Empfehlungsschreiben für eine Subdisziplin

Rezension zu "Technikanthropologie. Handbuch für Wissenschaft und Studium" von Martina Heßler und Kevin Liggieri (Hg.)

„What does it mean to be a fucking human being?“, fragte einst David Foster Wallace und brachte damit den neugierigen Grundimpuls nicht nur seiner Romane, sondern auch der Anthropologie auf den Punkt. Am Institut für Geschichte der TU Darmstadt, dessen Homepage den US-amerikanischen Schriftsteller mit diesen Worten zitiert, wird die einschlägige Frage nach dem Wesen des Menschen freilich unter einem bestimmten Gesichtspunkt gestellt, nämlich mit Blick auf die Verhältnisse zwischen Mensch und Maschine. Verantwortlich dafür zeichnen Martina Heßler, Professorin für Technikgeschichte, und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Kevin Liggieri. Gemeinsam haben die beiden das vorliegende Handbuch für Wissenschaft und Studium herausgegeben, das Beiträge zu ihrem Forschungsschwerpunkt der Technikanthropologie versammelt.[1]

Die Technikanthropologie ist, anders als die Technikgeschichte oder -soziologie, nicht als akademische Subdisziplin etabliert.[2] Diesen Zustand zu ändern, haben sich Heßler und Liggieri zum Ziel gesetzt. Dazu legen die Herausgeber*innen ein mit 592 Seiten umfangreiches Handbuch vor, in dem sie mögliche Themen und Ansätze der neuen Disziplin ausloten. Auch einen Kanon grundlegender Autor*innen schlagen sie vor. Anknüpfend an dieses Fundament bestehender technikanthropologischer Traditionen wollen die Herausgeber*innen eigene Schwerpunkte setzen. Der interdisziplinär aufgestellte Band präsentiert die Anthropologie dabei als eine integrative Wissenschaft, die auch Ansätze aus Geschichte, Informatik, Archäologie, Philosophie, Soziologie und den Literatur-, Kultur- und Religionswissenschaften inkorporiert.

In der Einleitung wird das Feld, in dem die mögliche Subdisziplin anzusiedeln wäre, abgesteckt und kartiert. Dabei spielen Aktualitätsbezüge eine zentrale Rolle, denn insbesondere im Kontext des Megatrends Digitalisierung werde die Frage nach dem Wesen des Menschen wieder lauter gestellt. „Hintergrund dieser aktuellen gesellschaftlichen Debatten“, so Heßler und Liggieri, „ist die Etablierung digitaler Technologien und Künstlicher Intelligenzen, die menschliche Praktiken, Beziehungen, Lebensweisen und damit menschliche Selbstverständnisse verändern“ (S. 11). Eine der angesprochenen Debatten kreist etwa um den im Buch sehr präsenten Transhumanismus, der in den Worten von Janina Loh „den Menschen weiterentwickeln, optimieren, modifizieren und verbessern“ (S. 277) möchte und in engem Zusammenhang mit Praktiken digitaler Selbstvermessung steht. Eine in ungleich breiteren Gesellschaftsschichten geführte Diskussion ist jene um die Zukunft der Arbeit. Im Zuge der Verbreitung digitaler Technologien gebe es „aufgeregte Diskurse um die Ersetzung des Menschen“ (S.462) durch vermeintlich überlegene Maschinen, die als Entscheidungsassistenz seine Autonomie infrage stellten.

Ausgangspunkt der Herausgeber*innen ist der Befund, dass viele Theorien, die angesichts des rapiden technologischen Fortschritts die „Diagnose eines Transformationsprozesses des Humanum“ (S. 19) stellen, unter Geschichtslosigkeit litten. Im Gegensatz dazu frage eine dezidiert Historische Technikanthropologie (stets großgeschrieben) „nach der sich historisch wandelnden conditio humana und dem Wandel des Menschseins sowie gleichermaßen nach den sich wandelnden konkreten technischen Konstruktionen, dem Wandel der Maschinen“ (S.19). Die historisch-anthropologische Perspektive der Herausgeber*innen beruht dabei auf der Prämisse, dass, was „als menschlich oder maschinenhaft oder als hybrid gilt“ (S. 19), stets das Ergebnis historischer und kultureller Aushandlungsprozesse sei. Weder Anthropozentrismus noch eine Symmetrie zwischen Mensch und Technik – wie sie die Akteur-Netzwerk-Theorie vertritt – dürften als überhistorisch vorausgesetzt werden. Zusätzlich frage eine historisch informierte Technikanthropologie stets nach den „konkreten und epistemischen Schnittstellen der Entitäten“: Mensch-Maschine-Interfaces seien als „vermittelnde Agenten“ aufzufassen, die selbst Wirkungen entfalteten (S. 19 f). So würden beispielsweise (Selbst-)Überwachung und Quantifizierung „technologisch mit immer elaborierteren Interfaces“ (S. 286) praktiziert. Die sozialen Konsequenzen dieser Praktiken seien erheblich, da durch sie beispielsweise Risikosubjekte konstruiert würden, die gefährdet (durch potenzielle Krankheit) oder gefährlich (künftige Straftaten, Terrorismus) seien. Als strukturierende „Beziehung zu Technologie“ (S. 418) könnten Interfaces nicht neutral sein, da ihre „funktionalen Bedingungen […] jeweils von materiellen, sozialen, kulturellen oder semiotischen Strukturen geprägt werden“ (ebd.).

Neben der programmatischen Einleitung versammelt der Band 74 kurze, meist dicht geschriebene Texte. Die Konzeption des Buches ist dabei unkonventionell und nicht intuitiv zu erfassen. So ist an vielen Stellen schwer zu ermitteln, ob die Leserin es mit Unterkapiteln oder eigenständigen Aufsätzen zu tun hat. Doch die Einleitung gibt Tipps zur Handhabung des Buches: „Leser_innen sind zum systematischen Lesen, zum Kreuz-und-Quer-Lesen genauso eingeladen wie zum Nachschlagen zentraler Begriffe“ (S. 27). Solche unterschiedlichen Lektüren funktionieren in den meisten Fällen gut, weil explizite Querverweise Bezüge zwischen den Kapiteln herstellen. Der Aufsatz zu Life Data von Daniela Döring fungiert mit zahlreichen Querverweisen fast als eine Art Knotenpunkt. Zudem erleichtern ein Personen- und ein Sachregister die Orientierung.

Das Buch ist in acht Teile gegliedert, wobei die Kapitel des ersten Teils länger sowie von allgemeinerem Charakter sind. So geben Julia Gruevska und Hans-Ulrich Lessing einen Überblick über die Entstehung der philosophischen Anthropologie im Deutschland der frühen 1920er-Jahre. Dem Impuls folgend, das Wesen und die Natur des Menschen zu ergründen, seien die „menschliche[n] Monopole“ (S. 34) Kultur, Sprache, Religion und Technik seit Anbeginn ihr Gegenstand gewesen. Die Kritik warf ihr vor, ahistorisch zu sein (Horkheimer) oder einen unspezifischen Problemaufriss zu haben (Heidegger). Heidegger, der hier als Kritiker der philosophischen Anthropologie auftritt, wird später in einem eigenen Kapitel als Quasi-Klassiker der Technikanthropologie eingeführt (siehe unten). Im komplexen Themendreieck Technik, Anthropologie und Ethik bewegt sich Armin Grunwalds Aufsatz. Ihm zufolge schufen neue technische Erfindungen auch immer neue Wahlmöglichkeiten, die neue ethische Fragen provozierten.

Der zweite Teil stellt „wichtige Autor_innen technikanthropologischen Denkens“ (S. 25) vor – von der frühen Neuzeit (Descartes) bis hin zu zeitgenössischen Autor*innen (Haraway, Suchman). Mit den Kurzportraits wird der Versuch unternommen, eine theoriehistorische Unterströmung aufzuzeigen. Die Darstellung von Gehlens philosophischer Anthropologie (Hans-Ulrich Lessing/Kevin Liggieri) nennt zahlreiche seiner Schriften und theoretischen Einflüsse, schildert außerdem die historischen Rahmenbedingungen, bleibt insgesamt jedoch unentschieden zwischen allgemeiner Kurzdarstellung des Autors und der Fokussierung auf den Themenkomplex Technologie. Die Entwicklung von Haraways Denken – vom Cyborgmanifest bis zu ihrem jüngsten Buch Staying with the Trouble – stellt Jutta Weber hingegen gut lesbar und kritisch dar. Der Beitrag zu Heidegger (Andreas Beinsteiner) konzentriert sich auf dessen Begriff des Seins und bezieht die damit zusammenhängende Ontologie konsequent auf Technik. Leider spart Beinsteiner Kritik an Heideggers Kulturkonservatismus und seinen Sympathien für den Nationalsozialismus ebenso aus wie Marcuses kritischen Anschluss an dessen Technologieverständnis. Auffällig und aus soziologischer Perspektive kaum nachzuvollziehen ist, dass Marx in dieser Sammlung kanonischer „Technikanthropologien“ fehlt.

Der dritte Teil widmet sich Grundbegriffen und stellt „[z]entrale Konzepte einer Technikanthropologie“ (S. 223) wie „Mensch“, „Anthropozän“, „Natur“ oder „Maschinen“ vor. Als kritisches Wörterbuch funktioniert der Band mitunter am besten. So ist Oliver Krügers kurzer Aufsatz zu technischer Singularität höchst aufschlussreich. Der Text beleuchtet die Entstehung des Narrativs sowie die religiöse Dimension einer damit verknüpften Fortschrittsteleologie, an deren Horizont die Menschheit mithilfe der Technik über sich hinauswachse. Von Krüger lässt sich nicht nur lernen, wie stark das Konzept der technologischen Singularität „durch kulturelle Deutungsmuster geprägt“ (S. 275) ist, sondern auch, welche politischen Implikationen es mit sich führt. Dies zeige sich etwa an Googles Chefingenieur Raymond Kurzweil, einer zentralen Figur im Diskurs um technologische Singularität, der behaupte, „dass die Menschheit eine neue Art von Religion brauche […]. Statt eines charismatischen Führers bräuchte man nun ein charismatisches Betriebssystem“ (S. 274).

Mitunter werden in den Kapiteln des dritten Abschnitts angrenzende Begriffe mitverhandelt, etwa wenn Helmut Trischler und Fabielle Will in ihre Auseinandersetzung mit dem Anthropozän auch Debatten über die „Technosphäre“ oder das „Kapitalozän“ einfließen lassen. Zu bedauern ist, dass die im vorliegenden Band omnipräsente „Digitalisierung“ keinen Eingang in die Sammlung technikanthropologischer Grundbegriffe gefunden hat. Diese Leerstelle überrascht umso mehr, als die Herausgeber*innen in der Einleitung explizit den Anspruch erheben, Historische Technikanthropologie müsse sich mit dem wandelnden Begriff der Maschine ebenso beschäftigen wie mit ihren historischen „Konkretionen“ (S. 23). Ein Beitrag zur Präzisierung des Digitalisierungsbegriffs, wie er in der (Technik-)Anthropologie verwendet wird, wäre daher notwendig gewesen.

„Technisierte Konzepte des Menschen“ sind Gegenstand des vierten Buchteils. Einen prominenten Platz nimmt darin die „anthropologische Reflexionsfigur“ (S. 291) des Homo Faber ein, deren Aufkommen und Verwendung Oliver Müller nachzeichnet. „Angesichts der umfänglichen Technisierungsprozesse seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts“, schreibt Müller, „ist es sicher kein Zufall, dass der Begriff des Homo Faber sich im Sprachgebrauch der 1920er- und 1930er-Jahre etablierte“ (S. 292). Der Autor deutet an, dass die Denkfigur des Homo Faber seinen Zenit Ende der 1950er-Jahre überschritten habe. Doch auch wenn seitdem keine einschlägigen Bücher oder Aufsätze mehr dazu publiziert worden sind, zeugt nicht zuletzt seine Allgegenwart im vorliegenden Band davon, dass der Homo Faber nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion ist. Weitere Kapitel widmen sich etwa den im 20. Jahrhundert entwickelten Konzepten der „MenschMaschine“ oder des „Cyborgs“. Die von Arnold Gehlen, aber auch von Günther Anders entwickelte Denkfigur des „fehlerhaften Menschen“, die im Kontext des technischen Enhancement weiterlebt, beschreibt Martina Heßler als ambivalentes, aber „empirisch wirkmächtiges Konzept“ (S. 304). Ihr Text verhandelt dabei sowohl wissenschaftliche als auch Alltagsdiskurse.

Auch wenn die Herausgeber*innen in der Einleitung unvermeidliche Überschneidungen zwischen den Kapiteln reflektieren, ist die Gliederung des Buches ab dem fünften Teil nicht mehr in allen Details schlüssig. Während der vierte Teil allgemein technisierte Menschenbilder behandelt, stellt der fünfte selbige „in den Wissenschaften“ vor.  Diese Trennung bleibt unscharf. Auch mit „Philosophie“ einer- und „Einzelwissenschaften“ andererseits wären die beiden Abschnitte nichtzutreffend betitelt, denn die Texte zu Kybernetik (Philipp Aumann) oder den Ingenieurswissenschaften (Kevin Liggieri) zeigen beispielhaft, dass auch „in den Wissenschaften“ im Hintergrund meist philosophische Grundfiguren wie der Homo Faber oder der fehlerhafte Mensch am Werk sind. Das Kapitel zu den Sozialwissenschaften (Kerstin Brückweh) arbeitet sich leider ausschließlich an quantitativen Methoden und deren Technisierung ab, von Lochkarten bis Big Data. Ein Aufsatz zum Menschenmodell in der Informatik fehlt.

Die letzten drei Teile rücken nah an den Menschen und seinen Körper. Sie verhandeln Vermessungen und Körpertechniken (6.) sowie Praktiken im Hinblick auf ihre Technisierung (7.). Martina Heßlers Aufsatz zu „Arbeit/en“ hat Einführungscharakter. Arbeit sei zwar eine anthropologische Grundkonstante, die sich in den Menschenbildern des Homo Laborans und Homo Faber niederschlage. Zu Recht kritisierten die Technikphilosophie und Anthropologie jedoch die Gegenüberstellung von Arbeit und Nicht-Arbeit im westlichen Diskurs seit der Antike und die moralische Aufwertung von Arbeit seit der Aufklärung. Auch eine Engführung auf Lohnarbeit spricht Heßler an, führt diesen Punkt indes weiter nicht aus. Die Bezüge auf die Marx‘sche Kritik kapitalistischer Vergesellschaftung bleiben oberflächlich, Max Weber wird selbst beim Thema Arbeitsethik nicht einmal genannt.

Im achten und letzten Teil, der sich technisierter Wahrnehmung widmet, nimmt der Band abermals Transhumanismus und technologisches enhancement in den Blick. Aus anthropologischer Perspektive ist das eine nachvollziehbare Schwerpunktsetzung, jedoch widerspricht sie dem selbstgesteckten Ziel, eine starke Fokussierung auf neue Technologien vermeiden und stattdessen „den historischen Wandel des Technologischen“ (S. 23) im Auge behalten zu wollen. Doch auch wenn das Buch den Zeitstempel der Digitalisierung trägt, muss man ihm zugutehalten, dass einige Aufsätze die eingeforderte Perspektive sehr wohl berücksichtigen und explizit dem historischen Wechselverhältnis von technologischem Fortschritt und Menschenbildern nachgehen. Fabian Grütter zeichnet beispielsweise unter Bezugnahme auf Walter Benjamin und Marshall McLuhan zunächst die Entwicklung des Sehens nach, um abschließend „festzuhalten, dass technikanthropologische Reflexionen über das Sehen durch Medienumbrüche motiviert worden sind“ (S. 559).

In zahlreichen Beiträgen spielt die Auseinandersetzung mit Anthropozentrismus eine zentrale Rolle. Im Wesentlichen, so die Herausgeber*innen, stünden anthropozentrischen „Ansätze[n], die von asymmetrischen Mensch-Maschine-Dualismen ausgehen“ (S. 13), „sozial- und kulturanthropologische sowie kybernetische und posthumanistische Theorien“ (ebd.) gegenüber, welche diese Dualismen hinterfragten. Zweifellos schlägt sich der vorliegende Band auf die Seite solcher nicht-dualistischer Theorien, wird der Anthropozentrismus doch sogar zum „Intimfeind (technik)anthropologischer Ansätze“ (S. 20) erklärt. „Historische Technikanthropologie [...] betrachtet anthropozentrisches Denken in einer technischen Kultur nicht nur als problematisch, sondern schlichtweg als Hybris und Illusion. Denn Menschsein ist wesentlich technisch konstituiert und von Technik durchdrungen“ (S. 20). Gleichwohl gehe es der Historischen Technikanthropologie nicht nur darum, den Anthropozentrismus zu kritisieren; sie möchte ihn vielmehr historisieren und seine Wirkung auf die Selbstdeutung der Menschen und ihre Technikgestaltung analysieren.

Die möglichen Gefahren einer solchen Dezentrierung des Menschen entgehen den Herausgeber*innen jedoch nicht. Symmetrische Konzepte, wie die Akteur-Netzwerk-Theorie, könnten eine „Verharmlosung menschlicher Wirkungsmacht und Verantwortung“ implizieren (S. 22). Dialektisch (und präziser als bei Heßler und Liggieri) ist die Kritik, die Trischler und Will referieren: Problematisch am Anthropozentrismus, wie er im Konzept des Anthropozän enthalten ist, sei „die Verschleierung von Verantwortlichkeiten unter Rückgriff auf den anthropos als kulturelle Entität“ (S. 237). Der Anthropologe und Humanökologe Alf Hornburg bevorzugt es daher, von einem Technozän zu sprechen, das aus der Profitorientierung der kapitalistischen Wirtschaftsweise hervorgegangen sei. Ein derart konzipiertes Anthropozän bzw. Kapitalozän gehe also auf das Bürgertum zurück – nicht auf „die Menschheit als kollektive Entität“ (S. 239). Verantwortlich ist der Mensch, aber nicht als Menschheit.

Das Feld der Technikanthropologie wird im vorliegenden Band zwar etwas eigenwillig unter weitgehender Ausklammerung materialistischer Ansätze abgesteckt, gewinnt durch die Lektüre aber dennoch an Konturen. Der präsentierte Ansatz einer Historischen Technikanthropologie ist für sozialwissenschaftliche Forschung durchaus anschlussfähig, nicht zuletzt, weil auch für sie Fragen der Technologie aktuell hoch im Kurs stehen, denen allerdings häufig etwas uninspiriert begegnet wird. Sollte es in der historisch-anthropologischen Technikforschung tatsächlich Konsens sein, „dass Technik sozial konstruiert ist und ihrerseits kulturprägend wirkt“ (S. 238), wie es Trischler und Will behaupten, wäre dies nicht der falscheste Orientierungspunkt für die Sozialwissenschaften. Als wirkliches Novum kann der historische Blick auf den Zusammenhang von Technologie und Menschenbildern indessen kaum bezeichnet werden, kreist doch eine nennenswerte Strömung kritischer Gesellschaftswissenschaften von Marx bis zur Frankfurter Schule und Foucault schon seit langem um eben jenen Themenkomplex.

Fußnoten

[1] Vgl. die entsprechende Website des Historischen Seminars der TU Darmstadt [20.7.20].

[2] Lediglich im dänischen Aalborg gibt es eine Forschungsgruppe und einen Studiengang Techno-Anthropology. Vgl. Mette Simonsen Abildgaard et al., „Playgrounding Techno-Anthropology“, in: EASST Review 36 (2017), 2, S. 17–20.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Jakob Borchers und Martin Bauer.