Poststrukturalistische (Dis-)Kontinuitäten in der Theoriebildung der Gegenwart – Konzepte, Narrative, literarische Reflexionen

Interdisziplinärer Workshop für Nachwuchswissenschaftler_innen

Die subjekt- und hermeneutikkritischen Ansätze der französischen Theoriebildung in den 1960er- bis 80er-Jahren wenden sich gegen das statisch-universalisierende Denken des Strukturalismus und setzen – in der Einflusssphäre des linguistic turn – an dessen Stelle die Prozesshaftigkeit sprachlicher Ordnungen. Indem Wissensproduktion und deren Kategorien als semiotische Systeme lesbar gemacht werden, verweisen sie nicht mehr auf einen logozentrischen Ursprung, sondern erscheinen als kontingent und fluide – und damit jede Form von Ontologisierung als hinfällig. Der Poststrukturalismus als Methode und die Dekonstruktion als ihre Form und Verfahrensweise verstehen Wissensordnungen als Netz, innerhalb derer Sinn ‘disseminiert’ (Derrida) ist und niemals zu einem Ende oder Anfang geführt werden kann. Diese ‘absolute Relativierung’ alles Faktisch-Gegebenen evozierte ebenso neue Möglichkeiten/Formen des Sprechens in den Geistes- und Sozialwissenschaften wie auch Gegenströmungen, die das Projekt als elitär, unpolitisch und gesellschaftlich undurchführbar einschätzen.

In diesem Kontext werden seit den 2000er Jahren unterschiedliche Entwürfe formuliert, um dieser Kritik und den damit verbundenen Anforderungen an poststrukturalistische Theoreme zu begegnen. Sowohl Literatur als auch Philosophie entwickeln Konzepte und Narrative, die ‘klassisch’-poststrukturalistische Ansätze aufnehmen, iterieren und ihnen auf diese Weise eine neue Signatur verleihen. Den unterschiedlichen Strömungen, von Versuchen des realpolitischen Dienstbarmachens aus marxistischer Perspektive (Laclau/Mouffe, Berardi, Zizek) über die Kritik an neoliberalen Begehrensstrukturen (Berlant) bis hin zu einer ‘Wiederkehr’ der Ontologie im ‘New Materialism’ (Barad, DeLanda), ist insbesondere gemeinsam, eine neue Perspektive auf Prozesse und Konzepte der Signifikation, Materialität und Wissensgewinnung zu erarbeiten. Dabei stellt sich nicht nur die Frage nach der Leistungsfähigkeit dieser Projekte, sondern generell nach der Gegenwart und Zukunft poststrukturalistischer Theoriebildung im wissenschaftlich-theoretischen wie auch literarischen Schreiben.

Der Arbeitskreis Trans_It möchte diesen aktuellen Tendenzen in Literatur, Literaturtheorie und Philosophie nachgehen. Der Fokus soll dabei auf Fortschreibungen poststrukturalistischer Ansätze stehen und sowohl theoretische Konzepte als auch deren narrative Strategien und literarische Rezeption beleuchten.

Kontakt: Tamara Fröhler (tamara-madeline.froehler(at)uni-tuebingen(dot)de)