Die Gelbwestenproteste in Frankreich

Vortrag am Centre Marc Bloch in Berlin in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt Universität zu Berlin

Der Vortrag von Yves Sintomer (Univ. Paris VIII) wird eingeführt von Dr. Anja Röcke (HU Berlin). Er wird auf deutsch gehalten.

Die Gelbwesten-Bewegung hat 2018 und 2019 Frankreich erschüttert und der Dynamik des Präsidenten Macron einen klaren Dämpfer versetzt. Die große Stärke der Bewegung lag in ihrer Neuheit: Sie organisierte sich entlang der französischen Kreisverkehre, wirkte in den sozialen Netzwerken und lehnte das Gespräch mit Gewerkschaften und politischen Organisationen ab; ihr wichtigstes Terrain waren die ländlichen Gegenden und städtischen Peripherien, die bisher kaum mit derartigen Protesten in Berührung gekommen waren; sie machte ihre Anliegen an symbolträchtigen Orten wie den Champs Elysées stark, und ihre Protestaktionen, mit denen sie sich für eine direkte oder partizipative Demokratie einsetzte, wurden von der Polizei zerschlagen. Was machte diese Bewegung aus? Wie lässt sie sich aus soziologischer Sicht erklären, und welche Auswirkungen hatte sie? Ist der große Gewerkschaftsstreik gegen die Rentenreform vom Dezember 2019 und Januar 2020 als Weiterführung der Gelbwesten-Proteste oder im Gegenteil in Abgrenzung zu ihnen zu verstehen? Was sagt die Gelbwesten-Bewegung über die sozialen Spaltungen in Frankreich, aber auch allgemeiner in den westlichen Gesellschaften aus?