Grenzforschung am Schnittpunkt von Fächergrenzen

Herbstschule des Centre Marc Bloch und der Humboldt-Universität zu Berlin vom 21. bis zum 23. Oktober 2020 in Berlin

Die Herbstschule richtet sich an Doktorand_innen eines breiten Fächerspektrums (Soziologie, Geschichte, Geographie, Philosophie, Rechts-, Erziehungs und Politikwissenschaften, Linguistik u.a.) und will somit das Konzept von „Grenzen“ am Schnittpunkt von Fächergrenzen und in einem komparativen deutsch-französischen Zugriff sowie aus einer europäischen und internationalen Perspektive überdenken.

„Grenze“ soll einerseits als räumliches, territoriales, administratives und politisches Konzept begriffen werden – wie die Ausdehnung und Souveränität von Territorien (wie Städten, Staatsnationen, Föderationen, Regionen usw.) –, aber auch im übertragenen und metaphorischen Sinn als Trennung zwischen zwei Gruppen (soziale Klassen, Geschlecht, sprachliche, religiöse und ethnische Gruppen) oder zwischen verschiedenen Sphären (Familie vs. Arbeit, privater vs. öffentlicher Raum).

Dies impliziert sichtbare wie unsichtbare Grenzen, eingebildete oder vorhandene sowie Innen- und Außengrenzen. Wir interessieren uns für räumliche Rekonfigurationen durch Grenzziehungen, insbesondere für die Konsequenzen von Grenzüberschreitungen und das Wechselspiel von Akteuren und Institutionen bei der Produktion und Kontrolle von Grenzen. Außerdem sollen akademische Fächergrenzen thematisiert werden: Wie zirkuliert Grenzforschung zwischen den Disziplinen und innerhalb unterschiedlicher nationaler Wissenschaftskulturen?

Die Herbstschule teilt sich in drei Arbeitsbereiche :

1) Räumliche, territoriale, administrative und politische Grenzen
Dieses Panel fragt danach, wie derartige Grenzen definiert, konstruiert und überwacht werden. Wer hat hier das Deutungs- und Kontrollrecht und mit welchen Konsequenzen für Migrationsprozesse und Mobilität? Fokussiert wird die Akteursebene bei der Definition und Beibehaltung von Grenzen, aber auch die biographischen Konsequenzen für diejenigen, die sie überwinden wollen.

2) Soziale, performative und metaphorische Grenzen
Im zweiten Arbeitsbereich werden Altersgrenzen im Generationenvertrag, Grenzen zwischen Gattungen, Klassen, sprachlichen und/oder religiösen Gruppen und vorgestellten Ethnien thematisiert. Spannend sind hier Interaktionen zwischen Gruppen und Institutionen im Prozess der Kategorisierung, Definition und Kontrolle von Grenzen, aber auch Störeffekte und räumliche Rekonfigurierungen aus einer intersektionellen Perspektive sowie Doppelungen von räumlichen und sozialen Grenzen und ihre Inkohärenzen: Wie zum Beispiel muss sich ein junger Migrant in seinem Herkunftsland als Volljähriger und im Zielland als Minderjähriger ausgeben, um seinen Reiseweg zu vereinfachen?

3) Grenzen zwischen den Disziplinen und akademischen Kulturen
Der dritte Arbeitsbereich adressiert unterschiedliche disziplinäre Zugänge zur Grenzforschung zwischen Soziologie, Geographie, Politik-, Rechts-, Sprach- und Erziehungswissenschaft und Philosophie. Wie gestaltet sich fächerspezifisch der methodologische Zugriff auf räumliche Rekonfigurationen, die durch Grenzen ausgelöst werden? Wie wirkt sich Interdisziplinarität auf die Zirkulation von Methoden und Konzepten über Fächergrenzen hinweg aus? Von Interesse sind hier auch wissenschaftskulturelle Unterschiede im Hinblick auf Grenzforschung zwischen Frankreich, Deutschland, Europe sowie im globalen Vergleich.

Die zweieinhalbtägige Herbstschule findet in Berlin statt, im Centre Marc Bloch und an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Programm besteht aus Plenarvorträgen und Arbeitsgruppen mit aktiven Gestaltungsmöglichkeiten für die Doktorand_innen (Feldfoschung, Textproduktion, Präsentationen).

Arbeitssprachen sind Französisch, Deutsch und Englisch. Erwartet wird die aktive Beherrschung einer und die passive Beherrschung aller drei Sprachen. Bei Bedarf können zwei ECTS erworben werden.