Demografische Provokationen. Neue Anforderungen an den gesellschaftlichen Zusammenhalt

SOFI-Jahrestagung in Göttingen

Die demografische Entwicklung fordert Gesellschaften heraus – die Bevölkerung altert, Landstriche und Dörfer lichten sich, doch wir sehen auch neue, erhebliche und anhaltende Zuwanderung. Die Entwicklungsrichtung demografischer Prozesse ist nicht klar erkennbar. Prognosen fallen schwer. Die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft wird in Zeiten starken demografischen Wandels zu einem zentralen Thema.

Demografie und Integration sind die Orientierungspunkte der fünften Jahrestagung des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) an der Georg‐August-Universität. Die Jahrestagung thematisiert Orte demografischen Wandels und integrativer Leistung: Betriebe, Arbeitsmärkte, Bildungseinrichtungen und Orte lokaler Daseinsvorsorge. Zugleich konzentriert sich die Veranstaltung auf Südniedersachsen. Die SOFI‐Jahrestagung wird daher erstmals in Kooperation mit dem Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig / Projektbüro „Südniedersachsen“ in Göttingen ausgetragen. Auf diese Weise wird das Spannungsfeld demografischer Herausforderungen und integrativer Ansprüche aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und analysiert. Das Institut setzt sich seit vielen Jahren im Rahmen empirischer Fallstudien mit den arbeitsweltbezogenen und sozialpolitischen Folgen und Herausforderungen des demografischen Wandels auseinander. Die Befunde dieser Forschung treten in Korrespondenz mit regionalen Erfahrungen und gesellschaftspolitischer Praxis.

Vier Panelveranstaltungen bilden das Grundgerüst der Jahrestagung: Im ersten Panel steht die betriebliche Arbeitswelt im Vordergrund. Die Arbeits- und Personalpolitik muss auf neue demografische Herausforderungen reagieren. Wie handeln Betriebe im Spannungsfeld von Alterung und Zuwanderung? Die Integrationsfähigkeit der Erwerbsarbeit steht vor neuen Bewährungsproben. Das zweite Panel nimmt ebenfalls aktuelle Entwicklungen auf und hinterfragt zugleich die Selbstverständlichkeiten der demografiepolitischen Debatte. Welche Effekte hat Zuwanderung? Welche Szenarien der Bevölkerungsentwicklung sind plausibel? Wie wird Migration im lokalen und regionalen Kontext erfahren? Das dritte Panel widmet sich der beruflichen Aus‐ und Weiterbildung, die sich als zentraler Integrationsort der Gesellschaft in besonderem Maße durch Alterung, Abwanderung und Migration herausgefordert sieht. Das Bildungssystem, seine Schulen und Einrichtungen, aber auch seine Akteure und Nutzer verändern sich hinsichtlich der sozialen Herkunft, der Biografien und der Integrations‐Erwartungen an Bildung. Im vierten Panel geht es um Fragen der lokalen Demokratie und ihrer Infrastrukturen. Die demografische Dynamik lässt sich in besonderer Weise in Kleinstadt und Dorf nachvollziehen. Die Herausforderungen liegen auf der Hand: Welche öffentlichen Güter und welche Art der Daseinsvorsorge braucht es, wenn sich ländliche Räume lichten? Oder wie attraktiv müssen soziale Infrastrukturen vor Ort sein, damit die Leute bleiben und neue integrative soziale Effekte entstehen? Eine Diskussionsrunde unter Beteiligung der niedersächsischen Staatskanzlei wird abschließend wissenschaftliche Befunde und politischen Handlungsbedarf zusammenführen.

Tagungsort: Alfred‐Hessel‐Saal, Historisches Gebäude der SUB Göttingen

Weitere Informationen

Zum Programm

Verbindliche Anmeldung bis zum 09. September 2016, Anmeldeformular per E‐Mail an Erika Beller: erika.beller@sofi.uni‐goettingen.de