Von der Schwierigkeit, Probleme zu benennen

Zwei Essaybände fragen nach den Voraussetzungen intersektioneller Kritik

Sexismus – und sexualisierte Gewalt als eine seiner Manifestationen – sind ubiquitäre Phänomene und dabei von „endloser Variabilität und monotoner Ähnlichkeit“ (Rubin) zugleich. Eindrückliche Bestätigung erfährt diese Diagnose einmal mehr durch die Kampagne #Metoo, welche von der Affäre um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelöst wurde und die ein vielstimmiges Echo rund um den Globus hervorrief.

Wenn das Reden über derartige Vorkommnisse, wie jüngst des Öfteren zu hören, den Anfang von Politik und von kultureller Veränderung bedeutet, dann ist das ebenso richtig wie voraussetzungsvoll. Im Fall von Sexismus und sexualisierter Gewalt gilt dies in besonderem Maße, bezeichnen sie doch Sachverhalte, die gesellschaftlich einerseits hartnäckig beschwiegen, andererseits auf symptomatische Weisen skandalisiert und relativiert werden. Sexismus und sexualisierte Gewalt sind in ihren Grenzen stets unscharf: Sie sind umstrittene Schattenphänomene in einem affektiv hoch besetzten Konfliktfeld und Schauplätze differentieller Erfahrung, die sich für Projektionen aller Art geradezu anbieten. Kompliziert wird das Ganze noch dadurch, dass Sexismus keinen isolierten Sachverhalt darstellt. In der Geschichte moderner Gesellschaften ist er verbunden mit Strukturen von Missachtung und Dominanz, die sich entlang anderer Achsen von Differenz ausgebildet haben. Sagen zu können, was der Fall ist, wenn wir etwas als Sexismus oder sexualisierte Gewalt bezeichnen, feststellen und erklären zu können, was „wirklich“ passiert, durch wen und warum es wie und wem geschieht, warum es wiederholt und überall geschieht und welches die jeweiligen Umstände und Auswirkungen sind, bleibt vor dem Hintergrund der hier nur angedeuteten Komplexität eine ebenso unerlässliche wie schwierige Aufgabe. Ein Aufschrei ist immer nur der Anfang.

Von den miteinander verwobenen Dispositiven kultureller Differenzsetzungen im Feld der Sexualpolitik handeln, bei deutlich unterschiedlichem Zuschnitt und Umfang, die beiden zu besprechenden Bücher.

„Unterscheiden und Herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart“, verfasst von den Soziologinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa, ist eine auf Anregung des Bielefelder transcript-Verlags entstandene aktuelle Intervention in den öffentlichen Diskurs nach den Ereignissen, die in der Silvesternacht 2015/16 in Köln und anderen Städten stattfanden. Beim zweiten Band, „Sexualpolitik. Verflechtungen von Race und Gender“, handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung von vierzehn Aufsätzen der Kulturwissenschaftlerin und Amerikanistin Gabriele Dietze, die in einem Zeitraum von rund zehn Jahren entstanden sind. Zusammengebunden und ergänzt wird die Sammlung durch eine ausführliche Einleitung, die die Überschrift „Sexualpolitik – Archäologie einer Problematisierungsweise“ trägt.

Harks und Villas Essay „in zwei Stimmen“, dem Geleitworte wichtiger Referenzautorinnen (Judith Butler und Christina Thürmer-Rohr) vorangestellt sind, kann als politischer Zwischenruf und ethischer Appell besorgter Wissenschaftlerinnen gelesen werden, die sich nicht abfinden wollen mit der von ihnen diagnostizierten Regression der politischen Kultur und des Meinungsstreits in unserer Gesellschaft. Anlass und Ausgangspunkt ihres Textes sind die Veränderungen in der öffentlichen Rede nach „Köln“, die die Autorinnen auf einen reaktiven Fundamentalisierungsschub zurückführen. Diesem wollen sie nachgehen und mit dem Entwurf eines verantwortlichen Denkens, Hörens und Sprechens begegnen.

Nach „Köln“ kommt es ihrer Einschätzung nach zu einem tiefgreifenden Einschnitt im Diskurs über Zuwanderung. Er äußert sich in immer pauschaler werdenden negativen Zuschreibungen, Kausalerklärungen, Verdächtigungen und Gerüchten, die sich gegen arabische beziehungsweise muslimische Männer im Allgemeinen und Geflüchtete im Besonderen richten und die unübersehbar rassistische Züge tragen. Darüber hinaus beobachten sie Vereinnahmungen feministischer Anliegen und Themen im Kontext nationalistischer, nativistischer und völkisch-chauvinistischer Politiken der Selbstbestätigung: des ebenso systematischen wie opportunistischen Fremdmachens von Anderen im Dienste der Überhöhung des Eigenen. Besonders aber beunruhigt sie, dass auch einflussreiche feministische Stimmen in der berechtigten Empörung über sexualisiertes Gewalthandeln aus demselben Repertoire an kurzschlüssigen Deutungen und Ad hoc-Erklärungen schöpfen.

Wie aber wäre zu sprechen über Sexismus und Rassismus, über die Taten und Täter von „Köln“ und anderswo und über die öffentlichen Reaktionen auf die Ereignisse? In vier thematisch eigenständigen Kapiteln, einem Dialog zu den Schwierigkeiten, über sexuelle Gewalt zu sprechen sowie einem Epilog zum Leitmotiv eines „Denkens in Differenz“ gehen Hark und Villa dem nach.

Eine Gratwanderung vollziehen die Autorinnen dabei insofern, als sie empirische Fragen zu den Vorkommnissen der Silvesternacht erklärtermaßen nicht behandeln wollen. Weder Erfahrungen betroffener Frauen noch die Taten, die Täter oder die als potentielle Täter Verdächtigten werden einbezogen. Nicht der Rohheit auf Seiten derer, die Massensituationen zum Jahreswechsel für sexualisierte und räuberische Angriffe ausnutzten, gilt ihr Interesse, sondern den Verrohungen und Entdifferenzierungen in den öffentlichen Äußerungen von „Hiesigen“ über die „Anderen“. Diese Fokussierung stellt eine Einseitigkeit dar, die Hark und Villa bewusst ist. Sie nehmen das mit einer solchen Vereinseitigung verbundene Risiko in Kauf, weil sie davon ausgehen, dass die gesellschaftliche Deutungsmacht disparitär verteilt ist und dass diese Verteilung klar zu Lasten eines differenzierenden Umgangs mit Zugewanderten, Geflüchteten und Muslimen im Allgemeinen geht, deren Stimmen kein oder zu wenig Gehör finden. Ihr Appell, sich stereotypen Zuschreibungen zu verweigern, genauer hinzuschauen und im Zweifel für den Zweifel zu votieren, ist ein Plädoyer für komplexitätsbewusste Kritik, einschließlich der Kritik an sexueller Gewalt. Diese Art von Kritik beziehe die stete Befragung eigener Gewissheiten ein, ohne dabei relativistisch zu werden oder aus strategischen Gründen selektiv zu schweigen. Für Hark und Villa ist diese reflexive, der Welt „in Freundschaft“ (Kap.1.) zugewandte Haltung das Mittel der Wahl, sich in Zeiten wachsender Spaltung und Ausgrenzung nicht verhärten und dumm machen zu lassen.

Die Begriffe, mit denen die Autorinnen Zusammenhänge von Sexismus und Rassismus unter den gesellschaftlichen Bedingungen einer „Dominanzkultur“ (Rommelspacher) und angesichts des „Ereignisses Köln“ ausloten, entstammen zum großen Teil dem Repertoire feministischer und queerer Theorie, insbesondere intersektioneller Ausrichtung. Ihre Kritik richtet sich gegen alle Formen der „Versämtlichung“ (Dohm), Vereigenschaftlichung und kulturalistischen Essentialisierung im Reden über die jeweils „Anderen“ und zeigt Absurditäten und Widersprüche auf, zu denen polarisierend-agonale Konstruktionen kultureller Differenz führen (hierzu besonders plastisch das Kapitel zur Körperpolitik: „Im Namen der Freiheit. Zieh Dich aus!“). Ziel des Essays ist es, daran zu erinnern, dass Rassismus und Sexismus nicht von den Identitäten oder zugeschriebenen Gruppeneigenschaften her zu denken seien, sondern „nur von den Verhältnissen (her), in denen diese produziert und relevant gemacht“ würden. In immer neuen Wendungen wird fast beschwörend ein Ethos fragenden, komplexitätsbewussten Denkens, des Gesprächs und der Deeskalation entfaltet, das an wichtige Traditionslinien reflexiver Aufklärungskritik (Foucault, Adorno) und politischer Theorie (Arendt) anknüpft.

Wie voraussetzungsvoll eine solche Art des Sprechens (und Zuhörens), für die Hark und Villa zu Recht plädieren, tatsächlich ist, lässt sich selbst noch an ihrem eigenen Text verdeutlichen. Etwa anhand der Bezeichnung „toxischer Feminismus“, mit der sie einen Feminismus charakterisieren, der sich durch die Art seiner Stellungnahmen zum Komplizen islamophober oder rassistischer Positionen mache. Auch wenn ich Harks und Villas Einwände gegen solche Varianten feministischer Sexismuskritik in der Sache teile, so ist doch die Etikettierung als „toxisch“ (und dies gilt auch für die im Umlauf befindliche Rede von einer „toxischen Maskulinität“) belastet. Nicht nur, weil „toxic feminism“ im englischsprachigen Netz als Kampfbegriff des Antifeminismus kursiert, von dem ich nicht glaube, dass er sich dazu eignet, kritisch umgedeutet zu werden. Vor allem fällt es schwer, darüber hinwegzusehen, dass das Adjektiv „giftig“ und die damit verbundenen Topoi des Ver- und Entgiftens selbst zu Projektionen anstiftende Vokabeln aus dem Wortschatz von Antisemitismus und Rassismus darstellen. Sie rufen eine schleichende, unheimliche Gefährdung auf, eine schädliche Substanz, die das, was sie erfasst (ob das „reine Blut“, den „Volkskörper“ oder eben den Feminismus), zersetzt. Als bloßes Etikett, als Distanzformel eingesetzt, ist der Topos genau jener Art des Sprechens verwandt, die Hark und Villa in ihrem Essay mit Verve und guten Argumenten kritisieren.

Sabine Hark und Paula-Irene Villa widmen sich Verflechtungen von „Rassismus, Sexismus und Feminismus“ auf essayistische Weise und im zeitnahen Zusammenhang mit der Kölner Silvesternacht 2015/16. Demgegenüber besteht Gabriele Dietzes  als Band 56 in der Campus-Reihe „Politik der Geschlechterverhältnisse“ erschienene Aufsatzsammlung zur „Sexualpolitik“ aus bereits veröffentlichten Texten, die zu unterschiedlichen Anlässen entstanden sind. Der überblickhafte und zugleich auf verschiedene Figurationen der Abwehr von „Anderem“ im Feld der Sexualpolitik fokussierte Charakter des Bandes bringt es mit sich, dass er nicht nur doppelt so umfangreich, sondern auch von den verhandelten Gegenständen her diverser ist als der politische Zwischenruf aus dem transcript-Verlag.

So stehen etwa Fallgeschichten zu den Reaktionen auf „Köln“ und zur Frage nach dem „Deutschen“ an der deutschen Fußballnationalmannschaft neben Auseinandersetzungen mit dem Rape-Lynching-Komplex als sozialer Pathologie. Hierbei geht es um die konstitutive Rolle von Vergewaltigungsvorwürfen zur Legitimation des Lynchens in der Geschichte der USA. Intersektionelle Analysen des Filmgenres „Kolonialepos“ oder Untersuchungen der Figur der Bohemienne und ihres “Imaginary Negro“ im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ergänzen und bereichern das Spektrum der behandelten Themen.

Zwei Eigenschaften dieses Bandes haben mich angesprochen. Zum einen, dass Dietze ihre fachliche Expertise in der Amerikanistik für informierte Vergleiche und Über-Setzungen fruchtbar macht. So ist die Schwarz-Weiß-Relation in rassistischen Konstruktionen von „Otherness“, denen ein Kapitel gewidmet ist, zweifellos besonders tiefgreifend verankert in der Kultur und Sozialstruktur der US-amerikanischen Gesellschaft. Dementsprechend präsent ist dort auch eine lange Tradition intersektioneller Erkundungen der Verflechtungen von Race und Gender, die von Schwarzen Feministinnen angestoßen und entwickelt wurde. Möglichen Versuchungen, diese Problematik als im deutschen oder europäischen Kontext weniger relevant anzusehen, begegnet Dietze mit Schlaglichtern auf das Fortwirken des kolonialen Erbes und auf Kontinuitäten historischer Rassismen. Gleichzeitig wird den neuen Formen von Rassismus, die sich eher kultureller als biologischer Argumente bedienen, ebenso Rechnung getragen wie kontextuellen, das heißt deutschen beziehungsweise europäischen Spezifika ihrer Artikulation.

Damit ist auch schon der zweite Aspekt aufgerufen, der das Buch zu einer anregenden Lektüre macht: das Zusammengehen einer dezidierten sexismus- und rassismuskritischen Haltung mit einer Form der Präsentation von Theorie und Begrifflichkeiten, die zur Diskussion nicht nur einlädt, sondern sie geradezu herausfordert.

Die Einleitung hat den Charakter einer programmatischen Hinführung zu den Komplexitäten von Sexualpolitik. Dabei holt Dietze mit ihrer „Archäologie einer Problematisierungsweise“ weit aus. Ihre Ausgrabungen beziehen sich auf unterschiedliche sachliche, historische und geographische Kontexte, in denen Sexualpolitik zum Fokus einer Kritik der modernen Gesellschaft wurde. Die deutsche Geschichte des Konzepts reiche von der sozialrevolutionären Sexpol-Bewegung der Zwischenkriegszeit bis hin zu deren Echo in den sexualemanzipatorischen Ideen der 68er. Eine von Foucault geprägte, als französisch/europäisch bezeichnete Vorstellung begreife dagegen Sexualpolitik als Mittel zur staatlichen Regulierung von Bevölkerung im Feld der Sexualität während sexual politics im angloamerikanischen Verständnis Formen sexualisierter Diskriminierung beschreibe. Auf der Folie dieser Rekonstruktion entfaltet Dietze unter den Kapitelüberschriften „Okzidentalismuskritik, Orientalismus, Postkolonialität“, „Feminismus, Gender und Intersektionalität“ sowie „Race – Construction of Otherness – Schwarz Weiß“ die Perspektiven ihrer Kritik. Zur weiteren Konturierung der einzelnen Themenkomplexe tragen Aufsätze bei, die sich den – teilweise durchaus gespannten – Beziehungen zwischen verschiedenen Strömungen der Gesellschafts- und Kulturkritik widmen. So etwa zum Verhältnis von Postcolonial Theory und Gender Studies oder zum Verhältnis von Intersektionalität und Queer Theory (ein zusammen mit Elahe Haschemi Yekani und Beatrice Michaelis verfasster Text).

Dietzes Anliegen ist es, das Konzept der Sexualpolitik als ein Analyseinstrument so einzusetzen, dass es die Sexualisierungen von Gender und race sowohl im Foucaultschen Sinne als hegemoniale Machttechnik zu begreifen erlaubt als auch unter dem Aspekt der Diskriminierung. Zentral ist für sie dabei die programmatische Forschungsperspektive einer „Okzidentalismuskritik“. Inspiriert durch die Critical-Whiteness Forschung und angelehnt an post- bzw. dekoloniale Ansätze (z.B. Said, Chakrabarty, Dussel) befasst sich die Kritik des Okzidentalismus mit dem Phänomen einer sich in Europa ausbreitenden neuen hegemonialen Orient/Okzident-Binarität und einem mit dieser verbundenen „Geschlechterpakt“. In dieser Ordnung würden Einwander_innen aus als „arabisch“ oder „muslimisch“ verstandenen Staaten im Medium essentialisierender Wir-Sie-Unterscheidungen „orientalisiert“ und diskriminiert, während der eigenen Seite (einschließlich ihrer Geschlechterverhältnisse) Fortschrittlichkeit, Freiheit, Emanzipiertheit und die Exzeptionalität einer aufgeklärten westlichen Gesellschaft zugeschrieben würden. Für heterosexuelle Frauen und „LGBT-People“ ergebe sich daraus die paradoxe Situation, einerseits selbst weiterhin Objekte sexualpolitischer Machttechniken zu sein und andererseits zugleich von der „okzidentalen Dividende“ der Zugehörigkeit zum dominanten Kollektiv zu profitieren. Verdeutlicht wird die Fruchtbarkeit der okzidentalismuskritischen Perspektive anhand der Untersuchung von vier „Figurationen der Migrationsabwehr“ und der sie begleitenden Narrative: die bedeckte Muslima und deren Gegenpart, den orientalischen Patriarchen; dann die Figur des homophoben muslimischen Jugendlichen und zuletzt die Trope des sexuell übergriffigen Geflüchteten.

Wie schon Sabine Hark und Paula Villa geht es auch Gabriele Dietze in ihrem Band um die Aufforderung zu einer hegemoniekritischen Reflexion der Formen, welche die „Konstruktion des Eigenen am Anderen“ gegenwärtig annimmt. Beide Bände konzentrieren sich auf die Problematisierung dominanter Problematisierungsweisen, also auf die Selektivität von Skandalisierungen, nicht auf deren Realbezüge. Diese Ausrichtung lässt die miteinander verflochtenen Grenzziehungen im Feld der Sexualpolitik ebenso prägnant hervortreten wie deren Kehrseite: die Schwierigkeit, Probleme zu benennen. In dem Gespräch zwischen Sabine Hark und Paula Villa (Outsiders Within? Differenzen im Dialog) deuten sich Akzentunterschiede in den Einschätzungen der Autorinnen an, die aber mehr oder weniger unterschwellig bleiben. Dietzes Band lädt vor allem durch die Präsentation konzeptueller Referenzen und Entscheidungen zur Auseinandersetzung ein. Diese Auseinandersetzung hätte dann allerdings auch die Frage mit einzubeziehen, welche Phänomene durch die okzidentalismuskritische Perspektivierung in den Blick rücken und welche ausgeblendet werden. So trifft Dietzes Charakterisierung eines „Metarassismus der Eliten“, der sich in strategischen Vergleichen eines sich reflexiv modernisierenden Abendlandes und Orients, der seine Aufklärung noch vor sich hat, manifestiert, sicherlich bedeutsame Weisen der Selbstaffirmation durch kulturessentialistisches Fremdmachen Anderer. Der sich daraus ergebenden Frage, welche Formen des Unterscheidens, Vergleichens, Benennens und begründeten Bewertens in diesem Feld nicht unter das Verdikt des Rassismus fallen würden, wird jedoch nicht nachgegangen. Für eine weitere Ausformulierung der Okzidentalismuskritik als Forschungsperspektive wäre dies jedoch unumgänglich.

In der Zusammenschau vermitteln beide Publikationen hervorragende Einblicke in die Felder intersektioneller und (queer)feministischer Kritik. Deutlich erkennbar wird das spezifische reflexive Potential, das in den Communities sozialer Bewegungen entstanden ist, die durch die eigene Heterogenität ständig dazu genötigt werden, sich mit Differenz, mit epistemischen Privilegien und den Erfahrungen der „Outsider Within“ (Collins) auseinander zu setzen. Für ein breiteres Publikum wären die Bände sicher eine herausfordernde, aber auch lohnende Lektüre. Insofern trifft Christina Thürmer-Rohrs Bemerkung im Geleitwort zu „Unterscheiden und Herrschen“ auch auf beide zu. Sie führen die „heute wieder auftauchende Meinung ad absurdum, Feminismus müsse nicht studiert werden.“

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Hannah Schmidt-Ott.