Arbeitsam arbeits/arm in Geschlechterverhältnissen (ca. 1680–2000)

Workshop in Wien

Der Workshop fragt nach historischen und aktuellen Ausgestaltungen, Bedingungen und Handlungsweisen in geschlechterhierarchisch strukturierten Arbeitskontexten. Dabei wollen wir vorläufig keine Definition von Arbeit liefern, sondern historische Vorstellungen, Einteilungen, Praktiken und Ausgestaltungen von Arbeit selbst zum Untersuchungsgegenstand machen.

Seit Jahrzehnten kämpfen Feminist*innen gegen Geschlechterungleichheit und -diskriminierung in Arbeit, Beschäftigung und in sozialstaatlichen Sicherungssystemen an. Aber nach wie vor werden Frauen in ihren Erwerbsarbeitsverhältnissen Männern gegenüber benachteiligt. So sind die arbeitsbezogenen Ansprüche, die Frauen an den Staat geltend machen können, geringer als jene von Männern und sie sind häufiger von Armut betroffen. Dazu trägt bei, dass viele ihrer Tätigkeiten bis heute kaum als Arbeit anerkannt werden. Dies äußert sich beispielsweise in den schlecht entlohnten und häufig informellen Beschäftigungsverhältnissen im Haushalt oder in haushaltsnahen Bereichen.

Arbeitsam arbeits/arm verweist daher sowohl auf die Prekarität als auch die vielfache Minderbewertung von ‚weiblich‘ konnotierten Tätigkeitsbereichen, die so arbeitsintensiv wie gesellschaftlich notwendig sind. Diese Bewertungen sind eng mit Geschlechterverhältnissen verschränkt, die sich mit anderen Formen und Verhältnissen sozialer Ungleichheit (z. B. Rassismus, Alter, Körper, Klasse) überkreuzen.

  • Wie wurde bzw. wird Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in Arbeitskontexten re/produziert, gefestigt oder verändert?
  • Wie veränderte sich die Bewertung von Tätigkeiten, wenn sie vermehrt von Frauen bzw. von Männern ausgeführt wurden?
  • Welche Rolle spielte Geschlecht in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Bewertung von Arbeit und Lebensunterhalt?
  • Wie waren staatliche, politische, private oder karitative Organisationen und Einrichtungen in diese Kämpfe involviert?
  • Welche Formen des Widerstands und Aktivismus riefen Geschlechterungleichheiten und Diskriminierungen in verschiedenen historischen Kontexten hervor?

Die Möglichkeiten und Strategien zum Lebensunterhalt waren (und sind) auch unter widrigen Bedingungen vielfältig und reichten von Lohnarbeit bis hin zu informellen Tätigkeiten. Dazu gehörte beispielsweise die Aufnahme von Bettgeher*innen in den eigenen Haushalt, das Sammeln, Herstellen, Reparieren und Bewahren von lebensnotwendigen Gütern oder die Pflege von Nachbarschafts- und Freund*innennetzwerken, die materielle Hilfen oder tatkräftige Unterstützung boten. Witwen übernahmen ggf. den Familienbetrieb und sorgten gleichzeitig für Kinder und/oder andere Angehörige. Dienstmägde oder Arbeiter*innen changierten zwischen Dienststellen und anderen Erwerbstätigkeiten und Unterhaltsformen, um Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

  • Wie organisierten Frauen bzw. Männer ihren Lebensunterhalt? Welche geschlechtsspezifischen Möglichkeiten und Bedingungen fanden sie vor?
  • In welchem Verhältnis standen ihre Tätigkeiten zu durchgesetzten Vorstellungen und Praktiken von Arbeit und geschlechtsspezifischen Aufgabenbereichen?
  • Inwiefern handelten sie im Einklang oder im Widerspruch zu gesetzlichen Regelungen und behördlichen Vorgaben?

Organisationsteam:

  • Johanna Gehmacher (Universität Wien), Gabriella Hauch (Universität Wien),
  • Jessica Richter (Institut für Geschichte des ländlichen Raumes/fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte),
  • Tim Rütten (Universität Wien/fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte)
  • Michaela Neuwirth (Universität Wien)

14. Workshop des Forschungsschwerpunkts Frauen- und Geschlechtergeschichte, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien in Kooperation mit Institut für Geschichte des ländlichen Raumes (IGLR), St. Pölten und fernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte

Zum CfP (PDF)