In Education We TRUST? Vertrauen in Bildung und Bildungsmedien

Jahrestagung 2020 des Georg Eckert Instituts. Deadline: 30. September 2019

Vertrauen ist eine Grundbedingung – oder genauer: Hintergrundbedingung – menschlichen Zusammenlebens und zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass es in der Form einer scheinbaren Selbstverständlichkeit zumeist implizit oder latent bleibt. Sobald Vertrauen in institutionellen Kontexten oder in zwischenmenschlichen Beziehungen explizit thematisiert wird, kann gerade dadurch der Verdacht entstehen, dass es an Vertrauen fehlt.

In der heutigen, vielfach als (digitale) Wissens- und Informationsgesellschaft apostrophierten modernen Gesellschaft ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung und gleichzeitig eine grundlegende Herausforderung. Dies manifestiert sich unter Schlagworten wie „Fake News“ oder „Fake Science“ in aktuellen gesellschaftlichen Debatten um die Unterminierung von Vertrauen in Politik, (sozialen) Massenmedien, Wissenschaft, Wirtschaft sowie in Institutionen und Organisationen. Über diese vor allem inhaltliche Dimension hinaus erlangt die Frage des Vertrauens im Hinblick auf technische und digitale Infrastrukturen eine zunehmende gesellschaftliche Bedeutung.

Die GEI Jahrestagung 2020 „In Education We TRUST? Vertrauen in Bildung und Bildungsmedien“ greift eine in der Bildungsforschung relativ neue Forschungsdebatte auf. Unterschiedliche (trans-)disziplinäre Perspektiven auf die vielfältigen Dimensionen von Vertrauen in schulische Bildung und Bildungsmedien sollen zusammengeführt werden, um die variierende Bedeutung und potenziell widerstreitende Beurteilung von Vertrauen – wie zum Beispiel als „notwendiges“ oder aber „blindes“ Vertrauen – sowie dessen wahrgenommene Kontingenz bzw. Abwesenheit in neuartigen Zusammenhängen zu beleuchten.

Beiträge befassen sich mit folgenden Schwerpunkten des Tagungsthemas:

  1. Vertrauen in Schule und schulische Bildungsmedien als staatlich autorisierte Instanzen der Sozialisation und Wissensvermittlung. Dies betrifft sowohl die zentralen Institutionen der schulischen Bildung als auch das Handeln und Erleben von Akteuren und Subjekten.
  2. Vertrauen in durch schulische Bildung und Bildungsmedien vermitteltes Wissen. Gefragt wird nach Vertrauen als diskursiver Ressource der Selbstvergewisserung und Selbstbehauptung (auch gegenüber einem Anderen oder einem Außen) – sei es bezogen auf als wissenschaftlich fundiert geltendes Wissen, auf durch Sozialisation eingeübte Konventionen als „Selbstverständlichkeiten“ und auf tradierte Weltbilder oder im Sinne von religiösem Glauben und weltanschaulich motivierten Überzeugungen.
  3. Vertrauen im Kontext der Aneignung oder Rezeption von schulischer Bildung und Bildungsmedien. Untersucht werden sollen neben den Aneignungsformen schulischen Wissens die vielfältigen Prozesse der Autorisierung, Legitimation und Delegitimation von Wissen auch im Zusammenhang mit konkurrierenden Instanzen und Medien der Wissensvermittlung und Informationsbeschaffung.
  4. Vertrauen in die Kontrolle, Evaluation und Qualitätssicherung von Bildungsprozessen und Bildungsmedien. Einen zentralen Schwerpunkt bilden dabei die Herausforderungen von (Post-)Digitalität und Datafizierung im schulischen Bereich.
  5. Vertrauen in den Forschungsprozess und dessen Ergebnisse. Dies betrifft die im Forschungsprozess genutzten Infrastrukturen und gewonnenen Forschungsdaten, die Validität der Ergebnisse sowie deren Publikation und Dissemination. 

Die Tagung findet vom 3. bis 5. Juni 2020 in Braunschweig statt. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Reise- und Übernachtungskosten der Referierenden werden vom Georg-Eckert-Institut übernommen.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Dr. Marcus Otto (otto(at)leibniz-gei(dot)de).

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