Konstruktion des Sozialen

Postdoc-Workshop an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Der Postdoc-Workshop bringt Nachwuchsforschungen zur Konstruktion des Sozialen ins interdisziplinäre Gespräch mit der Figurationstheorie von Norbert Elias. Als Hintergrund fungiert die aktuelle Theoriediskussion zur Sozialontologie (JANSEN 2017; SEARLE 2011; TUOMELA 2007 & 2013), die nach den Bedingungen fragt, „wie wir die soziale Welt machen“ (SEARLE 2017).

Der Soziologe Norbert Elias (1897–1990) versucht mit dem Figurationsprozess, die eigendynamische und wechselseitige Angewiesenheit (Interdependenz) von Individuen als grundlegendes Phänomen zu verstehen. Figuration kann als epistemologische Kategorie genutzt werden, um das Beziehungsgeflecht von untereinander abhängigen Individuen zu untersuchen. Die Analyse von Figurationen hilft dabei, Gruppenstrukturen mit denen von individuellen Verhaltens- und Identitätsstrukturen zu verbinden, sowie den Wandel solcher Strukturen zu untersuchen. Individuen und Gruppen existieren in sich verändernden Kontexten, die nur als Geflecht und in Abhängigkeit voneinander (interdependent) gedacht werden können. Denn das Wesen jeder sozialen Gemeinschaft stellt nach Elias die Beziehung zwischen Menschen dar und prägt deren Identitätskonstruktionen.

Anhand von Figurationen können die soziale Raumzeit (WEIDENHAUS 2015; NOWOTNY 1993), sowie Identitätsfragen sichtbar und lesbar gemacht werden. Durch das heuristische Instrument der Figurationstheorie wird es möglich, die ästhetisch-kognitiven Inszenierungsstrategien (z.B. mit ihren Konservierungsfunktionen, Vergegenwärtigungsfunktionen und Verdichtungsfunktionen) der Selbstperformativität von Individuen und Gruppen stärker in den Blick zu nehmen.

Im Workshop wird anhand der Forschungsprojekte gefragt, ob und wie Figurationen als heuristisches Mittel dienen können, um fiktionale und nicht-fiktionale Begründungsfiguren von Identitäten zu analysieren. Inwiefern können Figurationen in bildlichen und argumentativen Formen der kulturellen Selbstbeschreibung als Analysemittel in der Projektarbeit genutzt werden?

Zielsetzung:

Im Workshop wird die Figurationstheorie von Norbert Elias als methodisches Instrument erarbeitet, um nach ihren Anschlussmöglichkeiten für theologische, religionswissenschaftliche, kulturwissenschaftliche und soziologische Forschungsperspektiven zu fragen.

Arbeitskonzept:

Der Workshop gliedert sich in drei Phasen:

(I) Gemeinsame Lektüre von Texten zur Figurationstheorie;

(II) Vorstellung und Diskussion von Forschungsprojekten und Thesen zu möglichen Anschlüssen an die Figurationstheorie der Teilnehmenden;

(III) Evening Lecture des/der Meisters/Meisterin.

Im Vorfeld wird ein Reader (ca. 100 Seiten) mit einschlägigen Texten zur Figurationstheorie erstellt und an die Teilnehmer verschickt.

Zeitpunkt: 4./5. Februar 2020

Programm:

4. Februar 2020

   13:30 Begrüßungskaffee

   14:00 – 14:30 Begrüßung, Vorstellung und Einführung ins Thema | Dr. M. Held, Dr. M. Sauer

   14:30-16:00 Gemeinsame Lektüre und Diskussion der Figurationstheorie

   16:00-16:30 Kaffeepause

   16:30-18:00 Diskussion der Thesen der Teilnehmenden mittels Fishbowl-Methode Gelegenheit zum Abendessen

   18:00-20:00 Gelegenheit zum Abendessen

   20:00-21:30 Evening-Lecture mit Diskussion | Prof. Dr. Thomas Alkemeyer

5. Februar 2020

   09:30-11:00 Projektpräsentationen I-III

   11:00-11:30 Kaffeepause

   11:30-13:00 Projektpräsentationen IV-VI

   13:00-14:30 Gelegenheit zum Mittagessen

   14:30-16:00 Projektpräsentationen VII-IX

Kontakt:

Marcus Held

Institut für Evangelische Theologie

Karl-Glöckner-Str. 21, D-35394 Gießen, Haus H, Raum 219a

Marcus.Held(at)evtheologie.uni-giessen(dot)de

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