Von der kritischen Theorie zur feministischen Kritik

Rezension zu "Geschlecht, Familie, Sexualität. Die Entwicklung der Kritischen Theorie aus der Perspektive sozialwissenschaftlicher Geschlechterforschung" von Barbara Umrath

Spätestens ab Ende der 1990er-Jahre schien die ausführliche Diskussion der kritischen Theorie in der Geschlechterforschung vorbei. Seit die sogenannte Postmoderne über Judith Butler und ihre Rezeption von Jaques Lacan und Michel Foucault Einzug in die Gender Studies gehalten hatte, herrschte Grabesstille in der kritisch-theoretischen Geschlechterforschung. Allerdings geisterten Adorno, Horkheimer und Marcuse – sozusagen als Untote – weiterhin durch den ein oder anderen geistes- oder sozialwissenschaftlichen Seminarplan und suchten so auch immer wieder die Gender Studies heim. Barbara Umrath will die Rezeptionslinien der kritischen Theorie in der akademischen Geschlechterforschung sichtbar machen und sie systematisieren. Ihre Dissertation „Geschlecht, Familie, Sexualität – Die Entwicklung der Kritischen Theorie aus der Perspektive sozialwissenschaftlicher Geschlechterforschung“ ist eine ausführliche Rezeptionsgeschichte der kritischen Theorie mit großem „K“, also des wissenschaftlichen Programms, dass die sogenannte Frankfurter Schule seit den 1930er-Jahren vorantrieb, aus Sicht der Gender Studies. Dabei unterscheidet Umrath zwischen den Ansätzen der damaligen Frauenforschung, deren Fokus auf Frauen, ihrer gesellschaftlichen Positionierung und ihrer Geschichte lag, und der heutigen Geschlechterforschung, die nicht nur nach der Rolle der Frau fragt, sondern das Geschlechterverhältnis als Ganzes untersucht. Die Frauenforschung sei für die isolierte Betrachtung von Frauen schon viel kritisiert worden und auch die bisherige feministische Rezeption der kritischen Theorie habe sich, so Umrath, in ganz ähnlicher Weise darauf beschränkt, die Stellung, die der Frau innerhalb der Theorie eingeräumt wurde, zu untersuchen. Das Erkenntnisinteresse der Autorin ist jedoch von der Frage geleitet, wie die kritische Theorie das Geschlechterverhältnis insgesamt verhandelt habe (S. 37). Nicht zuletzt möchte sie so ausloten, wie die spezifische Verhandlung der Geschlechterthematik durch die kritische Theorie auch für die heutige sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung anschlussfähig sein kann.

Die Begriffe, deren Geschichte Umrath ausführlich rekonstruiert und denen sie jeweils ein Kapitel widmet, sind Geschlecht, Familie und Sexualität. Die Rekonstruktion setzt bei den Texten des IfS aus den 1930er-Jahren, vornehmlich den „Studien über Autorität und Familie“, an und bewegt sich dann chronologisch durch die Werke verschiedener Autorinnen und Autoren. Die jüngsten Arbeiten stammen aus den 1960er-Jahren. Neben den sehr bekannten Vertretern der kritischen Theorie wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse und Erich Fromm rezipiert Umrath auch einige weniger bekannte Mitglieder des Instituts wie beispielsweise Franz Borkenau und Ernst Schachtel. Der Textkorpus, welcher der Studie zugrunde liegt, ist dementsprechend nicht nur sehr groß, sondern auch breit aufgestellt: Neben den einschlägigen Werken wie den erwähnten „Studien zu Autorität und Familie“ (IfS), der „Dialektik der Aufklärung“ (Horkheimer/Adorno) und „Eros and Civilisation“ (Marcuse) hat Umrath auch bisher nicht veröffentlichtes Archivmaterial zu Tage gefördert – etwa das 18-seitige Typoskript „Kollektivarbeit Familie“ (S. 162f.).

Eine wiederkehrende Kritik an der Verhandlung der Geschlechterthematik durch die kritische Theorie besteht in der Naturalisierung und Essenzialisierung von Weiblichkeit.[1] Umrath widerspricht diesem Vorwurf entschieden und verweist auf die historisch-gesellschaftliche Herangehensweise der kritischen Theorie, mit der alle Gegenstände – und dementsprechend auch Weiblichkeit – als Produkt sozialer Entwicklungen verstanden werden. Nichtsdestotrotz basiere das Geschlechterbild der kritischen Theorie auf der Vorstellung einer biologischen Zweigeschlechtlichkeit, die in der heutigen Geschlechterforschung als überholt gelte: Die binär verfasste Geschlechterordnung werde heute nicht mehr als biologisch-natürliche Tatsache, sondern als kulturelle Erscheinung begriffen. Daher könne die kritische Theorie das Verhältnis von Natur und Kultur im Hinblick auf Geschlecht nicht angemessen erfassen (S. 146 ff.). Dabei sitzt Umrath jedoch einer Fehldeutung auf: so versteht die kritische Theorie den Begriff von Natur nicht als konstant und überhistorisch, sondern selbst wieder als historisch-gesellschaftlich geworden.[2] Würde Umrath diese kulturelle Dimension des Naturbegriffs der kritischen Theorie reflektieren, hätte sie ein handfestes Argument gegen den Vorwurf, die kritische Theorie würde Geschlecht naturalisieren. So muss man sich unweigerlich fragen, warum die Autorin zwar die Weiblichkeitskonstruktion der kritischen Theorie als historisch-gesellschaftlich geworden begreift, das aber nicht für den Naturbegriff gelten lässt.

Familie fasst die kritische Theorie dementsprechend ebenfalls als Produkt historisch-gesellschaftlicher Entwicklungen. Umrath zeigt anhand des Materials anschaulich, dass die kritische Theorie die patriarchale Familienstruktur als eine entscheidende Stütze der bürgerlichen Gesellschaft identifiziert, die auch durch die Erosion des ökonomischen Fundaments der patriarchalen Autorität, etwa durch die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen, nicht an Relevanz eingebüßt habe. Auch die spätbürgerliche Gesellschaft bleibe eine patriarchale, da sie sich weiterhin an den männlich konnotierten Prinzipien wie Leistung und Konkurrenz orientiere und mit Weiblichkeit und Mütterlichkeit assoziierte Prinzipien wie Liebe und Fürsorge geringschätze und verdränge. Dementsprechend folgerichtig sei der Schluss von Seiten der kritischen Theorie, dass es das „weibliche Prinzip“ sei, das sich gesamtgesellschaftlich durchsetzen müsse, um die patriarchale Gesellschaft zu transformieren. Umrath bezweifelt allerdings, dass eine gesamtgesellschaftliche Analyseperspektive partikulare Verhältnisse, wie das der Geschlechter, in all ihrer Komplexität fassen könne. So bleibe etwa die Organisation von Haushalts-, Familien- und Fürsorgearbeit und die Frage, wie eine Veränderung der Familienstruktur aufs gesellschaftliche Ganze wirken könne, in den Analysen Frankfurter Provenienz stets unterbelichtet. Die Vernachlässigung von Reproduktionsarbeit und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zugunsten der alleinigen Betrachtung von Lohn- und Erwerbsarbeit führe dazu, dass man den Zugriff der kritischen Theorie als tendenziell androzentrisch bezeichnen müsse, so Umrath (S. 269 ff.).

Sexualität und Sexualmoral bestimmt die kritische Theorie in Anknüpfung an den Frühsozialismus und die Psychoanalyse. Die Kritik der Frühsozialistinnen und Frühsozialisten konzentrierte sich auf eine Sexualmoral, „die für Liebe und Leidenschaft einzig den engen Raum einer lebenslänglichen monogamen Ehe vorsieht“ (S. 282). Diese Kritik verbanden sie mit ihrer Kritik sowohl am Privateigentum als auch mit der damit konstitutiv zusammenhängenden patriarchalen Geschlechterordnung. Die frühsozialistische Analyse verbleibt so auf der ökonomisch-strukturellen Makroebene; durch die Rezeption der Freud‘schen Psychoanalyse bezieht die kritische Theorie auch das psychologisch-subjektive Moment des gesellschaftlichen Zusammenhangs mit ein und gelangt so zu einer Reflexion auf die bürgerliche Gesellschaft als ganzer. Daher sei, so Umrath, das Verständnis von Sexualität und Sexualmoral konstitutiv für das Verständnis von Gesellschaft. Aufklärung entlarve die gesellschaftlich vorherrschende Moral und die Tabus – allen voran in Bezug auf Sexualität – als mythologisch. Das sei jedoch ein Prozess, der nicht als gradlinige, bruchlose Entwicklung zu verstehen sei. Bestimmte Tabus seien persistenter als andere. In der bürgerlichen Gesellschaft fänden sie ihren Ausdruck sowohl in einer rigiden Sexualmoral wie auch in einer vordergründig liberalen Einstellung zur Sexualität, hinter der sich aber weiterhin bestimmte Verbote, wie beispielsweise das der Homosexualität, verbergen. Auch hier attestiert Umrath der kritischen Theorie eine androzentrische Perspektive, da nur männliche Homosexualität verhandelt und allein im Hinblick auf (prä-)faschistische und autoritäre Männerbünde verhandelt werde. Das sei allerdings nicht mit homophoben Affekten der Autoren zu begründen: Die kritische Theorie mache weder homosexuelle Praktiken, noch offen schwule Identitäten zum Gegenstand der Kritik, sondern die psychische Verdrängung von Homosexualität und die damit einhergehende unheilvolle sozialpsychische Dynamik, die dann in autoritären Männerbünden ihren Ausdruck fände. Doch fehle es ihr an Begriffen wie Zwangsheterosexualität und Heteronormativität, mit denen die moderne Geschlechterforschung arbeite und die die kritische Theorie heranziehen müsse, um Sexualität in ihrer ganzen gesellschaftlichen Relevanz als konstitutives Moment der bürgerlichen Geschlechterordnung fassen zu können (S. 358 ff.).

Dennoch gebe es, und das ist wohl Umraths wichtigste These, eine potenzielle Anschlussfähigkeit der kritischen Theorie an die aktuelle akademische Geschlechterforschung, denn beide teilen ihren emanzipatorischen Anspruch. Emanzipation bedeute die Transformation der gesellschaftlichen und der subjektiven Strukturen hin zu einer Aufhebung der bürgerlichen, kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund werde die „Frauenfrage“ zwangsläufig zur „Geschlechterfrage“, denn um die bestehende Gesellschaft zu überwinden, müssen Männlichkeit und Weiblichkeit in ihrer aktuellen, historisch-spezifischen Form überwunden werden. Fromm, Marcuse und Leo Löwenthal hielten dennoch am emanzipatorischen Potenzial des Weiblichen fest. Wegen dieses positiven Bezugs auf einen Aspekt der bestehenden Geschlechterordnung bezeichnet Umrath die drei auch als die positiv-dialektischen Denker innerhalb der kritischen Theorie. Adorno ordnet sie hingegen dem negativ-dialektischen Denken zu (S.150 ff.), da er keinen positiven Bezug zum bestehenden Geschlechterverhältnis herstelle. Ganz generell trifft Adorno nur Aussagen über den Zustand von Emanzipation und Befreiung, die diesen negativ bestimmen, er erklärt also lediglich, was nicht sein darf. Für Adorno ist Befreiung also immer „Befreiung von etwas“, wie beispielsweise vom Leiden.[3] Das hat auch wichtige Konsequenzen für die jeweiligen Utopiebegriffe: Adorno bestimmt das Utopische als die reine Negation des Bestehenden, Adornos Emanzipationsbegriff bleibt dementsprechend negativ und bilderlos.[4] Marcuse dagegen entwirft ein Bild von der emanzipierten Gesellschaft und bestimmt die Emanzipation durch die Befreiung der Lust.[5] Damit ist der Marcuses Emanzipationsbegriff positiv bestimmt.

Laut Umrath müssten vor dem Hintergrund ihrer Untersuchung die „Studien über Autorität und Familie“ neu bewertet werden: In der Sekundärliteratur werde die Arbeit oft als Vorläuferin der Studien zu Autorität und autoritärem Charakter aus den 1940er-Jahren verhandelt. Umrath zeigt jedoch, dass die erstgenannte Studie primär darauf angelegt war, zu erforschen, wie die Familie als konstitutives Moment einer kritischen Gesellschaftstheorie gedacht werden könne. Autorität gewann erst im weiteren Verlauf der Studie an Gewicht. Generell habe die intensive Arbeit zur Geschlechterthematik innerhalb der kritischen Theorie wenig bis gar keine Beachtung gefunden, obwohl doch die Kritik an der herrschaftsförmigen Geschlechterordnung und deren Indienstnahme von Sexualität und Sexualmoral ein integraler Bestandteil sowohl der kritischen Theorie als auch der heutigen Geschlechterforschung sei (S.369 ff.).

Die Geschlechterforschung der jüngeren Zeit habe das Geschlechterverhältnis systematisch reflektiert und die nötigen Begriffe dafür etabliert. Die kritische Theorie habe das Geschlechterverhältnis zwar als Produkt historisch-gesellschaftlicher Entwicklung verstanden, es allerdings nicht systematisch reflektiert. Damit gehe, so die Autorin, das kritische Potenzial für eine Neuordnung des Geschlechterverhältnisses, über das die Geschlechterforschung verfüge, über das der kritischen  Theorie hinaus. Jedoch wäre es für die Geschlechterforschung produktiv am umfassenden Gesellschaftsbegriff und der von Freud geprägten Subjekttheorie festzuhalten, um nicht dem Fehlschluss aufzusitzen, man könne das Verhältnis der Geschlechter nachhaltig und grundsätzlich transformieren, ohne die gesellschaftlichen und subjektiven Voraussetzungen zu ändern: „Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft“, wie schon Adorno schrieb.[6] Daher erweise sich ein solches umfassendes Verständnis von Emanzipation als dienlich, um eben jenen verkürzten Utopievorstellungen, die meinen, dass Emanzipation bereits im Partikularen zu erreichen sei, Einhalt zu gebieten. Die Geschlechterforschung solle sich, so Umraths Plädoyer, den Emanzipationsentwurf von Marcuse zu Nutze machen und sich an ihm orientieren (S. 374).

Umrath hat mit ihrer Dissertation eine umfassende Arbeit vorgelegt, welche sich grundlegenden Gedanken der kritischen Theorie widmet, die für die heutige Geschlechterforschung relevant sind. Doch leider verwischt die Autorin dabei wichtige Differenzen und Brüche. Wenn Umrath von der kritischen Theorie mit großen „K“ spricht, so erläutert sie in der ersten Fußnote ihrer Arbeit, fasst sie darunter die sogenannte „ältere kritische Theorie“, die auf Horkheimer, Adorno und Marcuse zurückgeht (S. 11). Allerdings wird im Verlauf des Buchs deutlich, dass die Autorin auch Fromm zu den Vertretern der älteren kritischen Theorie zählt. Dass gerade diese Autoren als eine Denkschule verhandelt werden, begründet Umrath nicht nur mit ihrer gemeinsamen Arbeit im Institut für Sozialforschung, das Fromm bereits Ende der 1930er und Marcuse einige Jahre darauf verließ. Vielmehr betont sie die inhaltliche Nähe der Autoren zueinander, lässt dabei allerdings entscheidende Differenzen zwischen Horkheimer/Adorno und Fromm ebenso außer Acht wie den Bruch des Instituts mit Marcuse. So ist zwar unstrittig, dass diese Personen in der Frühphase des Instituts noch in einem engen theoretischen und inhaltlichen Austausch standen, doch für die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gilt das nicht mehr.[7]

So versäumt Umrath es etwa, die sogenannte Kulturismus-Naturismus-Debatte zwischen Fromm und Marcuse, die sich gerade um die Frage entspann, wie eine kritische Gesellschaftstheorie an psychologische Erkenntnissen anknüpfen könne, ohne dabei grundlegende Annahmen Freuds zu relativieren oder gar auf biologische Tatsachen zu rekurrieren, auch nur zu erwähnen. Das verwundert gerade mit Blick auf die heutige Geschlechterforschung, deren wichtigste Prämisse es doch ist, Geschlecht als historisch-gesellschaftliches Produkt und nicht als biologische Tatsache zu verstehen. Warum Umrath an einer weitgehend bruchlosen Geschichte des Instituts – und damit der kritischen Theorie – festhält, wird am Ende ihrer Arbeit deutlich: Das verbindende Moment der älteren kritischen Theorie und der heutigen Geschlechterforschung, das so auch die Anknüpfungsfähigkeit garantiert, ist für die Autorin der positive Emanzipationsbegriff Marcuses. Ihn begreift sie als Ergebnis einer einheitlichen Entwicklung der kritischen Theorie. Doch gerade die fehlende Abgrenzung der negativ-dialektischen und der positiv-dialektischen Herangehensweise ist ein Manko der Studie. Sie wäre nicht zuletzt auch deshalb obligatorisch gewesen, da für Adorno die negative Dialektik ein Synonym für die kritische Theorie als solche war, er die negative Herangehensweise also gleichsam zum Programm erklärte.[8] Doch die Unterscheidung von negativer Dialektik und utopischer Emanzipation wird von Umrath zu Gunsten der einheitlichen Darstellung und der These der Anschlussfähigkeit der Geschlechterforschung an den Emanzipationsbegriff Marcuses außen vor gelassen. Leider verunmöglicht die Autorin damit eine differenzierte Rekonstruktion der Entwicklung der kritischen Theorie und verspielt das mögliche Potenzial, das eine negativ-dialektische Herangehensweise für die Geschlechterforschung haben könnte. Ähnlich bruchlos wie die Entwicklung der älteren kritischen Theorie wird auch die der Frauenforschung hin zur Geschlechterforschung dargestellt: So erscheinen in Umraths Rekonstruktion die Gender Studies als konsequente Weiterentwicklung der Frauenforschung. Die Debatten zwischen der poststrukturalistischen und dem theoretisch-kritischen Flügel, die in diesem Kontext wichtig wären und die gerade in der Übergangsphase der Frauen- zur Geschlechterforschung am intensivsten geführt wurden, finden keine Erwähnung.

Trotz aller Kritik ist Umraths Dissertation eine ebenso interessante wie lesenswerte Arbeit, die nicht nur eine beeindruckende Menge Material aufbereitet und es im Hinblick auf ein Erkenntnisinteresse systematisiert, das in der Sekundärliteratur bis dato vernachlässigt wurde. Die Autorin zeigt auch, warum eine kritische Geschlechterforschung auch heute noch sowohl an der feministischen Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt als auch am umfassenden Emanzipationsverständnis der kritischen Theorie festhalten sollte.

Fußnoten

[1] Am deutlichsten findet sich der Vorwurf wohl bei Regina Becker-Schmidt (Regina Becker-Schmidt, Identitätslogik und Gewalt: zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Feminismus, in: Hans Joachim Hoffmann-Nowotny (Hg.), Kultur und Gesellschaft: gemeinsamer Kongreß der Deutschen, der Österreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft fuür Soziologie – Beiträge der Forschungskomitees, Sektionen und Ad-hoc Gruppen, Zürich 1989, S. 97-99, hier S. 98; Ebd., Pendelbewegungen. Annäherungen an eine feministische Gesellschafts- und Subjekttheorie. Aufsätze aus den Jahren 1991 bis 2015, Opladen/ Berlin/Toronto 2017, S. 232.

[2] Mehr zu der gesellschaftlichen und historischen Dynamik des Naturbegriffs des IfS in Adornos Diskussionszusammenfassung „Die Idee der Naturgeschichte“ von 1932 in: Theodor W. Adorno, Philosophische Frühschriften. Gesammelte Schriften Band 1, Frankfurt am Main 1973, S. 345-365.

[3] Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt am Main 2003, S. 207.

[4] Ebd., S. 204 ff.

[5] Herbert Marcuse, Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, Frankfurt am Main 1968, S. 195 ff.

[6] Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt am Main 2003, S. 197.

[7] Zum Ausscheiden Fromms ausführlicher u. a. Martin Jay, Dialektische Phantasie. Die Geschichte der Frankfurter Schule und des Instituts für Sozialforschung 1923-1950, Frankfurt am Main 1981, S. 126 ff und 160 f. Ausführlicher zur Fromm-Marcuse-Debatte u. a. in der amerikanischen Zeitschrift Dissent – An Exchange on Freudianismus aus den Jahren 1955 und 1956; Burkhard Bierhoff, Triebstruktur oder soziale Beziehungen. Anmerkungen zur Kulturismus-Debatte, 1991, S. 1 ff, www.fromm-gesellschaft.eu/images/pdf-Dateien/Bierhoff_B_1991a.pdf (17.02.2019); Bernhard Görlich / Alfred Lorenzer / Alfred Schmid (Hg), Der Stachel Freud. Beiträge und Dokumente zur Kulturismus-Kritik, Frankfurt am Main 1980; Jay, Dialektische Phantasie; Marcuse, Triebstruktur und Gesellschaft, S. 234 ff; John Rickert, Die Fromm-Marcuse-Debatte im Rückblick, 1991, S. 8 ff., www.fromm-gesellschaft.eu/images/pdf-Dateien/Rickert_J_1991.pdf  (17.02.2019)

[8] Theodor W. Adorno, Vorlesung über Negative Dialektik, Frankfurt am Main 2007, S. 36 f.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Hannah Schmidt-Ott.