Nationalpopulismus bildet?

Internationales Symposium

Das Kompetenzzentrum für Diversitätspädagogik der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig (Manfred Oberlechner) und die Abteilung Politikwissenschaft der Paris Lodron Universität Salzburg (Reinhard Heinisch) laden daher in internationaler Kooperation mit der Université de Lorraine-Metz (Patrick Duval) WissenschaftlerInnen ein, sich mit einem Abstract für einen deutsch- oder englisch-sprachigen Vortrag an der interdisziplinären Tagung „NATIONALPOPULISMUS BILDET? THE NEW EUROPEAN NATIONAL POPULISM: LESSONS FOR SCHOOL EDUCATION (12.-13.10.2018 an der Abteilung Politikwissenschaft der Paris Lodron Universität Salzburg) bzw. einen deutsch-, englisch- oder französischsprachigen wissenschaftlichen Beitrag im Tagungsband zu bewerben (Publikation im Wochenschau-Verlag, 2019). Interessierte haben darüber hinaus die Möglichkeit, am 3.4.2018 einen französischsprachigen Vortrag zum Thema im Rahmen eines internationalen Symposiums an der Université de Lorraine-Metz zu halten.

Themenstellung der Tagung

Der seit den 1990er Jahren zu beobachtende Aufstieg neuer Populismen im Herzen westlicher Demokratien fordert nicht nur die etablierten herkömmlichen politischen Parteien und kulturellen und wirtschaftlichen Eliten heraus, die sie hierbei in Frage gestellt sehen, sondern ebenso die Sphäre von Schulen, Hochschulen und Universitäten, die sich ihrerseits veranlasst sehen, sowohl die jeweils eigene historisch-philosophische Perspektive auf „Populismus“ als eine populäre Entrüstungs- und Protestbewegung innerhalb eines demokratischen Systems (aus dem er selbst stammt, jedoch in seinen Fundamenten bekämpft) zu überdenken sowie auch ihre deontologische Haltung gegenüber politischen Bewegungen, die sie immer öfter und heftiger in Bezug auf deren humanistische, pluralistische und diversitätsfreundliche Bildungsideale attackieren. Wie könnte man daher im Eifer dieses historischen Gefechts bzw. angesichts der demokratischen Dringlichkeit dieses politische Phänomen neu definieren, das sowohl die wesentlichen demokratischen Bausteine als Produkte der westlichen Nachkriegsordnung und damit auch die Trägerprinzipien des modernen öffentlichen Schulwesens unmittelbar bedroht, welches auf die soziale Emanzipation des Bürger-Individuums via Wissensaneignung und Ausbildung eines kritisch-reflektierenden Geistes sowie auf den offenen Austausch mit anderen hingerichtet ist, und das unabhängig von deren Herkunft bzw. Lebensbedingungen? Wie kann das moderne Schulwesen, das seine Wurzeln in der historischen Aufklärung, der Modernität bzw. Postmodernität hat, derartigen Bewegungen gegenübertreten, die selbst das eindimensional-simplifizierende Denken, die antidemokratische und diskriminierende Einmütigkeit sowie den nationalistischen Rückzug zelebrieren? Ist dies im Übrigen im Grunde ihre Aufgabe bzw. erwartet die öffentliche Hand und öffentliche Meinung, dass das öffentliche Schulwesen immer mehr auf seine selbst eingenommene Neutralität verzichtet, um ein demokratisches System im vollen Umbruch und in der Krise zu verteidigen?

Mit diesen grundsätzlichen Fragestellungen werden heutzutage mehr als je zuvor Lehrende, Eltern und PädagogInnen, genauer gesagt: Auszubildende und Ausbildende der pädagogischen Hochschulen konfrontiert, für die die vermutlich sekundäre Frage des Populismus als marginales Phänomen des politischen und institutionellen Lebens sich unter dem wachsenden Druck der antidemokratischen und diversitätsfeindlichen Kräfte in eine Frage wandelt, die das Wesen ihres Berufes selbst sowie ihres Bildungsauftrags angeht. Im Hinblick auf diese soziopolitischen Entwicklungen und das Selbstbild von Diversitätspädagogik als handlungsbezogene Wissenschaft muss es für ein Kompetenzzentrum für Diversitätspädagogik an einer pädagogischen Hochschule ein zentrales Anliegen sein, Nationalpopulismus und seine Auswirkungen auf den Bildungsbereich wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei sollen im Zusammenhang mit Nationalpopulismus historische, politische, bildungssoziologische bzw. bildungswissenschaftliche länderspezifische und auch medienbezogene Inhalte mit dem Themenfeld „Bildung“ verknüpft und diskutiert werden.
Tagung und Publikation sollen folgenden Aufbau haben, einerseits einen allgemeinen Teil zum Thema Nationalpopulismus mit folgenden Schwerpunkten:

  • Politologische und soziologische Betrachtungsmodelle zu Ursachen und Folgewirkungen
  • Begriffsbestimmungen und Begriffsabgrenzungen (Was ist Populismus? Unterscheidung zum Nationalismus? Was ist Nationalpopulismus? Was ist regionaler Populismus?)
  • Globale Trends
  • Fallbeispiele aus einzelnen Ländern
  • Transnationale Vergleiche

Dem folgt ein konkreter Teil, der sich mit der Thematik im Kontext Bildung auseinandersetzt, daher zum Beispiel:

  • Wie kann man das Thema „Nationalpopulismus“ im Unterricht/in der Lehre behandeln?
  • Welche Forderungen stellt nationalpopulistische Politik an Bildung?
  • Welche Gefahren birgt nationalpopulistische Politik für Bildung?
  • Welche(n) Einfluss/Auswirkungen hat nationalpopulistische Politik auf Schulen?
  • Welche(n) Einfluss/Auswirkungen hat nationalpopulistische Politik auf Universitäten und Hochschulen?
  • Wie können Bildungseinrichtungen auf Nationalpopulismus reagieren?

Auf diese Weise möchten wir internationale Forschungsergebnisse zum Thema „Nationalpopulismus und Bildung“ austauschen und sammeln. Die durch diesen Wissensaustausch entstehende Publikation soll so Anregungen für den Bildungssektor bieten.

Zum Call for Papers (PDF)