Handeln = Herstellen? Unterwegs zu einem postpoietischen Paradigma

Gründungsworkshop für die AG Postpoietisches Paradigma

Am 2. und 3. Februar 2018 findet an der Universität Duisburg-Essen ein Gründungsworkshop für die AG "Postpoietisches Paradigma" statt. Organisiert wird der Workshop von PD Dr. Takemitsu Morikawa (Universität Luzern, Soziologisches Seminar) und Dr. Christian Dries (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Soziologie).

Menschen handeln. – Das scheint evident, wenn auch in Philosophie und Soziologie zum einen der Begriff des Handelns oft infrage gestellt und zum anderen versucht wird, den Anwendungsbereich dieses Begriffs auf Natur und Artefakte zu erweitern. Handeln bedeutet innerhalb der akteursorientierten soziologischen Theorien üblicherweise das zielgerichtete, intentionale Verhalten. In diesem Modell – in der philosophischen Tradition poiesis genannt – wird der Sinn des Handelns mit dem zu realisierenden Zweck identifiziert.

Es war Martin Heidegger, der bemerkte, dass dieses als selbstverständlich angenommene Modell des Handelns als poiesis mit zwei anderen Annahmen zusammenhängt: Erstens dem Sein als Hergestellt-Sein und Vorhanden-Sein; zweitens der linearen Zeitvorstellung. Die lineare Zeit als Kontinuum ist zugleich eine unentbehrliche Voraussetzung für die kausale Erkenntnis und die kausale Zurechnung. Max Webers Beharren auf der kausalen Erkenntnis und das Zweckhandeln als soziologische Grundkategorie sind die beiden Seiten derselben Medaille. Seitdem versuchte die soziologische Handlungstheorie mehrere Korrekturen an diesem poietischen Paradigma, die wesentliche Bestimmung blieb jedoch intakt.

Ausgehend von dieser Problemlage wird die Gründung einer neuen Arbeitsgruppe in der Sektion Kultursoziologie angestrebt, die sich der Rekonstruktion und Erforschung des postpoietischen Paradigmas als Alternative zum poietischen Paradigma der Handlungstheorie widmet. Der geplante Gründungsworkshop strebt eine möglichst breite und systematische Ideensammlung bzw. Problemformulierung an.

Hier geht es zum vollständigen Text des CfPs.

Und hier geht es zum Programm (PDF).