Familie – Raum – Identität: Theoretische und empirische Zugänge nach dem Spatial Turn

Workshop des DoktorandInnen-Netzwerks der Schumpeter-Forschungsgruppe „Multilokalität von Familie“

Während der Spatial Turn in den Sozialwissenschaften bereits vielfältige Diskussionen über den Zusammenhang von Gesellschaft und Raum angestoßen hat, scheint die Frage, was wir mit Hilfe der Kategorie „Raum“ in ihren unterschiedlichen Lesarten über Familie lernen können, bislang wenig beleuchtet zu sein. Dabei finden sich empirische Hinweise, die auf einen veränderten gesellschaftlichen Umgang mit Raum schließen lassen und die Frage aufwerfen, welche Konsequenzen dies für Vergemeinschaftungsprozesse in Familien hat.

So ist beispielsweise multilokales Familienleben als Familienalltag über mehrere Wohnstandorte hinweg als Folge des sozioökonomischen Wandels zur empirisch relevanten Lebensform der Spätmoderne geworden. Steigende Scheidungsraten sowie die Mobilisierung der Arbeit sind zwei der Entwicklungen, die diesen Prozess maßgeblich tragen und dazu führen, dass das gemeinsame Leben an nur einem Wohnort keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Während die Familienforschung die Familie lange Zeit durch die Brille des gemeinsamen Haushaltes untersucht hat, ist sie nun aufgefordert, neue Perspektiven zu entwickeln, die den sich ändernden und pluralisierten Arrangements Rechnung trägt. Nicht zuletzt geht es auch darum, den Spatial Turn für die Familienforschung fruchtbar zu machen und dabei u.a. die Frage zu diskutieren, ob nicht Familie überhaupt ein territoriales Konzept darstellt, wie Doreen Massey (2005) andeutet.

In dem Workshop widmen wir uns sowohl theoretisch-konzeptionellen wie auch methodisch-methodologischen Fragen, die sich mit An- und Abwesenheiten in Familien, mit der Ästhetisierung von und Bedeutung der sinnlichen Dimension für Familienalltag, mit diskursiv hergestellten und ethnographisch erkundeten Familien-Räumen befassen. Vorgestellt werden empirische Arbeiten, die sich in ihrer Perspektive auf die Verbindung von Familie und Raum unterscheiden und je eigene theoretische und methodische Zugänge vertreten. Diese Vielfalt bietet den Ausgangspunkt für eine disziplinübergreifende Diskussion, die künftige Forschungsfelder erschließt und danach fragt, was die Familienforschung durch solcherlei „Raumreflektionen" gewinnt.

Zur Anmeldung (bis 25.09.2016), zum Programm und weiteren nützlichen Informationen.