Geschichtspolitik und neuer Nationalismus im gegenwärtigen Europa

Symposium in Berlin

Die Geschichtspolitik ist in den letzten Jahren in vielen Ländern Europas in Bewegung geraten. Im Kontext eines neuen Nationalismus hat Geschichte für die Legitimation politischer Positionen an Bedeutung gewonnen. Das hat zugleich zur Folge, dass staatliche Instanzen stärker in Geschichtsdeutungen eingreifen. Die Interventionen gegen das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig zeugen davon.

Zugleich setzt sich eine Abwehr gegen das vermeintlich elitäre, nicht legitimierte Europa durch. Von Polen bis hin zur Türkei werden dabei nationalistische Lesarten der Geschichte gefördert, die die Erfolge des eigenen Landes und der heimischen Kultur unterstreichen und in erster Linie der Legitimation der jeweiligen Regierungspolitik dienen. Zugleich provozieren rechtspopulistische Parteien und Strömungen mit Vergangenheitsdeutungen, die auf Homogenisierung im Innern und Abschottung nach außen hinauslaufen. Die lange Zeit dominierende Fortschrittserzählung hin zu der Überwindung von Totalitarismen, einer europäischen Einigung und einer offenen Gesellschaft tritt dagegen in den Hintergrund.

Die Folge ist, dass besonders in Ost- und Mitteleuropa harte Debatten über die Ausgestaltung von Museen und Forschungseinrichtungen, Schulbücher, Gedenkstätten und Denkmäler aufkommen, in Bereichen also, in denen der Staat ein Eingriffsrecht beanspruchen zu können glaubt.

Das Symposium diskutiert diese aktuellen Geschichtspolitiken, die insbesondere von staatlicher Seite ausgehen, im europäischen Vergleich. Ausgangspunkt der Debatten bilden direkte politische Regulierungen und besonders Vorgaben für Museen und Gedenkstätten. Dabei ermöglicht die Veranstaltung einen Dialog zwischen unterschiedlichen Akteur_innen der Länder und wissenschaftlichen Expert_innen zu diesen Regionen. Über eine Bestandsaufnahme hinaus fragt es nach möglichen Formen zur Lösung der Konflikte über die Vergangenheit.

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