3. Internationale Fachtagung Soziologie / Sozialwissenschaften im Öffentlichen Dienst

Führung: Perspektiven,Trends und Herausforderungen in Theorie und Praxis

Es wird kolportiert, dass die Führung die Kunst sei, die Mitarbeiter/innen so schnell über denTisch zu ziehen, dass sie die dabei entstehende Reibungshitze als Nestwärme empfinden. Dieses Bonmot macht deutlich, dass Führungsarbeit in der Praxis durchaus kritisch gesehen wird, da immer der Verdacht besteht, dass es sich im Wesentlichen um Fragen der geschickten Manipulation von Personen geht. Tatsächlich ist Führung von Mitarbeiter*innen sowohl in der Forschung als auch der Praxis ein Thema von andauernder Relevanz. Zum einen besteht in unserer Gesellschaft ein stetiger Bedarf an kompetenten Führungspersonen, zum anderen ändern sich die Bedingungen, unter denen die Kriterien für gute Führung definiert werden, mit dem gesellschaftlichen Wandel permanent. Damit sehen sich aktuelle und zukünftige Führungskräfte vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt, die vom Management des demografischen Wandels über Organisationsentwicklung bis zur Digitalisierung reichen. Dass der Bedarf an Unterstützungsmöglichkeiten und Auseinandersetzung mit grundlegenden Führungsfragen groß ist, zeigt der Blick auf den Markt für Seminare und andere Angebote zu Führungsthemen.

Die angesprochenen Probleme und Fragen sind breit und reichen von der Auswahl von Nachwuchskräften über Entwicklung und Training von Führungsfertigkeiten bis hin zur effizienten Entscheidungsfindung. Probleme in der Führungskultur oder dem Führungsverhalten einzelner zeigen sich in Form von Dienst nach Vorschrift, innerer Kündigung und destruktivem Verhalten (gezielt organisations- oder geschäftsschädigendem Verhalten). Dabei verläuft die Entwicklung nicht selten kaskadenförmig bzw. in Abwärtsspiralen und eskaliert mit der Zeit immer weiter. Dies ist sowohl aus betriebsökonomischer als auch aus psychologischer Sicht von Nachteil und sollte daher vermieden werden. Umgekehrt sind neben die klassischen Fragen nach der Motivation, Anleitung und Entwicklung von Mitarbeiter*innen neuere Aspekte wie beispielsweise Gesunderhaltung sowie Personalentwicklung als Unternehmensentwicklung getreten. In Organisationen der Öffentlichen Verwaltung und/oder bspw. der Sozialwirtschaft (als spezielle Organisationsformen) gilt es mitunter ganz eigene Herausforderungen der Führung zu meistern. Wurde die personale Führung in der Öffentlichen Verwaltung lange als reiner Koordinationsmechanismus angesehen, wird mittlerweile ein anderes Verständnis von Führung gefordert. Dies erfordert wiederum die Entwicklung neuer Führungskonzepte, die jedoch nicht ohne Anpassungen aus der freien Wirtschaft übernommen werden können. Es muss berücksichtigt werden, dass die Verwaltungsstrukturen in der Regel durch Arbeitsteilung und eindeutige Kompetenzabgrenzungen, spezielle gesetzliche Vorgaben zur Aufgabenausführung und Aktenmäßigkeit bestimmt sind. In der Sozialwirtschaft bildet der nötige Spagat zwischen sozialer Dienstleistung für die individuelle und gemeinschaftliche Wohlfahrt einerseits und ökonomischen Ansprüchen andererseits eine besondere Herausforderung. Führungspersonen stehen hier in besonderem Maße im Spannungsfeld zwischen legistischen, sozialen und ökonomischen Ansprüchen.

In den beschriebenen Kontexten entstehen vielfältige Fragen der Führung, für die sozialwissenschaftliche Antworten gefunden werden können:

  • Welches Führungsverhalten bzw. welche Führungsstile sind in den jeweils gegebenen Strukturen angemessen?
  • Welchen Einfluss hat eine (Verwaltungs-)Leitung auf Führungsverhalten?
  • Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die (Öffentliche) Verwaltung und die Sozialwirtschaft und wie kann daraus resultierenden Herausforderungen mit Führungskonzepten begegnet werden?
  • Welche Auswirkung hat der demografische Wandel auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen, und wie kann Führung diesen Veränderungen Rechnung tragen?
  • Welche Unterschiede bestehen im internationalen Vergleich zwischen Führungskonzepten und Herausforderungen?
  • Welchen Beitrag können Ausbildungsstätten wie Verwaltungsfachhochschulen zur Entwicklung von angemessenen Führungskräften und -kulturen leisten?

    Das umrissene Themenfeld wird in der 3. Fachtagung Soziologie/Sozialwissenschaften im Öffentlichen Dienst – Führung: Perspektiven Trends und Herausforderungen in Theorie und Praxismit dem erweiterten Schwerpunkt Sozialwirtschaft behandelt. Auf der Internationalen Fachtagung am 12. und 13.09.2019 soll den oben genannten und weiteren Fragen des Themenkomplexes gemeinsam aus sozialwissenschaftlicher Perspektive nachgegangen werden. So soll auch die Vernetzung in entsprechenden Forschungsfeldern verstärkt werden.

 

Hier geht es zum Tagungsprogramm (Link)