"Drinnen und draußen" Akademisierung der Kritischen Theorie – Kritische Theorie der Akademisierung

Öffentliche Tagung am 25. und 26. Januar 2020 in Gießen

Hinweis: wegen des Cyber-Angriffs auf die JLU Gießen gibt es eine neue Mailadresse für die Tagungsanmeldung: drinnen-und-draussen(at)posteo(dot)de 

Auch wer es an der Universität heute schafft, mit oder bloß »über« Adorno, Horkheimer, Benjamin oder Marcuse zu arbeiten, wird seinem Tun Formen verleihen, deren Widerspruch zum Inhalt nur schwer zu verdrängen ist: Er wird »netzwerken«, Produktivität ausstellen und ein instrumentelles Verhältnis entwickeln zum eigenen Gegenstandsinteresse ebenso wie zu seinen Kolleginnen und Kollegen, die ihm zur Konkurrenz oder zur Seilschaft werden.

Kritische Theorie mit ihren erkenntnistheoretischen Parteinahmen für das Nicht-Durchsetzungsfähige, das tastend-Essayistische und das dem Produktivitätsfetisch Entronnene ist als Siegergeschichte in diesem Laden unwahrscheinlich. In einem Betrieb der Gleichgültigkeit gegenüber den Sachen im Namen der »Kompetenz« und drittmittelfähiger Moden, unter der Nötigung zur Selbstanpreisung angesichts der jeweils nächsten Begutachtung, stellt sich die alte Frage, ob die Universität der richtige Ort für Kritische Theorie ist, verschärft und verwandelt neu.

Jedoch: Als Trostveranstaltung für das Sich-Besser-Wähnen der Outsider ergeht es Kritischer Theorie nicht besser. Die Aporien Kritischer Theoretiker und Theoretikerinnen, die draußen bleiben, sind nicht harmloser als jene drinnen. Wo Kritische Theorie sich in außerakademische Lesekreise, an die Theater, ins Feuilleton oder gleich in die Privatgelehrsamkeit und die prekäre Lumpenintellektualität zurückzieht, da wird sie – wenn nicht ohnehin materiell unmöglich – häufig geschlagen mit Dilettantismus und dem Ressentiment des Zur-Kurz-Gekommenen. Skepsis gegen die Selbststilisierungen und Produkte der Draußenbleiber und Draußengehaltenen ist also ebenso angebracht wie gegen die Rationalisierungen der Mitmacher drinnen.

Die Tagung bietet Raum für das Nachdenken über Aporien Kritischer Theorie drinnen und draußen – sie richtet sich an Menschen, die sich studierend, lehrend, auf die Professur schielend im Betrieb bewegen und an solche, die es bleiben lassen. Die Beiträge vergegenwärtigen unterschiedliche Stellungen historischer Kritischer Theorie zum Problem der Akademisierung. Sie konfrontieren die alten theoretischen Intentionen mit dem neuesten Betrieb und dessen verinnerlichten Niederschlägen.

Lässt es sich verhindern, dass die eigenen Sachen hier betriebsförmig zugerichtet werden? Wo lenkt Betriebskritik bloß ab von der eigenen theoretischen Schwäche? Welche Forderungen stellt Kritische Theorie an Lehre, an glückende Seminare, trotz alledem? Wie könnte eine Kritische Theorie veränderter geistiger Verhaltensweisen der Universitätsinsassen aussehen, wenigstens in Rudimenten? Unter welchen Bedingungen gelingt Kritik »draußen« besser? Und was vom schlecht antiakademischen Draußen regiert längst auch das Drinnen?

Veranstaltungsort:

Alte Universitätsbibliothek
Bismarckstraße 37, Raum AUB2

Anmeldung bis zum 10.1.2020 an: drinnen-und-draussen(at)posteo(dot)de 

(Alle E-Mail-Adressen der JLU Gießen, auch die ursprüngliche Tagungsadresse, sind wegen eines Cyber-Angriffs seit dem 7.12. für unbestimmte Zeit abgeschaltet – Mails, die nach dem 6.12. an die alte Adresse verschickt wurden, konnten nicht zugestellt werden.)

Veranstaltet vom studentischen Arbeitskreis Gastprofessur und Dennis Wutzke, Gastprofessor für Kritische Gesellschaftstheorie am Fachbereich 03 der JLU Gießen, Tagung ermöglicht mit Mitteln des FB 03, in Kooperation mit dem Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi), Abendveranstaltung mit Unterstützung des AStA.

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