Lange Nacht der Sozialforschung

Vorträge, Konzert und Ausstellung

Die Beobachtung des eigenen Selbst ist in einer Kultur der Selfies und des Selftrackings zur alltäglichen ­Praxis geworden: Gewollt oder ungewollt sind Menschen andauernd mit ihrem Selbst befasst, das es zu behaupten, zu entfalten, zur Darstellung zu bringen, zu kontrollieren, zu optimieren und zu verwerten gilt. Die Vorträge im Rahmen der Langen Nacht der Sozialforschung nehmen dieses sich im digitalen Netz zunehmend selbst beo­bachtende Selbst seinerseits noch einmal wissenschaftlich beobachtend in den Blick; vor dem Hintergrund seiner historischen Genese fragen sie nach seinen aktuellen Wandlungen, nach seinen emanzipatorischen Potentialen und seinen Gefährdungen, nach Praktiken der Selbstsorge und Phänomenen der Selbstflucht, nach der Anerkennungsbedürftigkeit des Selbst ebenso wie nach den Pathologien des Narzissmus.

Welche Effekte haben etwa die sozialen Netzwerke und Dating-Plattformen auf die sich ständig selbst beobachtenden und zur Beobachtung freigebenden Subjekte und ihre Selbstverhältnisse? Welche Veränderungen in ihren Verständnissen von Freundschaft und Liebe sind mit diesen Formaten verbunden? Welche Auswirkungen hat die informationstechnische Aushöhlung des Privaten in einer digitalisierten Gesellschaft auf das Netz sehr unterschiedlicher sozialer Beziehungen, die das Leben der Einzelnen prägen? Neben solchen, die digitalen Technologien in ihren Formaten und Nutzungen betreffenden Entwicklungen werden auch Phänomene eine Rolle spielen, die mit jenen Technologien in enger Wechselwirkung stehen, ohne aber auf sie reduziert werden zu können. Zu denken ist dabei etwa an die Vermarktlichung des Subjekts in einer massenaffinen Individualitätskultur, an den Zwang zur permanenten Selbstoptimierung, an die Bedeutung quantifizierender und taxonomisierender Beobachtungen des Selbst, an die Zurichtung des Selbst in einer pharmakologisch-­pornographischen Ästhetik oder auch an die Selbstkonzepte, die in den digitalen Formaten prominente Bühnen erhalten: vom performativen Virtuosen bis hin zum gewaltbereiten Täter.

Diese und andere Phänomene werden in der Langen Nacht der Sozialforschung untersucht: Soziologisch werden Kai Dröge und Olivier Voirol dem Internetdating nachgehen, Eva Illouz wird das das Selffashioning erklären und Uwe Vormbusch die Wege des Selftracking nachzeichnen. Die Medienwissenschaftlerin Olga Goriunova wird sich den digitalen Erscheinungsformen der Kunst widmen. Weitere Positionen besetzen unter anderem die Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mercedes Bunz, die Medienwissenschaftlerin Christina Schachtner und andere Experten und Expertinnen.

Vorträge u. a. von Mercedes Bunz, Kai Dröge und Olivier Voirol, Olga Goriunova, Eva Illouz, Christina Schachtner, Uwe ­Vormbusch

Ausstellung: ED ATKINS. Corpsing

Konzert: FOR PHILIP GUSTON von Morton Feldman

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