„Brüder, zur Sonne, zur Freizeit“. Das Reich der Freiheit als freie Zeit

Vortrag von Andreas Arndt im Rahmen der Reihe "Die zeitliche Dimension der Muße" des SFB 1015 "Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken" an der Universität Freiburg

Zur Veranstaltungsreihe:

Unsere Gegenwart scheint in besonderem Maß von Phänomenen wie Beschleunigung und Zeitverdichtung geprägt zu sein. Im Ge­genzug wird der Ruf nach Freiräumen der Muße lauter. Muße verweist auf eine Zeit­struktur, die einem rigiden Effizienz denken ebenso entgegensteht wie einer unmittel­baren Verwertungslogik. Offen ist freilich, wie Zeit jenseits temporaler Zwänge er­fahren werden kann. Das Zeitbewusstsein kann im Erleben von Muße verblassen, es kann aber auch intensiviert werden. Die Vortragsreihe widmet sich diesen gesell­schaftlich relevanten Fragen und beleuch­tet die zeitliche Dimension der Muße aus der Perspektive unterschiedlicher Fächer: der Philosophie und Soziologie ebenso wie der Psychologie, der Anglistik sowie der Islamwissenschaft.

Zum Inhalt des Vortrags:

Der gewerkschaftliche Kampf zur Verringe­rung der Arbeitszeit wurde in Anlehnung an ein altes Kampflied der Arbeiterbewegung oft dadurch ironisiert, dass im Text „Freiheit“ durch „Freizeit“ ersetzt wurde. Karl Marx zufolge wäre jedoch beides nahezu iden­tisch. Im Kapital beschreibt er das „Reich der Freiheit“ als den Raum einer freien, selbstbestimmt zu erfüllenden Zeit jenseits der Notwendigkeiten zur Reproduktion des Lebensprozesses. Dieser Bestimmung soll in dem Vortrag nachgegangen werden. Zu fragen ist, was es heißt, Freiheit so zu bestimmen, dass sie raumzeitlich neben der Notwendigkeit verortet wird, und welcher inhaltlichen Be­stimmtheit der Freiraum bzw. die freie Zeit unterliegen muss, um Freizeit nicht nur als leere Zeit, sondern als selbstbestimmte Zeit begreifen zu können.

Ort: Veranstaltungssaal der Universitätsbibliothek, Platz der Universität 2, 79098 Freiburg im Breisgau

Zum Veranstaltungsprogramm (PDF)