Überbordende Erwartungen – gezähmte Praktiken? Arbeit in und an der Digitalisierung

„Work in Progress VI“-Tagung am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V. am 28. und 29. November 2019

Lange hat kein Thema wissenschaftliche und gesellschaft­liche Diskussionen über sozioökonomischen Strukturwandel und die Zukunft der Arbeit so dominiert wie „Digitalisie­rung“. Die daran geknüpften Erwartungen an die Entwick­lungsperspektiven von Arbeit sind sowohl hinsichtlich der Reichweite als auch der Wirkungsrichtung widersprüchlich und uneinheitlich. Einerseits werden eine Verbesserung
von Arbeitsbedingungen, wachsende Gestaltungsfreiräume oder eine Aufwertung von Tätigkeiten betont. Andererseits werden massive Beschäftigungsverluste, eine verstärkte Polarisierung von Arbeits­ und Beschäftigungsbedingungen oder eine Zunahme arbeitssituativer Probleme befürchtet. Zur Verunsicherung über den eingeschlagenen Entwick­lungspfad und seine Folgen für das deutsche Wirtschafts­ und Sozialmodell trägt zudem bei, dass die Technologie­ erwartungen und der Status Quo der Technologieumsetzung in Unternehmen und Betrieben stark auseinanderfallen.
Vor diesem Hintergrund zielt die Tagung zum einen auf eine Bestandsaufnahme und richtet sich auf eine Reihe offener Fragen zur Arbeit in der Digitalisierung: Wohin transformiert die „digitale Transformation“ und mit wel­chen Arbeitswirkungen? In welche Richtungen entwickeln sich Arbeitsformen und ­-bedingungen? Wo kommt es zu weitreichenden Veränderungen und welche Beschäftigten­ gruppen und gesellschaftlichen Akteure sind in welcher Weise betroffen? Welche Handlungsbedarfe für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwachsen hieraus?

Zum anderen erfolgt Digitalisierung im Rahmen sozial ein­ gebetteter Entwicklungspfade und Strategien. Diese bilden sich im Zusammenspiel unterschiedlicher gesellschaftlicher sowie branchen- und unternehmensspezifischer Arenen heraus, in denen – so die Hypothese der Tagung – Entwicklungsdynamiken von Digitalisierung und Arbeit betrieblich und gesellschaftlich geformt werden. Daher widmet sich die Tagung zugleich auch der Arbeit an der Digitalisierung, an der vielfältige Akteure in Betrieben, in Verbänden, auf Arbeitsmärkten und in der Politik beteiligt sind.

Die Tagung will mit der Frage nach der Arbeit in und an der Digitalisierung nicht nur eine Diskussion über Einflussfaktoren der Digitalisierung anstoßen, sondern die wissenschaftlichen Befunde auch für die aktuellen gesellschaftlichen Debatten über die Zukunft der Arbeit fruchtbar machen und so Orientierungswissen für betrieb­liche und gesellschaftliche Akteure bereitstellen.

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