Das kreative Selbst – Das Selbst der Kreativen

Vortrag von Andreas Reckwitz aus der Vortragsreihe "Selbst-Beobachtungen" des IfS zu den Frankfurter Positionen 2017

Kreativität ist in der spätmodernen Kultur sowohl zu einem allgegenwärtigen Wunsch der Subjekte als auch zu einem gesellschaftlichen Erwartungskatalog geworden, der an sie herangetragen wird: Man will und soll kreativ sein. Die Ökonomie verlangt von ihren Projektmitarbeitern Kreativität, die Konsumenten sollen und wollen Ko-Kreative sein und psychologische Ratgeber geben Handreichungen, wie sich das kreative Potenzial jedes Einzelnen besser entfalten lässt. Während in der klassischen Moderne das Schöpferische ein Ideal lediglich der Kunst und künstlerischer Subkulturen war, kehrt es sich seit den 1970er Jahren verblüffenderweise in den Anspruch des gesellschaftlichen Mainstreams um. Das soziokulturelle Zentrum dieses kreativen Imperativs ist das urbane ‚kreative Milieu‘, das in den creative industries arbeitet. Der Vortrag widmet sich der Genese und den Strukturen des kreativen Selbst und fragt nach seinen Widersprüchen.

ANDREAS RECKWITZ ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Autor zahlreicher Bücher zur Kulturtheorie und Kultursoziologie der Moderne. 2012 erschien im Suhrkamp Verlag Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung.

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