Kulturen der Menschlichkeit im Wandel – Menschenrechte und Menschenbilder im 21. Jahrhundert

Konferenz an der Universität Vechta

Begründung: Die kritische Auseinandersetzung mit dem Humanismus, aber auch poststrukturalistische und posthumanistische, systemtheoretische und kulturalistische Diskurse haben in den letzten Jahrzehnten das beschleunigt, was Friedrich Tenbruck als Herauskürzen des Menschen aus unseren Sprachen beklagte. In den wissenschaftlichen und auch in den allgemeineren gesellschaftlichen und politischen Diskursen beginnen Menschenbegriffe und Menschenbilder allerdings langsam wieder eine etwas größere Rolle zu spielen.

Angesichts unterschiedlicher Problemlagen, die sich in unseren Gesellschaften manifestieren und die von den Sozial- und Geisteswissenschaften in der ein oder anderen Weise aufgenommen werden, artikuliert sich auch die Frage nach dem Menschen. Das Wiederaufleben menschenverachtender Politik inmitten der sogenannten „Kernländer der Demokratie“, die fragwürdig gewordenen sozialen Beziehungen sowie die Beziehungen der Menschen zu ihren nicht-menschlichen Umwelten, die auf globaler Ebene für immer mehr Gewalt und eine beschleunigte Umweltzerstörung sorgen, die wachsende Bedeutung identitärer Abgrenzungsbestrebungen, all diese anhaltenden, wiederkehrenden und sich verstärkenden Krisenphänomene lassen sich nur sinnvoll analysieren, wenn es gelingt, der ebenfalls zunehmenden Fragmentierung des Wissens und der gesellschaftlichen Lebensformen entgegenzusteuern und Orientierungs- und Sinnofferten zu entwickeln, die den Menschen auch normativ als Ganzen in den Blick nehmen.

Ziele: Dieser Aufgabe soll sich diese Tagung widmen, indem sie versucht, Begriffe vom Menschen und Menschenbilder zusammenzutragen, die sich in unterschiedlichen Kontexten entwickelt haben und entwickeln. Erinnert werden sollen historische Vorlagen, aber auch aktuelle Debatten sollen analysiert werden. Ob es dabei um die unter dem Stichwort des Anthropozän geführten Diskussionen, Debatten über alternative Formen der menschlichen Sozialität, um Aspekte des Gender- und Diversitätsverständnisses, um soziale Normvorstellungen, kulturelle Imaginationen, kollektive Erfahrungen oder um die vielschichtigen kognitiven und ethischen Konsequenzen digitaler Kommunikations- und Informationstechnologien geht, all diese Beispiele zeichnen sich nicht zuletzt dadurch aus, dass die in ihnen artikulierten Vorstellungen vom Menschen nicht in einer essenzialistischen Anthropologie verankert sind, sondern gleichsam neuverhandelt werden.

Unsere Tagung möchte sich mit diesen Tendenzen beschäftigen. Sie will Diskussionszusammenhänge aus historischer und aktueller Perspektive rekonstruieren, in denen Vorstellungen vom Menschen verhandelt werden. Es soll darum gehen, die häufig impliziten Menschenbegriffe und Menschenbilder so aufzubereiten, dass sie auch politische und soziale Relevanz bekommen.

Vorgehen: Die Veranstaltung richtet sich an alle Disziplinen der historisch und gesellschaftlich arbeitenden Kultur- und Sozialwissenschaften und zielt auch auf die Beteiligung des wissenschaftlichen Nachwuchses ab.

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