Problem- und Risikogruppen in Staat und Gesellschaft

Tagung der DGS-Sektion "Soziale Probleme und soziale Kontrolle"

Soziale Probleme – beispielsweise Armut, Jugendarbeitslosigkeit oder auch Ausländerkriminalität – werden überwiegend als Phänomene bzw. Ungleichheitslagen analysiert. Die Genese sozialer Probleme vollzieht sich dabei ebenso über kollektive Akteure, die ein „Problemmuster“ (Schetsche 2014: 52) formulieren, wie über Problem- und Risikogruppen, deren Mitglieder als Träger des Problematischen identifiziert werden (Negnal 2016). Die Problematisierung sozialer Gruppen betrifft aktuell Jugendcliquen im urbanen Raum, wenn Anwohner*innen oder Passant*innen Zusammenrottung, Vandalismus oder Diebstähle beklagen. Es sind aber auch Ultras oder Hooligans für Fußballvereine und Fußballbund rund um die Punktspiele der Mannschaften; LinksAutonome oder Neonazis für die staatlichen Verfolgungsbehörden oder die Kommunen, in denen sie auftreten; ebenso wie Syrienrückkehrer. An diesen ganz verschiedenen Gruppenzuschnitten personifizieren sich soziale Probleme, die als „folk devils“ (Cohen 1972) oder „troubled persons“ (Gusfield 1989) benannt, Mechanismen ihrer öffentlichen Thematisierung wie institutionellen Bearbeitung aufzeigen. Werden Probleme an Leute geheftet, rücken die Interaktionen der Beteiligten in den Fokus, denn es stellt sich die Frage, was die Beteiligten ins Spiel bringen und wie sie dies tun, wenn die Problembehafteten, bspw. Hooligans, Salafisten und Jugendgangs, geschaffen werden. Wie Schetsche (2014) bemerkt, sind die kollektiven Akteure und damit die Gruppenbezüge grundlegend für die Konstruktion sozialer Probleme, doch es ist wenig dazu bekannt, wie sie sich formieren und hierin ihr Gegenüber entwerfen.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die Tagung der Problematisierung von Kollektiven und bezieht dabei sowohl die Problematisierer als auch die Problematisierten mit ein. Diese Perspektivenverschiebung in Bezug auf soziale Probleme ermöglicht es, die Zugehörigen einer Problemgruppe weniger einseitig als Opfer sozialer Umstände oder erlittener Stigmatisierungen zu betrachten, und mehr in den Blick zu nehmen, wie das gemeinsame Herstellen des Problematischen, das Doing, bewerkstelligt wird.

Die Zusammenhänge von Problematisierungen und sozialen Gruppen können u. a. folgende Aspekte der Tagung adressieren:

(1) Problem- und Risikogruppe als Konzept: Welche Möglichkeiten und Herausforderungen ergeben sich für eine Analyse problematisierter Kollektive mit den Begriffen von Problem- und Risikogruppe?

(2) Doing problem group: Wie widmen sich welche Akteure der Kategorisierung und Identifikation von Zugehörigen einer Problem- oder Risikogruppe? Wie laufen Problematisierungen ab? Wie gestalten sich öffentliche Thematisierung und institutionelle Bearbeitung?

(3) Produktivität von sozialen Problemen: Welche Funktionen übernehmen Problem- und Risikogruppen in (demokratischen) Gesellschaften und wie werden Problemgruppen und ihre Mitglieder produktiv?

Zum vollständigen CfP (PDF)

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