Kreuzung Stettin – Schreiben über Städte. Ein deutsch-polnischer Literaturworkshop

Viertägiger Workshops in Stettin

Urbanität und Identität gehören heute eng zusammen. In einer postindustriellen Gesellschaft mit ihrer zunehmenden Entgrenzung durch neue Medien und Technologien gibt es ein immer größeres Bedürfnis nach einer raumbezogenen Identität. Eine Renaissance der Städte in Europa ist daher nicht von der Hand zu weisen.

Stadtgeschichte und Geschichten über und in Städten sind ein unverzichtbarer und spannender Zugang zu urbanen Identitäten und Diskursen. Für Städte und Regionen im östlichen Europa gilt das im besonderen Maße, die durch ihren Palimpsestcharakter vor besonderen Identitätsproblemen stehen. Ihre mehrfach gebrochene und teils amnestische Vergangenheit drückt sich nicht selten in einem diffusen Verhältnis der Bewohner zur eigenen Stadt und in komplexen urbanen Diskursen aus. Exemplarisch stehen für solche schwierigen Beziehungen zur eigenen Vergangenheit die west- und nordpolnischen Städte, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs zum polnischen Staat gehören: Danzig/Gdańsk, Breslau/Wrocław oder Stettin/Szczecin.

Stettin, von Berlin drei Bahnfahrtstunden entfernt, wird wiederum im nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen Polen und Deutschen oft durch Breslau oder Danzig abgehängt. Die schwierige Identitätsfindung der Stadt nach 1945 ist immer wieder Thema in den Werken bekannter polnischer und deutscher Publizisten (Bogdan Twardochleb, Inga Iwasiów, Artur Daniel Liskowacki, Katarzyna Weintraub, Jan Musekamp und viele weitere). In der Reihe Potsdamer Bibliothek östliches Europa – Geschichte wird dazu noch im Herbst diesen Jahres ein weiterer Band mit Beiträgen namhafter Autoren erscheinen. Dieses Buch soll den Ausgangspunkt für eine Veranstaltung zu urbanen Identitäten im östlichen Mitteleuropa markieren und Anregung sein, städtische Identitätsdiskurse aufzuspüren und mitzugestalten.

Studierende aller Fachrichtungen (Kulturwissenschaften, Urbanistik, Regionalplanung, Tourismus, Geschichte etc.) aus Deutschland und Polen werden zu einer zweisprachigen Literaturwerkstatt in Stettin eingeladen. Das Thema der Werkstatt lautet »Schreiben über Städte«.

Bei Interesse an einer Teilnahme bitte Bewerbung, bestehend aus Anschreiben und kurzem Lebenslauf (Biogramm), mit dem Betreff »Kreuzung Stettin« bis zum 24.07.2016 an Jonas Grygier: grygier@kulturforum.info.

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