Anerkennung als Schlüsselkategorie

Rezension zu „Prekäre Arbeit, prekäre Liebe. Über Anerkennung und unsichere Lebensverhältnisse“ von Christine Wimbauer und Mona Motakef

In der soziologischen Ungleichheitsforschung hat die Beschäftigung mit dem Phänomen der Liebe eine überaus lange Tradition: Bereits 1898 machte Charlotte Perkins Gilman, eine der geistigen Gründungsmütter der nordamerikanischen Soziologie, darauf aufmerksam, wie sich Frauen in kapitalistischen Gesellschaften im Zeichen der Liebe Männern unterordnen und von ihnen ausbeuten lassen. Gilman verwies damit auf Liebe als eine soziologisch relevante Form von Geschlechter- und somit von sozialer Ungleichheit par excellence.[1] Während in feministischen Traditionen die illusorischen oder gar ideologischen Funktionen der (romantischen) Liebe als Verhüllungs- und Ausbeutungsinstrument ungerechter Arbeitsteilung eines patriarchalen, kapitalistischen Systems eine zentrale Rolle spielen, wird seit den späten 1990er-Jahren die Frage, inwiefern Liebe soziale Ungleichheiten manifestiert oder gar perpetuiert, soziologisch nochmals neu ausgerichtet.[2]

Zentral bezugnehmend auf Pierre Bourdieu und seine umfassenden Arbeiten zu den sich in Lebensstilen wie -formen niederschlagenden sozioökonomischen Ungleichheitsverhältnissen, belegen die jüngere Soziologie der Liebe ebenso wie die Paarforschung eindrücklich, dass romantisches Liebesglück nicht allen gleichermaßen beschert ist; vielmehr hängt es von der jeweiligen Ressourcen- oder „Kapitalausstattung“ der liebenden Akteure ab.[3] Folglich sind die Möglichkeiten zur dialogischen Wunscherfüllung innerhalb eines romantischen Abenteuers in der Sozialwelt durchaus ungleich verteilt.[4] Zugespitzt ließe sich im Anschluss an die aktuelle Liebesforschung Bourdieusianischer Provenienz gar die Hypothese formulieren, dass für Akteure in prekären Lebensverhältnissen, die über ein geringeres Maß an diversen Kapitalsorten verfügen, ebenfalls eine affirmativ „kulturindustrielle“ Bezugnahme auf herkömmliche Liebesverhältnisse nachweisbar ist, was zu einer verdinglichten oder gar entfremdenden Ausgestaltung eigener Liebesbeziehungen führt.[5]

Genau an dieser Stelle setzt das zu besprechende Buch Prekäre Arbeit, prekäre Liebe von Christine Wimbauer und Mona Motafek an. Es basiert auf einer interpretativen Interviewstudie und fragt sowohl nach den Möglichkeiten als auch nach den Begrenzungen gelungener Lebens- wie Liebesformen unter prekären Bedingungen. Der Bourdieusianischen „Kapitalfixierung“[6] setzen die Autorinnen eine explizit anerkennungstheoretische Perspektive auf prekäre Lebensverhältnisse entgegen (S. 56). Mit dieser theoretischen Fundierung kann zugleich eine der großen Stärken des Buches, das als Abschlusspublikation des von den Autorinnen durchgeführten DFG-Projekts zu Arbeit und Liebe in prekären Beschäftigungen entstanden ist (S. 13), benannt werden: Den beiden Berliner Soziologinnen gelingt es, das sozialtheoretische Konzept der „Anerkennung“ als zentrale Kategorie sozialer Ungleichheitsforschung zu plausibilisieren. Darüber hinaus dient ihre empirisch fundierte Analyse allerdings nicht nur einer Illustration der Anerkennungstheorie, sondern ermöglicht es den beiden Forscherinnen ebenso, diese kritisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Ausgangspunkt ihrer Forschungskonzeption ist Axel Honneths „Drei-Sphärenmodell der Anerkennung“[7] (S. 57), in dem Honneth intersubjektive Anerkennung, vermittelt über die sozialen Sphären Liebe, Recht und Arbeit, als Bedingung für Selbstverwirklichung und somit letztlich als normativen Bezugspunkt einer Theorie des guten Lebens setzt.[8] Durch diesen Bezug schaffen die Autorinnen einerseits einen gesellschaftstheoretischen Rahmen, welcher eine systematische Relationierung von Liebe und Arbeit ermöglicht. Andererseits können sie über die anerkennungstheoretische Perspektive strukturell hervorgebrachte Erfahrungen von Missachtung sowie Anerkennungsdefizite, aber auch alternative Quellen von Anerkennung prekär Beschäftigter konzeptuell in den Vordergrund rücken (S. 18). Letztlich geht es Wimbauer und Motakef um nicht weniger als eine umfassende Erkundung sowie Rekonstruktion der Erfahrungen von (verwehrter) Anerkennung in prekären Lebenszusammenhängen (S. 13). Das dokumentiert auch ihr Vorschlag zur Weiterentwicklung des Honneth‘schen Dreisphären- hin zu einem Achtsphären-Modell prekärer Anerkennung (S. 21), welches allerdings eher als Präzisierung denn als Gegenentwurf verstanden werden sollte.  

Dass solch ein Unterfangen äußerst komplex ist, zeigt sich bereits in der 13 Kapitel und etliche Unterkapitel umfassenden Gliederung, aber auch in den zahlreichen Kapitelquerverweisen im Buch selbst. Trotz der Klarheit von Argumentation und Darstellung gestaltet es sich aufgrund der Fülle an Material und Querverweisen zuweilen schwierig, als Leserin zu folgen. Eher entsteht der Eindruck, dass die eigentlichen Befunde der Studie aufgrund der teilweise kursorischen Bemühungen, nebenbei auch noch zu unterschiedlichsten Spezialdiskursen einen Beitrag leisten zu wollen, leider allzu oft in den Hintergrund geraten.

Bereits die Einleitung spannt ein breites Forschungsfeld auf, in dem die Autorinnen sich zunächst theoretisch an der Arbeits- und Prekaritätssoziologie abarbeiten, um eine umfassende Erweiterung des Prekarisierungsbegriffs zu formulieren. Denn dieser sollte nach Ansicht des Duos nicht nur auf ökonomische Faktoren reduziert werden, sondern auch weitere soziale Aspekte wie Wohnen oder Gesundheit einbeziehen (S. 37). Darüber hinaus entwickeln Wimbauer und Motakef eine anerkennungstheoretische sowie eine geschlechtersoziologische Perspektive auf Prekarität. Im zweiten Kapitel bieten sie einen umfassenden und gut aufgearbeiteten Überblick über den Forschungsstand. Letzterer dient ihnen sodann als Ausgangspunkt, aktuelle arbeitssoziologische Studien zur Prekarisierung hinsichtlich einer „um Anerkennung erweiterte[n] Perspektive auf Prekarität im Lebenszusammenhang“ (S. 25) weiterzuentwickeln.

Bezogen auf die Fragestellung des Buches wollen die Autorinnen Prekarisierung also nicht nur statisch, sondern ebenso relational, prozessual und multidimensional erfassen (S. 19). Aus diesen Überlegungen resultiert auch die dreifache Forschungsperspektive des Buches auf seinen Gegenstand: Erstens soll aus einer anerkennungstheoretischen Blickrichtung der „übergreifende gesellschaftliche Rahmen der Anerkennbarkeit“ (S. 66) – also die Diskursebene – rekonstruiert werden. Zweitens und schwerpunktmäßig sollen „Individuen-in-Beziehungen“ (S. 67) hinsichtlich ihrer Erfahrungen von (verwehrter) Anerkennung untersucht werden, um die subjektive Bedeutung von Anerkennung für Menschen in einem prekären Lebenszusammenhang – die Praxisebene – herauszuarbeiten. Drittens werden „explizit prekarisierungstheoretische Blickwinkel aus dem Forschungsstand integriert. Diese sind Planungs- und Gestaltungsunsicherheiten der Einzelnen, Zukunftsperspektiven und subjektiv empfundene Einschränkung[en]“ (ebd.). Es soll also ebenfalls der prozessualen Orientierung menschlichen Handelns Rechnung getragen werden.

Grundlage für dieses umfangreiche Forschungsvorhaben bildet, wie die Autorinnen in Kapitel 3 erläutern, eine qualitative Interviewstudie, in deren Rahmen von 2014 bis 2016 insgesamt 24 prekär Beschäftigte sowohl in Paar- als auch Einzelinterviews befragt wurden (S. 78). Die detaillierte Darstellung der einzelnen Fälle und geschilderten Erfahrungen erstreckt sich über die Kapitel 4 bis 11 und ist entlang der acht von den Autorinnen auf Basis von Honneths Modell entwickelten Dimensionen prekärer Anerkennung – namentlich Erwerbsarbeit, finanzielle Situation, Recht, Liebe, politische wie soziale Teilhabe, Care, Gesundheit und Selbstsorge sowie Wohnsituation (S. 69) – strukturiert. Dabei gehen Wimbauer und Motakef besonders auf die Frage der Relationierung unterschiedlicher Anerkennungssphären ein, also etwa darauf, inwiefern Paarbeziehungen in prekären Arbeitsverhältnissen auch als Anerkennungsressourcen dienen können, die anderweitig erfahrene Missachtung abzuschwächen oder gar zu kompensieren in der Lage sind.

Natürlich kann in einer Rezension nicht die gesamte Fülle einer solch detaillierten Studie nachgezeichnet werden, es lassen sich jedoch drei wichtige Erkenntnisse herauslösen: Erstens weisen die Autorinnen nach, dass Erwerbsarbeit auch in prekären Lebenszusammenhängen weiterhin das „zentrale Medium der Selbstverwirklichung“ (S. 325) darstellt. Akteure wenden sich also trotz strukturell erfahrener Missachtung in dieser Sphäre nicht von Erwerbsarbeit als Quelle von Anerkennung ab, sondern halten gerade an einem meritokratischen Verständnis von Arbeit fest, demzufolge „sich erbrachte Leistung in Einkommen, Anerkennung und anderem auszahlen soll“ (S. 93). Freilich ist das keine neue Einsicht. Schon Durkheim verwies darauf, dass die in der Erwerbssphäre durchgesetzte Arbeitsteilung mit ihren sozialen Funktionen eben nicht nur eine faktische Differenzierung, sondern gerade auch eine moralische Regel darstellt.[9] Die Akteure orientieren sich auch in prekären Lebenszusammenhängen – wie die Autorinnen hier allerdings empirisch belegen und für die Spätmoderne aktualisieren – entscheidend an dieser moralischen Regel, da sie ihnen über Gratifikation oder Sanktion und im Honneth‘schen Sinne als Quelle für Orientierung und Anerkennung dient. Nichtsdestotrotz unterstreichen Wimbauer und Motakef gerade auch, dass die Möglichkeit, in prekären Beschäftigungsverhältnissen Anerkennung zu erlangen, durch arbeitsmarktpolitische Rationalisierungs-, Beschleunigungs-, und Kommodifizierungsprozesse sowie über die rechtliche Nichtanerkennung bestimmter Tätigkeiten – wie etwa jenen im Care-Bereich – systematisch unterminiert wird (S. 141). Zudem birgt die für die Akteure festgestellte Identifikation mit dem meritokratischen Prinzip ein ideologisches Potenzial (S. 59): Denn trotz der Tatsache, dass Anerkennung im Sinne der Erfahrung von „Selbstschätzung“ in prekären Arbeitsverhältnissen strukturell verunmöglicht wird, halten die Befragten an der Erwartung fest, aus der Sphäre der Arbeit positive Selbstbezüge schöpfen zu können. Das demonstrieren die Autorinnen eindrücklich. Allerdings kann eine derart stark ausgeprägte Anerkennungserwartung gerade in prekären Verhältnissen nur allzu oft enttäuscht werden und droht damit häufig in Selbstmissachtung umzuschlagen (S. 323).

Zweitens arbeiten die Autorinnen in Bezug auf intime Nahbeziehungen überzeugend heraus, dass Liebe – wobei eine Präzisierung dieses Begriffs fehlt, was dessen Verwendung diffus erscheinen lässt[10] – durchaus eine alternative und zuweilen komplementäre Sinn- sowie Anerkennungsquelle für Menschen in prekären Lebenszusammenhängen darstellen kann (S. 330). Nichtsdestotrotz ist Liebe – so die These der Autorinnen –, egal, ob in einer romantischen Zweierbeziehung oder anderen Formen sozialer Nahbeziehungen, nicht dazu geeignet, Missachtungserfahrungen in den Sphären Recht oder Arbeit umfassend zu kompensieren (S. 208). Vielmehr lassen sich ambivalente Wechselwirkungen zwischen den Sphären festhalten, die sich beispielsweise in einer deutlichen Vergeschlechtlichung ungleicher Anerkennungschancen auch in Liebesbeziehungen niederschlagen (S. 343). Genauso wie in Bezug auf Arbeit offenbart sich auch im Hinblick auf Liebe ein ideologisches Potential, wie die Autorinnen nachzeichnen: „[I]n der zermürbenden und zerfleischenden Suche nach nicht eingelöster Partner*innen-Liebe [...] deutet sich – empirisch geschlechterübergreifend – ein selbstzerstörerisches Potential an“ (S. 365). So führen die Befragten (romantisch)-partnerschaftliche Beziehungen als relevanteste Quelle für Liebesanerkennung an, worüber Freundschafts- oder Pflegebeziehungen als legitime Quelle von Anerkennung vernachlässigt werden, zugleich wird Liebe letztlich auf ihre romantische Ausformung verkürzt und somit gleichsam überfrachtet wird.

Drittens diagnostizieren Wimbauer und Motakef systematische „Anerkennungsfallen“ im Wechselspiel von Liebe und Arbeit (S. 343). Mit dem Begriff der Anerkennungsfalle sollen Konstellationen umschrieben werden, in denen die Handlungsspielräume und Anerkennungschancen sukzessive erodieren (S. 64). Solche Fallen resultieren aus einem einseitigen Streben nach gesteigerten Leistungs- und Anerkennungsversprechungen in einer der Anerkennungssphären. Als Beispiele wären hier etwa die auf ihre Arbeit fixierte Karrieristin zu nennen, deren Liebesbeziehungen aufgrund von Vernachlässigung fortlaufend scheitern, oder der junge Romantiker, der nicht nur in seiner Beziehung, sondern auch in seiner Arbeitstätigkeit darauf hofft, sich in seiner unverwechselbaren Einzigartigkeit verwirklichen zu können, letztlich aber in beidem scheitert (ebd.). Darüber hinaus argumentieren die Autorinnen, dass nicht die Wünsche nach und Versprechungen von Anerkennung in den Bereichen Arbeit und Liebe eo ipso problematisch sind. Vielmehr führen die „ökonomische Notwendigkeit und gleichzeitige Unmöglichkeit, ein existenzsicherndes Einkommen zu erwirtschaften und den (prekären) Arbeitsplatz zu erhalten oder zu verbessern, sowie vielfältige Erfahrungen von Nichtanerkennung“ (ebd.) dazu, dass Anerkennung stets verwehrt bleibt und letztlich womöglich gar eine ideologische Fundierung erfährt. Anerkennung kann eben dann in Ideologie umschlagen, wenn die materialen Voraussetzungen für das Erfüllen ihrer Versprechungen nicht gegeben sind (S. 59). Gerade in prekären Lebenssituationen, in denen es an Zeit, Geld und Sicherheit mangelt, kumulieren sodann Erfahrungen von Missachtung und führen zu praktischen wie ideellen Unvereinbarkeitsproblemen, in denen sich die strukturell und sozialstaatlich verankerten „mehrdimensionale[n], ambivalente[n] oder gar paradoxe[n] Nicht-/Anerkennungsverhältnisse“ niederschlagen (S. 343). In diesem Sinne plädieren die Autorinnen mit Bezug auf Judith Butler dafür, die Anerkennungstheorie derart weiterzuentwickeln, dass sie auch eine allgemeine Fragilität und Vulnerabilität von Akteuren in Anerkennungsverhältnissen in Rechnung stellt und Ambivalenzen von Anerkennungsordnungen aufzeigen kann (S. 61). In dieser kritischen Auseinandersetzung mit Honneth bemühen sich die beiden Wissenschaftlerinnen auch – allerdings nicht ganz überzeugend –, „Selbstsorge“ als weitere Anerkennungssphäre zu etablieren. Jedoch erscheint Selbstsorge in den hier vorgestellten Ausführungen eher als gouvernementalitäres Resilienz- oder Wellnesskonzept, denn als vernachlässigte Kategorie der Ungleichheitsforschung (S. 298).[11] 

Schlussendlich erweist sich die empirische Analyse der vorliegenden Arbeit als tragend, belegt sie doch, dass besonders in prekären Lebenszusammenhängen gerade keine genuin kulturindustriell affirmative Bezugnahme auf Liebe vorliegt (Kapitel 12 und 13). Für die Befragten stellt Liebe zwar durchaus einen Wunschtraum und Fluchtpunkt (S. 308) dar, ist aber keineswegs die letzte Bastion utopischer Hoffnung oder ein heiler „heaven in a heartless world“[12]. Vielmehr überwiegt die durchaus realistische Wahrnehmung, dass auch die intimsten Beziehungen nicht vor anderweitig stattfindenden „Kämpfen um Anerkennung“ gefeit sind (S. 310). Letztlich stellt das vorliegende Buch mit großem Nachdruck heraus, dass die vielerorts diagnostizierte Erosion gesellschaftlicher Kapitalismuskritik unter den Bedingungen prekärer Erwerbsarbeit gerade nicht zutrifft.[13] So offenbaren die Interviews starke Formen von Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, mal im Sinne der Marx‘schen Entfremdungstheorie in Bezug auf die Organisation kapitalistischer Arbeit (S. 150), mal im Sinne Fromm‘scher Missbilligung von kapitalistischer Liebe (S. 306) oder in den Visionen einer Postwachstumsgesellschaft (S. 315) – in erster Linie also in Form von Kritikpunkten, die nicht auf die individuelle Privatsphäre, sondern auf die moralische Legitimation und die Grundprinzipien einer Gesellschaft (etwa das Leistungsprinzip, Verteilungsgerechtigkeit oder Nachhaltigkeit) zielen, also einen „immanenten“ kritischen Maßstab aufrufen.[14] Dass das Buch mit einem Forderungskatalog an Politik und Gesellschaft hinsichtlich sozialstaatlicher und arbeitsmarkpolitischer Transformationen abschließt, erscheint somit nur konsistent. Imaginationen für eine bessere Welt genauso wie Maßstäbe für ein gutes Leben, so zeigt sich, sind eben nicht nur auf der Ebene der Akteure selbst, sondern auch auf derjenigen der Wissenschaft reichhaltig vorhanden.

Fußnoten

[1] Vgl. Charlotte Perkins Gilman, Women and Economics. A Study of the Economic Relation Between Men and Women as a Factor in Social Evolution, Berkeley / Los Angeles 1998, hier S. 97 f.

[2] Insbesondere auch in den Beiträgen neomarxistischer Denkerinnen seit den 1970er-Jahren. Vgl. hierzu unter anderem Silvia Federici, Wages Against Housework, Bristol 1974 oder Shulamith Firestone, The Dialectic of Sex. The Case for Feminist Revolution, New York 1971.

[3] Hierzu eine kleine Auswahl: Eva Illouz, Warum Liebe endet. Eine Soziologie negativer Beziehungen, Berlin 2018; Andreas Schmitz, The Structure of Digital Partner Choice. A Bourdieusian Perspective, eBook 2016; Yvonne Schütze, Die feinen Unterschiede der Liebe, in: Leviathan 36 (2008), S. 76 –84; Cornelia Koppetsch / Günter Burkart, Die Illusion der Emanzipation, Konstanz 1999.

[4] Besonders in Eva Illouz‘ einschlägigen Arbeiten zum Passungsverhältnis romantischer Liebe und spätkapitalistischer Gesellschaften wird verstärkt auf die konstitutive Bedeutung von Milieuzugehörigkeit und Lebensverhältnissen für das Gelingen von Liebesbeziehungen hingewiesen. Es zeigt sich, dass das Versprechen der romantischen Liebe, da konstitutiv mit der kapitalistischen Steigerungs- und Optimierungslogik identifiziert, nicht nur uneingelöst bleibt, sondern in seinen Möglichkeiten auch ungleich verteilt ist (vgl. Eva Illouz, Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus, Frankfurt am Main 2003, hier S. 170.

[5] Eva Illouz, Warum Liebe wehtut. Eine soziologische Erklärung, Berlin 2011, hier S. 19.

[6] Siehe hierzu Hartmut Rosa, Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung, Berlin 2016, hier S. 49.

[7] Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, Frankfurt am Main 1992, hier S. 7.

[8] Ebd., S. 275.

[9] Émile Durkheim, The Division of Labor in Society, New York 1984, hier S. 3.

[10] Das Konzept der „romantischen Liebe“ wird nicht weiter erläutert und auch nicht für die Spätmoderne präzisiert. Somit entfällt auch die Möglichkeit einer systematischen gesellschaftstheoretischen Relationierung der sozialen Funktion jeweiliger „Liebeskodierungen“ so wie beispielsweise von Luhmann versucht – Liebe scheint zwar eine anthropologische Konstante zu sein, ihre Ausprägungen sind allerdings soziohistorisch im Wandel begriffen, weshalb eine Präzisierung sinnvoll wäre. Vgl. hierzu Niklas Luhmann, Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität, Frankfurt am Main 1994. Zur anthropologischen Konstante vgl. Peter L. Berger / Thomas Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt am Main 1981, hier S. 51 f.

[11]  Vgl. hierzu Stefanie Gräfe, Resilienz im Krisenkapitalismus. Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit, Bielefeld 2019, bzw. Monica Greco, „Wellness“, in: Ulrich Bröckling / Susanne Krasmann / Thomas Lemke (Hg.), Glossar der Gegenwart 2004, S. 293–299.

[12] Christopher Lasch, Heaven in a Heartless World. The Family Besieged, New York 1995.

[13] In ihrem Versuch mit einer „Soziologie der Kritik“ einen analytischen Rahmen zu entwickeln, welcher Kritiken und Legitimationensordnungen zum Ausgangspunkt soziologischer Kritik macht, unterscheiden Boltanski und Chiapello zwei Typen von Kapitalismuskritik, jenen der Sozial- und den der Künstlerkritik, vgl. hierzu Luc Boltanski, „Die Rolle der Kritik in der Dynamik des Kapitalismus und der normative Wandel“, in: Berliner Journal für Soziologie 11 (2001), 4, S. 459–477“. Im Zuge historischer Adaptions-, Integrations- und Transformationsprozesse seien diese allerdings seit der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre in eine Krise geraten (ebd., S. 470). So würde seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre erst wieder „zögernd nach neuen Stützpunkten der Kritik gesucht“ (ebd., S. 476).

[14] Jaeggi unterscheidet drei Formen von Kritik. Im Gegensatz zu „externen Kritiken“, die einen Maßstab von außen bemühen, um eine Situation an ihren Ansprüchen zu messen, und einer „internen Kritik“, mittels derer die Diskrepanz zwischen einer vorliegenden Situation und den in ihr und für sie geäußerten Ansprüchen aufgewiesen wird, verfährt die immanente Kritik, indem sie, ähnlich der internen Kritik, einer Situation immanente Maßstäbe aufruft, allerdings im Gegensatz zur internen Kritik ebenfalls in der Lage ist, die Situation und Lebensform als solche – hier des Kapitalismus – auf ihre Rechtfertigungsordnungen und Widersprüche zu reflektieren (Vgl. Rahel Jaeggi, Kritik von Lebensformen, Berlin 2014, hier S. 261 ff.).

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher.