellungen, Bd. 1, Leipzig 1925, S. 22 f.

[31] Vgl. Max Weber, Antikritisches zum „Geist“ des Kapitalismus, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 30 (1910), S. 176–202, S. 199 f.; MWG I/9, S. 614. Vgl. hierzu Bruhns, Agrarverhältnisse im Altertum (1909), insb. S. 175 f.

[32] Weber, Antikritisches zum „Geist“ des Kapitalismus, S. 199 f.; MWG I/9, S. 614.

[33] Max Weber, Vorbemerkung, in: Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1, Tübingen 1972, S. 1–16.

[34] Christoph Braun, Max Weber und die Suche nach dem musiksoziologischen Gründervater, in: Irmgard Bontinck (Hg.), Wege zu einer Wiener Schule der Musiksoziologie, Wien / Mühlheim an der Ruhr 1996, S. 119–147, hier S. 126.

[35] Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1, 1972, S. 252. Siehe auch Wolfgang Schluchter, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen, in: ders., Max Webers späte Soziologie, Tübingen 2016, S. 131–219, insb. S. 131–144, dort insb. S. 142–144: zur Bedeutung der Musiksoziologie für die „Entdeckung“ des okzidentalen Rationalismus.

[36] Siehe auch Hubert Treiber, Zur Genese des Askesekonzepts bei Max Weber, in: Saeculum 50 (1999), S. 247–297.

[37] Zur Protestantischen Ethik vgl. Peter Ghosh, A Historian reads Max Weber. Essays on the Protestant Ethik, Wiesbaden 2008 sowie Wolfgang Schluchters „Einleitung“ in MWG I/9.

[38] Es handelt sich um den zweiten Teil der „Protestantischen Ethik“, der dann im Juni-Heft des „Archivs“ [21 (1905), S. 1–110] veröffentlicht wurde. Wie Marianne Weber, Ein Lebensbild, S. 359, berichtet, war der zweite Teil „Ende März [1905], nach kaum dreimonatlicher Arbeit“ fertiggestellt. Wie das Protokoll zeigt, „stand“ das Grundgerüst von Webers Argumentation bereits zum Zeitpunkt seines Vortrags.

[39] Zu der USA-Reise von Weber und Troeltsch siehe Hans Rollmann, ‚Meet me in St. Louis’. Troeltsch and Weber in America, in: Hartmut Lehmann / Guenther Roth (Hg.), Weber’s Protestant Ethic. Origins, Evidence, Contexts, German Historical Institute, Washington, D.C. / Cambridge 1995, S. 357–383; Hans Rollmann, Ernst Troeltsch in Amerika. Die Reise zum Weltkongreß der Wissenschaften nach St. Louis, in: Horst Renz (Hg.), Troeltsch-Studien, Bd. 2, S. 88–117, ferner Lawrence. A. Scaff, The ‚cool objectivity of sociation’: Max Weber and Marianne Weber in America, in: History of the Human Sciences 1998, S. 61–82; jetzt: L. A. Scaff, Max Weber in Amerika. Mit einem Geleitwort von Hans-Peter Müller, Berlin 2013. Gute zwei Wochen zuvor hatte der Nationalsoziale Verein Heidelberg am 20.1.1905 im Hotel „Tannhäuser“ einen Amerika-Abend veranstaltet, auf den mit einer Anzeige in der Heidelberger Zeitung vom 19.1.1905 hingewiesen worden war. Folgende Redner sind angekündigt: Prof. Tröltsch: „Amerikanische Reisebilder“; Marianne Weber: „Was Amerika den Frauen bietet“ (unter diesem Titel veröffentlichte Marianne Weber ihre Reiseeindrücke im Centralblatt des Bundes deutscher Frauenvereine VI (1905), Erste Folge v. 14. 2.1905, S. 170–172; 2. Folge v. 15.3.1905, S. 186–188); Kaufmann Ruzinger: „Der Amerikaner in Geschäft und Familie“; Prof. Cohnheim: „Der amerikanische Arbeiter.“ Am 21.1.1905 berichtete die Heidelberger Zeitung über diesen Vortragsabend. Der Bericht schließt mit der Mitteilung, nach einer Pause von 10 Minuten habe der Vorsitzende Prof. Deissmann darauf hingewiesen, dass „Prof. Max Weber zu sprechen sich bereit erklärt habe. Prof. Weber, lebhaft begrüßt, sprach in nahezu einstündiger Rede über das politische Leben in Amerika. In dieser Zeit machte er die Zuhörer mit dem Wesen und der Bedeutung der amerikanischen Demokratie, der Negerpolitik, den Wahlverhältnissen, der Autoritätslosigkeit des Amerikaners, den verschiedenen Sekten, dem Parlament und mit den Parlamentariern in ihrem Verhältnis zum Volk usw. bekannt und erntete dafür lebhaften Beifall.“

[40] Wolfgang Schluchter, „‚Wie Ideen in der Geschichte wirken‘: Exemplarisches in der Studie über den asketischen Protestantismus“, in: Ders., Friedrich Wilhelm Graf (Hg.), Asketischer Protestantismus und der „Geist des modernen Kapitalismus, S. 49–73, insb. S. 64 f., 67 mit Abb. 3.

[41] Ebd., S. 65.

[42] Ebd., S. 65, 67.

[43] Vgl. Universitätsarchiv Bonn, Handschriftenabteilung S 2102, 2.

[44] Vgl. Marianne Weber, Lebensbild, S. 348 f.

[45] M. Rainer Lepsius, Mina Tobler, die Freundin Max Webers, in: ders., Max Weber und seine Kreise, S. 223.

[46] Ebd.

[47] MWG I/14: Max Weber, Zur Musiksoziologie. Nachlaß 1921, hg. v. Christoph Braun, Ludwig Finscher, Tübingen 2004.

[48] Ich beziehe mich hier auf meine Veröffentlichung Hubert Treiber, War mit Max Webers ‚Musiksoziologie‘ tatsächlich eine ungewöhnliche ‚Entdeckung‘ verbunden?, in: Simmel Newsletter 8 (1998), S. 144–160; ohne die Hilfe von Christoph Braun, der viel zu früh verstorben ist, hätte dieser Aufsatz nicht geschrieben werden können.

[49] MWG I/12, S. 487 f. Das Zitat geht wie folgt weiter: „Im Mittelpunkt steht also das Problem der Entstehung der Terz, in deren harmonischer Sinndeutung: als Glied des Dreiklangs, und weiterhin: der harmonischen Chromatik, ferner: der modernen musikalischen Rhythmik (der guten und schlechten Taktteile) – statt rein metronomischer Taktierung, – einer Rhythmik, ohne welche die moderne Instrumentalmusik undenkbar ist“ (MWG I/12, S. 487f.). Zum „Problem der Terz“ siehe Braun, Max Webers ‚Musiksoziologie‘, S. 173–179.

[50] Ich übernehme hier wörtlich oder in Anlehnung Passagen aus meinem Aufsatz Treiber, War mit Webers ‚Musiksoziologie‘ tatsächlich eine ungewöhnliche ‚Entdeckung‘ verbunden?, S. 144–160.

[51] Braun, Max Webers Musiksoziologie‘, S. 251.

[52] Vgl. MWG I/14, S. 100–104 (Einleitung); ferner Braun, Max Webers Musiksoziologie, S. 179–195.

[53] Ebd., S. 184.

[54] MWG I/19: Max Weber, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Konfuzianismus und Taoismus. Schriften 1915–1920, hg. v. Helwig Schmidt-Glinzer, in Zusammenarbeit mit Petra Kolonko, Tübingen 1989, S. 102 f.

[55] Braun, „Max Weber und die Suche nach dem musiksoziologischen Gründervater“, S. 126.

[56] Braun, „Vom Clavichord zum Clavinova. Kulturanthropologische Anmerkungen zu Max Webers Musikstudie“, in: Historische Anthropologie. Kultur-Gesellschaft-Alltag 3 (1995), S. 242–266, S. 249 f.

[57] Braun, Max Webers Musiksoziologie, S. 206 ff., 304 ff.

[58] „Innermusikalisch“ ist die moderne Temperierung insofern, als sie durch harmonische Notwendigkeiten (das heißt aus der Struktur der Akkordharmonik heraus) motiviert ist. Die mathematisch exakte Berechnung ist wiederum eine außermusikalische „Vergewaltigung“, da sie alle Töne in ihrer hierarchischen Bedeutung (Tonika, Dominante, Subdominante etc.) einebnet und in das Distanzprinzip der mathematisch gleich großen 12 Halbtöne presst. Siehe Treiber, War mit Max Webers ‚Musiksoziologie‘ tatsächlich eine ungewöhnliche ‚Entdeckung‘ verbunden?, S. 156, Fn. 10.

[59] Braun, Vom Clavichord zum Clavinova, S. 250; Ders., Max Webers Musiksoziologie, S. 188–195.

[60] MWG I/14, S. 266; Braun, Max Webers Musiksoziologie, S. 146 f.

[61] So äußert sich Max Weber gegenüber seiner Schwester in einem Brief am 5.8.1912, zitiert nach Braun, Max Webers Musiksoziologie, S. 97.

[62] MWG I/22-3, Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß, Teilband 3: Recht, hg. v. Werner Gephart u. Siegfried Hermes, Tübingen 2010, S. 617 f.

[63] MWG I/22-3, S. 305; Zu den Details siehe Hubert Treiber, Max Webers Rechtssoziologie – eine Einladung zur Lektüre, Wiesbaden 2017.

[64] MWG I/22-3, 617 f. Die in eckigen Klammern angegebene Seitenzahlen im Zitat beziehen sich ebenfalls auf MWG I/22-3.

[65] Siehe entsprechende Passagen in MWG I/22-3, S. 299 f., mit dem Hinweis auf die „Sonderung der Richtsteige (= „gesonderte Zusammenstellung von Verfahrensregeln“).

[66] MWG I/22-3, S. 303.

[67] MWG III/6: Abriß der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Mit- und Nachschriften 1919–1920, hg. v. Wolfgang Schluchter, in Zusammenarbeit mit Joachim Schröder, Tübingen 2012, S. 371.

[68] MWG I/22-3, S. 301 f.

[69] MWG I/22-3, S. 302.

[70] MWG I/22-3, S. 302.

[71] Hubert Treiber, On Weber’s Partiality to ‘Logic’, in: Max Weber Studies 19 (2019), S. 196–224.

[72] MWG I/22-3, S. 302 f., 305.

[73] Hans-Peter Haferkamp, Georg Friedrich Puchta und die ‚Begriffsjurisprudenz‘, Frankfurt am Main 2004; Thomas Henkel, Begriffsjurisprudenz und Billigkeit. Zum Rechtsformalismus nach G.F. Puchta, Köln/Weimar/ Wien 2004; Christoph-Eric Mecke, Begriff und System des Rechts bei Georg Friedrich Puchta, Göttingen 2009.

[74] MWG I/22-3, S. 301, 617 ff.

[75] MWG I/22-3, S. 416.

[76] MWG I/22-3, 347.

[77] MWG I/22-3, 583, 633.

[78] Treiber, Max Webers Rechtssoziologie, S. 36 f.

[79] Wolfgang Schluchter, Religion und Lebensführung, Bd. 2, Studien zu Max Webers Religions- und Herrschaftssoziologie, Frankfurt am Main 1991, S. 418.

[80] Die erste Stufe der charismatischen Rechtsoffenbarung durch Rechtspropheten, für die Muhammad benannt werden kann, spielt bei Weber eine auffallend marginale Rolle, so dass sie vernachlässigt wird. Zu diesem Punkt siehe Treiber, Max Webers Rechtssoziologie, S. 44 ff.

[81] MWG I/22-3, S. 546–549, insb. 547. Das gemeinsame Merkmal von Kirche und Staat ist ihr „Anstaltscharakter“. Zum Staat siehe Hubert Treiber, Zum Staatsverständnis bei Max Weber, Sociologia Internationalis 52 (2014), S. 1–40.

[82] Zu den Details Treiber, Max Webers Rechtssoziologie, S. 116 f.

[83] MWG I/22-3, S. 618.

[84] MWG I/22-3, S. 619.

[85] MWG I/1: Max Weber, Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter. Schriften und Reden 1889-1894, hg. v. Gerhard Dilcher u. Susanne Lepsius, Tübingen 2008, S. 63; MWG I/22-3, S. 590. Weber verweist in diesem Zusammenhang auf das Wechsel- und Handelsrecht.

[86] MWG I/22-3, 615 f.

[87] Zu den Details: Treiber, Max Webers Rechtssoziologie, S. 161 ff. Prominentes Beispiel für eine Materialisierung des Rechts war für Weber auch die Berufung auf Menschenrechte.

[88] Tilman Allert, Max und Marianne Weber. Die Gefährtenehe, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 210–241.

[89] Guenther Roth, Heidelberg-London-Manchester. Zu Max Webers deutsch-englischer Familiengeschicht”, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 184–209. Siehe ebenfalls Guenther Roth, Max Webers deutsch-englische Familiengeschichte 1800–1950 mit Briefen und Dokumenten, Tübingen 2001, S. 198 ff.

[90] Gesa von Essen, Max Weber und die Kunst der Geselligkeit, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 462–484, 472.

[91] Ebd.

[92] Ebd., S. 473.

[93] Ebd., S. 479 f.

[94] Ebd. S. 474, 476.

[95] Georg Simmel, Die Geselligkeit, in: ders., Grundfragen der Soziologie (Individuum und Gesellschaft), Berlin/Leipzig 1920, S. 50–71, 65. Ferner Essen, Max Weber und die Kunst der Geselligkeit, S. 477.

[96] Mihály Vajda, Der Wissenschaftler, der Essayisder Philosoph, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 400–421.

[97] Stefan Breuer, Das ‚Syndikat‘ der Seelen. Stefan George und sein Kreis, in: Treiber/Sauerland (Hg.), Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise, S. 328–375; Stefan Breuer, Ästhetischer Fundamentalismus. Stefan George und der deutsche Antimodernismus, Darmstadt 1995.

[98] Max Weber, Rede auf dem Ersten Deutschen Soziologentage in Frankfurt (1910), in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, hg. v. Marianne Weber, Tübingen 1988, S. 431–449, 446.

[99] Walter Pauly (Hg.), Gerhard Anschütz, Aus meinem Leben. Frankfurt am Main 1993, S. 77; Marie Luise Gothein, Eberhard Gothein. Ein Lebensbild seinen Briefen nacherzählt, Stuttgart 1931, S. 154; Camilla Jellinek, Georg Jellinek. Ein Lebensbild, S. 82*–85*; Gustav Radbruch, Der Innere Weg. Aufriß meines Lebens, Göttingen 1961, S. 63, 67; Marianne Weber, Lebensbild, 1989, S. 239 f.

[100] C. Jellinek, „Georg Jellinek. Ein Lebensbild“, S. 83*.

[101] Angelehnt an Treiber, Der ‚Eranos‘ – Das Glanzstück im Heidelberger Mythenkranz, S. 77 ff.

[102] Siehe dazu: Philipp Sarasin, Die Bürger bei Tisch: Grossbürgerliche Gastlichkeit in Basel am Ende des 19. Jahrhunderts, Schweizerisches Archiv für Volkskunde 88 (1992), S. 47–72.

[103] Georg Simmel, Soziologie der Mahlzeit, in: Michael Landmann / Margarete Susman (Hg.), Georg Simmel, Brücke und Tür. Essays des Philosophen zur Geschichte, Religion, Kunst und Gesellschaft. Stuttgart 1957, S. 243–250, hier S. 249. Zur Funktion solcher Tafelvergnügen als Auslesemechanismus vgl. Philipp Sarasin, Der Bürger bei Tisch, Ebd.

[104] Vgl. Jellinek, Georg Jellinek. Ein Lebensbild, S. 47*.

[105] So berichtet Camilla Jellinek in „Georg Jellinek. Ein Lebensbild“, S. 105* es sei damals „Heidelberger Sitte“ gewesen, dass „die Examen im Hause des Dekans am gedeckten Tisch stattfanden (...).“ In der Fakultät gab es ein Professorenzimmer, jedoch keine „Büros“, ein solches hatte der Professor in seiner Privatwohnung, wo sich die Studenten persönlich zum Seminar anmeldeten oder neuhabilitierte Dozenten sich vorstellten.

[106] Vgl. Ingrid Gilcher-Holthey, Modelle ‚moderner’ Weiblichkeit, in: M. Rainer Lepsius (Hg.), Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. Teil III, Lebensführung und ständische Vergesellschaftung, Stuttgart 1992, S. 176–205.

[107] Georg Simmel, Soziologie der Mahlzeit, S. 244.

[108] Angelehnt an Treiber, Briefe, in: Müller/Sigmund, (Hg.), Max Weber Handbuch, S. 345 f.

[109] MWG II/9: Briefe 1915–1917, hg. v. Gerd Krumeich u. M. Rainer Lepsius, in Zusammenarbeit mit Birgit Rudhard u. Manfred Schön, Tübingen 2008, S. 802 f., S. 815; Siehe ferner M. Rainer Lepsius, Max Webers Liebe zu Else Jaffé, in: Lepsius, Max Weber und seine Kreise, S. 232–251.

[110] MWG II/10-1: Briefe 1918–1920, hg. v. Gerd Krumeich u. M. Rainer Lepsius, in Zusammenarbeit mit Uta Hinz, Sybille Oßwald-Bargende u. Manfred Schön, Tübingen 2012, Erster Halbband, S. 401.

[111] MWG II/10; Briefe 1918–1920, hg. v. G. Krumeich u. M. R. Lepsius, in Zusammenarbeit mit U. Hinz, S. Oßwald-Bargende u. M. Schön, Tübingen: 2012, Zweiter Halbband, S. 740.

[112] MWG II/6: Briefe 1909–1910, hg. v. M. Rainer Lepsius u. Wolfgang J. Mommsen, in Zusammenarbeit mit Birgit Rudhard u. Manfred Schön, Tübingen 1994, S. 367 ff.

[113] MWG II/6, S. 380; Vgl. auch die Passagen hinsichtlich der Spannungen zur erotischen Sphäre bzw. geschlechtlichen Liebe, innerhalb der „Zwischenbetrachtung“, in: Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Tübingen 1972, S. 554–564, 563. Weber zitiert Goethe, Kaube, ihn korrigierend, ersetzt Goethe durch den ehelosen Pastor Mittler (Kaube, Max Weber, S. 425; siehe vor allem den bei Lepsius, Max Weber und seine Kreise, S. 242 f., wiedergegebenen, bewegenden Brief Marianne Webers an Else Jaffé.

[114] Dirk Kaesler, Max Weber. Preuße, Denker, Muttersohn. Eine Biographie, München 2014, S. 923 f.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Martin Bauer.