Materialität und Sozialität in der Erfahrung von Zeit

Workshop im Rahmen des SPP "Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne".

Zeit ist unsichtbar und flüchtig, und doch nehmen wir sie mit jedem Tages- und Jahreszeitenwechsel, jedem Warten an der Ampel und jedem Blick auf die Uhr mit unseren Sinnen wahr. Zeit wird subjektiv empfunden und ist doch etwas, das wir ständig mit anderen aushandeln und abstimmen. Wie bestimmen sinnliche Wahrnehmungen und soziale Gefüge unsere gesellschaftliche Erfahrung von Zeit? Wie prägen materielle Dinge in ihrer Eigenlogik und Eigenzeitlichkeit die Zeitordnungen von Gesellschaften, in denen diese Dinge als Zeitsymbole, Orientierungspunkte und Rhythmusgeber gebraucht werden? Welche Folgen hat die Veränderung der Dingwelt im Zuge von Modernisierungsprozessen für die gesellschaftliche Erfahrung von Zeit? Und was hat es mit den Dingen der Kunst auf sich, in denen sinnliche Erfahrungen und Zeitprozesse bewusst modelliert und dadurch selbstreflexiv werden?

Der Workshop untersucht die konstitutive Rolle der Dinge für die gesellschaftliche Erfahrung von Zeit aus dem Blickwinkel von Sozial-, Zeit- und Dingtheorien. Neben wissenschaftlichen Vorträgen aus verschiedenen Fachbereichen steht ein Abendgespräch: „Verstummen die Dinge? Weltverlust und politische Krise“ auf dem Programm. Der Soziologe Hartmut Rosa, die Literaturwissenschaftlerin Dorothee Kimmich und der Initiator der Imaginata, Peter Fauser, werden am Donnerstagabend die Frage diskutieren, ob und wie unser verändertes Verhältnis zu Dingen ein Schlüssel zu den aktuellen politischen und sozialen Verwerfungen der Gegenwart sein könnte.

Sowohl der Workshop als auch das Abendgespräch sind öffentlich und können frei besucht werden. Für die Teilnahme am Workshop freuen wir uns jedoch über Voranmeldungen per E-Mail an:  workshop.zeiterfahrung(at)gmx(dot)de. Angemeldeten Teilnehmern bieten wir die Möglichkeit, mit einem kostenfreien Taxi-Shuttle zur Imaginata zu gelangen.

Programm

Donnerstag, 25. Oktober 2018

12:45–13:15

Begrüßung und Einführung

13:15–14:00

Henning Laux: Disruptive Technologien: Zur Transformation gesellschaftlicher Zeitordnungen

14:00–14:30

Kaffeepause

14:30–15:15

Ekkehard Knopke: Objektivationen, Sozialität und kommunikative Zeit

15:15–16:00

Robert Seyfert: Symbiosen der Zeit

16:00–16:30

Kaffeepause

16:30–17:15

Hanna Katharina Göbel: Wie werden Gebäude in der Zeit erfahren? Zur Soziologie der Ruinenästhetik

17:30–18:45

Führung durch den Stationenpark der Imaginata

18:45–19:45

Abendessen

20:00–21:30

Abendgespräch: „Verstummen die Dinge? Weltverlust und politische Krise“ mit Hartmut Rosa, Dorothee Kimmich und Peter Fauser

Freitag, 26. Oktober 2018

09:30–10:15

Aida Bosch: Zeithorizonte des Lebendigen, Zeithorizonte des Sozialen. Zur Spannung von Linearität und Rhythmik

10:15–11:00

Martin Repohl: Die Katastrophe der Zeit: Die Eigenzeit radioaktiver Kontamination am Beispiel von Swetlana Alexijewitschs „Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“

11:00–11:30

Kaffeepause

11:30–12:15

Sebastian Köthe: Eigenzeiten der Isolation. Bezüge auf Folter in Zeichnung und Film

12:15–13:00

Georg Witte: Taktung, Ersetzung: Dingzeiten im sowjetischen Konstruktivismus

13:00–13:15

Schlussworte und Verabschiedung

Die Veranstaltung wird ausgerichtet vom DFG-Schwerpunktprogramm 1688 „Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne“ in Kooperation mit dem Institut für Soziologie, dem Seminar für Kunstgeschichte und Filmwissenschaft und dem Seminar für Indogermanistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen.

Ansprechpartner: Nicola Glaubitz (nicola.glaubitz(at)kwi-nrw(dot)de), Samuel Strehle (samuel.strehle(at)uni-jena(dot)de)

Hier geht es zum Flyer (PDF)