Arbeit und Technik revisited

Gemeinsame Frühjahrs-Tagung der Sektionen Arbeits- und Industriesoziologie und Wissenschafts- und Technikforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Selten hat der technische Wandel der Arbeitswelt die öffentliche und wissenschaftliche Debatte so sehr bewegt wie aktuell. Seien es maschinelles Lernen und selbstlernende Algorithmen, Cyber-physische Systeme und selbststeuernde Logistikketten, mobile Endgeräte und Wearable Devices – neue Techniken bzw. neue Generationen bereits vorhandener Technik verheißen derzeit einen grundlegenden Umbau der Arbeitswelt.

Während im Rahmen des heutigen Diskurses über Digitalisierung die Technik als ein wirkmächtiger, wenn nicht der wirkmächtigste Hebel für gesellschaftliche Veränderung aufgefasst wird, hat der Zusammenhang von Technik und sozialem Wandel in der Forschung und der Theorieentwicklung der Arbeits- und Industriesoziologie lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt. Nach einer Welle von Studien über die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Betrieben, die ab Mitte der 1980er Jahre bis in die frühen 1990er Jahre publiziert wurden, ist Technik weit aus dem Fokus des industriesoziologischen Forschungsinteresses gerückt. Aber auch nie vollständig. Dies dokumentieren u.a. mehrere gemeinsame Tagungen der DGS-Sektion Arbeits- und Industriesoziologie und der DGS-Sektion Wissenschafts- und Technikforschung (zuletzt 2003, 2007, 2013), deren letzte sich neuer Phänomene des digitalen Wandels annahm und empirische Forschungen zum Verhältnis von Technik und Arbeit diskutierte.

Die gemeinsame Frühjahrs-Tagung 2018 greift diesen Diskussionsfaden auf. Sie zielt auf eine neue Diskussion der theoretischen und methodischen Grundlagen für die Erforschung des Verhältnisses von Technik und Arbeit unter der Leitfrage, welche theoretischen und methodischen Zugänge geeignet sind, um die aktuellen Veränderungen der Arbeitswelt im Zusammenhang mit dem technischen Wandel zu erfassen und zu analysieren.

Im Hinblick auf die aktuellen Veränderungen stehen dabei folgende Fragen im Vordergrund:

  • Welche Technologien setzen sich in Unternehmen durch und warum? Welche betrieblichen Gestaltungsoptionen bestehenbei der Implementation? In welchen Arenen im Unternehmen werden Aushandlungsprozesse über Technikeinsatz und Technikaneignung geführt und entschieden?
  • Welche Auswirkungen haben technische Veränderungen auf relevante Dimensionen von Arbeit: Beschäftigung(sverhältnisse), Autonomie und Kontrolle, Qualifikation und Handlungsspielräume?
  • Wie lassen sich arbeitsorganisatorische und technische Veränderungen analytisch trennen und methodisch erfassen?
  • Welche methodischen Zugänge eignen sich, um technische Artefakte in der Arbeitswelt in ihren Entstehungs- und Wirkungsweisen zu erfassen?
  • Brauchen verschiedene Technologien unterschiedliche theoretische und empirische Zugriffe?

Zugleich soll die Tagung dazu dienen, das Theorie- und Methodeninstrumentarium der Arbeits- und Industriesoziologie wie der Wissenschafts- und Technikforschung umfassend darauf hin zu reflektieren, inwieweit es Antworten auf diese Fragen ermöglicht und an welchen Stellen weiterführende Ansätze erst zu entwickeln sind.:

  • Welche früheren Theorieangebote der Arbeits- und Industriesoziologie greifen wieder oder noch, welche theoretischen und methodischen Blindflecken gibt es – und wie ließen sie sich überwinden?
  • Ist die arbeits- und industriesoziologische Fallstudie als empirische Methode ausreichend, um Technik und technologischen Wandel zu erfassen?
  • Welche der theoretischen und methodischen Zugänge, mit denen die Techniksoziologie und die Science and Technology Studies die sozialen Entstehungsbedingungen und die gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien untersuchen, sind geeignet, um den Zusammenhang von Technik und Arbeit zu erforschen?
  • Welche spezifischen Gegebenheiten der Arbeitswelt und welche spezifischen Fragestellungen sind bei der Anwendung techniksoziologischer Konzepte und Methoden auf den Zusammenhang von Technik und Arbeit zu beachten?

Der Fokus der gegenwärtigen Forschung liegt auf empirische Fragen und derzeit laufen eine ganze Reihe vielversprechender soziologischer Forschungsprojekte im Kontext von Arbeit 4.0, Industrie 4.0 oder der Digitalisierung der Arbeitswelt. Die Frühjahrstagung will aber über die reine empirische Bestandsaufnahme hinausgehen; primäres Ziel ist es vielmehr, die mutmaßlich weitgehend unbeantworteten Fragen zu den theoretischen und methodischen Grundlagen einer Erforschung des Zusammenhangs von Arbeit und Technik offenzulegen und diskutierbar zu machen. Dies ist erforderlich, um die interessierenden Veränderungen zu verstehen und erklären zu können.

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