Alte und neue Formen der Mehrsprachigkeit in der Alpen-Adria-Region

Tagung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec

Mehrsprachigkeit ist ein historisches Wesensmerkmal der Alpen-Adria-Region, die in ihrer engeren Auslegung Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Slowenien umfasst, in anderen Lesarten jedoch einen größeren von Bayern bis Kroatien und von Westungarn über die Steiermark bis nach Venetien und Trentino-Südtirol reichenden Raum umfasst. Mehrsprachigkeit ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamisches Phänomen, das Veränderungen und Entwicklungen durchläuft, die durch äußere Faktoren bedingt sind. In den letzten dreißig Jahren gab es zahlreiche Faktoren, die die Mehrsprachigkeit des Alpen-Adria-Raums weiter dynamisiert haben, u.a.: die Gründung neuer Staaten nach der Auflösung Jugoslawiens –mit der daraus folgenden „Herausbildung“ neuer Minderheiten –;die Anerkennung einiger historischer sprachlicher Minderheiten (und des Ausschlusses anderer) in Italien Ende der 1990er Jahre mitsamt sprachpolitischen Maßnahmen, die diese mit sich brachte; der Eintritt der meisten Länder der Region in die Europäische Union, welche die Wahrung der Reichtums „ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt“ im Vertrag über die Europäische Unionfestgeschrieben hat, deren Politik in diesem Bereich aber manchmal widersprüchlich erscheint; die Verankerung der Mehrsprachigkeit und ihres Werts auf Verfassungsebene wie etwa im neuen Kärntner Statut von 2017; die intensivierte Binnenmobilität und Einwanderung aus Drittstaaten in der/die Region, die unterschiedliche Ausprägungen aufweist –von den Expats bis zu den Asylbewerbern –und die zudem geführt hat, was u.a. als „Superdiversität“ bezeichnet wurde.; die Globalisierung, die dazu führt, dass in manchen Teilen der Bevölkerung ein „perzipierter Bedarf“ an (früh-)kindlichem Erwerb von „marktrelevanten“ Sprachen –neben Englisch z.B. auch Chinesisch, Russisch usw. entsteht.

Gleichzeitig hat die Mehrsprachigkeitsforschung neue Ansätze und Methoden entwickelt, um dieses komplexe Phänomen angemessen zu beschreiben, z. B. die Erforschung rezeptiver Mehrsprachigkeit, die Analyse von Sprachbiographien und die Untersuchung von linguistic landscapes.

Ziel der am 2. und 3. April 2020 an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Celovec stattfindenden Tagung Alte und neue Formen der Mehrsprachigkeit in der Alpen-Adria-Region -Beschreibungsmodelle, Herausforderungen und Lösungsansätze ist es, Expertinnen und Experten im Bereich der Mehrsprachigkeitsforschung in der Alpen-Adria-Region die Möglichkeit zu Diskussion und Austausch zu bieten. Sie ist offen für verschiedene theoretische und methodische Ansätze, darunter Soziolinguistik, Kontaktlinguistik, Angewandte Linguistik, Ethnographie und Sprachanthropologie, Historische Linguistik, Ökolinguistik, Sprachdidaktik, Pädagogik und Erziehungswissenschaften.

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